Götterdämmerung

Pin It

Der Reichstag ist heute Schauplatz der 3. Bundespräsidentenwahl innerhalb von 3 Jahren – Foto: h|b

Beim letzten Mal brauchte es drei Wahlgänge, um Joachim Gauck nicht zum Bundespräsidenten zu wählen, diesmal wird vermutlich ein Wahlgang reichen, um das Ziel doch noch zu erreichen. Dann haben die Deutschen endlich ihren erklärten Lieblingspräsidenten und erhoffen sich neue Denkanstöße, aufrüttelnde Brandreden, tiefschürfende Analysen der deutschen Befindlichkeiten und vielleicht den Fingerzeig zum Weg in das gelobte Land. Yes we can.

Vielleicht kehrt auch einfach nur Ruhe ein, Business as usual. Staatsbesuche in der Welt, Empfang von Staatsgästen zu Hause, Ernennung und Entlassung von Ministern, und natürlich die obligatorische Weihnachtsbotschaft. Die Yellowpress hat wieder ihren Königsersatz und wir können endlich zur Tagesordnung übergehen.

Bilder vom Tage

33 Kommentare
  1. ulla 18. März 2012 ⁓ 09:34

    :-) Alle Jahre wieder? “Der Reichstag ist heute Schauplatz der 3. Bundespräsidentenwahl innerhalb von 3 Jahren”
    ……….

    “Vielleicht kehrt auch einfach nur Ruhe ein, Business as usual …”

    Ich hoffe, daß seine Tage damit ausgefüllt sind und sich jetzt nicht unendliche pastorale Reden über uns ergießen – in dem Fall würde ich auswandern oder zumindest zum Medientotalverweigerer werden.

  2. Toska 18. März 2012 ⁓ 09:55

    Also, Herr Gauck gehört definitiv nicht zu meinen erklärten Lieblingspräsident.

    Er soll aufpassen, dass er nicht von der Pressemeute der Bild-Zeitung als Lügner entlarvt wird, da er kurz vor der Wende auf den Zug Namens ” Freiheit ” aufgesprungen ist, sozusagen als Trittbrettpfarrer.
    Im Gegensatz zu Gauck mussten wahre Bürgerrechtler in Bautzen schmoren.

    Aber das Volk wird ja nicht gefragt, und von daher ist es eigentlich wurscht.

  3. Sigurd 18. März 2012 ⁓ 11:00

    Ich bin zu faul es nochmals zu schreiben, deshalb:

    http://sigurd.blog.de/2012/03/17/morgen-kinder-s-geben-13203222/#comments

  4. 1704 18. März 2012 ⁓ 11:01

    “Dann haben die Deutschen endlich ihren erklärten Lieblingspräsidenten und erhoffen sich neue Denkanstöße,”

    den Deutschen wurde Gauck zum “Lieblingspräsidenten” erklärt und neue denkanstöße sind von einem erzkonservativen nicht zu erwarten. von daher wird heute das amt vergauckt, tusch!

  5. Toska 18. März 2012 ⁓ 11:47

    Also, @ Sigurd

    Sie verwirren mich, haben Sie jetzt auch ein Blog ?
    In den Hund bin ich jetzt schon verliebt.

    Wenn das so weitergeht, werde ich auch ” Toska’s Plauderecke” ins Leben rufen ;-)

  6. Sigurd 18. März 2012 ⁓ 14:38

    Na also, Herr Gauck ist neuer Bundespräsident. Allerdings mit keinem neuen Bestergebnis. „Papa Heuss“ hatte bei seiner Wiederwahl 1954 85,6 Prozent. Herr Gauck kam auf 80 Prozent.

  7. ulla 18. März 2012 ⁓ 20:58

    Also das mit dem Winken müssen die Beiden – der BP und seine First Lady – aber noch üben.

    Vielleicht können wir ihnen als Morgengabe ja ein Video von der winkenden Queen und eins von Carl XVI. Gustaf überreichen – wenn sie erstmal so winken können wie diese klappt’s auch mit dem huldvollen Gruß vom Balkon :-)

  8. Hernando 18. März 2012 ⁓ 21:03

    @Sigurd

    Das steht der BV und dem Gewählten gut an, dass das kein Egon-Krenz-Ergebnis war.
    Mit den Enthaltungen kann er gut leben. Morgen kräht kein Hahn mehr danach.

