London Calling – Berlin Burning?

Der Berliner Soziologe Andrej Holm heute Abend in der Kulturzeit über die Unruhe in den großen Städten.

28 Kommentare
  1. Austeiger 23. August 2011 ⁓ 12:08

    Typisches Soziologengeschwafel, nur bla, bla, bla

  2. 1704 23. August 2011 ⁓ 13:36

    nur dem, der nicht zuzuhören vermag! und klar, wenn griffige phrasen erwünscht sind, ist alles andere natürlich bla bla. immerhin hätten Sie die mahnung vernehmen können, die von Holm formuliert wird, aber dazu muß man sich eben die zeit nehmen, auch tatsächlich zuzuhören!

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/aug/10/riots-reflect-society-run-greed-looting

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/aug/08/context-london-riots

  3. Leo 23. August 2011 ⁓ 14:09

    Oh bitte, bitte nicht schon wieder dieser Typ. Schlecht informiert und ideologisch voreingenommen. Absurder geht es nicht. Er wirft der konservativen britischen Regierung ideologische Ovriengenommenheit vor – und sie seine eigene linksgestrickte Voreingenommenheit nicht.

    Vor allem ist er unfassbar schlecht informiert über den Stand der Diskussion zu den Riots in UK.

  4. Hernando 23. August 2011 ⁓ 14:31

    @1704

    Ich war so frei, mir “die zeit nehmen, auch tatsächlich zuzuhören!”

    Und was höre ich da?
    O-Ton Holm: “Kriminalisierung”

    Für mich ist das Kriminalität, Schwerstkriminalität sogar. Brandstiftung mitten in einer eng bebauten und dicht besiedelten Großstadt.

    Aber gut, das wir die deutschen Professoren der sogenannten “Geisteswissenschaften” haben. Die produzieren dann fleißig Studienabschlüsse. Und mit denen schmücken sich dann die Politiker.
    Ob dabei für die Gesellschaft was rüber kommt, wird nicht hinterfragt.
    Statt Geld in Naturwissenschaften, Technik, Medizin zu stecken, leisten wir uns lieber diesen nutzlosen und teilweise gefährlichen Luxus.

    Herr Holm verliert auch kein Wort über die kleinen und mittelständischen Geschäftsleute, deren Existenz vernichtet wurde.

    Vielleicht hat die Sache ein Gutes: Die Forderung des Volkes, diesem Abschaum die Sozialhilfe zu streichen, muss demnächst dank zahlreicher Unterschriften im Unterhaus debattiert und beschieden werden.
    Das wäre für mich die wirksamste Form der Abschreckung. Da sollten wir auch bei uns mal drüber nachdenken.

  5. Susanne HSB 23. August 2011 ⁓ 16:27

    Mit „kriminalisiert“ dürften z. B. die beiden Jungs gemeint sein, die aus einer Laune heraus Unsinn ins Netz geschrieben haben, der darüber hinaus völlig folgenlos geblieben ist, die dafür nun aber für satte 4 Jahre in den Knast wandern. Meiner persönlichen „Knasterfahrung“ nach kommt das einer Kriminalisierung, vor allem auch in ganz praktischer Weise, mehr als nur nahe.

    Stellen Sie sich das doch einfach mal vor: Die haben nicht mehr und nicht weniger gemacht als das, was Sie hier tun.

