Der Easy-Abi-Skandal oder die Auswüchse einer outsourcenden Spaßgesellschaft

Betroffenheit bei Schülern und Eltern: Geld für die Abi-Feier veruntreut – Party fällt aus?

Seit Tagen beschäftigen sich die Berliner Printmedien als auch die Radiosender der Hauptstadt in sehr intensiver Art mit der Veruntreuung der Gelder der Gymnasiasten, die die Ausrichtung ihrer Abiturfeier an die Event-Agentur Easy-Abi GmbH “outgesourct” hatten. Es sah (und sieht) so aus, als wenn die meisten der heute und morgen stattfinden sollenden Parties für die Schulabgänger ausfallen werden, da die Manager die jeweiligen Gastronomien nicht bezahlt haben. Das ist insgesamt ärgerlich und sicherlich für manche der Jugendlichen traurig, denn neben dem Geld jedes Einzelnen ist auch ein sicherlich lustiges und manchmal auch unvergessliches Ereignis nicht realisiert worden.

Gleich vorneweg: Natürlich müssen die Gesellschafter von Easy-Abi, welche auch immer, in rechtliche Verantwortung gezogen werden. Der ehemalige 27jährige und der jetzige 64jährige Geschäftsführer wurden heute nachmittag verhaftet. Natürlich muss die Staatsanwaltschaft ordentlich recherchieren und sehen, ob zum Beispiel die heute aufgetauchten 360.000 € aus den Einzahlungen der Abiturienten (bzw. deren Eltern) stammen –  dann können sie den Schülern anteilig rückerstattet werden, oder ob das Geld aus dem kürzlich erfolgten Weiterverkauf der Event-Agentur stammt.

Nichts mehr selber organisieren, lieber Party “outsourcen”. Facebook, Party, Luxus und alles für’s Netz filmen: der Klimax des Schulabschlusses?

Die andere Frage, die man sich stellen sollte: Braucht eine Abschlußklasse eine “outgesourcte” Agentur, die kommerziell solche Veranstaltungen organisiert und von Partnern (z.B. Hotels, Gastronomen) durchführen lässt, oder kann man das nicht auch selber? Generationen von Gymnasiasten haben eine “Abi-AG” gegründet, in der diejenigen, die Lust darauf hatten, ihr Organisationstalent unter Beweis stellen konnten, in dem sie eine tolle, lustige und vor allem selbst organisierte Abi-Feier durchführten. Der Ehrgeiz, dabei nicht zu versagen und vielleicht einer/einem Angebeteten zu gefallen, hat sowohl soziale, integrative als auch kreativ fördernde Elemente, die junge Erwachsene prägen könn(t)en. Wenn man den andragogischen Aspekt miteinbezieht.

Aber es ist ja bequem, was die Easy-Abi-Agentur anzubieten hatte. Nicht, dass die Agentur es Schuld ist, dass die Abiturienten sich entschieden haben, Geld zu bezahlen und professionelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Nachfrage regelt oft das Angebot. Aber ist so etwas der würdige und krönende Abschlusseiner 12- oder 13jährigen Schullaufbahn?

60er-80er Jahre: Schulmädchenreport, Eis am Stiel. 2010er Jahre : neue Spießigkeit, neue Fun-Sauf-Exzesse?

Die Veranstalter werben dabei oft mit übersexualisierten und dümmlichen Sprüchen, wie diese hier von Easy-Abi in München: Hot Girls gone wild – jung, zart und vers***! Jungs zieht euch warm an – hier trifft sich die Creme de la Creme der hübschen und feierfreudigen Schulmädchen Münchens! Wie weit gehen Schulmädchen? Austesten nur im Crowns Cub! Mag für manche witzig klingen, wirkt aber auf mich eher oberflächlich-dämlich. Wir sind ja nicht mehr in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts! Und Eis am Stiel ist doch auch nicht mehr aktuell – oder doch? (Aber da ging es ja noch um Liebe…)

