Berlin: Alkoholverbot bei Bus und Bahn = weniger Gewalt und mehr Sicherheit?
Michael HSB in Schlagzeilen ⁓ 01. Juli 2011 ⁓ 20:29 Uhr ⁓ 18 Kommentare
Rollende Flaschen, klebrige Böden – viel zu tun für die Reinigungskräfte
Jeder, der regelmäßig mit dem öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt fährt, kennt die Situation. Rollende Bierflaschen auf dem Boden, deren Reste bereits den Boden verklebt haben, leere Dosen mit Cola-Alkohol-Mixgetränken, die in die Ritzen zwischen Bänke und Wand gestopft, feuchte Polstersitze, die mit Alkohol überschüttet wurden, weil die KonsumentIn schon deutlich seinen oder ihren Rausch-Pegel erhöht hat. Noch unangenehmer: die vielen kaputten Bierflaschen, eine Quelle steten Ärgers für Fahrgäste und Radfahre . Eine Teilschuld hat hieran das etwas verquere Pfandgesetz in Deutschland – ein Glaspfand von 50 Cent pro Flasche (statt 8 Cent) würde die stehengelassenen, Flaschen zahlenmässig deutlich verringern.
Viele kennen auch die aufgekratzten Jungmänner und Frauen, die in der Tram M10 oder in der M1 ganze Bierkästen konsumieren und begleitend lautstark ihre Meinung kundtun, dabei ihre Feinmotorik nicht immer im Griff haben. Das ist nicht schön, manchmal ärgerlich, aber irgendwie auch Großstadt.
Uneinigkeit beim Berliner Senat – und eine kluge BVG-Chefin
Kürzlich war Innensenator Ehrhart Körting (SPD) noch gegen ein gesetzliches Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr, eine Sprecherin des Senators teilte erst diese Woche Montag (27.06.) mit, dass es für ein solches Verbot keinen Bedarf gebe. Doch heute, am Freitagmorgen, gab er der Innensenator der Bild-Zeitung ein Interview, in dem er verlauten ließ, das der Konsum von Alkohol in öffentlichen Verkehrsmitteln nichts zu suchen habe. Alkohol enthemme und führe zu Streit und Schlägereien, sagte der Senator weiter. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist gegen ein erweitertes Verbot von Alkoholkonsum.
Grundsätzlich hat Körting damit zwar Recht, aber der öffentliche Nahverkehr mit seinen Bahnhöfen, Haltestellen, Bussen und Bahnen ist nur ein Teil des öffentlichen Raums. Ein Verbot des Alkoholkonsums in diesem begrenzten Raum würde weder konsequent sein noch wirklich Sinn machen. Hier sind keine populistischen Äußerungen vor einer kommenden Abgeordnetenwahl gefragt, sondern ein sinniges, strukturiertes und durchführbares Konzept.
Schließlich trug auch der Umstand einer Werte-Verschiebung und mangelhafter Wertevermittlung von Eltern und Lehrern zum derzeitigen Zustand bei: Über Generationen galt es als unschicklich, mit Bierflaschen oder sonstigem Alkohol in der Öffentlichkeit herumzulaufen. Die gesellschaftlich tolerierten, akzeptierten Ausnahmen waren Bauarbeiter, das Feierabendbier des Arbeiters (der aufgrund seiner angeschmutzten Arbeitskleidung auch als solcher erkannt wurde) und des Penners, der vor Trinkbuden seinen Beitrag in die Kassen des Staates über die Alkoholsteuer leistet. Doch dies hat sich, übrigens in fast allen westlichen Kulturen, deutlich verändert – schon seit vielen Jahren ist es von Madrid über Paris und Berlin modisch “tres chique”, mit der Bierpulle in der Hand herumzulaufen. Im Rahmen der Emanzipation tun dies mittlerweile genau so viele Frauen wie Männer. Und auch viele junge StudentInnen aus dem Ausland finden es herrlich liberal in Berlin.
Klug und sinnvoll: die Reaktion der BVG-Chefin. Frisch aus London zurückgekehrt, wo sie die Maßnahmen von London Transport begutachtete und mit den dortigen Kollegen sprach, bewertete sie die derzeitigen hiesigen Beförderungsbedingungen und die darin vorgesehenen Maßnahmen als ausreichend. Denn nur ein generelles Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen [wie z.B. in Skandinavien, Ergänzung durch den Autor] könne die Situation signifikant ändern. Außerdem setzt die BVG seit dem 1. Juli deutlich mehr Sicherheitspersonal ein. Diese sind nun auch berechtigt, die Fahrscheine zu kontrollieren und auffällige Pöbler hinaus zu komplementieren. Es ist zu hoffen, dass die zusätzlichen Sicherheitskräfte mehr Präsenz zeigen, nicht nur herumstehen und wegschauen und vielleicht auch selbst ein bisschen positive Benehmenskultur mitbringen. Dann würde sich sowohl das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste als auch der Konfliktlevel bei U- und S-Bahn deutlich verringern.