    Und die Wiederwahl steht ja erst in 5 Jahren an. Schaun wir mal, vielleicht kann er dann Heuss einholen.

    Dessen Wiederwahl war ein Kuriosum. Selbst Karl Dönitz und Konrad Adenauer bekamen je eine Stimme.

    Ich hab heute alles live verfolgt.
    Hier meine Eindrücke:

    http://hernando.blog.de/2012/03/18/wahl-joachim-gauck-schnappschuesse-reichstag-13209671/

  9. 1704 18. März 2012 ⁓ 21:26

    wäre ja echt nett von der moderation, wenn ein kommentar von 1704 auch mal wieder veröffentlicht werden würde. so langsam fällt es auf!

    @ Sigurd
    @ Hernando

    bzgl. impressum sollten Sie beide nachbessern, beide sind abmahngefährdet!

    @ Hernando (18. März 2012 ⁓ 21:03)

    bzgl. der “schnappschüsse” sollten Sie sich gedanken um das copyright machen!

  10. Toska 19. März 2012 ⁓ 09:37

    @ Ulla

    Royals wird das mit in die Wiege gelegt, mit dem winken.

    Also, ich weis nicht, man kann ja über Wulff denken wie man will, aber irgendwie haben die frischen Wind in das Schloss Bellevue gebracht.

    Die beiden hier wirken derart bieder. Ich hätte noch mehr zu schreiben, aber das lass ich mal lieber, sonst heißt es wieder, ich bin nicht sachlich.

    Na ja , wie dem auch sei, schauen wir mal was draus wird.

    Jetzt nicht missverstehen, aber ist das eigentlich in Ordnung wenn hier Links als Werbung für andere Blogs eingesetzt werden.@ Susanne HSB ?

    Darf ich das dann auch machen ?

    Aber ich warte erst, bis @ 1704 einen Blog aufmacht.
    Dann habe ich und @ Ulla hier auf den HSB freie Bahn ;-)

    Bis dahin schöne Zeit….

  11. Harald (HSB) 19. März 2012 ⁓ 09:48

    Nein, Links zu eigenen Blogs sind nicht gern gesehen. Ist aus Versehen durchgerutscht. Kommt nicht wieder vor.

  12. ulla 19. März 2012 ⁓ 09:56

    “Ein Politiker, der vor der Wahl ausführlich mit Gauck geredet hatte, erzählte anschließend beeindruckt: „Nach einer halben Stunde wusste ich zwar nicht, was er gesagt hat – aber es war sehr schön.“ aus http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fruehkritik-guenther-jauch-keine-sendung-bis-mitternacht-11689443.html

    @Toska 19. März 2012 ⁓ 09:37

    :-)

  13. Sigurd 19. März 2012 ⁓ 10:41

    @Harald
    Ich z. B. habe kein Problem in meinem Blog auf einen anderen, in diesem Fall dem HSB-Blog hinzuweisen, bzw. Links zu setzen, wenn ich der Meinung bin, dass dort ein interessantes Thema behandelt wird. So unterschiedlich sind halt die Auflassungen.

  14. Susanne HSB 19. März 2012 ⁓ 11:05

    Mal schnell zur Konkretisierung: Links zu eigenen Blog sind hier selbstverständlich gern gesehen, werden weder gelöscht noch sonstwie unterdrückt. Also Hernando, herzlichen Glückwunsch zu der guten Idee. Toska, nur zu, nur Mut. Und Sigurd, immer weiter so.

    Was Harald meinte ist, dass Links zu Werbeblogs oder anderen eher werbeorientierten Seiten normalerweise nicht veröffentlicht werden sollten.

  15. 1704 19. März 2012 ⁓ 11:25

    @ Toska (19. März 2012 ⁓ 09:37)

    “Aber ich warte erst, bis @ 1704 einen Blog aufmacht.
    Dann habe ich und @ Ulla hier auf den HSB freie Bahn”

    da können Sie aber lange darauf warten – ich bin zwar im internet präsent, sogar mit einer richtig großen site, und das schon richtig lange (diese webpräsenz bestand schon, da hatte die Abendschau noch gar keinen blog, nur zur zeitlichen einordnung) aber ich lege nicht den geringsten wert darauf, daß Sie oder @ulla da dann auch noch herumkamellen. im übrigen haben Sie doch den ganzen lieben vergangenen sonntag z.b. schon freie bahn gehabt und hätten das nutzen können: nicht ein kommentar von 1704 wurde veröffentlicht, obwohl er durchaus etliche verfaßt hat, auch zum thema Gauck…

    ach, noch etwas: sollten Sie jemals einen blog einrichten, nennen Sie den dann bitte “Toskas Plauderecke”!?

