Archiv für September 2011

Graffiti: Ein seltenes Insekt

Graffiti: ein seltsam exotisches Insekt! Foto: ©MM|HSB2011

Fett oder Muskeln?

Seit langem hatte ich wieder Appetit auf etwas Schmackhaftes aus der alten Heimat: frischer Rievkoche (Reibekuchen, Puffer) mit Zwiebel, grob geraspelt und knusprig-saftig und in schön viel Fett gebraten, die abgetropften Reibekuchen dann auf eine Scheibe Schwarzbrot und dazu rheinisches Zuckerrübensirup. Ungesund, fettig, aber superlecker!

In Berlin gibt es fast nirgendwo frische Puffer, und wenn, dann aus der Tiefkühlpackung und fein gerieben. Deshalb also: selber machen! Also auf zum Einkauf.

Im Supermarkt hatte ich die Kartoffeln, ein Liter Sonnenblumenöl und das Rübenkraut bereits im Einkaufswagen, war auf dem Weg zur Kasse, als ich zwei Frauen und einen Mann bemerkte, die alle drei ziemlich massiv einen anderen, ca. 35jährigen Mann anstarrten, der in megaknappem bauchfreien Träger-T-Shirt seine prallen Muskeln mit vielen Adern, seine kräftigen Unterarme und seinen 8-Pack-Bauch zur Schau stellte. Er hatte 4 Tüten 0,1% Milch im Wagen und viele Magerjoghurts.

Ganz kurz war ich im Zweifel, ob ich wirklich die Reibekuchen machen sollte und stattdessen vielleicht lieber eine Runde Sport mache, um anschließend einen verführerisch leckeren, fast fettlosen Joghurt zu essen und ein oder zwei Gläschen Mineralwasser dazu.

Der Zweifel währte aber nur ganz, ganz kurz. Die Reibekuchen waren ausgesprochen lecker!

Karaoke with friends

Sänger vor Publikum

Westernheld zieht blank - Foto: h|b

Ich muss gestehen, dass ich den Mauerpark bis jetzt eher gemieden habe, vor allem am Wochenende. Und dann noch bei Superwetter. Zu voll. Zu viele Menschen. Dabei ist es da total lustig. Kann ich jedenfalls für heute konstatieren. Jede Menge Menschen, die gut drauf sind, an jeder Ecke spielt eine Band und auf der “Haupttribüne” steppt der Bär. Im Amphitheater veranstaltet Joe Hatchiban, ein Fahrradkurier aus Irland, jeden Sonntag um drei seine Karaoke-Party. Schönes Wetter vorausgesetzt.

Als er nach der Performance einer Kleinkünstlerin mit seinem mobilen Karaokerad das Rund betritt, wird er von den Anwesenden begeistert empfangen. Ruhig baut er die Anlage auf, derweil die Sangeswilligen Schlange stehen, um sich auf der Liste einzutragen. Nach Detlef, dem “Missionar” mit “Wenn ich einmal reich wär”, tritt der Cowboy auf. Bevor er sich zu einem Countrysong das Hemd vom Leib reißt, hat er seine Aufnahmegeräte positioniert, um sich dabei zu filmen. Selbstdarsteller zu sein, ist sicher an einem solchen Ort nicht verkehrt.

Der nachfolgende Beitrag gehört zwar eher in die Rubrik “Desaster”, aber das Publikum ist tolerant. Wer sich traut zu singen, bekommt auch Applaus. Ausgebuht wird hier niemand. Musste dann leider los, aber mit dem festen Entschluß, öfter vorbeizuschauen, auch wenn die Saison sicher langsam zu Ende geht.

Berliner Piraten mit Krawatte

Vor einer Woche waren sie noch eine Randerscheinung, irgend so ein Netzdings, und wurden weitgehend belächelt. Inzwischen werden sie von allen Seiten, besonders natürlich von Seiten der (alten) Medien, belagert, ja nahezu hofiert. Alle scheinen auf einmal vermitteln zu wollen, wer die denn sind, diese Berliner Piraten. Sogar im Fernsehen dürfen sie sich von gestandenen Politikern und Politikberaterinnen wie auch von Moderatorinnen und anderen Schwatzfressen bestaunen und belehren lassen.