  6. 1704 23. August 2011 ⁓ 16:28

    ich bezweifle, daß Sie in diesem interview lediglich das wort “Kriminalisierung” gehört haben, von daher ist es auch kein “O-Ton Holm” – der mann ist es gewohnt in ganzen sätzen zu reden, allerdings ist er natürlich nicht davor gefeit, daß menschen wie Sie sich weigern, den sinn eines satzes zu erfassen, aber auf einzelne wörter anschlagen wie der arme hofhund auf harmlose besucher. ich denke, Sie können Holm nicht für Ihre mentalen reflexe verantwortlich machen!

    und, abgesehen davon: was schreiben Sie zum inhaltichen des interviews? die übliche schelte auf die geisteswissenschaft(en). und daß Holm kein wort über die “über die kleinen und mittelständischen Geschäftsleute, deren Existenz vernichtet wurde” verliert, liegt an der logik der fragestellung, denn die ursache und hintergründe für die “riots” sind dort ja nicht zu suchen! Holm hat auch kein sterbenswörtchen über Hertha BSC verloren, ist Ihnen wahrscheinlich noch gar nicht aufgefallen!

    “Vielleicht hat die Sache ein Gutes: Die Forderung des Volkes, diesem Abschaum die Sozialhilfe zu streichen, muss demnächst dank zahlreicher Unterschriften im Unterhaus debattiert und beschieden werden. Das wäre für mich die wirksamste Form der Abschreckung. Da sollten wir auch bei uns mal drüber nachdenken.”

    ich kann mir denken, daß Ihnen das gefällt, aber es ist so ziemlich das dümmste, was gemacht werden sollte. und im sinne von “Abschreckung” würde es schon einmal gar nicht funktionieren! ganz im gegenteil: Sie sollten dann auch zugleich daran denken, den knastbau dem neu geschaffenen bedarf entsprechend anzupassen! nebenbei können Sie dann auch gleich den personalbedarf bei polizei und justiz entsprechend aufstocken. und Sie können absolut sicher sein, daß das ausmaß an gewaltkriminalität enorm steigen wird, ebenso das, was man so unter “beschaffungs- und kleinkriminalität” verbucht. wenn Sie also eine gesellschaft haben wollen, in der Sie stets und ständig um ihr eigentum fürchten müssen, wenn Sie ihres lebens in der öffentlichkeit nicht mehr sicher sein wollen, dann machen Sie genau das: streichen sie allen angeblichen schmarotzern und den so genannten sozial verwahrlosten einfach die sozialhilfe, es wird als knüppel auf ihren kopf zu Ihnen zurückkommen! was Sie da gern umgesetzt sehen wollen: das ist in meinen augen dummheit pur!

    und wenn Sie wissen wollen, wie Andrej Holm das mit der kriminalisierung gemeint haben könnte, dann hier ein hinweis: “Ordnungspolitik und Kriminalpolitik waren schon immer dankbare Themen für schlichte Gemüter und Parteien, die zu komplizierteren Fragen der Stadtentwicklung keine Antworten zu bieten haben.” (quelle: http://gentrificationblog.wordpress.com/2011/08/22/berlin-brennende-autos-und-londoner-verhaltnisse/#more-3131)

    ach, und noch etwas (gleiche quelle, Gentrification Blog, “Berlin: Brennende Autos und Londoner Verhältnisse”) – evtl. geeignet, mal den etwas ranzig wirkenden konservenblick auf die wirklichkeit ein wenig zu erweitern:

    “… Unter den Festgenommenen sind Kinder und Jugendliche aus den Londoner Sozialwohnungs-Ghettos ebenso vertreten wie Mittelklasse-Kids von elitären Privatschulen. Die Krawalle verschließen sich einer klassischen Ursache-Wirkungs-Erklärung, …

    Aufstände wie in London sind gerade in ihrer scheinbaren Ziellosigkeit Ausdruck der wachsenden Desintegration in den westlichen Gesellschaften. Und eben darin liegt auch die Vergleichbarkeit zur Berliner Situation…”

  7. Sigurd 23. August 2011 ⁓ 17:16

    @Susanne HSB
    Danke für diesen Kommentar.

  8. Hernando 23. August 2011 ⁓ 21:04

    @Susanne

    Ihre Überheblichkeit ist schlimm.
    Färbt @1704 so stark ab?

    Bei den zwei facebook boys würd ich ich Ihnen sogar zustimmen. Das find ich auch zu hart. Wird auch sicher in der Revision geändert.

