Archiv für Juli 2011

Sonnabend, den 30. Juli 2011

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Wasser aller Orten, Wasser überall — so könnte die Überschrift für die Schlagzeilen lauten. Ob nun in Beuteln, von oben oder durcheinander. Gegenüber einem der Elemente sind die restlichen Meldungen für mich Petitessen. Als da wären:

+++ Linker Wolf ist böse.

+++ Polizei bekommt kleine Schilder.

+++ Union fliegt raus.

+++ Berliner sind krank.

Ein gesundes Wochenende wünscht

Bermd

Graffiti: Bullshit Bag von Alias

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Bullshit Bag: vom bekannten in Berlin aktiven Graffiti-Künstler Alias in Friedrichshain (Wall-Poster) Foto: ©MM|HSB2011

Fit für den Job mit “Bio-Vitamin-Tabletten”?!! Eine Berliner Drogen-Kurzgeschichte.

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Der Nachhauseweg in den öffentlichen Verkehrsmittel kann belanglos, interessant (Leute beobachten), unangenehm sein (Dreck, Aggression, zu voll) oder auch nachdenklich stimmen. Allerlei geht mir da manchmal durch den Kopf, inspiriert durch eigene Stimmungen und die Mitreisenden.

Ein Bursche sitzt neben mir in der U 5, Mitte Zwanzig, mit dem gerade modischen Jungmännerbärtchen, und spielt konzentriert auf seinem (teuren) Mobilfunkgerät das beliebte Angry Birds Spiel.

Er ist mit teurer Markenkleidung ausgestattet, hat szenige Accessoires, sieht aus, als wenn er ganz gut Geld hat.

Das Handy klingelt mitten in einer kniffligen Situation des Spieles. Etwas entnervt (weil er wohl kurz vor dem Erreichen eines weiteren Levels unterbrochen wurde) sagte der junge Mann nur streng “Ja?!!!” in Richtung des Headsetmikrofones.

So praktisch diese Headsets sind, wirkt es auf mich immer noch komisch, wenn Leute im öffentlichen Raum herumlaufen und meist recht laut mit dem Telefonpartner reden. Außenstehende sehen aber meistens nicht das Gerät, und man denkt erst einmal an völlig schräge Selbstgespräche – ist in Berlin auch nicht so selten.

“Ach du bist es. Bin in der U-Bahn.”

Da ich das Gegenüber nicht verstehe, kann ich mir nur den Gesprächspartner mit seinen Aussagen vorstellen. Jetzt müsste eigentlich irgendwann eine Lokalisation kommen.

“Frankfurter Tor.”

Ich musste in mich hinein grinsen. – Was Mobilfunkanbieter allein mit diesen Basis-Infos verdienen. Komme später, bin gleich da, die Namen der Haltestellen, Zug verpasst, muss warten, ich kann doch nichts dafür, tut mir leid…

“War stressig. Der SL war da, hat genervt, musste noch mehr CSs in den Schedule pressen, und…”

Er wurde unterbrochen, ein längerer Part des Gesprächspartners folgte.

“Weil…”

Der Teilnehmer am anderen Ende wird lauter. Der junge Mann schaut um sich, ob andere Leute gucken. Ich grinse ihn an.

“Nee – du weißt doch, muss mich erst abchillen, erst… Was? Nein!”

Er rollt mit den Augen und schaut wieder in die Runde.

“16 kurze Units im Studio, dann Musik, Kevin kommt noch vorbei und bringt mir die Updates.”

“Meinetwegen, ich bring ein paar Cans mit, was? Er zieht die Stimme hoch. – “Ja, chilled. Nein, C nicht. Nein!”

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Berlin: Dreckig bleiben!?

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Das Motto der Hauptstadt? Für einige wohl eher ideologisch als "Gegenmittel" der Gentrifizierung gedacht, für andere eine (gleichgültige) Lebenshaltung (Hundekacke, Müll, Grillfeste, Sperrmüll), für Dritte ein ständiges Reizthema. Willkommen im Berliner Sommerloch! Foto: ©MM|HSB2011

An alle Menschen!