Dennoch stellt sich mir die Frage: Müssen 17-19jährige in einer Luxus-Strech-Limousine zu einer Nachtclub Lounge gefahren werden, wo dann mit Profi-Djs eingeheizt wird, der vermeintliche Spaß-Pegel bei zunehmendem Alkohol-Spiegel steigt und das ganze letztendlich in einem kollektiven Tanz- und Saufexzess endet, alle tanzen mit Bier-Pullen in der Hand, damit keiner trocken wird. Doch am Ende ist eine solche Feier teuer (es wird KEIN all-inclusive angeboten) und nicht für alle lustig. Kopfschmerzen vom Saufen gehen schnell vorbei, aber die Bilder der besten Freundin, die sich von mehreren Jungs an den Brüsten herumgrabschen lässt, die Bilder von den Jungs, die im Alkoholrausch zusammenbrechen – alles wird von “Freunden” munter gefilmt und ins Internet gestellt – dieser Eindruck bleibt länger.

Amerika der 80er Jahre als Vorbild: High School und Spring Break Events

Dazu kommt das amerikanisierte Big-Party-Great-Location-Aawful-Fun-Gehechel, das High-School-Feeling (vergleichbar: maximal Mittlere Reife) oder Spring Break-Event (Erstsemester-Parties). Doch die amerikanischen Highschool-Parties finden ganz brav in der Aula der Schule statt, vielleicht in deren Garten. Die Spring-Break-Parties sind berühmt-berüchtigte Drogen-Sex und Fun Ereignisse, die viele Jahre in Florida, Fort Lauderdale und South Beach (Miami) stattfanden (ich war als Student selbst einmal dabei), heute dank Billigfliegerei auch gern mal in México oder Cúba stattfinden, wenn das Geld nicht reicht, in Panama City Beach (auch Florida) – das ist wie Ballermann auf Mallorca.

Die Parties sind symptomatisch für das immer noch oft puritanisch verklemmte Amerika mit übergeregelten Studiengängen und wenig tatsächlicher individueller Freiheit, sind Ausbrüche aus einem Alltag, der gerade durch Verklemmtheit auf dem Land zu extremen Exzessen in den Großstädten führt, die eine wirklich freiheitlich-liberale Gesellschaft nicht braucht.

Aber zurück zu Berlin: Sind die Jugendlichen hier verklemmt, frustriert? Brauchen Sie solche Agenturen, warum organisieren sie die Feier nicht selbst? Das sind Fragen, die sich vielleicht auch die Eltern dieser Jugendlichen stellen sollten.

Spenden für Abi-Feiern bei verfallenden Schulen???

Zu guter Letzt: Bei allem Verständnis für den Frust, den eine möglicherweise ausfallende Abi-Party bei den Jugendlichen hergerufen hat, die Medien-Orgie der Berliner Printmedien war überkandidelt, schlimmer waren jedoch die vor Entsetzen und Betroffenheit triefenden Berichterstattungen der privaten und öffentlichen Radiosender, die unisono ein scheinbar dankbares Thema für Tage gefunden haben. Ganz peinlich in diesem Zusammenhang: Spendenaufrufe an Firmen und Privatleute, damit die Feiern doch noch stattfinden können.

Ein bisschen Reflektion über das “outsourcen”, ein bisschen Reflektion über das, was passiert ist, und vielleicht eine doch noch rasch selbst organisierte Feier, das wären positive Signale für eine nachdenkende neue Generation.

Aber ein klares Nein an Spender, die Stretch-Limousinen-Fahrten, Abi-Feiern im Luxus-Hotel oder in Top-Cocktail-Lounges finanzieren, damit der Spaß erhalten bleibt, ein klares Nein an Abiturienten, die Geld für Besäufnis-Feiern sammeln, während aus Geldmangel laufend der Unterricht ausfällt, die Schulen auseinander fallen und auch sonst wichtige Investitionen liegen bleiben.