    Andere Maßnahmen find ich aber ganz toll: Täter müssen vor Ort in aller Öffentlichkeit und gut als solche erkennbar den Schaden beseitigen, den sie angerichtet haben.

    Nebenbei: “Berlin Burning” als Schlagzeile ist geschmacklos.
    Ob @Sigurd das auch gemerkt hat?

  9. Susanne HSB 23. August 2011 ⁓ 21:51

    Da steht „Berlin Burning?”, soviel Lesezeit und Interpretationsgenauigkeit muss sein. (Und das ist das, worüber u. a. Sie hier dauernd reden wollen. Und die Wahlkampfpolitiker natürlich. Aber das nur am Rande.)

  10. 1704 23. August 2011 ⁓ 22:13

    @ Hernando

    “Ihre Überheblichkeit ist schlimm”

    die empfundene “Überheblichkeit”, die man einem anderen bescheinigt, verhält sich oft proportional zur eigenen unfähigkeit, die anlaß zu diesem empfinden ist.

    die überschrift ist wohl eher teleologisch zu verstehen (folgen wir dem interview auf 15-jahre-sicht), und zwar ausdrücklich mit einem fragezeichen! was Sie daraus machen ist billigste wahlpropaganda für jene, “die zu komplizierteren Fragen der Stadtentwicklung keine Antworten zu bieten haben”!

  11. Glis glis 24. August 2011 ⁓ 01:23

    Nun, Holm zeigt sich als ehrlicher Sozialwissenschaftler; im wesentlichen sagt er, daß man (und auch die Sozialwissenschaft) derartige Exzesse nicht aus einigen wenigen isolierten Faktoren heraus erklären kann, und daß auch Politik und Presse zu kurz greifen, wenn sie das versuchen. Insofern ist seine Botschaft für die politische Linke (der er mehr oder weniger zugehört) eigentlich genauso problematisch wie für die politische Rechte, und es zeugt in der Tat von einer gewissen… äh, naja… Beschränktheit der letzteren, wenn sie das nicht erkennt und an der Stelle einfach dem gewohnten Beißreflex folgt.

    Übrigens, um im Kontrast zum gerade Gesagten doch zwei Faktoren anzusprechen: Es ist ja nun gelegentlich in den Medien mit einem gewissen Erstaunen davon berichtet worden, daß es in Japan nach dem verheerenden Erdbeben kaum Plünderungen gegeben hat, wie sie anderswo in solchen Situationen oft zu beobachten sind. Siehe z.B. gerade diesen Beitrag…

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0822/seite1/0054/index.html

    … und das steht doch in einem gewissen Kontrast zu London, nicht wahr?

    Nun mal so die Frage in die Runde: Was macht in Japan den Unterschied aus zu den meisten anderen modernen Gesellschaften, womit könnte sich also dieser offenbar größere Grad sozialen Zusammenhalts erklären lassen?

    Ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber mir fallen da vor allem zwei Dinge ein… sozusagen ein “linkes” und ein “rechtes” Argument…

  12. Gero 24. August 2011 ⁓ 09:21

    Unterschiedliche Kultur dürfte natürlich ein wesentlicher Faktor sein. Aber sowas soll man ja nicht thematisieren.

  13. Hernando 24. August 2011 ⁓ 09:41

    @Glis glis

    Gut, dass Sie die “Sozialwissenschaftler” explizit angesprochen haben. Die mein ich nämlich eigentlich. Meine Schelte gegen die “Geisteswissenschaftler” war ungenau. Da gibt es ganz vernünftige und hilfreiche Disziplinen drunter.

    Was nun den Unterschied zu Japan betrifft. Die Erklärung steht knapp und prägnant in Ihrem Link:

    Die Ehrlichkeit der Finder gilt in Japan als positives Zeichen dafür, dass die Grundwerte der Gesellschaft auch der Ausnahmesituation der Naturkatastrophe standgehalten haben.