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Irgendwo am Straßenrand in Friedrichshain: ein Aufruf an alle für Freiheit, Leben und Liebe Foto: ©MM|HSB2011

Berlin am Mittwoch, den 27. Juli 2011

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Es ist Sommer. Manchmal zumindest. Der Wahlkampf naht und Klischees türmen sich. Ebenso wie ein neues Hochhaus in der City-West. Es gibt das Polizeipräsidenten-Gerangel, eine ratlose Polizei bei Brandstiftern und dialogische Verfahren, die vereinbart, aber nicht eingehalten werden. Und eine exemplarische Spätkauf-Geschichte. Hier die sommerlichen Info-Happen:

✚ “Sensation” bei der SPD: Im kommenden Berliner Wahlkampf soll auf die Macht der Bilder gesetzt werden. Damit will die Partei “emotionalisieren, [...] mobilisieren und [...] Inhalte unterstreichen”. Ohne Worte natürlich. Aha. Das vorgestellte Groß-Plakat zeigt einen jungen Mann im Stil eines “Prenzlauer-Berg Papis mit Baby und Handy”. Ich bin beeindruckt. Jung sein, Baby machen, ständig mit demselben rumlaufen und dabei mobil telefonieren – ist das die SPD-Aussage? Bei der CDU stelle ich mir dann als Gegenpol eine alte Frau in der U-Bahn vor, alles ist sehr dunkel, und böse Männer sind in der Nähe und sie hält verkrampft ihre Handtasche fest. Himmel noch mal – wie billig!

✚ Brandanschläge: Jemand zündelt und steckt weiterhin Kinderwagen an. Diesmal in Prenzlauer Berg. Eine Spur gibt es noch nicht, sagt die Polizei.

✚ Das Drama um die Wahl des neuen Polizeipräsidenten befindet sich in einer verfahrenen Situation, verwaltungstechnisch, politisch und menschlich. Es wurden Fehler gemacht. Und es gibt immer noch keine Entscheidung. Strauchelt der sonst besonnene und kluge Innensenator Körting (SPD)?

✚ Ein Streit. Der Berliner Senat, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, ein vereinbartes dialogisches Verfahren und die Ausschreibung von Grundstücken, die eigentlich Kulturstandort sein soll(t)en. Und warum sich die Linke wundert, obwohl sie das eigentlich nicht dürfte bei dem Mann.

✚ Ein Bericht über einen Spätkauf in Friedrichshain, der alle Großstadtzutaten in sich trägt: Migration, Duldung, gescheiterte Beziehung, Kind, neue Liebe, neuer Laden, Gentrifizierungsaspekte, Human-Studie. Interessant!

✚ Das zweite Hochhaus (geplant:119 Meter) am Breitscheidtplatz neben dem Zoofenster könnte bald realisiert werden: Die Verhandlungen laufen bereits.

Orientierungsphase

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Ein Steinfigurenkopf mit aufgemaltem Bart

Steinfigur am Märchenbrunnen im Friedrichshainer Volkspark - Foto: h|b

Norweger, bleibt offen! Berliner, seid offen!

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Tiefe Trauer und düstere Stimmung in Norwegen nach den Terroranschlägen Foto: ©MM|HSB2011

Die Terroranschläge gestern Nachmittag in Norwegen waren furchtbar und unfassbar – wie alle Terroranschläge. Menschen sind grausam zu ihren Artgenossen, auch wenn unsere Zivilisation in kleinen Schritten nach vorne kommt, sich entwickelt.

Niemand weiß bis jetzt genau, welche tatsächlichen Hintergründe die Anschläge im Osloer Regierungsviertel und auf der Jugend-Freizeitlager-Insel Utøya hatten. Egal ob, wie zunächst (vorschnell?) vermutet, ein islamistischer Anschlag, oder, wie nun ermittelt wird, ein norwegischer Einzeltäter mit ultrarechter Gesinnung dahinter steckt – es ist allemal eine menschliche Katastrophe, die Wunden und langandauernde Erinnerungen generiert hat und es weiter tun wird.