Überwachung und Kontrolle: je nach Gesetzeslage Sache der Verkehrsbetriebe oder der Polizei
Doch wer soll das Alkoholverbot kontrollieren? Mehr Kamera-Überwachungen, die datenschutzrechtlich bedenklich sind, gar Überprüfungen von mitgebrachten Getränken und Limonadenverpackungen?
Es gibt schon Verbote in den allgemeinen Beförderungsbedingungen. So ist seit einiger Zeit der Konsum von Speisen und Getränken in den Fahrzeugen der BVG und der S-Bahn verboten. Also kein schmelzendes Eis in Kinderhand, kein zwiebel-und knoblauchduftender Döner, wo gerne mal die Soße heraustropft, keine Asia-Box, die im schunkelnden Bus schön verteilt wird. Und der liegengebliebene Müll – eine Berliner Spezialität.
Generell gilt ja schon seit 2003 Verbot in den Bahnhöfen von BVG und der S-Bahn, welches gefühlt immer weniger kontrolliert, unangenehmer, immer weniger beachtet wird: Rauchen. Wie viele Fahrgäste schnippen ihre Kippen jeden Tag auf den Bahnsteig, auf die Gleise, und nachts wird zunehmend in den Zügen der S-Bahn geraucht. wie soll da ein Verbot mit Alkohol aussehen?
Und im nächsten Schritt? Würde es Sinn machen, Betrunkene von der Beförderung im öffentlichen Nahverkehr auszuschließen? Wohl kaum – die Folgen einer alkoholisierten Auto- oder Motorradfahrt können viel schlimmer werden. Und mehr Unbeteiligte treffen.
Würde es ein generelles Alkoholverbot im öffentlichen Raum geben, wären damit die Verkehrsbetriebe personell entlastet, denn dann müsste die Polizei diese Kontrollen durchführen.
Wenig sinnvoll: das Hamburger Konzept – in Nürnberg schon Verbot seit dem 1. Januar 2011
In Hamburg wird es ab dem 1. September 2011 ein generelles und absolutes Verbot des Konsums von Alkohol auf allen Flächen der HVV (Hamburger Verkehrs-Verbund) und in Bussen und Bahnen geben. Dort ist dann sogar der Transport von offenen Flaschen mit Alkohol verboten, nicht nur deren Konsum.
Ausgenommen sind aber die in Hamburg zahlreich genutzten Fähren, sowie die Regionalbahnzüge. Am befremdlichsten aber ist die Erlaubnis, auch weiterhin Alkohol in Bahnhöfen, S-Bahn-Stationen und Kiosken an Haltestellen auf HVV-Gelände kaufen zu dürfen. Den Umsatz will man sich bei der HVV und ihren Handelspartnern dann doch nicht entgehen lassen – das ist wie bei den Banken. Verkaufen darf man alles, aber für die Folgen müssen dann die anderen haften. Oder man zieht sich scheinbar elegant aus der Situation, indem man Einschränkungen erlässt, aber keine wirklich politische Maßnahmen ergreift.
Auch Hamburger Blogger sehen das Problem kritisch – denn nicht die in der Bahn Saufenden sind oft die Schlimmen, sondern die, die schon besoffen und in agressiver Stimmung in die Bahn kommen.
In Nürnberg bei der VAG geht man etwas selbstkritischer mit dem seit Januar 2011 geltenden Alkoholverbot um: Selbstverständlich könne man auch weiterhin alkoholisiert den ÖPNV nutzen, solange man sich an die Beförderungsbedingungen halte, und die verbieten den aktiven Konsum in den Verkehrsmitteln und die Pöbeleien. Und die seien das eigentliche Problem, vor allem bei den Jugendlichen, sagte ein Unternehmenssprecher. Man ist auch deutlich bemüht, einen möglichen Kolateralschaden zu verhindern, der entstehen könnte, wenn Betrunkene in Zukunft wieder vermehrt Auto fahren.
Kernprobleme bleiben unangetastet
Das eigentliche Problem bleibt unangetastet: der Alkoholkonsum, der Drogenkonsum an sich. Warum Menschen trinken. Selbst in Norwegen, welches ich ja oft als geeignetes positives Beispiel anführe, gibt es Probleme mit Alkohol, vor allem bei Jugendlichen. Und das, obwohl Prozentiges dort sowohl extrem teuer als auch nur begrenzt zu kaufen ist.
Auch die öffentlichen Umfrage-Schlachten sind inkonsequent, oft verlogen. Wie können 85% (Hamburg) der “repräsentativ Befragten” für ein Alkoholverbot sein, obwohl doch schon über 10% der Gesamtbevölkerung als alkoholkrank gelten, mehr als 25% der Bevölkerung regelmässig trinken?
An den oft leicht zu erforschenden Ursachen des Griffs zur Flasche will keiner etwas ändern – persönliche und berufliche Überlastung, Leistungsdruck, Überforderung. Zu wenig Zeit für die Kinder. Zu wenig Liebe.