Nicht dabei: Ein Schüler, der gesagt hätte: “Unsere Feier ist ausgefallen. Das ist dumm gelaufen. Aber bitte, liebe Berliner, spendet nun, damit wir das Geld nun stattdessen in die Schule stecken, die Aula herrichten, die Schule verbessern, damit die anderen später mal hier feiern können.” Das wäre ein Top-Kandidat für die Wirtschaft der Zukunft. Bookmarken und, wenn es unbedingt sein muss, Däumchen hoch bei Facebook. Aber leider gab es diesen Schüler nicht.

Die Internet-Seiten der Agentur sind übrigens mittlerweile gesperrt.

32 Kommentare
  1. Sven 17. Juni 2011 ⁓ 21:48

    Nein, da kann ich dir absolut nicht zustimmen. Die Schüler haben das Geld ja selbst aufgebracht, so eine Abikarte kostet 30 – 40 Euro, die meisten haben davon 3-4 gekauft, damit auch die Eltern mitkönnen und der Freund, die Freundin. Das sind über 100,- Euro. Und das für eine Feier, die einen Lebensabschnitt abschließt und einen neuen Abschnitt einläutet. Die Schüler und Schülerinnen sind nicht dafür verantwortlich, dass die Schule renoviert werden, dafür ist der Senat verantwortlich, vielleicht auch noch die Unternehmen, aber nicht die Schüler.
    Wenn diese Schüler und Schülerinnen jetzt Spenden benötigen, damit sie ihre Feier, welche sie ja eigentlich selbst finanziert haben, benötigen, weil sie um eben dieses Geld betrogen wurden, dann ist das vollkommen in Ordnung. Die meisten Abi-Feiern haben auch nichts mit saufen zu tun, es wird nicht unnötig viel Alkohol getrunken, nein, vielmehr wird wirklich noch einmal über die vergangenen Jahre reflektiert, man verabschiedet sich von Lehrern und Mitschülern und bereitet sich auf einen neuen Lebensabschnitt vor.

    Wenn du dafür kein Verständnis hast, wenn du lieber Schulen renovieren möchtest, dann kannst du das machen, dann kannst du dein Geld dort hin investieren, aber den Schülern ist diese Feier wichtig und die meisten gönnen ihnen diese Feier auch.

  2. Michael HSB 17. Juni 2011 ⁓ 21:55

    Nun, ich gönne Ihnen diese Feier auch, habe selber eine hinter mir, war auch Schüler und Student. Aber so, wie das in den Medien transportiert wurde, und wie die EASY-ABI-Feiern organisiert werden, finde ich sie NICHT gut, sorry!

    Aber Hut ab vor denen, die solche Feiern selbst auf die Beine gestellt haben!

    Also nicht falsch verstehen: grundsätzlich sind diese Feiern ja okay, aber so wie sie verkauft, dargestellt werden und wie sich oft ablaufen, wenn über eine Agentur gebucht wird, finde ich es nicht gut.

    PS: mein Sohn hat auch eine (schöne) selbst von den Schülern organisierte Feier hinter sich, und ich habe als Gastronom von 1995 – 2004 selber ca. 20 grosse Feiern durchgeführt. Drei waren toll, 17 waren Sauf- und Rumproll-Feiern, die Kid haben haben Kollateralschaden (Gläser, Fenster, eingetretene Türen, versaute Dekoration) hinterlassen. Sehr unwitzig.

  3. Gilbert 17. Juni 2011 ⁓ 22:16

    hey.. ihr geht doch auch abundan in Restaurant anstatt selber zu kochen… nur mal so…

  4. Helen 17. Juni 2011 ⁓ 22:19

    Ich habe im vergangenen in New York so eine Abschlußfeier, wenn auch ein bißchen unfreiwillig, miterlebt. Aber ich fand es wunderbar. Die Mädchen in den langen Kleidern, ein bißchen gestolpert sind sie auch mit den ungewohnten hohen Absätzen. Die Jungen haben dauernd an ihren Hemden und Anzugärmeln genestelt. Schon allein dieser Anblick war rührend..Später stolzierten sie auf der breiten Straße und warteten auf den Bus bzw. es war auch eine Strechlimousine dabei, aber die jungen Leute drängten in die Busse, so als könnten sie sich gar nicht trennen. Ich nehme an, das Trinken erfolgte dann später, denn Jugendliche bekommen keinen Alkohol.