Norwegen ist nicht überall. Ich arbeite dort regelmäßig und schätze das Land sehr. Es ist ein besonders tolerantes und weltoffenes Land, hat viele der Integrationsprobleme mit Einwanderern aus verschiedenen Kulturen früher als Deutschland, als andere Länder erkannt und sich in einem schmerzvollem innenpolitischen Prozess zwischen rechten Parteien, Mitte und traditionell linksorientierten Arbeiterparteien auf Kompromisse geeinigt – zuletzt ohne parteipolitische Allüren, gegenseitige Schuldzuweisungen und mit Blick auf eine wachsende Wirtschaft, wachsenden Wohlstand gleich für Norweger und Einwanderer, wenn sie sich denn integrieren.

Was wir im Aufschwung in Berlin für Integration tun können

Und hier sehe ich den Bezug zu Berlin sehr deutlich. Ganz Deutschland, sogar die Hauptstadt, befindet sich in einem tatsächlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch Sarrazin und andere ist eine teils unselige, aber teils auch aus der Verkrustung aufbrechenden Diskussion um Einwanderer und ihre Perspektiven, letztendlich um Einwanderer und unsere gemeinsamen Perspektiven mit ihnen in unserem Land entstanden.

Es geht nicht um rechts, um links, um “neue Mitten”, es geht um ein menschenwürdiges Zusammenleben, was beiden – Einwanderern und Einheimischen – noch viele Diskussionen, viel Mühe, viel Wut, aber auch viel Erfolg, viel kulturelle Bereicherung und viel Gemeinsamkeiten bringen kann. Sogar in Neukölln. Der Aufschwung muss bei ALLEN Menschen ankommen, sonst zerfällt Berlin weiter in Mikro-Gesellschaften mit unterschiedlichen Ambitionen.

Es wäre ein guter Ansatz, darüber nachzudenken, ob man nicht die persönlichen Befindlichkeiten zurückstellen sollte. Taten folgen ließe: Migrantenkinder fördern, gemeinsam mit deutschen Kindern lernen helfen, Gemeinsamkeiten erkennen, identitätsstiftende Gemeinsamkeiten herausstellen und nicht Gegensätze vertiefen.

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Sarrazin in Kreuzberg

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Sollte man auch mal ohne Ton ansehen, darauf hat mich @EinAugenschmaus gestern gebracht: provokante Körpersprache, Verschränktheit und „Herrscher-Haltung“.

Sonnabend, den 23. Juli 2011

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Die Sonne ist wieder da. Mal sehen, wie lange sie uns erhalten bleibt. Wenn ich nun nach aktuellem Berliner Sonnenschein in den Meldungen der Zeitungen suche, ist wenig zu entdecken. Das Schlimme ist groß und drängelt sich immer vor. So wirft es einen Schatten auf die schöne Seite des Lebens und der Stadt.

+++ Mozart in Gefahr — Wenn ich an das Wetter von gestern denke, könnten nicht nur fehlende Genehmigungen das Vorhaben gefährden.

+++ Janz viele Stimmzettel — Hektische Vorbereitungen in der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin.

+++ Hackfressen — Wie sich eine schwäbische Dramatikerin in Berlin-Neukölln fühlt.

+++ Straßenbahnen — Wichtig ist, dass alle Fahrgäste mit Werbung behelligt werden können.

Ein trockenes Wochenende wünscht

Bernd

Berlin im Sommer-Dauerregen

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Berlin im Sommer-Dauerregen: Blick auf die Baukräne am Ostkreuz Foto: ©MM|HSB2011

Berliner Musikszene: DDR (Flo Mega), Königin von Kreuzberg (Prinz Pi)

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Flo Mega and the Ruffcat (eigentlich aus Bremen) haben gestern ihr Video zum erfolgreichen DDR-Lied vorgestellt – ein sehr schön animiniertes Werk mit eingängigem, leicht skurrilem Text – ein gefühlter aktueller Zustandsbericht der Berliner Republik? Gefällt mir – DDR.

