Folsom 2011: Wetter, Stimmung, Outfits und Kerle toll
Michael HSB in Kultur ⁓ 11. September 2011 ⁓ 17:54 Uhr ⁓ 28 Kommentare
Respekt als Motto von Folsom Europe 2011
Respect: Wer Respekt einfordert, muss selbst auch respektvoll mit Besuchern und Anwohnern umgehen – ein wichtiger und wahrer Fakt, den die Veranstalter in diesem Jahr zum Motto des Folsom Europe 2011 erkoren haben. Schwul, lesbisch, transgender, transsexuell – richtig queer halt. Berlin beweist einmal mehr Offenheit und Toleranz in ansonsten schwierigen Zeiten voller kultureller, sexueller, wirtschaftlicher und politischer Instabilität.
Und es ist wunderbar gelungen, eine entspannte Stimmung beherrschte beide Tage des Straßenfestes, schrille Kostüme und geile Outfits in bunter Mischung, Sklaven und Meister, junge und alte Männer, interessierte Besucher und internationale Fans amüsierten sich auf dem Fest und konnten bei Lust und Laune verheißungsvolle Kontakte für ein aufregendes Berlin-Wochenende knüpfen.

Folsom 2011: Ohne meine Pumps geht gar nichts ... Der Klassiker in der schwulen Welt - auch in Kombination mit Leder. Foto: ©MM|HSB2011
Bei bestem schwül-heißem Wetter fand in und um die Fuggerstraße das Folsom Europe Fest statt. Zum achten Mal – mittlerweile ist das Berliner Fest das größte seiner Art und ist eine Attraktion für die internationalen Leder- und Gummifetisch-Fans. Mit zwei großen Parties (Pervers und Pig-Party) bietet es ein perfektes Forum für SM-Phantasien und ist Börse von Eitelkeiten, Kontakten und damit verbundenen auslebbaren, ausgefallenen sexuellen Praktiken.

Folsom 2011: Tolles Wetter, tolle Stimmung, international, schrill, bunt, interkulturell und geil. Foto: ©MM|HSB2011
Für jeden Geschmack etwas dabei, vor allem viel Respekt und Offenheit für anders Denkende, anders Lebende und anders Liebende – das war in diesem Jahr tatsächlich auf dem Folsom zu spüren, mehr noch als in den Jahren zuvor, die zum Teil durch explizit ausgeübte Sexualität auf der Straße zu Auseinandersetzungen mit Anwohnern und Besuchern führte.
Ursprünglich entstand der Folsom Street Fair in der schwulen US-Metropole San Francisco, und auch heute besteht eine enge Verbindung der Veranstalter und mancher ihrer Besucher in die USA, ganz zu schweigen von den besonders vielen Gästen aus dem angloamerikanischen und hispanischen Kulturraum.














Als Frau frage ich mich natürlich sofort, was um Himmels willen denn „sexuelle Instabilität“ sein könnte. ;)
Ach, war es schon wieder Zeit für die Kirmes der Fetischwelt !?
Man sollte mal darüber nachdenken, die Veranstaltung in ein Industriegebiet auszulagern, denn in Schöneberg muss ja nun wirklich nichts mehr für die sichtbare von Lack und Leder und anderen Vorlieben von Fetischfreunden getan werden-da reicht auch ein normaler Wochentag in der Motzstr.
@Toska: komische Logik! Gleiche Logik: Sollte man auch darüber nachdenken, Familienfeste mit Kindern in Berlin in ein Industriegebiet zu verlagern, damit die kleinen Racker dort ungeniert krischen, brüllen und rasseln können? Weil man so sowieso so viele Kinder in Berlin jeden Tag auf der Straße sieht???
Ich finde, es ist der richtige Ort, zentral, etabliert, und es wohnen VIELE Schwule und Lesben dort, viele queere Menschen.
So, wie in P’Berg und F#Hain viele Kinderfeste sind, weil dort VIELE Kinder wohnen.
Und das ist richtig so. Und gut noch dazu.
Das gibt es auch bei Männern ;-).
