O’zapft is

Berliner Gebäude im Vordergrund mit Fernsehturm im Hintergrund

Bayrische (Un-)Kultur in Berlin - Foto: h|b

Auch wenn aktuell noch die Bergmannsche Pseudooktoberfestvermüllung den Alex ziert – vermutlich werden daraus nahtlos die Weihnachtsmarktbuden, schließlich stehen die dazugehörigen Männer schon seit letzter Woche bei Kaisers – wird es Ende Oktober einen echten Höhepunkt bayrischer Kultur in Berlin geben. Das größte Hofbräuhaus außerhalb Münchens öffnet dann mit 6000 Quadratmetern Fläche plus Biergarten. Geschäftsführer Björn Schwarz übt sich in Superlativen: „Allein die 2000 laufende Meter Holzbänke sind länger als der Boulevard Unter den Linden.“ Im Wirtshaus sollen täglich bis zu 3000 Liter frisches Hofbräu-Bier ausgeschenkt, bis zu 1000 Haxen serviert werden.

In dem Gebäude Baujahr 1970 aßen früher Büroangestellte Mittag und gaben dem Etablissement einen entsprechenden Namen, der laut Google auch in anderen großen DDR Städten üblich war. Ich kannte diese Bezeichnung bis dato nicht. Wer weiß es von den Lesern? Ach ja, Hofbräuhaus darf das Dings übrigens nicht heißen, man konnte sich nicht über die Franchisebedingungen einigen. So bleibt Berlin wieder mal nur die abgespeckte Version: das „Hofbräu München“. Be Brezl, be Weißwurscht, be München, Verzeihung, Berlin. Prosit.

17 Kommentare
  1. Malaparte 14. Oktober 2011 ⁓ 19:17

    Ich glaube, das könnte das ehemalige MZG ( Mehrzweckgaststätte) sein?. Tagsüber Massenspeisung, abends “Kulturveranstaltungen”, wie Jugendtanz zum Beispiel. Vielleicht irre ich mich, immerhin 35 Jahre her, als ich dort am Alex und Umgebung fast täglich zu tun hatte.

  2. Glis glis 14. Oktober 2011 ⁓ 20:42

    Das mit der Maß finde ich echt gut, gibt’s aber auch im bayerischen Lokal bei mir um die Ecke. Die bayerische Küche ist mir dagegen a bisserl zu fleischhaltig, also nach langer Bergwanderung ganz O.K. Aber über Geschmäcker braucht man nicht streiten. Persönlich ist mir a Haxn immer noch lieber als das komische rohe tote Fischzeugs, das es jetzt auch überall gibt, oder die Sparportionen für Anorektiker und alle die es werden wollen. Und beim Kontinentalasiaten kommt Hund und Katz’ in die Pfanne. Glaubt mir keiner, is aber so… 2000 laufende Meter Holzbänke ist aber kein so tolles Ambiente. Wenn ich das will, dann gehe ich zur Hertha. Immerhin kann der Sauftourismus sich dann ein bißchen an einem Punkt konzentrieren und muß sich nicht mehr überall austoben. Ich tät Schutzmänner drumrum stellen und von jedem 50 Euro Strafe nehmen, der nebenan in die Büsche pinkelt. Dann ist nach Rechnung der Piraten der Haushalt bald saniert. – Bei “Ozapft is” denkt man dieser Tage aber erst mal an was anderes…

  3. Hernando 14. Oktober 2011 ⁓ 22:44

    Schöner Text!

    @Harald
    Wenn mir nach solchen Genüssen ist, dann geh ich meist ins Lindenbräu. Direkt bei Ihnen im Hof.
    An Sommersonntagen im Freien ist es am schönsten.
    Mich stören die Touris nicht.

  4. 1704 14. Oktober 2011 ⁓ 23:42

    “Freßwürfel”

  5. Sebastian 16. Oktober 2011 ⁓ 16:50

    Ich bin gespannt. Schlecht sowas zu haben in Berlin ist es mit Sicherheit nicht. Aber mehr als 1x im Jahr werde ich da auch nicht auftreffen.

    Aber was aktuell am Alex abgeht ist schon echt schlimm. In der Mitte dieser “X-Markt” – 2 Wochen Pause zwischen den Märkten wo man dann den Alex wieder normal betreten kann.
    Und unter der Brücke von Galeria verkommt der Platz immer mehr in Kinderhände. Diese ganzen Skatbord-Kinder machen nicht nur Lärm, sondern verdrecken den Platz auch ordentlich.
    Bin zwar selber grad erst Ü30, aber die 13 Jährigen interssieren sich nicht die Bohne, ob sie 30cm vor einem den Weg schneiden. Ich warte noch auf die Gelegenheit sie dann einfach umzustoßen ;)

