Brandwände

Brandwände dienen dazu, ein Feuer davon abzuhalten auf andere Gebäudeteile überzugreifen. In Berlin gibt es davon schöne Exemplare. Manche sind einfach weiß, andere kunstvoll bemalt. Wer kennt nicht den “Lebensbaum” von Ben Wagin der – noch – auf der linken Seite zu sehen ist, wenn man die S-Bahn Station Tiergarten in Richtung Hauptbahnhof verlässt, oder die Politikermarionetten kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Zoo von Charlottenburg kommend.

Ein Dampfer als Wandmalerei auf einer Häuserwand

Volle Kraft voraus - Foto: h|b

In den 70er und 80er Jahren war das wohl ein richtiger Kunstzweig, bis zu 75 Wandkunstwerke wurden auf Brandmauern in Berlin realisiert. Wie das Riesenschiff Phönix vom Künstler Gert Neuhaus in der Nähe der Caprivibrücke in Charlottenburg, nahe der Spree. Durch die rege Bautätigkeit und die dadurch bedingte Schließung von Baulücken verschwinden inzwischen viele dieser Kunstwerke. Der Tagesspiegel widmete in der letzten Wochenendausgabe dem Thema einen großen Artikel und stellte den Erschaffer der Phönix näher vor.

Die Künstler sehen das verschwinden ihrer großen Kunst mehr oder weniger gelassen. Es ist ihnen klar, dass diese Art von Kunst nur temporären Charakter hat. Wer sich also überdimensionale Kunstwerke im öffentlichen Raum anschauen möchte, sollte sich mit offenen Augen durch Berlin treiben lassen, oder die Website von Norbert Martins besuchen, der die Kunstwerke seit 1975 sammelt und den Besuchern so auch weiterhin erhält.

Große Wandmalerei in Berlin

Der Baum des Lebens wird wohl verschwinden - Foto: h|b

Auch Fotograf Harf Zimmermann, Mitgründer der Fotoagentur Ostkreuz, will die, mit großen Plattenkameras aufgenommenen, Bilder bewahren. „Brandwand“ ist der Arbeitstitel seines in einigen Monaten im Steidl-Verlag erscheinenden Bildbands. Von den 300 pittoresken Mauern, die er allein in den vergangenen vier Jahren quer durch alle Bezirke fotografiert habe, sei inzwischen ein Drittel weg, sagt er mit leisem Bedauern.

9 Kommentare
  1. ulla 21. Januar 2012 ⁓ 14:30

    Schade um die Bilder wenn sie jetzt nach und nach verschwinden werden – ich habe sie mir immer gerne angesehen, bzw. sehe mir die noch vorhandenen öfter mal wieder an wenn ich gerade in der Nähe bin.

  2. Hernando 21. Januar 2012 ⁓ 16:27

    Da sieht man doch deutlich den Unterschied zwischen echter Kunst und heutiger “street-art”.

    Apropos Kunst: Heute noch bis 20 Uhr: Sale bei Taschen Store in der Friedrichstraße (Höhe Lafayette).
    Will keine Werbung machen, daher selbst googeln!

    Riesiges Angebot, echte Schnäppchen!
    Komme gerade von dort mit schwerer Tasche zurück.

  3. Glis glis 22. Januar 2012 ⁓ 02:55

    Der besondere Clou beim Ozeandampfer Phönix ist ja die optische Täuschung… Noch genialer, wie ich finde, hat Gert Neuhaus die Idee hier umgesetzt…

    http://www.giebelmalerei.de/projekte/proj7.htm

    … das erinnert ein wenig an den hier auch schon mal zu Ehren gekommenen M.C. Escher.

  4. Hernando 23. Januar 2012 ⁓ 17:11

    Leider gibt es nicht nur Künstler – sondern auch viele Schmierer, die sich wohl irgendwie einreden, auch Künstler zu sein:

    https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash4/407173_335667683131563_266720700026262_1095115_1148109296_n.jpg

    Kann sein, dass der Link nicht bei allen funktioniert.
    Bild ist aber sehr originell.

  5. Hernando 24. Januar 2012 ⁓ 11:50

    @necurryauffefaust

    1. Ich meinte mit meiner Bemerkung über “street-art” eher diese Sachbeschädigungen vornehmlich in Neukölln und Friedrichshain, wie sie hier immer wieder gern eingestellt werden.
    Ihre Zitate der monumentalen Art sind für mich schon eher Kunst. Auch wenn sie nicht immer gefallen. Es muss “Können” vorhanden sein, um sowas auf die Wand zu bringen.
    Um den öffentlichen Raum und fremdes Eigentum bis Augenhöhe vollzurotzen, braucht man das nicht.

    2. Alles liegt im Auge des Betrachters. Deshalb werden Sie das vielleicht ganz anders sehen.

  6. necurryauffefaust 25. Januar 2012 ⁓ 20:09

    genau liegt im auge des betrachters.
    ich persönlich finde nur diesen begriff “street-art”, ich möchte sagen unpassend.
    was ist den art und was nicht?
    die bilder die von der masse gemocht werden sind art alle anderen nicht?
    oder nur die sich möglichst gewinnbringend verkaufen?
    oder nur bilder von künstlerinnen und künstlern welche auch an einer FH oder Uni kunst studiert haben?
    kann eine kinderkreidezeichnung art sein oder ist das blosses sinnloses naives geschmiere?
    ist ein bild weniger art weil es nicht legal gemacht wurde?
    wie definiert man können?
    sind nur bunte bilder schön oder können diese silberbombombings auch art sein?

    bitte nicht falsch verstehen hernando,wie du schon geschrieben hast, jeder hat seinen eigenen geschmack und deinen respektiere ich.

    die fragen sind jetzt mal allgemein in die runde gestellt.
    würde mich mal interessieren wie die anderen nutzer die sache sehen.

  7. Toska 25. Januar 2012 ⁓ 20:32

    Also , ich sehe das genau so wie @necurryauffefaust. Es ist eine persönliche Geschmackssache.

    Sicher , man versteht unter “street-art” Straßenkunst, aber ich würde das jetzt nicht darunter einordnen. Es ist nicht bloß ein “bemalen” von Häuserwänden.

    Es ist für mich Kunst, und was mich daran fasziniert, ist die Botschaft dahinter.

  8. waldnase 26. Januar 2012 ⁓ 12:12

    Wow, das Schiffbild find ich einfach nur beeindruckend! Vorsschlag: Am Kanzleramt gibt es noch große weiße Flächen!