    Die haben eben noch Grundwerte, die haben eine Leitkultur.

    Wie soll sowas gehen bei uns in dieser von den meisten zwar nicht gewollten, leider de facto aber vorhandenen multikulturellen Gesellschaft?
    Die noch vorhandenen Grundwerte werden immer mehr relativiert. Auch in diesem Sinn schaffen wir uns ab.

  14. Susanne HSB 24. August 2011 ⁓ 11:26

    Das mit dem „rechten“ und dem „linken“ Argument verstehe ich nicht, aber egal. Mir fällt vor allen ein Unterschied ein: In Japan handelte es sich um nichts Menschengemachtes sondern um eine riesige Naturkatastrophe. Auch in Zusammenhang mit dem Tsunami 2004 nach dem Erdbeben im Indischen Ozean oder nachdem Hurrikan Katrina, der 2005 New Oleans weggewaschen hat, ist es zu wenig bis keinen Plünderungen gekommen. Vermutlich denken Menschen nicht mehr an Luxus, wenn es um Lebensmittel geht. Und womöglich gab es da auch nichts mehr zu plündern.

    Kulturelle Unterschiede ließen sich natürlich dennoch vielfältig aufzeigen. Da fällt mir auf Anhieb so einiges ein. Aber, verdammt, befänden wir damit nicht gleich wieder im Dunstkreis der Geisteswissenschaften und der Soziologie?

  15. 1704 24. August 2011 ⁓ 11:58

    zwei sachverhalte fallen mir zu Ihrer frage bzgl. Japan sofort ein, zum einen die lange geistig-mentale tradition des Buddhismus (Shintoismus), in der “Leiden” und “Leere” ganz entscheidende begriffe sind, ebenso das im westen eher unverstandene “Nirvana”, zum anderen die kulturell sehr ausgeprägten formen von loyalität und bewußter abhängigkeit vom kollektiv oder der familie, die einem ausgeprägten individualismus entgegen steht.

    ob die frage(n), die Sie stellen, tatsächlich sinnvoll ist(/sind), sollte zumindest kritisch betrachtet werden, denn es werden hierzu zwei sehr verschiedene gesellschaften/kulturen miteinander in eine vergleichende beziehung gesetzt und gleichzeitig zwei völlig verschiedene ereignisse als vergleichsweise beispielhaft gegenüber gestellt. ich bin mir relativ sicher – was allerdings nur eine vermutung ist, die einem grundgefühl folgt -, daß es z.b. in Deutschland angesichts einer solchen katastrophe, wie in Japan geschehen, ebenfalls nicht signifikant zu plünderungen kommen würde. zum anderen stützen Sie Ihre grundannahme (“kaum Plünderungen”) auf anscheinend nur wenige quellen, die leider nicht unbedingt ein objektives bild zeichnen: es kam zu plünderungen, und durchaus in erheblichem umfang, so daß z.b. die polizei in der region mehr personal abstellte, um das eigentum der betroffenen besser zu schützen. die plünderungen werden jedoch durch das ausmaß der leidtragenden einer gewaltigen naturkatastrophe geradezu marginalisiert: was sind 250 diebstähle oder 100 gestohlene fahrzeuge bei einem solche gewaltigem ausmaß an opfern einer naturkatastrophe? kleines beispiel dazu: “Fifty-six ATM thefts have been reported in the three disaster-hit Tohoku prefectures since the March 11 earthquake and tsunami, with the amount of money stolen totaling 684 million yen, according to the National Police Agency. About 420 million yen, or 60 percent of the money, was stolen from within 20 kilometers of the Fukushima No. 1 nuclear power plant. Deserted in the wake of the disaster, ATMs in convenience stores and financial institutions in the area in particular have become targets for theft. According to the NPA, further ATM thefts are unlikely to occur as cash left at empty stores and banks has now been collected.” (quelle: http://bionicbong.com/japan/video-japan/thieves-raid-evacuation-areas-pillaging-homes-atms/)