    Im Fall hier in Berlin sollte man den Jugendlichen das Geld, das die Polizei gefunden hat, zurückgeben. Aber wahrscheinlich haben noch andere Leute Anspruch darauf, und die Jugendlichen werden dann am Ende der Tabelle stehen.

  5. ulla 17. Juni 2011 ⁓ 22:50

    Also ich habe ein paar Euro gespendet und hoffe, daß die Abiturienten – und nicht nur die – aus dem Vorfall noch etwas fürs Leben gelernt haben, nämlich daß besonders in Gelddingen Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist.

    Auf jeden Fall wünsche ich allen trotz der Enttäuschung eine gelungene Feier, die der anfangs erträumten möglichst nahe kommt.

  6. oStsEE 17. Juni 2011 ⁓ 23:01

    Ach Michael – in der Aula feiern? Das war einmal. Zumindest in den denkmalgeschützten altehrwürdigen Gemäuern vieler Berliner Gymnasien ist das mal so richtig verboten. Außer Theater und Konzert darf da gar nix laufen.

    Und warum nicht so eine Agentur beauftragen? Das muss nicht mal teurer sein als eine selbstorganisierte Feier. Lokation (wenns nicht der Schrebergarten sein soll) muss auch so bezahlt werden. Und ein festlicher Rahmen darf es doch auch sein (Hotel), für den ders mag.

    Wenn ich so sehe, was für ein (schulisches) Pensum die Abiturienten heutzutage schaffen müssen und was das für einen zeitlichen Aufwand erfordert – dann kann ich schon verstehen (zumal auch die Eltern oft beruflich sehr eingespannt sind), wenn man es sich leichter machen will. Ist nicht verwerflich.

    Und ob nun “Privatfeier” oder Feier im Restaurant/Hotel etc. – Idioten die sich sinnlos vollaufen lassen kann man auf fast jeder Party finden. Aber es gibt durchaus stilvolle Abschlussbälle, Helen hat es beschrieben, die findest Du auch hier.

    P.S. rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen, ich kann die Tastatur kaum erkennen.

  7. ulla 17. Juni 2011 ⁓ 23:16

    In der Aula feiern wäre auch sonst nicht das Gelbe vom Ei – soviel ich weiß, ist in Schulgebäuden spätestens um 22.00 Uhr Schluß mit lustig.

    P.S.
    Liegt das an Ihren Augen oder an der Beleuchtung, bzw. der Tastatur?

  8. oStsEE 17. Juni 2011 ⁓ 23:22

    Das mit der Sperrstunde war mir nicht klar.

    Tastatur: Sowohl als auch als auch. ;)

  9. Michael HSB 18. Juni 2011 ⁓ 00:18

    Klar gehe ich gerne auch mal so essen, aber es geht ja um den Zusammenhang mit Easy-Abi, ihrer Vermarktungsstrategie und dem Image, welches sie sich geben – siehe Videos.

    Gegen feiern habe ich gar nichts, habe da lange von gelebt, dass andere bei uns feier. Aber ich habe da auch die beschriebenen Exzesse erlebt. Leider.

  10. Michael HSB 18. Juni 2011 ⁓ 00:21

    Helen, das sehe ich leider auch so – die Jugendlichen werden zuletzt ihr Geld bekommen, wenn überhaupt. Wahrscheinlich ist es wieder so eine verschachtelte Firmenstruktur mit undurchsichtigen Strukturen.

    Diese Art von Bällen, die Sie beschreiben, finde ich auch süss. Und romantisch. Aber das hat wenig mit diesen aufgekratzen, spaßgeilen Kiddies zu tun, die im Video zu sehen sind, und die ich von manchen Abiturfeiern kenne. Und mit der EASY-Abi Werbung machte.

    Diese schüchternen Dinge kenne ich noch von Tanzschulbällen. Ich weiß gar nicht, ob es heute so etwas noch gibt.