  16. Toska 19. März 2012 ⁓ 12:24

    Nur nicht in Panik ausbrechen @ 1704 , ich werde mich bestimmt nicht auf Ihre Seiten verirren.

    Aber Sie haben jetzt wohl auch die Gunst der Stunde ergriffen , um auf sich aufmerksam zu machen, wie lange Sie doch schon Ihre Site haben.

    Also, mich interessiert es nicht !!!!!!!!

    Ach, noch was, ich habe nicht die Angewohnheit Ihre Comment zu zählen.

    Sorry @ Susanne HSB für die Themenabweichung
    Sie kommen mit ins Abendgebet- kann ja nüscht schaden;-)

  17. ulla 19. März 2012 ⁓ 12:29

    Was mich betrifft wäre die Gefahr des “da dann auch noch herumkamellen” eher gering :-)

  18. Susanne HSB 19. März 2012 ⁓ 12:31

    Das Thema bitte! Danke!

  19. Hernando 19. März 2012 ⁓ 19:15

    Götterdämmerung?
    War es das wirklich?

    Die heutigen Schlagzeilen kommen eher leicht und locker daher.

    Für mich am blödesten der “Berliner Kurier” mit “Hallo, Daddy Deutschland” und am treffendsten wohl die “Frankfurter Rundschau” mit “Rechts? Links? Gauck!”

    mehr davon hier:
    http://hernando.blog.de/2012/03/19/rechts-links-gauck-13217354/

  20. ulla 20. März 2012 ⁓ 10:02

    @Hernando

    aber viel, viel schöner noch finde ich den Kommentar zur Antrittsrede in der taz: http://www.taz.de/Kolumne-Besser/!89922/

    Sie haben Recht, die taz hat Witz

  21. Hernando 20. März 2012 ⁓ 11:53

    @ulla

    Danke für den taz-Link. Köstlich!

    Gauck wird es ertragen.
    Um mal die “deusche Eiche” außen vor zu lassen, fällt mir dazu noch ein: “Was kümmert es den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen.”

    Man könnte jetzt die taz-Kommentare inhaltlich natürlich genauso zerpflücken, wie die es mit der Gauck-Rede getan haben. Man muss es aber nicht.

  22. Glis glis 20. März 2012 ⁓ 15:25

    Also ich muß jetzt noch mal die Überschrift “Hallo Daddy Deutschland” verteidigen. Die trifft es eigentlich am besten. Die Inthronisierung jenes Grüßaugusts, der immer vom mündigen Bürger redet, ist in Wirklichkeit mit einer ziemlich peinlichen Entmündigung und Infantilisierung der Öffentlichkeit und auch der Bundesversammlung verbunden.

    Eigentlich sollte es ja wohl so sein, daß aus der BuVers heraus – stellvertretend für das Volk – verschiedene Vorschläge für die Besetzung des BuPrä-Amtes gemacht werden und die Mitglieder der BuVers dann den ihrer Meinung nach am besten für Repräsentativaufgaben geeigneten Kandidaten auswählen. Nun war es zuletzt immer so, daß die BuPrä-Wahl in der Realität auf ein Machtspiel zwischen Bundesregierung und Bundesopposition reduziert war. Das ist beklagt worden. Aber die demokratische Antwort darauf wäre gewesen, das Verfahren wirklich zu öffnen, also ohne Vorgaben durch die Parteispitzen die BuVers-Leute tatsächlich verschiedene Vorschläge machen und ergebnisoffen abstimmen zu lassen.