Aber will das schon hören? Markige Sprüche, mehr angebliche Sicherheit und eine Verdrängung des Kernproblems sind doch ein bewährtes Konzept der Gesellschaft anno 2011.
Letztendlich ist es auch eine Einstellungs- und Wahrnehmungssache. Wenn Alkohol im öffentlichen Raum mehr “geächtet” wäre, ein Proll-Image hätte, eine No-Go-Aktivität wäre, wenn Erziehende ihren Kids erfolgreich vermitteln könnten, dass es nicht schön ist, mit der Flasche in der Hand herumzulaufen und zu trinken als “Ich-bin-cool-und-gehöre-dazu-Act”, dann würde sich schon vieles ändern. Denn nicht die Party-Kids sind das eigentliche Problem, sondern die generelle “Ich-will-JETZT-Spaß” Kultur, die laut ist, Dreck macht und vor allem eins ist: RÜCKSICHTSLOS.
Egal, ob es saufende Jugendliche, hysterisch dauerschreiende Kinder im Rahmen ihrer täglich achtstündigen Selbstverwirklichungsphase, vereinsamende Singles mit nächtlichem lautstarken Disco-Musikbedarf im Innenhof oder Drogendealer im Görlitzer Park und am Kotti sind: Kein (partielles) Verbot wird etwas ändern, sondern erst einmal das Gegenteil bewirken.
Sondern nur eine Bewußtseinsänderung. In den Medien. Bei Eltern. Bei jungen Partygängern. Bei allen Bewohnern dieser Stadt.
Also denn, Prost, auf zum nächsten Verbot! Oder der Diskussion hierüber. Wer holt den Bierkasten?






Tja, jetzt geht das Spielchen wieder los, wer ist der härteste Sheriff dieser Stadt?!. Mit einem totalen Alkoholverbot wollen Innen-und Rechtspolitiker doch nur punkten.
So, nach dem Motto, man muss hart durchgreifen und schon verschwindet das Problem.
Ich sehe hier das Problem in der Ursache des Alkoholkonsums.
Mit einen generellen Alkoholverbot bei der BVG, dass wird nicht funktionieren.
Wodka kann man auch in Selterbuddeln umfüllen.
Eins sollte man sich bei der Forderung eines generellen Alkverbotes bewusst sein,
Hier in Deutschland gilt eine begangene Straftat unter Alkoholeinfluss als strafmildernd.
Und solange wie dieses besteht, wird weiter kräftig gesoffen-
Ein Alkoholverbot im ÖPNV würde wenig bringen. Der meiste Alkohol wird nicht in den Bahnen konsumiert, und die Betrunkenen müsste man trotzdem weiter transportieren.
Und ja, Alkohol in der Öffentlichkeit ist häufiger als früher, aber insgesamt ist das Verhältnis zum Alkohol viel bewusster geworden. Merkt man auch am jährlich sinkenden Konsum.
@Sten
dem muss ich widersprechen, dass der Alkoholkonsum jährlich sinkt.
Der Jugendalkoholismus und der Alkoholkonsum bei Frauen hat stark zugenommen.
Ergibt häufig aus Perspektivlosigkeit, betreffs Arbeit und Zukunft.
Ich kann nicht mit Statistiken aufwarten ( falls @1704 welche anfordert),
Man bracht nur bei den gängigen Gruppen, wie die AA, Kreuzbund u.s.w. nachfragen, die können den Zulauf der Hilfesuchenden nicht mehr bewältigen, auch durch finanzielle Kürzungen bedingt.
Das Problem Alkohol ist in der deutschen Gesellschaft ein Problem geworden, wo unsere Politiker seit Jahren die Augen zumachen.
Verstehe ich gerade nicht. Generell gilt ein Ess-und Trink Verbot in der S-Bahn und BVG Netz und nun diskutiert man über ein Alk. Verbot, das ist doch auch etwas zu trinken.
Es gibt (ähnlich zur Kriminalität) das Phänomen, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland seit Jahren sinkt, die Zahl der Extremfälle und Suchtkranken aber steigt.
http://www.tagesschau.de/inlan.....ht112.html
Das hat meiner Meinung mit der zunehmenden Perspektivlosigkeit und Lebensunzufriedenheit vieler Menschen, aber auch mit einer veränderten Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu tun, damals waren ein paar Bier am Tag halt normal, heute ist man damit Alkoholiker. Und betrunkene Jugendliche gab es auch, man las nur nicht in der Zeitung darüber.
Stimmt. Logisch korrekt. Aber offensichtlich wird es von den Verantwortlichen “differenziert”.
Das Verbot erstreckt sich allerdings bisher nur auf die Züge, nicht auf die Verkehrsmittel.
RÜCKSICHTSLOS und dies in Versalien geschrieben. Genau dies meinte ich in meinem Kommentar des Threads „Sonnabend, den 25. Juni 2011“. Rücksicht ein Wort das aus dem deutschen Sprachgebrauch leider mehr und mehr verschwindet. Weil man ja so cool ist.