  11. Michael HSB 18. Juni 2011 ⁓ 00:26

    oStsEE, das mag sein. Ich hab in Berlin manche Schulgebäude gesehen, da kommen einem die Tränen. Und wenn ich manchmal meinen Neffe oder meine Nichte abhole, sehe ich ja auch, in welchem Zustand die Schulen zum Teil sind. Traurig ist das.

    Aber warum nicht selbst organisieren? Das kann auch sehr veil Spaß machen, und wie ulla schon schrieb, kann man dabei auch eine Menge lernen/Erfahrungen sammeln. Nicht nur aus dem scheitern, sondern auch durch das selber organisieren. Heute Abend habe ich von einer Schule gehört, die haben von einem Gastronomen eine Location bekommen, ab 21 Uhr, und konnten die Getränke zum EK kaufen, müssen aber morgen früh selber aufräumen. Das fand ich klasse. Hat sich eine spontane Gruppe von Abiturienten drum gekümmert.

  12. Michael HSB 18. Juni 2011 ⁓ 00:29

    Wenn in der Aula Konzerte oder sonstige Kulturveranstaltungen stattfinden, kann sie ja so hässlich nicht sein.

    Dann sollten Eltern mal fragen, warum sie nicht auch samt der Jugendlichen den Saal nutzen dürfen. Oder ist das naiv von mir gedacht? Ich denke, reden kann man doch immer…

  13. Toska 18. Juni 2011 ⁓ 09:30

    Irgendwie schwachsinnig, die Kosten komplett per Vorkasse ohne Bestätigung von den Veranstaltern und sonstigen Dienstleistern zu bezahlen.

    Ich bin der Meinung, dass diese Abi-Bälle in teuren Hotels dummer Ami-Quatsch ist.

    Man kann genauso gut eine Halle, Aula nehmen und ohne viel Geld Spaß haben.

    Außerdem macht es einen riesen Spaß alles zusammen mit den Eltern selber zu organisieren.

  14. oStsEE 18. Juni 2011 ⁓ 10:11

    Also cih schrieb nichts von hässlich, dafür aber von “verboten”. Die Aula der Schule meines Kindes wurde z.B. in den ltzten Jahren endlich saniert (denkmalgeschützt). Das ist schön und sieht gut aus, wird aber für solche Feste nicht genutzt werden können.

  15. ulla 18. Juni 2011 ⁓ 10:56

    Und ich schrieb nichts davon, daß man durch “selbst organisieren” auch eine Menge lernen/Erfahrungen sammeln. kann.

    Über die Nutzung von Schulräumen für private Feiern, das sind diese Abi-Feiern ja, kann uns evtl. @Hernando Auskunft geben. Ich glaube, er kennt sich mit Schulangelegenheiten aus. Auf jeden Fall ist es so, daß bei Veranstaltungen in der Schule, die eh’ nur bis 22.00 gehen dürfen, Aufsichtspersonal (Lehrer oder Hausmeister) anwesend sein muß und Versicherungsfragen eine große Rolle spielen.

    Wenn ich dann noch das von @Michael gezeichnete Horrorszenario über die ausufernden Feiern der heutigen Abiturienten lese – was für ein Glück, daß uns @Michael so gerne schamlos übertreibt – frage ich mich, welcher Schule man so etwas zumuten kann :-)

  16. Helen 18. Juni 2011 ⁓ 11:47

    Es ist die blaue, helle Schrift. Ich habe auch schon Tipfehler gemacht. Auch das Korrekturlesen ist schwer geworden. Mit einem Brillenwechsel ist es auch nicht besser geworden.

  17. flow 18. Juni 2011 ⁓ 23:52

    also, wir haben unsere abifeier damals so gemacht: für den nachmittag auf den wümmewiesen (bin in niedersachsen zur schule gegangen) verabredet, getränke mitgebracht, jemand hatte ne grillausrüstung, und denn gings los. in der klasse waren ne ganze reihe musikfreaks, da wurde die musik dann mit der hand gemacht. eigentlich genau so ein rave wie sie heute gern mal im treptower park u.ä. stattfinden. bei geburtstagsfeiern und so gabs auch mal stress mit den eltis, aber bei der abifeier waren die nicht bei. natürlich gabs noch eine reihe anderer veranstaltungen die inklusiver waren. also, ich kann nicht sagen dass mir da irgendeine stretschlimo oder ein eventmanager gefehlt hätte, genausowenig wie bei den ab und zu stattfindenden klassenfeten, die genauso karo einfach waren, obwohl da noch eher mehr organsiert war. keine ahnung, aber ein freund hat mir die vermutung mitgeteilt, dass da zum großen teil auch die elternschaft mit ihren vorstellungen hintersteht.

