Archiv für Juni 2012

Sonnabend, den 30. Juni 2012

Wenn man sein Mobiltelefon im Land hinter den sieben Bergen, bei den sieben Schweizern, vergisst, kann es geschehen, dass man es hier beim Zoll abholen muss. Dort erklärt man den Sachverhalt. Worauf der Beamte sagt: „Frau und Kinder kann man vielleicht vahjessen, aber doch nich sein Handy.” Wirft einen kurzen Blick darauf — und ich darf es mitnehmen. Ohne Gebühren entrichten zu müssen. Fazit: Berliner Zollbeamte können nett sein. Wie es scheint, hat sich hier nicht viel getan. Tut gewittern. Im Umland ramsauert es.

Ein freundliches Wochenende wünscht

Bernd

Der Wedding Nummer 4

Cover der aktuellen Ausgabe

Hier im HSB haben wir schon einige Ausgaben des Magazins Der Wedding besprochen, zuletzt zu den Themen Alltag und Arbeit. Alle Hefte haben mir gut gefallen, wobei jedes neue Heft immer noch ein bisschen besser wurde. Der Wedding hat sich ohne Zweifel schnell etabliert und ist innerhalb von ein paar Jahren zu einem Magazin geworden, das Leben und Sein nicht nur im Wedding, nicht nur in Berlin abbildet, sondern längst weit darüber hinaus von Bedeutung sein dürfte.

Und jetzt übertrifft sich die aktuelle Ausgabe Nummer 4 wieder einmal selbst. Das Thema Westen ist unterteilt in »der gute alte«, »der wilde« und »der goldene«. Allein das ist mehr als nur gelungen, das bringt es auf den Punkt. Und auch die Umsetzung passt exakt. Es gibt viele gute Bilder, wie immer, witzige Ideen, zum Beispiel die Umfragen im Wedding, in Dehli und in Peking, außerdem sorgfältig ausgewählte und umgesetzte Reportagen. Mehr denn je.

Lesen kann man über die verschwundene Westkultur, mit hohem Wiedererkennungswert,  wenn man ein gewisses Alter hat, das eine Erinnerung an den Westen damals ermöglicht. Es gibt einige spannende Porträts, Westbiographien nach der Wende sind auch nicht ungebrochen. Und die Sehnsucht der Eingemauerten nach der Weite der Prärie wird in der Heftmitte in Hochglanz abgebildet. Fast wortlos, the American Dream. Im letzten Teil folgen aktuelle Erfolgsgeschichten und Interviews, doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. So ist Berlin, so ist Der Wedding.

Ein Magazin also, so voll wie noch nie, das bei mir eine Weile bereit liegen wird, einfach weil ich da immer wieder einmal hineinsehen wollen werde. Denn das war und das ist der Westen, nicht nur hier in Berlin. Ich als Vollwessi weiß das.

Außerdem wurde Der Wedding Nummer 4 für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 nominiert. Das ist kein Zufall, schauen Sie sich einfach mal Seite 80 an, wenn Sie das Heft in den Händen halten. Und dann kaufen sie es, es kostet nur 6,99 Euro, die sich satt lohnen.

 

Überleben auf der Flucht

Menschen vor einem Hochhaus

Christoph Hey (rechts) von “Ärzte ohne Grenzen” stellt einfache Tse Tse Fliegenfallen vor – Foto: h|b

Ärzte ohne Grenzen Mitarbeiter Christoph Hey war bereits in Äthiopien und hat in Afghanistan ein Krankenhaus mit aufgebaut. Jetzt steht er am Potsdamer Platz und erklärt den Besuchern, was es bedeutet plötzlich die Heimat verlassen zu müssen und mit Zehntausenden in einem Flüchtlingslager zu leben und auf grundlegende sanitäre Standards wie Toiletten oder frisches Wasser verzichten zu müssen. Ärzte ohne Grenzen versucht in der – noch bis nächsten Dienstag andauernden – Ausstellung “Überleben auf der Flucht” mitten auf dem belebten Platz, Antworten auf diese Fragen zu geben. Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisationen handelt strikt unpolitisch und lässt sich von keiner Seite vereinnahmen.