Rücksichtnahme sollte Kindern beigebracht werden, damit so lernen, dass sich nicht nur alles um sie dreht, sondern auch andere Bedürfnisse haben.
Alkoholismus, Randale und andere „Freizeitbeschäftigungen“ entstehen aus Langeweile. Weil die Reizüberflutung so groß geworden ist und die Gesellschaft sich rücksichtsloser und zu einer reinen Ellenbogengesellschaft entwickelte. Weil es keinen Platz mehr für schlechtere Schüler gibt in dieser Gesellschaft, weil ein Portier heute am besten ABI haben sollte, man könnte ihn ja eines Tages eventuell anderweitig gebrauchen. Chancenlosigkeit führt zu Frust, und Frust muss sich entladen, in welcher Form auch immer. So wird gesoffen, randaliert, sich gegenseitig aufgemischt und, und, und …
Bleibt natürlich die Frage, wie kann man dies ändern? Dafür ist leider noch kein Patentrezept gefunden, doch mir tun die Jugendlichen heute leid, ofzmals haben sie keine Chance, jemals eine vernünftige Chance zu bekommen. Dies hat viele Ursachen, angefangen beim Elternhaus, wobei dies nicht pauschal zu bewerten ist, es gibt viele Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, aber viele Kinder werden eben auch alleine gelassen. Weiter geht es über das Schulsystem, von dem man oftmals glauben könnte es sei ein Versuchslabor, bis hin zu den Unternehmen, die nur die guten Abgänger/innen einstellen und nicht den Mut besitzen auch den schlechteren eine Chance zu geben.
Im TSP von heute steht eine Kolumne, die voll unterschreibe.
http://www.tagesspiegel.de/zei.....51076.html
Ich denke, das Thema Alkohol ist vielschichtiger – man kann nicht alles auf Perspektivlosigkeit, schwacher, alleingelassener Schüler, das versagende Elternhaus, Arbeitslosigkeit etc. abschieben. Es gibt auch viele, die trinken “einfach so”, weil’s ihnen schmeckt oder die sogenannten “Gesellschaftstrinker”, Gründe für die Trinkerei (und natürlich auch “Entschuldigungen”) gibt es jede Menge quer durch alle Gesellschaftsschichten.
Alkohol enthemmt, das ist bekannt – da ist z.B. der rechtschaffene Bürger, kein Alkoholiker, der das ganze Jahr über seinen Pflichten nachkommt und nach einer Betriebsfeier und ein paar Gläschen zuviel plötzlich zum Gladiatoren wird – das Auto hat er, wie sich’s gehört, natürlich zu Hause gelassen und ist nun auf die Öffentlichen angewiesen, wo er evtl. rumpöbelt oder ein bißchen randaliert. Was nun, wenn er BVG nicht mehr darf – ein Taxifahrer wird ihn in diesem Zustand wahrscheinlich auch nicht mögen – wohin mit dem Mann (oder auch Frau)? Im Zweifelsfall doch mit dem eigenen Auto?
apropos statistiken – ist es nicht so, daß hier im blog nur jenen statistiken geglaubt wird, die man selbst gefälscht hat?
“Der Jugendalkoholismus und der Alkoholkonsum bei Frauen hat stark zugenommen…”
bzgl. “Jugendalkoholismus” stimmt die aussage nicht! die aussage im von @Sten verlinkten text stimmt mit den mir bekannten zahlen überein, danach ergibt sich: “Bei Minderjährigen mit Suchtproblemen sind die Zahlen offenbar rückläufig. Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen habe den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren erreicht.” richtig ist aber, daß das “Komasaufen” bei jugendlichen zugenommen hat, allerdings jetzt wieder rückläufig ist.
bzgl. “Komasaufen” wird gesellschaftlich hauptsächlich über jugendliche in den medien berichtet, fakt ist aber auch, daß auch zunehmend senioren vom “Komasaufen” betroffen sind!
bzgl. alkoholkonsum bei frauen scheint die aussage zu stimmen, allerdings gibt es dazu einen streit darum, inwieweit alkoholkonsum von frauen in früheren jahr(zehnt)en überhaupt ausreichend erfaßt worden ist. wie jeder, der sich mit der suchtproblematik alkohol ein wenig beschäftigt, wissen wird, gehört dazu auch das verharmlosen, leugnen und verschleiern der sucht. in früheren zeiten spielte sich das leben von frauen eher im häuslichen bereich ab, alkoholabhängige frauen und mütter wurden von daher auch gesellschaftlich leicht (und gern?) übersehen bzw. wurde auffälliges verhalten entsprechend kaschiert. alkoholismus in den unteren sozialschichten wurde allerdings wahrgenommen, weniger hingegen der der besseren, höheren schichten. alkoholismus bei frauen ist jedenfalls kein neues phänomen. es ist noch nicht hinreichend geklärt, inwieweit sich bzgl. alkohlismus bei frauen das phänomen tatsächlich verstärkt hat, oder ob es heute nur besser statistisch erfaßt wird als früher und inwieweit die zahlen das dunkelfeld erhellen. zum anderen kommt hinzu, daß es heute mehr suchthilfestellen gibt als früher, sich von daher auch neue zahlen ergeben.