  18. Sten 19. Juni 2011 ⁓ 16:47

    @Toska: Lustigerweise ist die typische Ami-Highschoolabschlussfeier (Prom) in der Turnhalle. Zumindest im Film. Das mit den Hotels ist deutsch (oder Berlin).

  19. Toska 20. Juni 2011 ⁓ 08:28

    @Sten

    Mir hat eine Abiturentengruppe erzählt, dass mit den Hotels sei auch aus Amerika rüber geschwappt.

    Na ja , ist ja auch wurscht, hauptsache die jungen Leute bekommen ihr Geld wieder.

  20. Der Weise 20. Juni 2011 ⁓ 14:26

    Es zeigt sich wieder einmal, dass journalistische Recherche nicht die Stärke dieses Blogs ist. Dann hätte der Autor mal bei ein paar gängigen Abiball-Locations angerufen und im Nu erfahren können, dass die Inhaber meist nur noch über Firmen wie Easy Abi Geschäfte abschließen – quasi B2B. Die Schüler waren also quasi dazu gezwungen, ihre Party mit Easy Abi umzusetzen.

  21. Mark S 20. Juni 2011 ⁓ 18:09

    Daran sieht man wohl, dass man alt wird: Unser Jahrgang hat damals eine Abifeier auch noch selbst organisiert, die selbstverständlich in Schulräumlichkeiten stattfand. Das war nicht spektakulär, aber ein schöner Abschluss unter Freunden. Ist schon gut 25 Jahre her. Uns war einfach nur wichtig, noch einmal alle zusammen zu sein.

    Ich finde diesen Blogbeitrag über die “outsourcende Spaßgesellschaft” sehr gut, weil ich mir in etwa die gleichen Fragen wie der Autor gestellt habe in den letzten Tagen. Manchmal bin ich echt froh, nicht mehr zur aktuellen Casting-Generation zu gehören ;-)

  22. Michael HSB 20. Juni 2011 ⁓ 22:44

    @ der weise

    Danke für den netten Seitenhieb! Stimmt aber nicht!

    Wer auf “gängige Abi-Ball-Locations” steht, also 4-5* Hotels, klar, der bekommt ohne mitgebrachte Eltern (Unterschrift wegen evtl. fehlender voller Geschäftstüchtigkeit) keinen Vertrag, und Anzahlungen wollen die meisten Jugendlichen/Eltern auch nicht leisten, weil die, die anzahlen, dann ja haften.

    Das ist schon mal das von mir angesprochene Problem der selbstständigen Organisation und die Übernahme von Verantwortung. Und zwar seitens der Eltern und der Schüler.

    Ausserdem geht natürlich bei solchen Feiern, auch wenn einige Leser das verdrängen (oder solche Feiern nicht kennen) einiges kaputt. Dafür hat Easy-Abi dann eine Versicherung abgeschlossen, die, weil teuer, dann auf anderer Seite zu Qualitätseinsparungen führt. Ich weiß das, weil diese Firma mal an uns herangetreten ist (um als als Kunde zu werben) weil wir so eine “gängige Location” mit viel Platz, grossem Saal mit Meeresblick und Gartenterrasse geführt haben. Wir haben es nicht gemacht, das Geschäftsprinzip ist nicht vorteilhaft für Abiturienten und Gastronomen.

    Aber vielleicht haben Sie nicht das Hintergrundwissen, und es ist natürlich einfach, erst mal zu kritisieren.