Im Gespräch erzählt Christoph Hey, das es gerade diese Position ermögliche, leichter Zugang zu den Bewohnern der Flüchtlingslager zu bekommen und bestehende Vorbehalte gegen die “Fremden” abzubauen. Gerade als Arzt in Afrika gilt es viele Hürden zu überwinden, sei es die Hierarchie der Stammesältesten oder den Einfluss des örtlichen Heilers, bis man Kinder impfen oder Frauen behandeln darf. Ein Weg der anstrengend ist, sich aber immer wieder lohnt. Auch kleine Schritte bewirken eine langsame und unwiederkehrbare Änderung der Zustände, auch wenn durch immer wieder aufflackernde Konflikte der Einsatz nicht ungefährlich ist.

Ein Besuch lohnt sich. Wer am Wochenende mal ein Stündchen Zeit hat, sei die Ausstellung auf jeden Fall empfohlen.

Sommeranfang

Verfremdetes Bild

Rainy days in Berlin – Foto: h|b

John can’t wait

John ist Berliner und Amerikaner. John ist Autist, unter anderem spricht er nicht. Überhaupt nicht, kein Wort. Aber John reist manchmal, mit seiner Mutter und seinem Vater, kreuz und quer durch Europa. Und er liebt es, offensichtlich.

Johns Eltern wollen nun ein Buch darüber schreiben, wie es ist, mit John unterwegs zu sein. Ein Buch über das Reisen mit John und seinen Autismus, ein Buch über Autismus auch. Ein etwas anderes Buch über Autismus, wie ich stark vermute. Das kann man schließlich seit langem im Blog seiner Mutter nachlesen.

Für die Realisierung des Projekts bitten die beiden – oder vermutlich wohl eher die drei – nun um Unterstützung und zwar bei Kickstarter:

Exploring Europe with an autistic child

Severely autistic people aren’t primarily known as globetrotters. They like routines and familiar surroundings. Our son John, eleven years old, severely autistic and non-verbal, is no exception to this. But he also really likes to travel. As soon as we realized that, we were on the road and have traveled a lot throughout Europe since. We would like to write a book about our experiences, for anyone who is interested in travel and/or autism.

Noch 12 Tage. So, please feel free…

Neuköllner Nächte sind lang

Neuköllner Flasche leer Foto: HSBengl

Und sie hinterlassen Spuren, unübersehbar, die nicht immer ganz so ganz zurückbleiben, wie etwa dieses akurat platzierte Exemplar.

48 Stunden Neukölln

Wir picken hier mal nur eines von vielen Highlights des  Kunst- und Kulturfestival im Süden von Berlin raus, sozusagen Köln in Neukölln – der Neuköllner Prachtsaal präsentiert: Die Hände von Otto Waalkes, Alfred Biolek und dem Zahnarzt von Frau Krafft.

Ute Krafft

Die in Köln ansässige, rumänischstämmige Bildhauerin Ute Krafft stellt bis zum Sonntag im Rahmen des Ausstellungsprojekts “48 Stunden Neukölln” aus und Ute Krafft ist eine Ikone des Deutschen Fernsehens. Nein Sie haben sie nie gesehen – wohl aber ihre Arbeit, die aber war omnipräsent im TV der Frühen Wendejahre, zu bewundern immer am späten Freitagabend im legendären WDR-Fernsehmagazin ZAK mit Friedrich Küppersbusch, neben “Schmidteinander” damals ein Muss im TV. Dort – und auf deutschlandweiten Tourneen – gab es “Hurra Deutschland!”, die nach dem Muster der englischen Comedy “Spitting Image” hergestellte derb-schräge Sketchreihe mit irrlichternden Latex-Karikaturpuppen aus Pop und Politik, hergestellt in einem Hinterhof der sich gerade zum Mediendrehkreuz mausernden Rheinmetropole Köln. Und die Puppen von “Hurra Deutschland”, die modellierte die Bildhauerin Ute Krafft.

