Sonnabend, den 29. Oktober 2011

Die ersten realen Auswirkungen der Wahlen sind aus den Bezirken zu vermelden. Es heißt, Bürgermeister und Stadträte zu wählen. Bei mir in Neukölln bündeln SPD und CDU ihre Stimmen. So fällt Frau Vonnekold von den Grünen durch. Sie hatte im Juli offensichtlich Ärger mit unserem Buschi, als ihr 4 Millionen im Etat fehlen.

Im Abgeordnetenhaus tut sich auch was: Neue Bekleidung zieht ein.

Was ein Volkswirt zur Situation Berlins sagt, weist auf einen wichtigen Widerspruch hin: Wachstum bei bleibender Arbeitslosigkeit. Da hilft es kaum, wenn man sexy ist. Oder denkt man an größere Ansiedlungen im Bereich der Erotik-Wirtschaft.

Ein gut finanziertes Wochenende wünscht

Bernd

6. Pornfilmfestival in Berlin: Porno als Kunst- und Spielfilmform

6.Pornfilmfest in Berlin Foto: ©MM|HSB2011

Zum sechsten Mal findet in Berlin-Kreuzberg vom 26.10. bis zum 30.10. 2011 das Pornfilmfestival statt, im Movimento am Kottbusser Damm. Eröffnet wurde das Festival am Mittwochabend mit dem Film Man at Bath mit dem bekannten französischen Porno-Star Françoise Sagat. Das Filmfest ist nicht auf schwule oder lesbische Filme begrenzt, es werden viele Spielarten der menschlichen Sexualität gezeigt.

Wo steht der Porno-Film heute, welche Rolle spielt er in Zeiten von Cyber-Sexualität, hoher Promiskuität in manchen Gesellschaftsschichten und serieller Monogamie? Der Sex im Film verlässt die Porno-Kinos, die experimentellen Filme und kommt im Mainstream-Kino an.

Eindeutig geht der Trend weg von wüsten hintereinander abspulenden Sex-Szenen hin zu einer irgendwie in eine einigermaßen nachvollziehbare und glaubhafte Geschichte – also ein Spielfilm mit expliziten Sexszenen. Frühe und anspruchsvolle Beispiele für diese partielle Neuausrichtung des Porno-Genres waren Filme wie Intimacy (UK 2001, hat den golden Bären für den “Besten Film” auf der Berlinale gewonnen), hier war deutlich, dass es nie um Voyeurismus, sondern um komplexe Strukturen der Protagonisten ging, wobei den Sexszenen eher eine metaphorische als eine erotische Bedeutung zukam. Ken Park (USA 2002), der ebenfalls zu Zeiten seiner Veröffentlichung viel Aufsehen erregte, war ein Beispiel für Jugendkultur, Gewalt, Missbrauch und Orientierungslosigkeit, also eher eine pessimistische Linie. Über den Film Shortbus (USA 2006) schrieb die  Süddeutsche: “Zwar zeigt Regisseur Mitchel in seinem Film echten Sex. Aber Schmuddelkino ist das noch lange nicht, sondern etwas völlig Neues im Mainstream-Kino. Weil der Film sowohl explizit als auch optimistisch ist”.

Aber die Beispiele sind eher die frühen Highlights, nicht alle Filme des modernen Mainstreams mit expliziten Sex-Darstellungen sind “echte Pornos”, nicht alle Filme wollen oder können einen hohen Anspruch an eine spannende, authentisch erzählte und inspirierte Story leisten.

Der Eröffnungsfilm zeigte den Spagat mit Sagat: Der bekannte Porno-Star, der als Mensch durchaus als zerbrechlich und nachdenklich gilt, wird in eine sanft-melancholische französische Banlieu-Geschichte versetzt, eine Liebes- und Trennungsgeschichte ohne Happy End, mit zurückhaltenden Sex-Szenen, die eher arty (künstlerisch gewollt, aber nicht immer gelungen) wirken. Dennoch schafft es der Film, typisch französisch herüber zu kommen und viele Elemente des klassischen französischen Films in Geschichte und Bildern aufzugreifen und dadurch doch eine gewisse Spielfilmauthenzität zu erreichen.

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Abgeordnetenwatch: Seit heute alle 149 Berliner Volksvertreter online

Abends im Berliner Abgeordnetenhaus (Preußischer Landtag) Foto: ©MM|HSB2011

Beim Portal Abgeordnetenwatch.de, welches sich der transparenten Zivilgesellschaft verschrieben hat,  kann man seit heute alle 149 gewählten Volksvertreter für die 17. Wahlperiode des Abgeordnetenhauses Berlin mit Bild und Kurzinfo sehen und per Email Fragen an sie stellen. Am morgigen Donnerstag, dem 27. Oktober, rund sechs Wochen nach der Wahl, tritt das Landesparlament (Abgeordnetenhaus) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Ein gutes Timing, denn bisher waren beim Portal noch keine Berliner Abgeordneten online. Auch durch die Piratenpartei wird sich sicher eine verstärkte Öffnung und Transparenz, ein neuer Dialog zwischen Bürgern und ihren gewählten politischen Vertretern einrichten lassen, der vielleicht ein bisschen der großen Politikmüdigkeit in breiten Teilen der Bevölkerung vertreibt.

Demokratie ist ein Beteiligungssystem, also auch Arbeit, mentale Beschäftigung, ich kann deshalb dieses Tool von Abgeordnetenwatch wirklich empfehlen: anschauen, nutzen, Fragen stellen, nachhaken!

(R)ostkreuz

Kiosk auf dem Bahnsteig am Bahnhof Ostkreuz
Architekturverschiebung - Foto: h|b

Über dem alten gemauerten Kiosk wölbt sich ein Glaspalast nach oben, der in dieser Gegend aussieht wie ein Ufo, das den Landeplatz verfehlt hat. Herrscht auf den Ost-/Westbahnsteigen noch der morbide Charme des Rostkreuzes, auf der Ringbahn ist man bereits in der Zukunft angekommen.

Der gläserne Bahnhof steht zwar noch leer – die Ringbahn fährt momentan auf dem neuen, nicht überdachten Regionalbahnhof da der Innenausbau läuft – aber bereits jetzt ist sichtbar, dass nach dem Hauptbahnhof und dem Südkreuz, ein weiterer Meilenstein im Ausbau des Berliner Nahverkehrsnetzes im Jahr 2016 seinen Betrieb aufnehmen wird. Ein moderner Bahnhof an der Peripherie zu einem Kiez, der sich an dieser Stelle heftig entwickelt. Es wird neue Straßenbahnführungen geben, die Regionalbahnen werden hier einen zentralen Umsteigeknoten bekommen, alles natürlich barrierefrei, und Busse ergänzen die vielfältigen Verknüpfungsmöglichkeiten.

Wer mehr wissen will zum Ostkreuz, dem empfehle ich gerne das Ostkreuzblog, das von Beginn an die Umbauphase mit unzähligen Bildern und Berichten dokumentiert. Wer es noch nostalgischer möchte, kann sich bei Lostkreuz direkt in die Vergangenheit beamen lassen. Sehr schöne Bilder, die in 5 Jahren definitiv Geschichte sein werden.