    andererseits vermittelt Ihre frage, wahrscheinich unbeabsichtigt, den eindruck, als wäre es bzgl. der “riots” in London vorwiegend zu plünderungen und brandstiftungen gekommen – dieser eindruck ist falsch, aber verständlich, da in den berichten über die vorkommnisse in England geplünderte geschäfte und brennende wohnhäuser und angezündete autos im vordergrund standen. zum anderen ist mittlerweile bekannt, daß sich in die unruhen auch sehr viele hooligans mischten, denen es tatsächlich lediglich um “randale” ging.

    und, auch wenn Andrej Holm es im oben wiedergegebenen interview nicht als eindeutige ursache benennt, so sei doch darauf hingewiesen: “Nach Angaben des Labour-Abgeordneten David Lammy ist die Arbeitslosenquote in Tottenham die höchste in London und die achthöchste in Großbritannien. Viele Jobs hängen hier von öffentlichen Geldern ab – und gerade dort spart die Regierung von David Cameron… Bis 2015 sollen die Ausgaben um 91 Milliarden Euro gekürzt werden – das meiste Geld will Schatzkanzler George Osborne bei den Sozialausgaben sparen: Kindergeld, Betreuungsgeld, Wohnzuschüsse, Steuererleichterungen für Familien werden zusammengestrichen. Angst treibt viele Arme, Arbeitslose, Rentner, Alleinerziehende und andere Empfänger der entsprechenden Unterstützung um…” (Süddeutsche Zeitung, Welche Folgen hat der Sparkurs der Regierung Cameron? 08.08.2011, link: http://www.sueddeutsche.de/politik/unruhen-in-london-warum-die-gewalt-in-tottenham-explodierte-1.1129106-4)

    und noch etwas, weil es so schnell unter die medienräder gekommen ist: “Am Anfang stand ein mysteriöser Todesfall: Am Abend des 4. August starb der Tottenhamer Mark Duggan durch eine Polizeikugel, die Umstände des Vorfalls sind noch ungeklärt…” (Süddeutsche Zeitung, Warum die Gewalt in Tottenham explodierte, 08.08.2011, link: http://www.sueddeutsche.de/politik/unruhen-in-london-warum-die-gewalt-in-tottenham-explodierte-1.1129106) es erinnert stark an die “Broadwater Farm Riots” des jahres 1985, ebenfalls in Tottenham, North London… (hierzu: http://www.guardian.co.uk/uk/1985/oct/07/ukcrime.garethparry)

  16. Susanne HSB 24. August 2011 ⁓ 12:03

    Ja, war klar, dass das kommen würde. 1. Hab ich gar nicht behauptet, dass Plünderungen im allgemeinen Chaos nicht vorgekommen wäre. Im Gegenteil, meines Wissens waren sogar Polizisten daran beteiligt. 2. Verlinken Sie auf ziemlich frühe Berichte und Bilder, die später vielfach revidiert werden mussten. Häufig wares es einfach nur Fotos von Menschen, die sich und ihre Angehörigen mit dem Nötigsten zu versorgen versuchten, die mit unsinnigen Unterzeilen versehen wurden. 3. Begeben wir uns damit vermutlich wiederum auf das Gebiet der Soziologie und müssten an dieser Stelle die Grundzüge einer rassistischen Gesellschaft ergründen.

    Aber lassen Sie uns nach diesem Ausflug in andere Gesellschaften besser nach Berlin zurückkehren, wo wir uns alle so gut auskennen. Danke!