Vom Ostteil der Stadt in den wilden Westen, nach Kreuzberg. Prinz Pi singt vom Individualismus, Drogen, Kreuzberger Klischees und der Braut, die sich am 1. Mai zuerst in die Bullen schmeißt. Textauszug: “Die Mädchen in der Szene essen wenig bis nichts / haben alle lange Haare und ein liebes Gesicht / die Mädchen in der Szene sind so individuell, dass sie wieder alle gleich sind in diesem Duell”

Cooles Video, typische Berliner Atmosphäre, irgendwie schon Vintage-Style, in Musik und Text.

Berlin am Mittwoch, den 20. Juli 2011

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Ein Spiel mit dem Feuer, ein dauerndes. Ständig zündelt es in der Hauptstadt, Menschen haben Angst. Ein Spiel mit dem Feuer ist auch der Versuch, eine Flash-Mob-Love-Parade zu installieren, Steuergelder abzuzocken (Berliner Wasser), Integration mit Sprüchen abzuwerten und im sozialen Sektor zu sparen. Die brandaktuellen Details hier im Hauptstadtblog:

✚ Ein verzweifelter und berechtigter Aufruf: Zündet uns nicht an! Besorgten Nachbarn reicht es nun, sie haben Angst, fühlen sich unsicher, ergreifen selbst Initiative. Und genervt ist man auch von den häufig nachts kreisenden lauten Helikoptern, obwohl die Polizei gefühlt machtlos sei.

✚ Der x-Neuauflagen-Versuch, diesmal via Facebook: 14.000 Raver wollten die Loveparade in Berlin neu beleben – zur einer spontanen und unangemeldeten Party, ein Jahr nach Duisburg. Gähn! Doch mittlerweile wurde die Flashmob-Parade abgesagt.

✚ Auch das ist eigentlich alles schon gesagt: Sarrazin, Kreuzberg und die Integration. Özcan Mutlu (Grüne) sagt zu recht, dass Integration ein  wechselseitiger Prozess und kein fortwährendes Straßenfest sei. Unrecht hat er hingegen, wenn er behauptet, dass Thilo Sarrazin die Gesellschaft spaltet und das Klima des Zusammenlebens vergiftet und damit eine Integration unmöglich macht. Die Gesellschaft war bereits vor Sarrazin über den Umgang mit dem Thema gespalten, und sowohl bürgerlich-konservative Verdränger, linke alle-Migranten-sind-toll-nur Deutsche-sind-doof als auch rechte Agitatoren tragen gemeinsam die Schuld an einer Politik, die den Blick auf traurige Realitäten parteipolitisch missbrauchte, statt Konfliktlösungsstrategien zu suchen und UMZUSETZEN. Und zwar für Deutsche, die Migranten – und ihre Kinder. Integration ist immer möglich – zu bestimmten Regeln!

✚ Klaus Wowereit muss nun als Kultursenator doch auf seine Kunsthalle verzichten.  Und Ulrich Nußbaum, der Berliner Finanzsenator (parteilos), will schon 2016 Berlin ohne Neuverschuldung auskommen lassen. Fördern und gestalten nennt der regierende Bürgermeister das, trotz Sparzwang. Beispiele: 42 Millionen werden beim ehemaligen Lieblingskind ÖBS (Öffentlicher Beschäftigungs-Sektor) eingespart, 200 Millionen mit der auslaufenden Wohnungsbauförderung. Das stärkt die Starken und schwächt die Armen noch mehr.

✚ Halbzeit bei der S-Bahn: 2000 Radsätze wurden bereits gewechselt. Es kann ja nur besser werden!

✚ Die hohen Berliner Wasserpreise beschäftigen mittlerweile die EU-Kommission. Seit 1999 haben die teilprivatisierten Betriebe rund eine Milliarde Gewinn eingefahren, so der Verdacht. Und Gelder aus dem Landeshaushalt als Subvention kassiert.