“Der Jugendalkoholismus und der Alkoholkonsum bei Frauen hat stark zugenommen. Ergibt häufig aus Perspektivlosigkeit, betreffs Arbeit und Zukunft.”
die statistischen zahlen belegen das keineswegs, im gegenteil: der anteil von “gebildeten” frauen/akademikerinnen ist höher als der von “ungebildeten” frauen. “karrierefrauen” sind besonders stark gefährdet, alkohol- oder medikamentenabhängig zu werden. die einschätzung hinsichtlich “perspektivlosigkeit” folgt hier nur lediglich der gängigen einschätzung, daß alkoholismus eher und verbreiterter in den unteren sozialschichten anzutreffen ist, was aber schon lange hinreichend widerlegt ist. alkoholismus ist zwar ein soziales problem, aber keines, das hauptsächlich untere sozialschichten betrifft.
aber auch @Sten irrt, wenn er meint: “Das hat meiner Meinung mit der zunehmenden Perspektivlosigkeit und Lebensunzufriedenheit vieler Menschen” zu tun – es ist eher genau das gegenteil: alkohol als stimmungsaufheller wird hauptsächlich benutzt, um nicht perspektivlos und lebensunzufrieden zu werden. alkoholkonsum ist u.a. ein anti-streß-mittel quer durch sämtliche soziale schichten, es ist aber auch ein mittel, um im sozialen leben dazuzugehören, also etwas sozial verbindendes. es gibt kaum ein treffen in geselliger runde ohne alkoholkonsum! zu fast jedem gemeinsamen essen/treffen in der öffentlichkeit gehört alkohol in welcher form auch immer schlicht dazu. nicht derjenige wird komisch angesehen, der trinkt, sondern derjenige, der nicht trinkt! in dieser hinsicht hat sich in dieser gesellschaft absolut nichts verändert!
und natürlich ist alkohol auch ein mittel, um extremsituationen “besser” bewältigen zu können – ehe-/beziehungskrisen, berufliche probleme, schicksalsschläge, lebenskrisen etc. alkohol- oder medikamentenmißbrauch ist aber häufig auch dem erfolgs- und leistungsdruck dieser gesellschaft geschuldet. auch das wird gern übersehen, weil damit auch klar wird, daß u.U. nicht der alkoholiker “schuld” ist, sondern die gesellschaft, die menschen zu alkoholikern macht! andererseits begleiten rausch- und suchtmittel die menschheit schon sehr lange, es handelt sich also nicht etwa um ein “modernes” phänomen. neu ist hier wohl eher nur der medikamentenmißbrauch besonders bei älteren menschen, aber dazu gibt es noch nicht allzu viele wirklich ernst zu nehmende untersuchungen/studien.
so ein ganz klein wenig habe ich ja den verdacht, daß hier lediglich ein aufhänger gesucht worden ist, um dann zum “Kernproblem” zu kommen, und es ist natürlich keineswegs vorurteilsfrei:
“Letztendlich ist es auch eine Einstellungs- und Wahrnehmungssache.”
was ja im grunde nichts anderes als eine leerfloskel ist, denn alles ist eine einstellungs- und wahrnehmungssache, oder?
“Wenn Alkohol im öffentlichen Raum mehr ‘geächtet’ wäre…”
würde sich lediglich in der öffentlichkeit etwas verändern, daß “Kernproblem” aber unangetastet bleiben – dazu muß man sich nur einmal mit den ländern beschäftigen, in denen die prohibition versucht worden ist.
“… ein Proll-Image hätte”
was ja schon einmal zeigt, daß das “Kernproblem” vom schreibenden noch gar nicht zutreffend erfaßt worden ist bzw. ein gängiges vorurteil funktionalisiert werden soll. alkoholmißbrauch zieht sich durch sämtliche soziale schichten, und es wäre mir neu, wenn vorurteile dazu beitragen würden, probleme lösen zu können. was sollte das denn auch bringen, wenn ein mensch, der alkohol zu sich nimmt, dann als “Proll” angesehen wird? kann es sein, daß hier mit dem sonst so negierten mittel sozialer ausgrenzung argumentiert wird? da sollte der schreibende aber noch einmal ganz gehörig in sich gehen!
“… eine No-Go-Aktivität wäre” – auch hierzu: welcher vernünftige mensch will “no-go-areas”, oder “no-go-aktivitäten”? und was ändert das am problem hinsichtlich der gesellschaftlichen ursachen von z.b. alkoholkonsum oder alkoholmißbrauch? rein gar nichts, aber der repressive druck wäre höher, und jede wette, es würde negativ instrumentalisiert!