  17. 1704 24. August 2011 ⁓ 12:13

    zur vervollständigung:

    “… Kurz nachdem der Hurrikan am 30. August weiterzog, waren einige in der Stadt gebliebene Bewohner von New Orleans in ihrem Elend darauf angewiesen, in Geschäften nach Lebensmitteln und Wasser oder nach Dingen, die wegen der Zerstörungen nicht mehr erhältlich waren, zu suchen. Dabei nutzten selbst Polizisten die Situation auch für reine Plünderungen aus.

    In den Sensations-Medien gab es fortlaufend Berichte über Autodiebstähle, Morde, Einbrüche und Vergewaltigungen; später wurde der Wahrheitsgehalt der meisten Meldungen in Frage gestellt…”

    und: “Es gab mehrere Schießereien zwischen der Polizei und Bewohnern von New Orleans. Weiße Bürgerwehren erschossen nach Schätzungen von Bürgerrechtlern ‘mehrere Hundert der 1800 Katrina-Toten’… Staatsanwaltliche Ermittlungen, so die Bürgerrechtler, habe es nicht gegeben…” (wikipedia, Hurrikan Katrina)

  18. ulla 24. August 2011 ⁓ 12:27

    Richtig: “später wurde der Wahrheitsgehalt der meisten Meldungen in Frage gestellt…” – wurde er auch widerlegt?

  19. Susanne HSB 24. August 2011 ⁓ 12:29

    Ja. Zum Teil ist das gelungen.

    Und damit zurück nach Berlin.

  20. 1704 24. August 2011 ⁓ 13:35

    @ ulla

    “Richtig: ‘später wurde der Wahrheitsgehalt der meisten Meldungen in Frage gestellt…’ – wurde er auch widerlegt?”

    wie @Susanne HSB schon schrieb: ‘Ja. Zum Teil ist das gelungen.’ aber es kamen auch etliche details ans licht der öffentlichkeit, z.b diese hier:

    “… Es waren die Plünderer, die zuschlugen. Und zwar zumindest anfänglich nicht Gestrandete, die allein Wasser und Lebensmittel suchten. Schon am ersten Tag verschwanden Luxusgüter. In mehr als 230 Fällen ermittelt die Polizei, auch gegen Plünderer in den eigenen Reihen. 52 Beamte stehen im Verdacht, 200 Autos, darunter 41 neue Cadillacs, geklaut zu haben. Ermittelt wird auch gegen jene Beamte, die im Wal-Mart nicht gegen Plünderer vorgingen, sondern selbst DVD-Spieler heraustrugen…” (DIE ZEIT, 42/2005, Nach dem Hurrikan Katrina zeigt sich: Die Meldungen von den schlimmsten Gewalttaten in New Orleans waren falsch, link: http://www.zeit.de/2005/42/Geruechte_als_Berichte)

    und zur lektüre empfohlen: Der Tagesspiegel, Was wahr war – Die Schreckensmeldungen aus dem zerstörten New Orleans haben sich als überwiegend falsch erwiesen, 07.10.2005, link: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/was-wahr-war/648396.html

    im selben artikel wird auch einmal daran erinnert, wie wichtig es ist, sich eine ganz bestimmte frage ehrlich zu beantworten: “Vor allem aber klangen die Horrormeldungen für viele Amerikaner plausibel. Sie kennen die Bilder von Straßenunruhen in armen Schwarzenvierteln der Großstädte. „… Keith Woods, Dekan der Journalistenfakultät, will den Reportern keine Vorwürfe machen. ‘Wenn die Kommunikation zusammenbricht, bleibt als Hauptnachrichtenweg, was von Mund zu Mund getragen wird.’ Eine Frage allerdings sollten die Journalisten dann viel öfter stellen: ‘Woher wissen Sie das?’”

    und diese kleine frage sollten sich auch immer wieder jene stellen, die hier so eifrig gewißheiten verbreiten, die keine sind! es ist übrigens eine frage, auf die man, wenn man sie stellt, meistens keine oder nur eine sehr vage antwort erhält! ist Ihnen das auch schon aufgefallen?