Bov Bjerg – Schriftsteller, Blogger und Kabarettist, wie es heißt – hat sich ebenfalls Gedanken gemacht. Dabei ist er bei den Piraten schon ausgetreten, als sie noch in kleinen finnischen Clubs spielten. (So heißt es auch.) Und er kommt zu ganz eigenen Schlüssen, hier ein paar Auszüge:

Das Programm? Was der alleinstehende junge, weiße Mann halt gern unterm Weihnachtsbaum hätte: U-Bahn und Internet sollen für lau sein und Raubkopien nicht verboten. Nicht zu vergessen, Seite 21 des Berliner Wahlprogramms: Schulobst für alle! Ach, das uralte Problem des Seefahrers: Skorbut! …

Das Wichtigste sind den Piraten Transparenz und direkte Demokratie, gern auch technisch auf dem neuesten Stand, mit Internet. Sie wollen nichts Bestimmtes, Hauptsache, »der Bürger« (Andreas Baum) stimmt darüber ab. In diesem Punkt erweisen sich Piraten als echte Liberale: Sie brauchen in Sachfragen weder Ahnung noch Meinung zu haben. Der Markt, ach nee, »der Bürger« wird’s schon richten. …

Piraten sind, mit dieser Selbsteinschätzung liegen sie richtig, weder rechts noch links. Ob sie aber »vorn« sind? Eher unten. Sie krabbeln unterm Schreibtisch rum und sorgen dafür, dass die Rechner richtig zusammengesteckt sind – den Content müssen andere liefern.

Weiter geht’s zur Quelle. Los, lesen und lachen. Oder wenigstens ein bisschen schmunzeln. Politik soll doch auch mal Spaß machen.

Das ist alles nur geklaut…

Gestohlenes Grün: Keine Blume, nirgends...Foto: ©MM|HSB2011

Back to Deutschmarks

In der U-Bahn saß ich heute neben zahlreichen Amerikanern, die der deutschen Sprache teilweise mächtig waren. Sie schauten immer wieder mit Interesse auf das Fahrgastfernsehen im Zug, unterhielten sich dabei wild schnatternd mit Südstaaten-Slang.

Dann erschien eine Einblendung vom WWF, man solle 200 Mark (!) für ein Projekt spenden. Die Einspielung der Summe erfolgte mehrmals nach kurzen Filmsequenzen.

Beim zweiten Mal schrie der Amerikaner neben mir und stieß mich dabei an: “Look, Angela did it! She really did it! You guys have your Deutschmarks back!”

Ich muss ihn wohl etwas verdattert angeschaut haben, in Gedanken war ich ganz woanders – er schob dann direkt hinterher: “It was just a joke!”

Und schon waren wir in einem sehr interessanten Gespräch über Politik, Amerika, die Banken und “The Pope”.

Ich mag U-Bahn fahren in Berlin!

religion is opium für das volk

Pappfigur mit Aufschrift "Nie Wieder"

Ehemalige Heimkinder demonstrieren gegen Mißbrauch - Foto: h|b

Während der Papst erst im Bundestag sprach und später im Olympiastadion die Messe vor 70.000 Gläubigen las, trafen sich am Potsdamer Platz rund 10.000 Demonstranten unter dem Motto “Keine Macht den Dogmen”, um gegen die Politik der katholischen Kirche und des Vatikans zu demonstrieren. Gegen eine Politik der Ausgrenzung und gegen eine Politik des Wegsehens und Verdrängens. weiterlesen »

Berliner Bilder: Deckenlampe im U-Bhf. Hohenzollernplatz

Deckenlampe im U-Bhf. Hohenzollernplatz (U3) Foto: ©MM|HSB2011

Berlinwahl 2011: Stimmzettel im Müll gefunden

Das wird ja immer schöner. Gestern wurde ein Zählfehler bekannt, jetzt wurden Stimmzettel im Müll gefunden.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, landeten Briefwahlunterlagen in größerem Umfang auf dem Müll und wurden nicht ordnungsgemäß bei der Auszählung berücksichtigt. Welche Folgen das für das Wahlergebnis hat, war am Mittwochnachmittag noch nicht abzusehen. (Quelle)

Berlin am Mittwoch, den 21. September 2011

Es geht heute viel um Politik, um grundsätzliche Einstellungen, um Werte, um streitbare Positionen: der Papst im Bundestag, Koalitionsverhandlungen, Quotenfrauen, Wahlfehler, Wahlversprechen. Und um endlich billigere Sozialwohnungen, vielleicht. Die gewählten und streitbaren Details:

✚ Bundesinnenminister Friedrich betont, der Papst trete im Bundestag als Staatsoberhaupt des Vatikans – und das ist legitim, auch wenn die Trennung von Staat und Kirche, die Säkularisierung, in seinem Fall schwer fällt. Politisch korrekt ist sie trotzdem – egal, wie die Meinung über den Papst selbst ist. Etwas verlogen ist auch die Ankündigung einiger Abgeordneter, der Rede des Papstes fernzubleiben. Alle Fraktionen haben der Einladung des Papstes in einem demokratischen Verfahren zugestimmt.