“… Erziehende ihren Kids erfolgreich vermitteln könnten, dass es nicht schön ist, mit der Flasche in der Hand herumzulaufen und zu trinken als ‘Ich-bin-cool-und-gehöre-dazu-Act’, dann würde sich schon vieles ändern.”
au weia, da ist jemand schon lange nicht mehr jung (gewesen). wenn erziehende sagen, das tut man nicht, dann ist gerade das für kids und jugendliche oft ein grund, es gerade deswegen zu tun. gehört doch zum kleinen einmaleins des erwachsenwerdens, oder? und wenn kids/jugendliche die erziehenden zwar nicht mit einer flasche in der hand auf der straße sehen, dafür aber besoffen auf dem heimischen sofa, dann ist das kontraproduktiv. es ist auch kontraproduktiv, wenn zu weihnachten opa blau unterm tannenbaum liegt oder papa nach durchzechter nacht morgens ins schlafzimmer wankt, oder mutti bereits zum frühstück schon mal den ersten cognac kippt… es könnten noch viele andere beispiele folgen, kurzes fazit: hier soll an den symptomen herumgedoktert werden, aber es wird übersehen, daß es das “problem” an sich nicht löst!
“Denn nicht die Party-Kids sind das eigentliche Problem, sondern die generelle ‘Ich-will-JETZT-Spaß’ Kultur, die laut ist, Dreck macht und vor allem eins ist: RÜCKSICHTSLOS.”
pardon, aber das halte ich für ausgemachten unsinn! besonders, wenn ich das mit dem beginn des artikels in beziehung zu setzen versuche. “Spaß” haben wollen gehört mindestens so zwingend zum problem alkoholismus wie streß und leistungsdruck, aber auch die vielen formen geselligen beisammenseins sind ohne alkohol kaum vorstellbar, jedenfalls den meisten nicht. und die allgemein konstatierte “Rücksichtslosigkeit” ist in meinen augen nicht so sehr ein problem vergnügungssüchtiger menschen, sondern ausdruck einer gesellschaft, die immer stärker auf konkurrenz und durchsetzungsfähigkeit setzt, auf ellenbogenmentalität und bestimmte formen von cleverness und smartsein und das natürlich auch im sinne von fitmachenfürdiegesellschaft an die kinder weitergibt.
apropos “dreck” – ich kann mich an eine zeit erinnern, da machte man “dreck”, weil es diejenigen, die sich darüber ärgerten, immer so schön aufregte. es war also so etwas wie eine form von protest! verstehen/verstanden allerdings nur eingeweihte. aber seit mindestens 20/30 jahren sind die saubermänner und sauberfrauen wieder im vormarsch. man kann diesen menschen z.b. auch nicht klar machen, daß Berlin gar nicht so dreckig ist wie die meistens erzählen, allerdings nicht so “(porentief) rein” wie deutsche provinznester. und das thema müll bringt ja hiezulande so manchen an den rande eines herzinfarkts. im übrigen möchte ich noch hinzufügen, daß ich nicht den eindruck habe, als wären die öffentlichen verkehrsmittel verdreckter als z.b. in den 1980er/1990er jahren, und menschen auf der straße mit bierflaschen in der hand habe ich in den 1980er jahren überhaupt zum ersten mal in erwähnenswertem ausmaß in Skandinavien gesehen – sogar mit einem kleinen “sozialtick”, man ließ nämlich die geleerten bierflaschen ganz bewußt auf der straße zurück, bzw. stellte sie dort ab, damit jene menschen, die man zum “fattig folk” (~ “arme leute”) rechnete, ein kleines zusatzeinkommen hatten. das entspricht nicht so ganz dem, was man hier in Berlin zunehmend beobachten kann, wenn man menschen betrachtet, die in abfallbehältern stöbern, weil liebe zeitgenossen ihnen dort kleine aufmerksamkeiten ablegen, aber egal, müll gehört natürlich zu den lieblingsthemen von Berlinern. wir warten also gespannt auf den nächsten artikel über hundehaufen, ersatzweise geht natürlich auch das S-bahn-desaster oder die zunehmende verrohung der deutschen jugend…
@1704
“es ist auch kontraproduktiv, wenn zu weihnachten opa blau unterm tannenbaum liegt oder papa nach durchzechter nacht morgens ins schlafzimmer wankt, oder mutti bereits zum frühstück schon mal den ersten cognac kippt… ”
Du meine Güte, wo sind Sie den groß geworden? ;-))
Ob die öffentlichen Verkehrsmittel früher sauberer waren als heute vermag ich nicht zu beurteilen. Da ich sie sehr selten benutze.