    Wer aber nicht in diesen “gängigen Locations” feiern will, kann auch krass einfach, ohne Easy-Abi und sonstige Schicki-Micki-Allüren wie Stretch-Limo eine tolle Feier durchführen. Muss man aber halt selber organisieren, Verantwortung übernehmen, Absprachen treffen und nicht einfach so mal B2B durchorganisieren lassen.

    Und ich kenne auch viele Gastronomen, die sich darauf einlassen, solche Feiern durchzuführen. Sind aber halt dann nicht unbedingt “gängige Locations”.

  23. Glis glis 20. Juni 2011 ⁓ 23:37

    Hm, da das Thema sich so einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut: Ich finde, die Abiturienten sind nicht zu bedauern, sondern zu beneiden. Andere kriegen für ihr Geld so ein bisserl Lutschen an der Bierflasche und Herumgehopse, das sie spontan ohne große Organisation viel schöner und billiger hätten haben können. (So jedenfalls meine Erinnerung.) Diese aber haben das Privileg, für das gleiche Geld einen nachhaltigen Einblick in ein Grundprinzip unseres Wirtschaftslebens gewonnen zu haben. Take the money and run…

  24. Glis glis 20. Juni 2011 ⁓ 23:40

    P.S.
    Insofern kann das geradezu als eine Investition betrachtet werden…

  25. ulla 21. Juni 2011 ⁓ 09:02

    Die Stretch-Limousine muß Sie wohl mächtig ärgern. Sind Sie wirklich sicher, daß die Mehrheit der “Schicki-Micki”-Abiturienten von rd. 40(!) Schulen damit ihren großen Auftritt haben wollte? Mit sovielen “Schicki-Mickis” überträfen wir ja sogar München :-)

    Die Zeiten ändern sich – heute finden die jungen Leute es eben gut, ihren Erfolg mit einem Ball zu feiern. Unsere Abschlußfeier fand damals im Beisein der Eltern und Verwandten, der Lehrer und der 11. und 12. Klassen in der Aula statt – allerdings vormittags. Nach dem “ernsthaften Teil”, der Rede des Rektors und der Zeugnisvergabe, bekam das Ganze dann einen kabaretthaften Charakter. Wir haben mit unseren Lehrern “abgerechnet” und die mit uns. So war das damals, war auch schön; aber wir waren auch eine andere Generation, eine, die bereits als 15/16jährige die obligatorische Tanzschule mit Abschlußball als lästige Pflicht und eher peinlich empfand.

    Den kommenden Generationen wird wahrscheinlich wieder eine andere Art zu feiern einfallen – überlassen wir es doch ihnen und spielen hier nicht den Lehrmeister mit “damals ging es viel bescheidener zu, es mußte nicht …” . Alles “selbst machen” ist eben im Moment nicht gefragt. Trägt ja z.Zt. auch niemand mehr selbstgestrickte Strümpfe.

  26. ulla 21. Juni 2011 ⁓ 10:14

    Wobei mir gerade noch einfällt, daß der Tanzstundenabschlußball auch in einem großen Hotel – damals hieß es noch “Hilton”, in der Budapester Str. stattfand. Stretch-Limousinen, jedenfalls hier in Berlin gab’s aber damals noch nicht :-)

  27. Helen 21. Juni 2011 ⁓ 21:15

    Ich erinnere mich auch an einfachere Abschlußfeiern.
    Aber wir dürfen nicht vergessen, daß die heutige Jugend durch Partyfeiern auch durchaus in der Lage ist, Veranstaltungen selbst zu organiseren. dann gibt es noch die Clubs (Matrix z.B.). Dort geht alles auf laut und Partymusik ab.
    Sehen wir doch mal diese Abchlußbälle in dem großen Rahmen unter obigem Gesichtspunkt. In einem Hotel müssen sie sich anders benehmen und das werden sie auch. Für einige, die nicht so betucht sind, wird es eine Erfahrung sein, die sie sonst nicht haben könnten und vielleicht auch nicht haben werden. Die Eltern werden ihre Kinder einmal anders sehen und erleben sicherlich so manche Überraschung. die Jungens können plötzlich auch galant sein, die Mädchen fühlen sich schön und in ihren Kleidern sicher auch toll.
    Schon die Atmosphäre, das Ambiente, der Stil wird allen ein unvergeßliches Erlebnis sein.
    Gönnen wir es ihnen, der Alltag wird manchen harten Brocken für sie parat haben.

