Alexanderplatz: der Steckdosenbefruchter

Heute Nachmittag auf dem Alexanderplatz, vor einem Kaufhaus. Ich warte auf eine Freundin, ein paar Meter neben mir, am Brunnen, sitzen ein paar Jugendliche, Jungs und Mädchen, vielleicht 13-14 Jahre alt, wenn es hoch kommt. Die Jungs stark tätowiert, die Mädchen eher gepierct. Ein rund 30jähriger Mann geht zwischen den Jugendlichen und mir vorbei, schaut eines der marzahnblond gefärbten und bunt gesträhnten Mädchen im Vorbeigehen an.

Einer der Jungs brüllt ihn an: “Ey, du trockener Steckdosenbefruchter, glotz’ mein Perückenschaf nich’ so an, sonst schieb ich deiner Fettgondel ‘ne Karrusellbremse rein!”

Irgendwie ist mir die Jugendsprache doch etwas fremd geworden. Aber wahrscheinlich gehört das so, oder?

11 Kommentare
  1. Sigurd 17. September 2011 ⁓ 23:04

    Also ich schreib das jetzt mal auf gut fränkisch.
    I konn des schoo deshalb nett versteh, weil sich so a jungscher Spund in mana Jugendzeit a Maulschell eigfangt hätt.

  2. Sigurd 17. September 2011 ⁓ 23:08

    ÜBERSETZUNG:
    Ich kann das schon deshalb nicht verstehen, weil sich solch ein junger Kerl zu meiner Zeit (Jugendzeit) eine Maulschelle (Backpfeife) eingefangen hätte.

    Erziehung anno 1960. ;-))

  3. Werner 18. September 2011 ⁓ 00:24

    Die (Erziehung) war aber wohl gar nicht so schlecht, gemessen an den heutigen Ergebnissen!

  4. N.N. 18. September 2011 ⁓ 08:27

    Liest als hätte sich jemand aus dem “Lexikon der Jugendsprache” ein paar Ausdrücke zusammengeklaut und versuchte krampfhaft cool rüberzukommen.

    So redet doch keiner wirklich…

  5. laganon 18. September 2011 ⁓ 08:40

    Na klar hat die Jugend ihre eigene Sprache. Ich denke, auch wir (anno 1980) haben uns versucht von den “Alten” abzugrenzen. Und dazu zählten alle “alten Knacker” über 30. Und auch wir haben gepöpelt, saßen auf auf den Lehnen der Parkbänke mit den Füßen auf den Bänken. Und bunte Haare, Tätowierungen und Piercing sind keine Erfindungen dieses Jahrtausends.

  6. oStsEE 18. September 2011 ⁓ 12:02

    Zustimmung. Hab ich beim Lesen auch gedacht.

  7. B! 18. September 2011 ⁓ 13:34

    Ich stimme ebenfalls zu. Mit kurz vor Mitte 30 bin ich zwar aus der Jugendsprache auch schon raus, aber so redet m.E. tatsächlich niemand… auch kein 13-14 jähriger stark tätowierter Huckeduster. Auch wenn sich bestimmte Gruppen mit eigenen coolen Wortkreationen abgrenzen, so neigt doch umgangsprache eher dazu kurz und knapp die Information zu transportieren. Der oben stehende Satz ist so sperrig, dass ihn schon aus Gründen der Energieeffizienz niemand benutzen würde. Es kann natürlich sein, dass die Jugend nun doch endlich wieder zum Buch greift… auch wenn es nur das oben benannte “Lexikon der Jugendsprache” ist.

    Für alle die meinen Kommentar nicht mögen: “Ich weiß wo euer Haus wohnt!”

  8. central station 18. September 2011 ⁓ 13:45

    Hab ich auch noch nie gehört – man wird scheinbar alt…

    Ich hätte in der Situation wahrscheinlich erstmal nen Lachanfall bekommen.

  9. Michael HSB 18. September 2011 ⁓ 14:20

    Naja, so reden die schon! Ich hatte es zufällig aufgenommen, sonst hätte ich mir den wirklich sperrigen Satz gar nicht gemerkt.

    Beim darüber Nachdenken ist diese Sprache schon verschieden zu der “Alter, ey” Ausdrucksform.

    Und hab dann mal im Internet gegoogelt, ich glaube, manche der etwas sprachlich begabteren Jugendlichen sehen diese Ausdrücke auch als Spielwiese.

    Zuletzt: der Typ, der den Ausspruch landete, sprach laut, wußte um viele zufällige Zuhörer, und fand sich selbst wohl auch cool. Das mag auch ein Grund für seine etwas gestelzte Kreation sein.

    Erfunden ist die Situation nicht!

  10. oStsEE 18. September 2011 ⁓ 15:09

    Danke für den Kommentar. Hab ihn grad meinem 15jährigen Kind vorgelesen – und wir haben Tränen gelacht. Und Mittermeier ist eh Klasse.

  11. obligatorisch 21. September 2011 ⁓ 12:57

    Obligatorisch oberkrassabcheckermäßig, ey.

    Krassgeil.

    (Damit dürfte ich mich als obligatorisch über 30jähriger geoutet haben, oder?)