Heute hat Ute endlich mehr Zeit für ihre freien Projekte und so wie Jim Jarmusch seit jeher alle Stars neben den offiziellen Einsätzen in seinen Filmen nochmal bei Kaffee und Zigaretten um einen Tisch drapiert um sie dann bei laufender Kamera improvisieren zu lassen, so lässt Ute seit jeher alle, die sie portraitiert,  – Promis und “normale” Menschen, auch ihre Hände für zwei Minuten in einen Eimer mit der Latexmischung halten, aus denen sie auch die Karikaturpuppen herstellt. Aus dem Latexrohling werden dann – als Unikate – die Hände der Personen abgegossen.

Neben einigen Gemälden hat Ute Krafft eine Auswahl ihrer Handabgüsse für das Ausstellungsprojekt “48 Stunden Neukölln” zusammengestellt, in dessen Rahmen sie sie zusammen mit den Fotos ihrer Entstehung bis zum Sonntag im Neuköllner Prachtsaal ausstellt. Die Künstlerin ist anwesend und modelliert während der Öffnungszeiten live eine Karikaturbüste des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, der persönlich herzlich zur Ausstellung eingeladen wurde…

Ute Krafft: Abformung / Hidden Beauties, Ausstellung bei 48 Stunden Neukölln
‎16. Juni 11-23 Uhr, 17. Juni 11-19 Uhr, Prachtsaal Jonasstraße 22, D-12053 Berlin
48-stunden-neukoelln.de

17 / 2012

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Foto: h|b

Ein Spaziergang durch Berlin

Vitúc nimmt uns mit auf einen zweitägigen Spaziergang durch unsere Stadt.

Anders als sonst ist es weder laut noch schnell noch aufregend, sondern eher verträumt…und so wunderbar echt.

Video: Berlin Walk by Vitúc

Musik: April Illuminating by Reid Willis.

Hauptstadterpel Hugo und seine Familie

Mitte Mai habe ich hier im HSB, ohne jeglichen Hintergrund, einen Schnappschuss der Hauptstadtente veröffentlicht. Vor ein paar Tagen erreichte mich dann per Mail die dazugehörige Geschichte. Und auch noch ein paar weitere Bilder.

Wie man sieht ist Hugo – so der Name des gefiederten Balkonbewohners – nicht allein. Im innenliegenden Blumenkasten des Balkonbesitzers Christoph, von dem auch sämtliche Bilder stammen, hockt Gertrud seelenruhig auf ihren sechs Eiern.

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Reingeradelt

Polizeimotorrad mit Radfahrern

Radfahren unter den Augen des Gesetzes - Foto: h|b

Statt Flughafeneröffnung gab es heute eine andere Art der Zerstreuung. Zehntausende Radler fuhren aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin zum Umweltfest am Brandenburger Tor. Die alljährliche Sternfahrt – diesmal unter dem Motto »Berlin auf der Radspur!« – ist laut ADFC die größte Fahrraddemonstration weltweit. Die Autofahrer mussten sich stadtweit in Geduld üben. Aber das ist ja in Berlin nichts Neues.

Sonnabend, den 2. Juni 2012

Wenn das Wörtchen „Wenn” nicht wär… würde morgen ein Flughafen eröffnet werden. Es gibt ein gutes Interview zum Thema. Ich erinnere mich an einen Filmbericht in der ARD, der vor einigen Jahren gesendet wurde. Danach gab es sieben Gutachten für einen Standort. Alle hätten Schönefeld auf den letzten Platz gesetzt. Aber jetzt ist er da. Watt nu?

Ein nicht so windiges Wochenende wünscht

Bernd