Aber es ist natürlich hier eher vielschichtig gemeint. Instabilität in politischer Hinsicht, die sich auf Sexualität und entsprechende Lebensweisen- und Entwürfe auswirken kann, zum Beispiel.
Ja, ja, in der Schöneberger Ecke ist was los -
mal sind’s die Rocker http://www.morgenpost.de/berli.....eberg.html ,mal sind’s die Schwulen und Lesben, die Leben in die Bude bringen und alle haben ihre Lieblingskneipen dort :-)
und wenn man dann weiter in Richtung Potsdamer kommt …
Ich finde diese Maskerade(n) einfach nur noch albern…
Sorry, aber weder richtig noch gut, sondern albern bis abstoßend.
Ist ja auch okay, wenn man das albern findet. Ich finde als Rheinländer den Berliner Karneval albern, weil die das nicht können, viel zu steif, humorlos, sich vor allem nicht selbst hopps nehmen können.
Und Karneval der Kulturen ist auch nicht so locker, wie er sich selbst immer verkauft – auch eine Form von Albernheit, Maskerade. Trotzdem finde ich ihn als gesellschaftliches Event richtig und wichtig, und manchmal macht es auch Freude.
Aber nicht vergessen: hier geht es auch um ein Fetisch-Fest. Und Fetische sind oft recht speziell, finden keine breite Unterstützung. Ein Grund mehr für gelegentliche öffentliche Präsenz, um nicht noch eine Parallelgesellschaft zu etablieren…
Aber ich gönne jedem das, was ihm Spaß macht, auch wenn ich es selbst vielleicht nicht mag. Das sollte sich eine wirklich tolerante Hauptstadt leisten.
@Michael ( HSB )
jedem das seine. Ich bin wahrhaftig tolerant, aber bleibe dabei, dass sich die Schwulen und Lesben Szene sich mit diesen Karneval keinen Gefallen tut.
Ich weis aus Erfahrung, das diese “Kerls” und ” Mädels” sehr offen und tolerant sind. mit denen kann man sich richtig gut unterhalten ( inklusive Tipps ) ;-) – und trotzdem, wenn man ernst genommen werden will, sollte man auf solche Maskerade verzichten.
Das ist nicht jedermanns Sache und dadurch ensteht nämlich Intoleranz. Man kann nicht was einfordern, was man unterdrückt.
“… Offenheit und Toleranz in ansonsten schwierigen Zeiten voller kultureller, sexueller, wirtschaftlicher und politischer Instabilität.”
“Instabilität in politischer Hinsicht, die sich auf Sexualität und entsprechende Lebensweisen- und Entwürfe auswirken kann”
was aber nicht erklärt, was denn der verfasser unter kultureller oder sexueller oder wirtschaftlicher oder politischer instabilität versteht oder verstanden wissen möchte. und, was nicht erklärt worden ist oder werden kann, das entzieht sich dann auch einer kritik oder auch nur der schlichten überprüfung, ob die damit verbundene behauptung überhaupt zutreffend ist. vielleicht steht der erste, oben zitierte, satz auch nur dafür, daß immer mehr in schlagworten und sprachhülsen geredet und argumentiert wird, ohne daß sich diejenigen, die so verfahren, auch dem inhalt verantwortlich fühlen, und zwar i.d.S., daß ausgeführt wird, ob es einen inhalt dazu gibt, was überhaupt konkret gemeint ist und ob die damit verbundene(n) aussage(n) überhaupt zutreffend sind…
Wie weit muss den Toleranz gehen ?
Darf sich demnächst auch die Natursekt und Kavier Gesellschafr öffentlich präsentieren ?
Nach Ihrer Ansicht muss man ja Tolerant sein bei anderen Sexuellen Neigungen.
Meiner Meinung nach darf jeder das machen wie er will, so lange keine anderen dabei geschädigt werden oder unfreiwillig involviert werden.
Die Sache mit dem jungen Herrn im Käfig finde ich schon ein wenig strange.
@christoph: Wie oben im Text schon gesagt: das Motto des Folsom Europe hieß “respect”.