  6. Sigurd 16. Oktober 2011 ⁓ 17:15

    Jetzt bekam ich aber einen Schreck. O’zapft is, das hat in diesen Tagen einen etwas bitteren Beigeschmack. Da inspiziert man seine Festplatte sofort nach einem Trojaner mit dem bayrischen Löwen drauf.
    Ja die bayrische Lebensart, von den Preußen immer, als etwas provinziell belächelt, aber nachmachen muss man sie schon. Berlin hat ein Oktoberfest und nun bald ein Hofbräu.
    Wie sagt der Bayer so treffend?
    Keine Liebe ist so heiß, wie die zwischen Bayern und Preiß. Zur Erläuterung der Bayer kennt keinen Preußen, er sagt, a’ Preiß. Alles oberhalb des Weißwurstäquators (Donau) ist für den Bayern ein Saupreiß. Dies ist eine sehr einfache Weltanschauung, z. B. ist der Schwede ein Saupreiß ein Schwedischer, oder der Hamburger ein Saupreiß ein Hamburgischer.

  7. Hernando 16. Oktober 2011 ⁓ 17:24

    @Sigurd

    Es gibt ja auch unterhalb des Weißwurstäquators Völkerscharen, die nicht so sonderlich beliebt sind. Wie werden die vom Bayern sprachlich behandelt?

  8. Sigurd 16. Oktober 2011 ⁓ 17:50

    @Hernando
    Na ebenso. Du Saupreiß du Italienischer usw. Da wechselt nur das Land oder die Stadt. ;-))

    Bevor ich nach Berlin ging, arbeitete ich für ½ Jahr im Allgäu, da war ich ein Saupreiß ein Fränkischer. Selbstverständlich sind dies liebevolle frotzelein.

  9. Hernando 16. Oktober 2011 ⁓ 18:10

    @Sigurd
    “Selbstverständlich sind dies liebevolle frotzelein.”

    …und werden ja auch vom Adressaten so aufgefasst.
    Aber auch bei “Du Saupreiß du Türkischer”?
    Da hab ich so meine Zweifel.

    Obwohl ja die Migranten in Bayern und speziell in München (viel höherer Ausländeranteil als Berlin) wesentlich besser integriert sind als in Berlin und Bremen.
    Wenn sich das ganze Staatswesen in der Hängematte des Länderfinanzausgleichs wohlfühlt, was soll man da von Menschen am Rande der Gesellschaft erwarten?

  10. Glis glis 17. Oktober 2011 ⁓ 00:39

    Adäquate Reaktion auf bewußt provozierende Regelverstöße:

    http://www.youtube.com/watch?v=9LkXC_z-X34

  11. Glis glis 17. Oktober 2011 ⁓ 00:45

    Variation auf das Thema: Besuchte noch zu Ostzeiten ein Spiel Union gegen Brandenburg. Grölte ein besoffener Unioner: “Scheiß Sachsen!” Sagte einer neben ihm. “Eh, das ist Stahl Brandenburg.” Darauf der Besoffene: “Mir doch wurst. Südlich von Berlin sind nur Sachsen. Nördlich von Berlin nur Angelsachsen.” – Und, ich gestehe, das fand ich sooo gut, daß ich es mir bis heute gemerkt habe.

  12. Sebastian 17. Oktober 2011 ⁓ 14:38

    HAHA

  13. waldnase 19. Oktober 2011 ⁓ 15:08

    Ich finde das Bayernzelt hier in Berlin deplaziert, das ist nicht authentisch! Berlin ist Berlin, München ist München, ansonsten bräuchten wir ja nicht mehr in die Ferne schweifen um was anderes zu sehen^^

  14. Glis glis 19. Oktober 2011 ⁓ 15:23

    “…das ganze Staatswesen in der Hängematte des Länderfinanzausgleichs…”

    He, so eine Formulierung ist Landesverrat!

  15. Hernando 19. Oktober 2011 ⁓ 17:34

    Ich finde die Dönerbuden hier in Berlin deplaziert, das ist nicht authentisch! Berlin ist Berlin, Istanbul ist Istanbul, ansonsten bräuchten wir ja nicht mehr in die Ferne schweifen um was anderes zu sehen^^

    Geht auch mit Rom, Athen, Peking usw.

  16. Glis glis 19. Oktober 2011 ⁓ 18:46

    Bis 1986 war Bayern selbst Nettoempfänger im Länderfinanzausgleich (“in der Hängematte”) und konnte auf diesem Wege eine moderne Wirtschaftsstruktur herausbilden, die die heutige Geberposition begründet.

    Herrschaftszeiten, so muß man als Berliner argumentieren!

  17. 1704 20. Oktober 2011 ⁓ 09:45

    der döner kommt aus Berlin – da liegen Sie jetzt aber völlig daneben. wahrscheinlich hindert Sie Ihr persönlicher meinungsextremismus daran, die welt nicht nur durch Ihr verstaubtes einglas zu sehen…