  21. Helen 24. August 2011 ⁓ 13:39

    Stellt Plünderungen in London nicht der Katastrophe von New Orleans gegenüber. Das paßt nicht zusammen und ist ungerecht. Die großen Artikel in Technik usw., , die hier sicher gemeint sind, konnten nicht einmal von den Plünderern selbst genutzt werden, es gab keinen Strom und der Abtransport dieser Artikel war auch nicht sicher, denn das Wasser war sehr hoch. Es ist eine Sache etwas zu lesen oder im FS zu sehen, als selbst dort gewesen zu sein. Ich war einige Monate nach Katrina dort, an anderer Stelle habe ich darüber geschrieben.
    Über die Lebensmittelversorgung ist oben schon alles gesagt worden.

  22. ulla 24. August 2011 ⁓ 15:05

    Daß Ihnen das nicht selber aufgefallen ist … Der TSP-Artikel hat nur wenig gemein mit den Plünderungen die @Susanne anfangs wohl meinte – in dem Artikel geht es hauptsächlich um andere Gewalttaten.

    Auch im Zeit-Artikel geht es primär um andere Taten und Gerüchte – allerdings sind Polizisten, die plündern auch Plünderer und müssen genauso behandelt werden. Es handelt sich lt. Bericht um über 230 (unentschuldbare) Fälle von wievielen insgesamt? Das wissen Sie doch bestimmt :-)

    Sie können gerne noch weiter machen, ich folge jetzt @Susannes Vorschlag und bleibe in Berlin.

  23. Susanne HSB 24. August 2011 ⁓ 15:11

    Auch wenn ich selbst schuld bin, da ich es war, die Katrina zuerst erwähnt habe, bitte ich nun um Beendigung des Themas. Danke!

  24. Sigurd 24. August 2011 ⁓ 18:20

    Wenn hier von Sozialgeschwafel geschrieben wird, so sollte derjenige froh sein, dass er nicht zu denen gehört über die er sich abfällig äußert.
    Natürlich gibt es zu der Meinung von Herrn Holm gegenteilige Meinungen, wäre auch komisch wenn dem in einer Demokratie nicht so wäre. Auch habe ich sein Interview nicht so verstanden, dass er der Meinung wäre, die allumfassende Lösung zu haben. Sondern er gab seine Einschätzung zum Besten.
    Gerade, dass es in England keine umfassende Erklärung für die plötzliche Gewalt gibt, obwohl sie sich schon seit Längerem ankündigte, jedenfalls demjenigen der die europäischen Vorkommnisse aufmerksam verfolgt, macht es nicht unwahrscheinlich, auch wenn die Medien dies für Deutschland nicht für möglich halten, dass es auch hier zu solchen Ausschreitungen kommen kann. Wie auch in anderen europäischen Staaten, in denen die Zukunftsaussichten der Jugend immer dunkler werden. Spanien und Italien könnten die nächsten Länder sein.
    Das Aufbegehren der Jugend hat nichts, oder nur wenig mit Kriminalität zu tun, auch wenn es sich nicht verhindern lässt, dass auch kriminelle Elemente mitgezogen werden, sondern damit, dass die Jugend Lösungen von der Politik erwartet und immer mehr versteht, dass diese keine Lösungen zur Hand hat oder Lösungen bewusst auf die lange Bank geschoben werden um anderen weiterhin gewinnträchtige Vorteile zu verschaffen.

    Was nun die „Werbekampagne“ der Parteien zum Autoabfackeln betrifft, so ist dies die absolute Bankrotterklärung derjenigen Parteien, die sich dieser „Werbung“ bedienen. Zwar halte ich es durchaus für legitim wenn Parteien bei einem engen Wahlkampf, wie er sich zwischen den GRÜNEN und der CDU abzeichnet, versucht jede Stimme die einem einen kleinen Vorteil, sprich einen Prozentpunkt mehr einbringt, zu erhaschen, dabei sollte aber nicht die Hilfe krimineller Straftäter in Anspruch genommen werden. Nichts anderes ist dies in meinen Augen. Man verabscheut die Taten, aber macht mit ihnen Werbung um Stimmen zu erhaschen. Auf solch einen unappetitlichen Wahlkampf kann man gerne verzichten.