Und da das Fest im öffentlichen Raum stattfand, sollte klar sein, das keine sexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit stattfinden, was ich richtig finde. Und dazu gehört natürlich auch Natursekt und Kaviar, was NICHT MEHR ebendort präsentiert wird.
Da hat Toleranz durchaus Grenzen. Insofern stimme ich Ihnen zu, dass niemand “geschädigt” werden sollte. Von unfreiwilliger Involvierung würde ich nicht reden, das es sich um einen zwar öffentlichen, aber abgezäunten Bereich handelte, Besucher wurden am (kostenlosen) Eingang über das Event aufgeklärt.
Öffentlicher Sex hat nicht stattgefunden.
Es geht uns bzw. den meisten Schwulen doch gar nicht darum den “strangesten” Sex öffentlich zu praktizieren oder in den wildesten Kostümen zu provozieren. – Das ist lediglich die Randgruppe von der Randgruppe die hier auf den Fotos und den Medien falsch dargestellt wird. Es geht einfach drum gleichgesinnte, nette Kerle in Leder oder Gummi zu sehen und kennenzulernen. Wiedersehen mit Leuten die man sonst kaum trifft, Bekanntschaften aus Fetisch-Foren mal persönlich treffen. Gemeinsame Bierchen trinken und das bunte Treiben genüsslich verfolgen. Verstohlene Blicke zuwerfen. Testosteron geschwängerte Luft atmen…, …, ok, ich hör auf. – Ich war mit meinem Partner zum dritten Male dort und muss sagen, das ich die Folsom 2012 kaum erwarten kann! Berlin kann stolz sein auf diesen einzigartigen, internationalen Fetisch-Event! Da gibt’s nichts vergleichbares hier in Köln oder weitem Umland – vielleicht allenfalls paar Nummern kleiner – dafür aber dann auch mit Live-Musikbühne, was in Berlin leider nur fehlt ;-). Die offizielle Party in der Münze Berlin hat auch an Zugkraft verloren, da die Location schei** ist und Teilbereiche nur noch überfüllt-wiederlich sind.Ansonsten wars aber mal wieder Klasse! B&D
@Bernd: es geht ja auch immer noch um ein bisschen Provokation! Und Leder und Gummi ist nun mal eine Randgruppe innerhalb einer Minderheit! Das soll und darf nicht abwertend oder abwägend sein. Ich denke schon, dass ich hier mit den Fotos einen guten “Querschnitt” getroffen habe. Es muß ja auch nicht jedem gefallen.
Aber ansonsten sehe ich es genauso, Folsom ist wunderbar, um alte Bekannte wieder zu treffen, Spaß zu haben, zu flirten und auch zu pendeln zwischen dem Reiz, tolle Männer anzuschauen und der Bewunderung/dem Unverständnis, wie mann “so etwas” tragen kann (Outfits) oder der nicht abwertenden Belustigung, was für eine Vielfalt an sexuellen Spielarten es doch gibt!
ich finde es auch klasse, der der Regierende Bürgermeister mehrfach Grußworte in den vergangenen Jahren ausgesprochen hat und auch das Fest selber besucht hat mit seinem Freund.
Vielfalt und Toleranz besteht in und durch freundliche Akzeptanz, nicht in Ausgrenzung!
gibt es auch unfreundliche akzeptanz?
“Vielfalt und Toleranz besteht in und durch freundliche Akzeptanz, nicht in Ausgrenzung!”
– das halte ich für ein gründliches mißverständnis!
toleranz ist hinnehmen, ertragen, (er)dulden, akzeptanz ist annehmen, gutheißen, einverstanden sein. toleranz kann man tolerieren oder akzeptieren, akzeptanz kann man tolerieren oder akzeptieren, vielfalt kann man tolerieren oder akzeptieren. entsprechend die negationen dazu. wenn ich die bürgerliche ehe als eine form von vielfalt toleriere, muß ich sie deshalb noch lange nicht auch akzeptieren, also gutheißen oder mit ihr einverstanden sein. wenn ich den glauben an einen einzigen gott toleriere, dann muß ich den glauben an einen einzigen gott noch lange nicht akzeptieren! wenn ich vielfalt toleriere, dann muß ich sie deshalb noch lange nicht akzeptieren, und sogar, wenn ich vielfalt akzeptiere, muß ich deshalb noch lange nicht alle (ausdrucks)formen dieser vielfalt ebenfalls akzeptieren.