  28. Rutiba 24. Juni 2011 ⁓ 07:58

    @ ulla

    “Die Zeiten ändern sich..”

    Nein, tun sie nicht. Die Zeit ist eine Konstante, die durchaus unterschiedlich wahrgenommen wird, aber rein physikalisch ist die Zeit eine feste Größe (schwarze Löcher und andere Singularitäten ausgenommen), einzig und allein die Menschen ändern sich, ob zum Vorteil bezweifle ich, ganz nebenbei.

    Ich persönlich hatte auch eine Abifeier, fand in der Schule irgendwo statt, bin aber nicht hingegangen, ich war froh das ich die ganzen Fres.. naja, daß ich diese Menschen nicht mehr sehen mußte (Lehrerinnen u. Lehrer eingeschlossen).

    “Sind Sie wirklich sicher, daß die Mehrheit der “Schicki-Micki”-Abiturienten von rd. 40(!) Schulen damit ihren großen Auftritt haben wollte?”

    Wenn man die Tage einige TV-Bilder gesehen hat, von aufgedonnerten Mädels in edlen anmutenden Abendkleidern und zentimeterdicker Schminke, sieht eben doch nach großem Auftritt aus.Aber was soll’s, für einige, egal ob Mädelz oder Jungenz, wird es der einzige “große Auftritt” in ihrem Leben sein bzw. gewesen sein.
    Ist auch nicht zynisch gemeint, sondern ganz nüchtern.

    “Also ich habe ein paar Euro gespendet und hoffe”

    Weihja, bekommen ja fast Schmerzen wenn ich sowas lese.

    Nichtsdestotrotz, doch schon etwas ärmlich seine Abschlußfeier nicht selbst organisieren zu können, Zeitdruck hin oder her, den gab es früher übrigens auch, und auch in Zukunft, man sollte eben Prioritäten setzen können.Wenn für so einige stundenlanges Sabbeln mit ihrer besten Freundin oder mit dem besten Kumpel Chicks aufreißen gehen (trotz Freundin!;-), dann ist natürlich klar das die Zeit zum Organisieren fehlt.

    Glis glis hat schon recht, zum Abi gibt’s noch eine große Portion Lebenserfahrung oben drauf, vlt. umsonst, aber auf gar keinem Fall
    kostenlos.

  29. ulla 24. Juni 2011 ⁓ 13:40

    Ja, ja, ich weiß schon “die Zeiten bleiben immer, nur die Menschen werden schlimmer” – alte chinesische Spruchweisheit.

    Nebenbei bemerkt: Wenn Sie gar nicht hingegangen sind, hatten Sie auch keine Abiturfeier. Was glauben Sie, ob Ihre Mitschüler und die Lehrer Sie damals sehr vermißt haben?

  30. Helen 24. Juni 2011 ⁓ 21:01

    Ist hier schon Urlaubsflaute?

  31. Hernando 24. Juni 2011 ⁓ 21:12

    @Helen

    Immer nur Kunst, Musik und Gentrifizierung sind nicht jedermanns Sache.
    Wenn @Michael wieder seine Tagesübersichten mit kontroversen Themen einstellt, dann gibt es auch wieder mehr Resonanz.

    Dazu kommt noch, dass die neue Software wenig kommunikativ ist.
    Zum Posten der Autorenbeiträge sicher ok, aber für lebendige Diskussionen halt leider ungeeignet.
    Vielleicht sind die Betreiber damit ja ganz zufrieden.

Trackbacks/Pingbacks
  1. [...] meinem Meer von schmieriger Empörung und geheucheltem Mitleid heben sich der Tagesspiegel und das Hauptstadtblog mit ihrer Berichterstattung über den “Easy Abi”-Fall wohltuend hervor. Sehr lesenswert [...]