    Gemacht worden ist aber genau das Gegenteil. Das Verfahren wurde noch weiter “entdemokratisiert”, also diesmal haben ein paar Häuptlinge der großen Parteien im Hinterzimmer getagt und auf völlig intransparente Art und Weise vorab einen Kandidaten der Nationalen Front ausgewürfelt, den die BuVers hinterher nur noch abnicken konnte. Gleichzeitig haben einige Medien dem Volk versucht weiszumachen, eben jener von ein paar Hanseln festgelegte Kandidat sei der Kandidat, den es – also das Volk – eigentlich wolle. Das ganze ist einfach nur eine häßliche und unwürdige Farce, und es hat wirklich schon Orwellsche Züge, daß ausgerechnet dieser beschämende Vorgang dem Publikum jetzt als Sieg der “Bürgerlichkeit” und Demokratie verkauft wird. Das Establishment geht mit uns nicht um wie mit “Bürgern”, sondern wie mit einer Kindergartengruppe, die man mit einer netten, aber strengen Weihnachtsmannfigur beeindrucken kann.

    Insofern ist “Hallo Daddy Deutschland” schon völlig richtig; um den infantilen Charakter der ganzen Kampagne noch zu unterstreichen, hätte man vielleicht sogar “Winke winke, Daddy Deutschland” draus machen sollen.

    Freilich paßt die Art dieser BuPrä-Ermittlung vortrefflich zu unserer zunehmend defekten Demokratie, in der mithilfe konstruierter “Sachzwänge” lobbyistische Sonderinteressen durchgedrückt werden. Wir werden sehen, wie “Daddy Deutschland” sich zu der anstehenden Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) verhalten wird, was ja in der Sache eine Art versteckter Putsch eines Luxemburger Finanzdirektoriums gegen die europäischen Demokratien ist. Was wird er sagen, der Daddy D? Ich ahne es schon: “Winke winke” wird er machen.

    Mußte jetzt mal sein.

  23. 1704 20. März 2012 ⁓ 16:32

    @ Glis glis (20. März 2012 ⁓ 15:25)

    “Mußte jetzt mal sein”? jedes ‘muß’ setzt einen willen voraus, der den zwang des müssens als solchen überhaupt anerkennt. das “mußte jetzt mal sein”, sonst wäre ich geplatzt oder hätte kotzen müssen oder wäre mir die galle übergelaufen oder piff&paff, bedeutet lediglich, daß eine alternative aufgelöst worden ist und ein zwang vorrang eingeräumt bekommen hat. es gibt nur sehr wenig, was ein mensch tatsächlich “muß”, die meisten “muß” sind reine einbildungen bzw. gehören zu den komplexen prozeduren rationaler kontrolle und disziplinierung, wie sie z.b. bei Michel Foucault in ‘Wahnsinn und Gesellschaft gut beschrieben werden, oder aber entsprechen dem lust-unlustprinzip, aber gut, das mußte jetzt einfach einmal sein…

    besonders bemerkenswert finde ich ” einen Kandidaten der Nationalen Front” und “den die BuVers hinterher nur noch abnicken konnte” – “… Durch die Nationale Front sollten dem Anspruch nach alle gesellschaftlichen Gruppen Einfluss auf gesellschaftspolitische Prozesse nehmen können. Faktisch war die Nationale Front jedoch auch ein Mittel, um die Blockparteien und Massenorganisationen zu disziplinieren und die Vormachtstellung der SED im Staat zu festigen…” (Wikipedia, Nationale Front (DDR))

    politische realität ist das eine, verfassungs- oder rechtswirklichkeit etwas anderes, denn, im ‘Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung’, das wiederum die ausführungsvorschrift zu Art 54 GG darstellt, heißt es in § 9 in (1): “Wahlvorschläge für die Wahl des Bundespräsidenten kann jedes Mitglied der Bundesversammlung beim Präsidenten des Bundestages schriftlich einreichen…” – und deshalb muß ich Ihnen auch widersprechen. es ist eben nicht so, daß die “BuVers” lediglich “nur noch abnicken konnte” – die einzelnen mitglieder, also tatsächlich jedes EINZELNE mitglied, der “BuVers” hätte einen vorschlag einreichen können, aber sie haben größtenteils auf ihr vorschlagsrecht verzichtet. deshalb gab es auch nur 3 kandidaten, die zur wahl standen! es wäre traurig um den zustand dieser republik, wenn im ganzen land lediglich 3 personen als geeignet dafür angesehen werden könnten, das höchste staatsamt zu bekleiden, oder, wenn man von den im vorfeld der entscheidung herumschwirrenden namen ausgeht, auf lediglich 5 oder 6 kommt.