man sollte auch ein wenig vorsichtig sein, wenn man so mit solchen begriffen hantiert, denn es gibt für jeden sicherlich immer irgendetwas, was er intolerabel oder inakzeptabel findet. manche finden manche geschäfte von bankern inakzeptabel und wollen sie auch nicht tolerieren, andere finden die todesstrafe inakzeptabel und wollen sie auch nicht tolerieren, um nur einmal 2 beispiele zu nennen. wenn man also toleranz und akzeptanz bedenkenlos nahezu synonym verwendet und sie als ein grundsätzliches muß ansieht, dann formuliert man, ohne es evtl. zu wollen, repressiv normativ.
die sache mit toleranz und akzeptanz ist wesentlich komplizierter als es der satz auf den ersten blick erscheinen läßt. und Sie formulieren ja sogar selbst, daß es durchaus so etwas wie grenzen der toleranz gibt (siehe weiter oben), also auch formen einer inakzeptablen toleranz oder einer nicht zu tolerierenden akzeptanz. das führt natürlich immer zu fragen wie, warum das eine tolerabel erscheint, das andere aber nicht. was liegt einer solchen grenzziehung zugrunde, wie begründet sie sich? spätestens an dieser stelle des nachdenkens über diesen satz erschließt sich auch die fragwürdigkeit eines solchen satzes, und er führt auch (leider) wieder zurück zu genau den fragen, die Sie, denke ich, gar nicht mehr gestellt sehen/hören wollen und deretwegen Sie auch hier so vehement toleranz und “freundliche Akzeptanz” einfordern.
ich zitiere einmal aus wikipedia, Toleranz, weil ich diesen kleinen absatz sehr bedenkenswert finde: “Im politischen und gesellschaftlichen Bereich gilt Toleranz auch als die Antwort einer geschlossenen Gesellschaft, und ihres verbindlichen Wertesystems, gegenüber Minderheiten mit abweichenden Überzeugungen, die sich in das herrschende System nicht ohne weiteres integrieren lassen… Insofern schützt die Toleranz ein bestehendes System, da fremde Auffassungen zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht zwangsläufig übernommen werden… Die Toleranz schützt aber auch die Träger einer Minderheitsmeinung vor Repression und gilt insofern als eine Grundbedingung für Humanität… In diesen Zusammenhängen ist Toleranz auch die Vorbedingung einer friedlichen, theoretischen, Auseinandersetzung um konkurrierende Wahrheitsansprüche… Der von Herbert Marcuse geprägte Begriff ‘repressive Toleranz’ kritisiert dabei, dass in einer Gesellschaft mit unklarem Wertepluralismus, in der Toleranz als Norm gilt, rationale und berechtigte Kritik wirkungslos bleiben kann…”
Puh, rein rechtlich sind einige der Fotos natürlich echt schwierig …
„Eine Ausnahme zum Einwilligungserfordernis bilden nach § 23 Kunsturhebergesetz ( KunstUrhG ) die Abbildungen von Personen innerhalb von Versammlungen.
Die dargestellten Personen müssen dabei im Gesamtgeschehen verschwinden. Dieses Gesamtgeschehen ist Inhalt der Abbildung, nicht die einzelne Person.”
u.s.w.
Das Ausleben eines Fetisch „Karneval” zu benennen oder daraus zu resümieren, die Präsentation sei albern, ist schade. Womöglich darf man aber Menschen mit dieser Meinung einfach auch nur zu ihrer biederen Fetischfreiheit beglückwünschen. Wir schalten dann jetzt um zum Münchner Oktoberfest, das auch nur eine kommerzielle Veranstaltungsform einer Art von traditionellem Fetisch ist. Balconetten-PushUp-BHs, stramme Männerwadeln und Alkohol in Maßkrügen sind nichts anderes. ;-)
Ich gehe natürlich davon aus, dass Michael die abgebildeten Damen und Herren über die Veröffentlichung im HSB informiert hat. Das ist doch selbstverständlich. Oder, Michael?
