Nazibiotop Alexanderplatz
Harald (HSB) in Schlagzeilen, Stadtnotizen ⁓ 11. September 2011 ⁓ 16:51 Uhr ⁓ 11 Kommentare
Der Alexanderplatz ähnelte am heutigen Nachmittag eher einer Wagenburg. Rundherum waren die Wannen so dicht an den weiträumig aufgestellten Absperrgittern aufgefahren, dass ein Blick auf den riesigen menschenleeren Platz fast unmöglich erschien. Irgendwo hinten an der Weltzeituhr stand ein Kundgebungswagen der NPD, wiederum eingekesselt von weiteren Absperrgittern und noch mehr Polizisten. Das war also die geheimgehaltene Wahlabschlusskundgebung der NPD in Berlin. Nach einigem Verwirrspiel der Behörden, war seit gestern klar, dass sich die Rechten den Alex als Kundgebungsort ausgesucht hatten und die Veranstaltung auch behördlich genehmigt war.
Nichtsdestotrotz hatten sich etliche hundert Gegendemonstranten an verschiedenen Stellen rund um den Alex eingefunden und versuchten über die Entfernung hinweg mit Trillerpfeifen und Sprechchören die Kundgebung zu stören, von der man aber nur annehmen konnte, dass sie stattfand. Zu sehen und zu hören war jedenfalls nichts, man blieb also unter sich, auf beiden Seiten.
Wer unbedingt alte und neue Nazis sehen wollte – wenn auch nur als Portraits auf einer Wandzeitung – und vor allen Dingen etwas erfahren wollte darüber, wie sie ticken, wie sie sich geben, mit welchen Methoden sie auf Stimmenfang gehen und wie das erstaunlicherweise auch immer wieder funktioniert, konnte das am Lustgarten am “21. Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg” in aller Ruhe tun, fernab vom befremdlichen Alexanderplatz. An zahlreichen Infoständen stellten sich Berliner und Brandenburger Initiativen vor, im Zelt wurde am Beispiel des Mädchen-KZs Uckermark von Zeitzeugen eindringlich daran erinnert, zu was Faschismus imstande ist. Die Tradition, in jedem Jahr den zweiten Sonntag im September als Gedenktag für die Opfer des Faschismus zu begehen, begründeten im Jahr 1945 Überlebende der Zuchthäuser und Konzentrationslager. Die NPD hat sich Tag und Ort ihrer Abschlusskundgebung sicher nicht zufällig ausgesucht, Provokation gehört zum Programm.








Schade das ich die Veranstaltung am Lustgarten verpasst habe. Wusste nicht das die stattfindet, sonst wäre ich dort sicher einmal hingegangen.
Das ist Berlin? Da wird sich über Schwule und Lesben ereifert, ob das noch toleriert werden solle oder ob die Grenzen des guten Geschmackes überschritten werden.
Was am gestrigen Sonntag aber am Alex und im Vorfeld bei der Polizei zu dieser Kundgebung der Nazis ablief, wen interessiert das schon. Offensichtlich ist man da etwas toleranter. Man muss eben Prioritäten setzen.
@ Sigurd
Danke. Ich hab mich zurückgehalten, hätte es nicht so gelassen formulieren können.
@Sigurd
Billige und wirre Polemik!
Schon allein wegen Äpfeln und Birnen.
Ich hab mir den Thread, auf den Sie sich wohl beziehen, mal angesehen und konnte nichts im Sinne von “ereifern” feststellen.
Da sind ein paar Nachfragen und persönliche Geschmacksbekundungen.
Weiter nichts.
Und @Michael hat zeitnah und ausführlich Stellung genommen.
So what?
Warum sprechen Sie die Kommentatoren dort nicht persönlich und konkret an?
Ob uns das nun gefällt oder nicht – die NPD ist eine zugelassene Partei und wenn linke Gruppierungen nicht jedesmal so einen Aufriß machen würden, was wiederum ein unverhältnismäßig großes Polizeiaufgebot zur Folge hat, würden die paar rechten Hansel wahrscheinlich kaum jemanden interessieren.
Da haben wir es wieder, das “Gut gemeint ist nicht gut gemacht” – derartige Gegendemonstrationen u.ä. von links verschaffen rechts erst die erwünschte Aufmerksamkeit.
Allein die Annahme, dass es lediglich „linke Gruppierungen“ sind, die „jedesmal so einen Aufriß machen“, scheint mir unangemessen. Jedes halbwegs vernünftige und demokratische Hirn sollte sich dagegen verwehren, auf welche Art auch immer. Das mit den Anfängen ist ja so eine Sache, da sollte man lieber achtsam sein. Einstweilen gehe ich aber einfach mal davon aus, dass dem relativ breit gefächert auch so ist. Auch wenn dieses komische Aufwiegen von »rechts« gegen »links« immer häufiger als „Argument“ herhalten muss. Keine Ahnung, wo da das Gewicht sein soll.
Das Schubladendenken ist schon komisch, zumal im Artikel weder auf linke Gruppierungen noch ein Hinweis auf “links” zu finden ist. Da geht es um Berliner und Brandenburger Initiativen und Gegendemonstranten, ohne Klassifizerung oder Ideologie. Gehen Sie mal davon aus, dass dort Menschen waren, die aufgrund unserer Historie deutlich machen wollten, dass diese unsägliche Volksverdummung und Hetzerei keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt und das Straftaten wie der Mord an Amadeu Antonio Kiowa, einer der 137 Opfer, die bis 2010 durch rechte Gewalt getötet wurden, nicht in Vergessenheit geraten.
Ich weis gar nicht was Sie sich aufregen @Sigurd.
Es gibt ganze Gemeinden die Schwarz wählen, da wäre Aufregung von Nöten, weil man sich fragen muss, warum und weshalb.
“und wenn linke Gruppierungen nicht jedesmal so einen Aufriß machen würden…, würden die paar rechten Hansel wahrscheinlich kaum jemanden interessieren.”
“wahrscheinlich”? ich denke, es wäre eher andersherum “wahrscheinlich” – wenn nicht immer wieder gezeigt wird, daß man mit dem denken dieser leute nicht übereinstimmt, dann werden sich immer mehr für diese “paar rechten Hansel” interessieren und irgendwann spricht dann auch niemand mehr von ein “paar”, sondern von vielen – und wie wir wissen, stehen diese “paar rechten Hansel” ideologisch dafür, sich jetzt auf das zu berufen, was sie später abgeschafft sehen wollen…
nun haben Sie sich über den apfel ereifert (?), aber was sagen Sie zu der birne?
… und soviel zu den linken Gruppierungen, die sich, wenn ich meinen Vorrednern Glauben schenken darf, ganz unbeabsichtigt und natürlich versehentlich weil rein zufällig während der Abschlußkundgebung der NPD am Alex aufgehalten haben :-)) :
“Ursprünglich waren die Gegendemonstranten davon ausgegangen, dass der Wahlkampfabschluss der Rechtsextremen im Ortsteil Schöneweide stattfindet. Sie hatten ihre Demonstrationen für dort angemeldet. Erst Samstagabend sei durchgesickert, dass die NPD ihre Veranstaltung auf dem Alexanderplatz durchführen will, sagte ein Sprecher der Gegendemonstranten. Daraufhin wurde eine Demonstration linker Gruppen am Alexanderplatz angemeldet, teilte die Polizei mit.
Linke Gruppen warfen der Polizei vor, den eigentlichen Kundgebungsort am Alexanderplatz bis zuletzt geheim gehalten zu haben.” (auch aus http://www.berlinonline.de/ber.....407628.php )