    auch hinsichtlich dieser einschätzung habe ich gewisse zweifel: “Das Establishment geht mit uns nicht um wie mit ‘Bürgern’, sondern wie mit einer Kindergartengruppe, die man mit einer netten, aber strengen Weihnachtsmannfigur beeindrucken kann.” ich habe nämlich ganz häufig den eindruck, daß das establishment sich eine kindergartentruppe hält, die sich dann regierung nennt. diese kindergartentruppe wiederum betrachtet das volk dann wahrscheinlich als eine art vorschulkindergarten, wo all das notwendige rüstzeug gelehrt und beigebracht wird, um im kindergarten bestehen zu können. aber Sie machen es sich auch ein wenig zu einfach mit Ihrer kritik, denn, andererseits, beweist der nicht allzu ernst genommene “Bürger” selbst hinreichend oft, wie wenig berechtigung er hat, ernstgenommen werden zu wollen, oder glauben Sie allen ernstes, daß der “Bürger” wirklich weiß, worum es bei der “Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)” tatsächlich geht? und das wäre ja nur eine frage von sehr vielen, mit denen sich der bürger auseinandersetzen müßte, und, so glaube ich, er ganz froh ist, gar nicht sonderlich gefragt zu werden…

  24. ulla 20. März 2012 ⁓ 21:07

    @Glis glis

    “Defekte Demokratie” – da ist was dran. Die Art und Weise wie Christian Wulff abgesägt und Herr Gauck schön geredet wurde und welche politischen Hintergedanken vor 2 Jahren und auch jetzt bei seiner Nominierung eine Rolle spielten ist schon ein starkes Stück.

    Unsere 4. Staatsgewalt, vorneweg die …-Presse, die niemand liest, hat jedenfalls erst einmal gezeigt wozu sie fähig ist; aber vielleicht wird der gemeine Bürger an sich in 1, 2 Jahren wachsamer wenn er merkt, daß der “Präsident der Herzen” auch nur mit Wasser kocht.

  25. Glis glis 21. März 2012 ⁓ 00:31

    @ 1704

    “Mußte mal sein” war nur eine Entschuldigung wegen teilweiser Abweichung und wegen des Stilbruchs, eigentlich nicht als Einführung in die Semantik & Pragmatik des Gebrauchs von Modalverben gedacht.

    Sicher kann jeder Abgeordnete der BuVers einen Kandidatenvorschlag machen. Realistisch betrachtet wäre dies bei Vorab-Festlegung der Parteiführungen aber zum einen aussichtslos (und es ist ja wohl auch gar nicht so einfach, jemanden in einer gewissen Position zu einer aussichtslosen Kandidatur für das Grüßonkelamt zu gewinnen; nicht zufällig wohl hat die Linke ihre Kandidatin von jenseits der Grenze rekrutiert.) Zum anderen würde der/die betreffende Abgeordnete bei der nächsten Wahl die Aufstellung auf einem guten Listenplatz riskieren. Innerhalb der Logik unserer hierarchischen Parteiendemokratie ist der Einwand m.E. ähnlich formalistisch wie ein möglicher Einwand, daß bei der Aufstellung der Kandidaten der Nationalen Front seinerzeit auch formal jeder ein Mitspracherecht hatte.

    Daß in der Tat auch niemand innerhalb der “Gauck-Parteien” in der BuVers einen konkurrierenden Vorschlag gemacht hat, spricht freilich dafür, wie sehr diese defekt-demokratische Logik von den Protagonisten bereits verinnerlicht ist. Ich meine, erinnert sich noch jemand an Werner Schulz? Den Berliner Grünen-MdB, der 2005 vor dem BVerfG gegen Schröders Farce mit der getürkten Vertrauensfrage geklagt hat? (Für den hab ich dann deshalb – leider erfolglos – mit der Erststimme gestimmt, das einzige Mal im letzten Jahrzehnt, daß ich überhaupt noch für einen Grünen gevotet habe.) Aber der ist von seiner Partei dann nicht auf einem Listenplatz aufgestellt worden, man hatte ihm eben seine Treue zu den formalen demokratischen Verfahren verübelt.