  25. Helen 24. August 2011 ⁓ 21:37

    Hier wird viel geschrieben über Krawalle, Zerstörungen, hehre Ziele werden verfochten, alles legitim und richtig, aber nicht aufrichtig, wer von ihnen weiß eigentlich was Hunger ist? Es gibt verschiedenen Hunger, aber ich meine den auf eine Scheibe Brot, ganz einfach nur Brot.

  26. Werner 25. August 2011 ⁓ 01:32

    „…dass die Jugend Lösungen von der Politik erwartet und immer mehr versteht, dass diese keine Lösungen zur Hand hat..“
    Dass die Politik in D und der EU keine Lösungen hat, versteht – glaube ich – inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung. Das Problem ist das Fehlen jeglicher Alternativen. Bzgl. D: Welche der etablierten Parteien (einschl. Linke und Grüne!) bietet denn z.B. in der gegenwärtigen €-Katastrophe eine überzeugende Lösung an? Keine! Die durchgängig – politisch korrekte – Lösung ist: Wir zahlen für alle! Dass dies nicht gut gehen kann, traut sich selbst der Bundeswolf inzwischen auszusprechen (was wohl Mutti dazu sagt?). Was ändert’s? Bisher nichts, es wird nach „bewährten“ Muster weitergewurschtelt. Ähnliches gilt für fast alle Problemfelder. Viel hochtrabendes Blabla ohne konkrete Inhalte und Folgen!

  27. Glis glis 25. August 2011 ⁓ 14:30

    Also ich plazier das jetzt hier mal nachträglich so rein… bzgl. Japan und “linkes und rechtes Argument”.

    Mit “linkes Argument” meinte ich den stark egalitären Charakter der japanischen Gesellschaft, verbunden mit einer höheren Gewichtung sozialer Gleichheit im Wertekanon und auch lange Zeit wohl sehr niedrigen Maßen von Ungleichverteilung (Vermögen und Einkommen). Das Argument ist mir aber, wie ich sehe, zum Teil abhanden gekommen. Zwar findet man in den UN-Datenbanken noch den 1993-er Einkommens-Gini von 0,249 – im internationalen Maßstab am ganz unteren Ende -, aber neuere Erhebungen haben wohl einen deutlichen Anstieg in den letzten zwei Jahrzehnten ergeben, allerdings gehen die Zahlen in verschiedenen Veröffentlichungen da weit auseinander. Na, wie dem auch sei, vor ein paar Jahren habe ich mich mal mit einem japanischen Studenten hier in D unterhalten, und der beschrieb sein Land doch als eher egalitär, verglichen mit Europa.

    Das “rechte Argument” – vorgebracht von einem Linksliberalen – findet sich hier…

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/2.220/mythos-melting-pot-im-kaefig-1.834924

    … und in bezug auf Japan würde es dessen relative ethnisch-kulturelle Homogenität meinen.

    Wie gesagt, das sind jetzt nur Gedanken, ich bin kein Japan-Kenner und kann dazu nicht wirklich valide Aussagen machen. Ein anderes denkbares Argument wäre die relativ weit fortgeschrittene Alterung der japanischen Gesellschaft, die ja immer in der Tendenz “befriedend” wirkt… Und was die Plünderungen angeht: Also alle Berichte, die ich dazu kenne, sprechen von großer Disziplin und eben gerade einem Ausbleiben von Plünderungen – und wenn man mal “Japan + Erdbeben + Plünderungen” googelt, findet man auch nichts anderes. Einzelfälle mag es freilich immer geben.