@1704: ich setze mich sehr wohl mit der Frage, die Sie ansprechen, auseinander. Das würde hier jedoch zu Tapeten führen, die die meisten nicht interessieren.
Ja, es ist heikel, aber weder Sie mit Wiki-Zitaten noch ich mit sprachwissenschaftlichen Ausführungen können das Thema selbst befriedigend “bearbeiten”.
Zu viele sprachliche Unsauberkeiten, zu viele potentielle Missverständnisse, zu viel scheinbare “Korinthenkackerei”. Die aber in Wirklichkeit keine ist.
Ja, es gibt auch eine unfreundliche Akzeptanz!
Sie stellen viele Möglichkeiten, gar das eine oder andere Junktim her. Das ist zulässig, wird aber dem Thema selbst nicht gerecht. Es geht AUCH um subjektive Wahrnehmungen. Zwischenebenen. Mit Interpretationsspielraum.
Die Grenzziehung ist ohne Zweifel der schwierigste Teil einer solchen Bewertung/Interpretation, einer Meinung. Wo ist die Grenze, und wenn dort, warum? Und warum nicht an anderer Stelle?
Diese Dinge sind immer in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext eingebunden, unterliegen einem steten Wandel, werden durch Medien und soziale/wirtschaftliche/kulturelle Position beeinflusst, gesteuert, verändert.
Und Marcuse hat mit seinem Begriff der “repressiven Toleranz” eine begriffliche/wissenschaftliche Landmarke von hohem Wert geschafft, wenngleich die These selbst auch umstritten war/ist: Seine Forderung nach Intoleranz gegenüber manchem Denken, gegenüber Konservativen und Rechten bleibt, bei aller Nachvollziehbarkeit aus seiner eigenen Geschichte und einem humanistischem Ansatz, schwierig, denn der politische Pluralismus ist dadurch zumindest teilweise obsolet.
Ich denke, unsere Gesellschaft befindet sich genau an dem Punkt eines unklaren Wertepluralismus – siehe die Zersplitterung der Parteienlandschaft, die “ökonomische Schere”, der innere Zustand der Kirchen/Religionen, der undefinierten, diffusen “Angst”, die sich herrlich auf vielen Ebenen ausnutzen lässt.
Und da kommt man wieder auf Marcuse, auf die Versklavung durch Institutionen, Einschränkung der Freiheit durch Institutionen, die gegen den Terror kämpfen. Aber kann man Terror überhaupt bekämpfen? Mit Humanismus, mit Waffen, wenn man Intoleranz gegenüber Oligarchen ausübt, wie weit bleibt dann die eigene Unversehrtheit erhalten?
Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt, den weder Sie noch ich auflösen können. Wo sind die Grenzen der Toleranz, der Akzeptanz, warum, und sind diese Grenzen dann statisch, oder können sie sich verändern? Und wer bestimmt das? Wer bestimmt den Status/die Inhalte des Telos, wer bestimmt, was Wahrheit ist, was nicht? Wer beurteilt, welche Zweckursachen, welcher Lebensstil im Adler’schen Sinn Wahrheit erzeugt. Und dann wären wir schnell bei den Hedonisten, Perfektionisten, Utilitaristen, etc.
Ein interessantes und weites Feld der philosophischen Auseinandersetzung.
Die meisten habe ich darauf hingewiesen. Bei den Gruppenfotos hielt ich dies für nicht notwendig.
Tolles Beispiel mit dem Münchner Oktoberfest! Danke! Passt schon! ;-)
Ich seh aber nur ein echtes Gruppenfoto, der Rest sind Grüppchen oder Einzelpersonen. (Das könnte auch heikel werden.)