✚ Ein interessanter und guter Artikel: Nichts gegen den Papst haben. Auch wenn man ihn, so wie ich, als ehemaliger Kirchenchrist ablehnt, weil er für vieles steht, was ich nicht für gut halte.

✚ Die Folgen einer Zählpanne – drei etablierte Politiker in Lichtenberg hat es getroffen. Es wird schwer für sie, damit umzugehen.

✚ Das wäre ein Wort, spät, aber dennoch: rund 100.000 Sozialwohnungen könnten demnächst weniger kosten, bis zu 16% unter dem Mietspiegel. Die am Dienstag vom Senat beschlossene “Ausführungsvorschrift zum Wohnraumgesetz” hat allerdings eine entscheidende Einschränkung: Der Eigentümer der subventionierten Sozialwohnung(en) muss die Förderkredite vorzeitig zurückzahlen wollen und bekommt dann einen Abschlag auf die Kreditsumme in Höhe von rund 33%.

✚ Schwierig: die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen. Erwartungsgemäß. Die Entscheidung könnte lauten: A100 zustimmen oder in die Opposition. Oder anders ausgedrückt: die Wählerbasis vergrätzen wegen Mitregierungsanspruch. Wo hört politischer Pragmatismus auf, wo fängt Machttrieb an?

✚ Immer wieder (traurig) lustig: das Betonen der Geschlechter bei Parteien. Das macht frau heutzutage gern. Ich hab nichts gegen mehr Chefinnen, Entscheidungsträgerinnen und Politikerinnen. Das ist gut. Macht endlich! Ist es Schuld der Männer, dass oft so wenig Frauen mitmachen? Früher ja, heute nein! Wo sind die politisch aktiven Frauen im Internet? Sinn und Zweck der ständigen Quotierungen erschließen sich mir nicht ganz. Machen Frauen bessere Politik? Haben Frauen für gleiche Bezahlung von Frauen gekämpft? Wir sind in einer Demokratie, jeder kann sich engagieren, jeder kann mittlerweile weit kommen, so denn er genug kämpft (und einen Mentor findet). Da sind Quoten gestrig, unmodern, ja sogar den eigentlichen Zielen der Gleichberechtigung schädlich. Bei den Grünen meckert kein Mann über den höheren Anteil an Frauen, auch wenn das laut der ursprünglichen Ziele nicht korrekt ist. Es wird eine aktive Frauenpolitik betrieben. Das ist gut für Frauen, weniger gut für einen gesamtgesellschaftlichen Kurs. Ansonsten müsste man eine klare Quote 50% Frauen/50% Männer einführen oder anteilig zu den Wählern. Da wären Frauen berechtigt in der Mehrheit. Dann müsste man aber auch eine Migranten- , Schwulen-, Lesben-, und Transsexuellenquote festsetzen. Dann wäre es gerecht gemäß dem Grundgesetz. Und auch integrativer für alle in dieser Gesellschaft.

Berlin ein Potemkinsches Dorf – alles für den Papst?

Nicht genug, dass zur Rede des Papstes im Deutschen Bundestag die leeren Sitze der aus Protest fernbleibenden Abgeordneten, mit ehemaligen Parlamentariern aufgefüllt werden. Aus Berlin wird auch in anderer Hinsicht mancherorts ein Potemkinsches Dorf gemacht. Der abgebildete Wandspruch der jahrelang unbehelligt an der Mauer der Katholischen Akademie – auch Sitzungsort der Katholischen Bischofskonferenz – (wo Bundeskanzlerin Merkel und “Seine Heiligkeit” morgen zu Besuch sein werden) prangte, wurde vor etwa drei Tagen mit weißer Farbe übertüncht. Nicht die gesamte Mauer. Nur dieser Spruch. (Kann es leider nicht fotografieren, denn die Polizisten, die dort seit heute patrouillieren, sind ein wenig nervös Update siehe unten). Sollen dem irdische Stellvertreter Gottes die “sündigen” Niederungen des sich weiter abwendenden West-Europas nicht gezeigt werden? Für wie blöd halten die Organisatoren den Papst eigentlich?

Spruch auf Mauer der Katholischen Akademie Berlin

Spruch auf Mauer der Katholischen Akademie Berlin | Foto:HSB

 

Update: Hier die Mauer mit dem übermalten Spruch.

Übermalter Spruch auf der Mauer der Katholischen Akademie

Übermalter Spruch auf der Mauer der Katholischen Akademie

Ratzi ad portas

Riesenposter am Springer Hochhaus

"Wir sind Papst" und Springer übertreibt mal wieder - Foto: h|b

Berliner Bilder: Architekturdetail, Nähe Potsdamer Platz

Fast wie ein gemaltes Kunstwerk: Architekturdetail an einem Gebäude in der Nähe des Potsdamer Platzes Foto: ©MM|HSB2011