Als vor einiger Zeit unser Auto zur Urlaubsinspektion war, mischte ich mich mal wieder unters Volk. ;-))
Ich habe den Bus genommen, um ins Büro zu kommen. Dabei viel mir auf, dass viele Menschen heute scheinbar keine Zeit mehr für ein schönes Frühstück haben. Viele Fahrgäste die zustiegen hatten einen Kaffeebecher in der Hand und so mancher auch ein belegtes Brötchen. Es machte sich eine gemütliche Stimmung breit im Bus. Der Bus war nicht übermäßig voll und die Fahrt sehr ruhig. Dies war auch gut so, ich machte mir so meine Gedanken, was wohl geschehen würde, wenn der Bus scharf bremsen müsste? Es würde ein Schwall aus Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso und Irish Coffee gemischt mit Gürkchen, Salatscheiben oder ganzen Schrippen von hinten geflogen kommen.
Andererseits bin ich verwundert, dass die BVG noch nicht erkannt hat, welch ein Geschäft sie mit einer Bordküche, ähnlich den großen Reiseunternehmen, machen könnte.
@1704 (warum kann man bei einigen Kommentaren eigentlich direkt antworten drücken und bei anderen nicht?):
Das mit der Lebensunzufriedenheit war vielleicht ungenau ausgedrückt, es ist wohl vielmehr der Druck, der auf den nicht perspektivlosen Menschen lastet, der sie “zur Flache greifen lässt”.
Und, stimmt, manchmal geht man einfach mal feiern, da gehört Alkohol meistens dazu. Ist auch kein ein Problem, solange man nicht die Kontrolle verliert.
“… weniger hingegen der der besseren, höheren schichten. alkoholismus bei frauen ist jedenfalls kein neues phänomen.”
Stimmt. Es heißt doch nicht umsonst “Er griff zu seiner Sekretärin und sie zur Flasche” :-))
(…)
“Ist auch kein ein Problem, solange man nicht die Kontrolle verliert.”
genau, diese antwort [version mit kein] gehört zu den standard-antworten, wenn es um alkoholismus geht. leider richtet sich alkoholabhängigkeit nicht nach standard-antworten, sondern nach einer eigenen gesetzmäßigkeit, die zudem individuell je sehr verschieden sein kann.
nebenbei: die meisten alkoholiker im noch-nicht-therapiefähigem stadium meinen, sie hätten ihren alkoholkonsum voll im griff und könnten jederzeit darauf verzichten, und klar, man will ja auch mal fröhlich sein (können), feste feiern, mal ein bißchen aus sich herausgehen können, locker werden, in stimmung kommen, entspannen, und was es sonst noch so an netten begründungen dafür gibt, alkohol zu sich zu nehmen. dumm daran ist nur, daß alkohol eben eine der unsozialsten drogen überhaupt ist, neben kokain z.b., und leider auch viele menschen, die gar keine alkoholiker sind, zu sogenannten co-alkoholikern macht – die “enthemmende” oder “selbstüberschätzende” wirkung durch alkoholgenuß z.b. ist verantwortlich für viele straftaten (ca. 300.000 pro jahr) und mindestens 60% der verkehrsunfälle sind auf alkoholgenuß zurückzuführen, aber stimmt schon, so lange man seinen alkoholkonsum unter “Kontrolle” hat – klar, kein problem!
apropos rückgang des alkoholkonsums insgesamt: die zahlen der straftaten unter alkoholeinfluß steigen seit längerem besorgniserregend! die polizeilichen Kriminalstatistik 2009 wies 300.000 strataten aus, die unter alkoholeinfluß begangen worden sind. relativ konstant ist der anteil der unter alkoholeinfluß verübten gewaltdelikte an der gesamtzahl dieser delikte, ein drittel! und bei ca. 60 % der verkehrsunfälle spielt alkoholgenuß eine große rolle …
kleine anmerkung: es gibt durchaus alkoholiker, die nach außen als solche nicht auffällig sind, lange relativ unproblematisch mit ihrem alkoholkonsum umgehen können, durchaus zu recht von sich behaupten, sie hätten das mit dem alkohol unter “Kontrolle” – bis ihnen dann eines schönen tages etwas passiert, was sozusagen als “trigger” funktioniert, und dann dreht sich das mit der “Kontrolle” eben um…
Das alles ist ganz interessant, beantwortet aber nicht die Frage ob ange- oder betrunkene Leute mit der U-Bahn befördert werden sollen.
Nicht jeder Alkoholisierte wird dort unten zum Schläger und in den bisher bekanntgewordenen Fällen war nicht jeder Schläger alkoholisiert.