ich persönlich habe nichts gegen “Tapeten”…
Sie bekennen sich hier vehement zu Ihren widersprüchen, das ist vom menschlichen her verständlich, aber Sie zeigen hier auch auf, wie leicht Ihnen der spagat fällt: nehmen Sie Ihre äußerungen der erwiderungen hier und wenden Sie sie auf Ihren kommentar im nachbarthread an (“Weltzeit”, “Eine Ächtung der rechtspopulistischen Ideen sollte hergestellt werden.”) Sie fordern bzgl. bestimmter gruppen toleranz und akzeptanz ein, während Sie sie anderen verweigern wollen – das funktioniert nicht, weder im zwischenmenschlichen, noch im politischen. eine “ächtung” wäre für mich das letzte, was ich fordern würde, weil eine ächtung keine begründungen mehr braucht, ich würde aber auch niemals schlagwortartig toleranz und akzeptanz in einem atemzug einfordern, weil es zu einer doktrin verkommen würde, die keine begründungen mehr braucht. evtl. sehen Sie, daß das gemeinsame in meiner argumentation bzgl. “ächtung”/”toleranz” die begründungen sind. begründungen sind oft nicht einfach nachzuvollziehen, siehe hier so manche diskussion im HSB, aber nur über begründungen kann man so etwas wie eine übereinkunft erzielen, wichtig für eine gesellschaft, die für sich selbst proklamiert, eine “offene” zu sein, unwichtig für eine, die sich als eine geschlossene gesellschaft versteht, denn in einer geschlossenen gesellschaft wird tolerieren erzwungen, weil sie akzeptanz als zwingende voraussetzung versteht. in diese richtung ist meine ausführung zu verstehen.
bzgl. Marcuse und repressiver toleranz – ohne diesen begriff in seiner praktischen bedeutung wären die studentischen proteste der 1960er jahre wahrscheinlich gar nicht wirksam gewesen. “… Toleranz gegenüber dem radikal Bösen erscheint jetzt gut, weil sie dem Zusammenhalt des Ganzen dient auf dem Wege zum Überfluß oder zu größerem Überfluß. Die Nachsicht gegenüber der systematischen Verdummung von Kindern wie von Erwachsenen durch Reklame und Propaganda, die Freisetzung von unmenschlicher zerstörender Gewalt in Vietnam, das Rekrutieren und die Ausbildung von Sonderverbänden, die ohnmächtige und wohlwollende Toleranz gegenüber unverblümten Betrug beim Warenkauf, gegenüber Verschwendung und geplantem Veralten von Gütern sind keine Verzerrungen und Abweichungen, sondern das Wesen eines Systems, das Toleranz befördert als ein Mittel, den Kampf ums Dasein zu verewigen und die Alternativen zu unterdrücken. Im Namen von Erziehung, Moral und Psychologie entrüstet man sich laut über die Zunahme der Jugendkriminalität, weniger laut über die Kriminalität immer mächtigerer Geschosse, Raketen und Bomben – das reifgewordene Verbrechen einer ganzen Zivilisation…“ (Herbert Marcuse, Repressive Toleranz, 1965) Ihre schlußfolgerungen zu Marcuses ausführungen halte ich nicht für schlüssig, im gegenteil, Sie begründen damit letztlich genau das gegenteil dessen, was Sie hier vermeintlich behaupten bzw. zu “verteidigen” suchen…
zu Ihrem vorletzten absatz schreibe ich einmal nichts, möchte aber zumindest den hinweis geben, daß es hier in diesem zusammenhang eben gerade nicht (rein) philosophische fragen sind, sondern immens politische!
tolerieren – akzeptieren
Hie mal ein Bierdeckel anstelle von Tapeten:
Minderheiten und Randgruppen zu tolerieren ist eine Selbstverständlichkeit in unserem aufgeklärten christlich-abendländischen Kulturkreis.
Keine Forderung, sondern weitgehend verwirklicht. Ohne Vorbedingungen.
Zur Akzeptanz jedoch müssen die Minderheiten und Randgruppen selbst etwas beitragen.
Daher sieht es dann halt auch sehr unterschiedlich mit der Akzeptanz aus. Sie ist dynamisch. Je nach Verhalten der Gruppen dem Wandel unterworfen. Sie kann stark, schwach oder nicht vorhanden sein.
Und nicht mit dem moralischen Zeigefinger erzwungen werden.
Das ist korrekt – aber allein der aufgeklärte christlich-abendländische Kulturkreis hat da schon so seine Schwierigkeiten. Obwohl es anders sein sollte.