    Was will man machen… Gesetzentwürfe werden ja auch nicht vom Parlament ausgearbeitet, sondern von der Ministerialbürokratie oder gar von externen Anwaltskanzleien…

    Was die Sache mit den “Bürgern” angeht: man könnte sich der Sache nun soziologisch zu nähern versuchen, aber zur Vermeidung allgemeinen Mißvergnügens soll das hier unterbleiben. Mir ging es nur um die Widersprüchlichkeit einer verbreiteten medialen Rhetorik, die einerseits – allgemein – den am Gemeinwesen interessierten “Bürger” als Argumentationsfigur bemüht, ihm aber andererseits – konkret – bei entscheidenden Angelegenheiten des Gemeinwesens mit Verweis auf “Sachzwänge” die Kompetenz abspricht. Nehmen wir nur die sogenannte Euro-Rettung samt Bankenrettung, deren Kosten dann wiederum zu restriktiven Fiskalpakten führen. All das liegt in einer Sphäre außerhalb von “bürgerlich”-demokratischen Meinungsbildungsverfahren. Da ruft auch niemand nach dem mündigen Bürger. Das ist die Angelegenheit einer eng mit hochorganisierten Sonderinteressen verklüngelten Expertokratie.

    Im Ergebnis schränken die öffentlichen Haushalte dann ihre Ausgaben ein: Schwimmbäder und Bibliotheken werden geschlossen, Schulen vergammeln, das Blindengeld wird gekürzt etc. Dann aber, DANN… ruft das Establishment nach dem Bürger. Hey, der Staat kann nicht mehr, man soll sich nicht auf den Staat verlassen. Jetzt muß “der Bürger” ran. “Zivilgesellschaftliches” Engagement soll die Lücke füllen, die die Exzesse der Oberschichten in die finanzielle Basis des Gemeinwesens geschlagen haben. Das ganze ist so ein verlogener Drecksdiskurs… ich kriege schon wieder die Krise… Tut mir leid für die Abweichung… Aber so ganz daneben ist es gar nicht – mir scheint, der neue Grüßonkel ist genau der Mann für diese Rhetorik…

  26. waldnase 21. März 2012 ⁓ 16:55

    Ach, ich freu mich drauf, wie sich unser neuer Bundespräsident schlagen wird. Er ist keine Politikernatur, zum Glück, sondern ein Mensch der Geschichte miterlebt und gestaltet hat. Zudem hat er manchmal ein einige Meinung, gut so!

  27. 1704 22. März 2012 ⁓ 21:10

    @ Glis glis (21. März 2012 ⁓ 00:31)

    Ihr kommentar blieb keineswegs ohne eine erwiderung.

    und, @wen es noch interessiert:

    “Am 23. März wird Bundespräsident Joachim Gauck in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat im Plenarsaal des Deutschen Bundestages vereidigt. Dabei hält er seine Antrittsrede. Nach der Vereidigung wird Bundespräsident Gauck im Park von Schloss Bellevue von der Bundeswehr mit militärischen Ehren begrüßt…”
    (quelle: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Joachim-Gauck/2012/03/120323-Vereidigung-und-Begruessung.html )

    kleines detail am rande: “… Mit Annahme seines Amtes ist der Bundespräsident automatisch Träger der höchsten Stufe des Verdienstordens. Zuvor war er bereits Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse und des Großen Verdienstkreuzes mit Stern…”
    (quelle: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Joachim-Gauck/2012/03/120319-Ankunft.html )

  28. Werner 22. März 2012 ⁓ 23:17

    Und das ist auch gut so!

  29. 1704 23. März 2012 ⁓ 09:08

    unter umständen ja, aber diese umstände sind noch nicht da.

  30. ulla 24. März 2012 ⁓ 07:58

    Papst war gestern – nach dem Lesen der Kommentare zur Antrittsrede unseres neuen BP (gehört habe ich sie nicht) bin ich zu der festen Überzeugung gelangt daß Pastor Gauck ab sofort der Stellvertreter Gottes auf Erden ist.

  31. sigurd 24. März 2012 ⁓ 10:05

    @ulla 24. März 2012 ⁓ 07:58

    “…bin ich zu der festen Überzeugung gelangt daß Pastor Gauck ab sofort der Stellvertreter Gottes auf Erden ist”.

    Der war echt gut. ;-))

  32. ulla 24. März 2012 ⁓ 17:23

    @Hernando

    “Der Rettungsschirm” ist genial; aber bei der “ganz anderen Sichtweise” stößt mein Sinn für Humor an seine Grenzen. Witzig finde ich so etwas nicht, eher voll daneben.