@ ulla
“Nicht jeder Alkoholisierte wird dort unten zum Schläger und in den bisher bekanntgewordenen Fällen war nicht jeder Schläger alkoholisiert.”
weder das eine noch das andere wurde behauptet, aber Ihnen widerspricht dann eben doch die statistik – ca. ein drittel der täter hinsichtlich verübter gewaltdelikte standen zum zeitpunkt des begehens der straftat unter alkoholeinfluß. auch unter den Ihnen bekannten fällen wurde oftmals ein vorhergehender alkoholkonsum in den zeitungsberichten erwähnt, z.b. bei dem schweren delikt am bahnhof ostkreuz. ich meine mich zu erinnern, daß ich hier im HSB sogar ganz besonders auf diesen umstand hingewiesen habe. nebenbei: es geht bzgl. gewaltdelikten und alkolisierung nicht nur um die täter, sondern auch um die opfer, denn alkoholisierte menschen stehen generell in einem erhöhten risiko, in gewaltdelikte verwickelt zu werden. Sie wissen ja, ein wort ergibt das andere und schon steckt man mittendrin… alkohol ist eine verhaltens- und bewußtseinsverändernde droge (zumindest für die meisten), weswegen sie ja auch so beliebt ist…
“Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2008 von insgesamt 159.178 aufgeklärten Fällen im Bereich der Gewaltkriminalität 52.381 Fälle (32,9%) unter Alkoholeinfluss verübt (2007: 27%). Insbesondere bei den schweren und gefährlichen Körperverletzungsdelikten (44.691 Fälle), deren Anteil im Vergleich zum Vorjahr von 34% auf 34,5% wieder leicht angestiegen ist, ist der Anteil vergleichsweise hoch. Eine Schweizer Studie legt den Umstand nahe, dass bei rund 40% der Gewalthandlungen, die der Polizei bekannt sind, Alkohol im Spiel ist (Keller u.a., 2008).”
(quelle: http://www.aktionswoche-alkoho.....ewalt.html)
die zahlen für 2009 ergeben den gleich hohen anteil von “alkoholisierten” bei straftaten, bei schweren gewaltdelikten sogar eine weitere steigerung.
aus derselben quelle: “Alkohol kommt eine große Bedeutung im Rahmen interpersoneller Gewalt zu. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem individuellem Risiko, Gewalttäter oder Gewaltopfer zu werden. Auf diese Verbindung machte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2002 in ihrem Weltbericht über Gewalt und Gesundheit aufmerksam…”
und: “Vereinfachend kann der Einfluss des Alkohols auf das Gewaltverhalten einzelner Menschen als stark begünstigender Faktor angesehen werden, nicht jedoch als alleinige Ursache: …”
wäre ja auch zu simpel, wenn man einfach alkohol verbieten würde, alle hielten sich daran und schon ist schöne heile welt, alles bunt, alles chic!
“… beantwortet aber nicht die Frage ob ange- oder betrunkene Leute mit der U-Bahn befördert werden sollen.”
völlig richtig, aber Sie stellen die frage hier wohl auch falsch (“Berlin: Alkoholverbot bei Bus und Bahn = weniger Gewalt und mehr Sicherheit?”) – aber lassen wir diese frage so wie sie ist: nicht die beförderung betrunkener oder angetrunkener ist das problem, sondern, daß die menschen angetrunken oder betrunken sind, meistens schon, bevor sie überhaupt ein öffentliches verkehrsmittel benutzen (wollen).. ich denke, der verfasser des beitrages ist nicht ohne überlegung dazu gekommen, sich über das “Kernproblem” gedanken zu machen. ein “fahr- oder zugangsverbot” dieses hier nun angesprochenen personenkreises löst nicht die problematik von gewaltdelikten oder auch nur von “belästigungen”, auch nicht die, die im zusammenhang der benutzung öffentlicher verkehrsmittel verübt werden und geschehen…
nebenbei: evtl. erinnern Sie sich, daß 1704 ein vertreter der these ist, daß die gewalt, die wir so häufig beklagen, gesellschaftlich bedingt ist, und dazu gehören sehr viele faktoren, auch solche, die auf den ersten blick ganz unscheinbar oder harmlos erscheinen…
aber ich kann Ihre frage durchaus aus meiner sicht beantworten: ich halte es für unsinn, wenn man mit einer solchen maßnahme tatsächlich verknüpfen wollte, mehr sicherheit zu gewährleisten und damit weniger gewaltdelikte möglich zu machen. ich bezweifle sogar, daß die verkehrsmittel dadurch “sauberer” würden…
“Kurz nach Mitternacht, U-Bahnhof Stadtmitte. Drei Typen torkeln, schwer angeschlagen, mit ’ner Pulle Bier in den Zug. Ich gucke schnell wieder weg. Die anderen im Abteil ebenso. Nur keinen falschen Blick riskieren. Die Bilder der letzten Monate machen unsicher. Die aus Überwachungskameras, die zeigen, wie schnell man ohne Dazu tun Opfer eines brutalen Übergriffs werden kann. Alkoholkonsum in der U-Bahn, in der Straßenbahn, im Bus? Nein, natürlich nicht! Die BVG schreibt zwar in ihrer Hausordnung, dass übermäßiger Alkoholgenuss verboten sei auf Bahnhöfen, in Bus und Bahn. Aber wo zieht man eine Grenze: Darf man nur ein Bierchen trinken, zwei oder drei? Ist ein bisschen besoffen okay? Ich will nicht von Besoffenen auf dem Bahnhof angepöbelt werden. Und ich will ohne Angst von A nach B fahren.”
Stefan Henseke, KURIER-Redakteur
http://www.berliner-kurier.de/.....index.html