Aber wie gesagt, es ist ja alles in Bewegung.
bei aller bierdeckelei – Sie denken bzgl. toleranz/akzeptanz ziemlich einseitig, um nicht zu sagen unidirektional, und natürlich benutzen Sie auch ein für Sie typisches beispiel, um sich zum thema toleranz/akzeptanz zu wort zu melden. man kann Ihre meinung selbstverständlich tolerieren, aber, damit sie akzeptiert wird, müssen Sie doch noch einiges mehr beitragen als lediglich behauptungen in die welt zu setzen, die so einseitig, unidirektional gestrickt sind.
nehmen wir als beispiel einmal die meinungsfreiheit – wie sehen Sie diese? dynamisch, dem wandel der zeit unterworfen? oder unterläuft Ihnen hier der kleine denkfehler, daß Sie den begriff an seine praktische verwirklichung koppeln, ohne wahrzunehmen, daß die idee evtl. statisch zu verstehen ist? menschenrechte als im wandel der zeiten begriffen zu sehen, die akzeptanz dieser rechte also dynamisch anzunehmen?
klasse an Ihrem kommentar finde ich den erwähnten moralisch erhobenen zeigefinger, an dem Sie sich in Ihren kommentaren allerdings sehr oft orientieren. und es ist natürlich ein rhetorischer taschenspielertrick, denn letztlich verlangen Sie ja von jenen, die von Ihnen akzeptiert werden sollen, daß sie sich so verhalten oder so sind, daß Sie sie akzeptieren können – es ist fraglich, ob Sie in diesem sinne dann tatsächlich diesen menschen gegenüber tolerant sind, als grundsätzliche einstellung, oder ob sie nur so-zu-sagen tolerant sind, weil Ihnen die möglichkeiten fehlen, die akzeptanz herzustellen, die Ihnen so vorschwebt… Sie sehen, auch ein bierdeckel kann so seine tücken haben…
Folsom früher: Spass bis 24.00 Uhr, eine große Bühne mit anheizender Musik, tanzende und ausgelassene Menschen davor…
Folsom heute: um 21.00 Uhr ist Schluss, eine kleine Bühne die eigentlich nichts zu bedeuten hatte, Musik in Wohnzimmerlautstärke und von tanzenden und ausgelassenen Mensche keine Spur… da ist ja mehr Party auf einem Kindergeburtstag…
Berlin ist auch nicht mehr das was es einmal war!
@Tom: nun ja, es gibt Anwohnerrechte, die Besucher des Folsom kommen auch in die Jahre, und überall woanders geht es auch ruhiger zu, selbst in Köln, Amsterdam, London und San Francisco. New York sowie, ist geradezu klinisch.
Ist wohl die Zeit…
Kindergeburtstage sind derzeit wohl das EINZIGE, wo Spaß mit RICHTIG VIEL KRACH dauerhaft, exzessiv, grenzenlos und von weiblicher Seite auch gerne inszeniert und zugelassen wird…grins.
Ist für viele ja auch der einzige Spaß, der gesellschaftlich derzeit angesagt ist. Wer würde es wagen, kleine Terror-Kids zu kritisieren?
Da ist Kritik an Macho-Männern, Schwulen, Fetischisten, Hartzies, Linken irgendwie schon normaler und wird gerne praktiziert.
Sorry Michael, aber da muss ich dich korrigieren:
Auf dem Kölner Heumarkt darf man an den CSD-Tagen bis spät in die Nacht schunkeln und auf der Amsterdamer Canal Pride lässt sich auch nach Mitternacht noch auf der Reguliersdwaardstraat zu elektrischen Beats zappeln.
Klar, dass man die Anwohner an der Fuggerstraße nicht überstrapazieren sollte, doch fehlt eine Party-Alternative zur Pig-Party.
(Wenn die wenigstens wieder in die alte Location könnten) Hier wär doch mal die Folsom e.V. gefordert, wenn man auf Dauer mit dem Event erfolgreich sein will. – Sollten sich vielleicht mal den Lederpott Dortmund angucken. ;-)
Und zu deinem 1.Kommentar: Provokation? Nee – eher Aufmerksamkeit was Mann dort sucht.