Ein Spaziergang durch Berlin

Vitúc nimmt uns mit auf einen zweitägigen Spaziergang durch unsere Stadt.

Anders als sonst ist es weder laut noch schnell noch aufregend, sondern eher verträumt…und so wunderbar echt.

Video: Berlin Walk by Vitúc

Musik: April Illuminating by Reid Willis.

30 Kommentare
  1. Elisa 9. Juni 2012 ⁓ 17:52

    Ein sehr schöner und poetischer Film. So kann man Berlin auch sehen, so liebevoll.

  2. Helen 9. Juni 2012 ⁓ 20:42

    Das Schrammen in der Musik nervt. Schade.

  3. Helen 9. Juni 2012 ⁓ 22:46

    Übrigens, der Piece Wall wird vorzeitig abgeräumt.

  4. Helen 9. Juni 2012 ⁓ 22:48

    Auxh das noch – Peace Wall – aber to pieces wird er dann wohl werden.

  5. Helen 9. Juni 2012 ⁓ 22:48

    Auch das noch – Peace Wall – aber to pieces wird er dann wohl werden.

  6. 1704 11. Juni 2012 ⁓ 10:25

    PEACE WALL

    “In den vergangenen Tagen war das Kunstwerk verschiedenen gewaltsamen Angriffen ausgesetzt. Auch die Künstlerin wurde verbal attackiert.”

    quelle, Berlin Bienale, NADA PRLJA STIMMT DEM ABBAU DER „PEACE WALL“ AM 15. JUNI 2012 ZU, http://www.berlinbiennale.de/blog/kommentare/nada-prlja-stimmt-dem-abbau-der-%E2%80%9Epeace-wall%E2%80%9C-am-15-juni-2012-zu-29830

    “… Hartwich [der Unternehmer in der Interessengemeinschaft Friedrichstraße vertritt] sieht eine steigende Gefahr, dass die Mauer über Nacht fällt. Einige Bretter wurden bereits entfernt, doch besteht das Werk auch aus Wellblech und schweren Steinen. ‘Sonst wäre es schon längst weg’, ist sich Hartwich sicher…

    Viele Anwohner sind erbost. ‘Der Müll muss weg’, schimpft Marie Voß, die mit ihrem Mann direkt an der Mauer wohnt. ‘Wir haben die Friedrichstraße jahrzehntelang mit zwei Mauern erlebt. Jetzt sind sie endlich weg – und dann kommt irgendeine Künstlerin und stellt so einen Dreck hierhin’, sagt der 87-jährige Hans Voß… Das Ehepaar Voß beklagt sich, dass es als arm klassifiziert wird, dabei sei die Miete in dem südlichen Teil gar nicht billig…

    Künstlerin Nada Prlja… ‘Die Mauer hat die Kraft, etwas zu ändern. Wenn sie weg ist, werden die Probleme noch da sein.’”

    quelle: Der Tagesspiegel, Mauer in der Friedrichstraße – “Peace Wall” vor dem Fall, 05.06.2012, http://www.tagesspiegel.de/berlin/mauer-in-der-friedrichstrasse-peace-wall-vor-dem-fall/6709892.html

    ach ja, BERLIN WALK – ich sehe da eine poetisch angerichtete und auf ästhetisch getrimmte sicht eines touristen auf die stadt, auf “Abendschau”-niveau. eine ‘liebevolle’ sicht sehe ich nicht, es sei denn, man versteht unter liebe das ausblenden (ver)störender realität, manche verstehen/leben sie wohl so, weswegen sie ja auch irgendwann…, aber das gehört dann schon in die rubrik ratgeber und kummerkasten.

  7. ulla 11. Juni 2012 ⁓ 12:50

    “… und so wunderbar echt” sind auch die Hunde und ihre Menschen in dem Video. Aber wenn der Berliner Senat sich daran http://www.kleinezeitung.at/magazin/tiere/3038790/stadt-jerusalem-sagt-hundekot-den-kampf.story ein Beispiel nimmt, droht Herrchen, bzw. Frauchen Ungemach wenn sie nicht auf ihre Lieblinge achten :-)

    Abgesehen davon – mir gefällt das Video.

  8. Elisa 11. Juni 2012 ⁓ 14:50

    Liebe heißt nicht Ausblenden der ver-störenden Realität. Liebe kann bedeuten, SCHWERPUNKTE auf das Schöne, Angenehme und auch Erträgliche zu setzen. Ich kann Berlin als Stadt voller Müll(bevorgtes Objekt die Hundekacke) mit verelendeten Mitmenschen sehen. Ich kann die Stadt aber ebenfalls als lebendigen Ort betrachten, der auch in seinen Schmuddelecken Charme hat.

  9. Hernando 11. Juni 2012 ⁓ 22:07

    Was ist Kunst?
    Wenn einer mitten auf die Straße einen Haufen macht, sich dabei filmen lässt und dann ein Fähnchen reinsteckt?
    Oder sowas wie der “Berlin Walk”?
    Für mich eindeutig Letzteres!
    Denn Kunst kommt von Können.
    Blöd provozieren und das dann zur Kunst erklären, das kann jeder.
    Für alles findet sich auch ein Kurator und ein Mäzen.

    Frau Prlja wurde übrigens auch aus der linksalternativen Ecke kritisiert (“Du schadest uns nur”).
    Kann ich mit Fotos der Wand belegen, die ich mal posten werde, wenn ich wieder in Berlin bin.

    Auf dem Balkan gibt es wahrlich genug zu tun. Gegen Rassismus, übersteigerten Nationalismus, religiösen Fundamentalismus. Aber hier in Berlin Staatsknete für “Projekte” abgreifen, das ist sicher bequemer und lukrativer.

  10. 1704 12. Juni 2012 ⁓ 12:40

    @ Hernando (11. Juni 2012 ⁓ 22:07)

    “Denn Kunst kommt von Können.”

    wie wäre es denn, wenn Sie einfach einmal etwas NEU lernen würden?

    kunst leitet sich etymologisch vom altdeutschen ‘kunnan’ ab (in der bedeutung von wissen, kennen, erkennen – die indogermanische wurzel des wortes hat die gleiche bedeutung), im weiteren, SPÄTEREN sprachgebrauch entwickelten sich daraus die wörter können, kennen, künden, Kunde, kundig, kündigen, Kunst, künstlerisch, künstlich und verdrängten die ursprüngliche bedeutung. wenn also behauptet wird, wie Sie es hier mal wieder tun, ‘Kunst kommt von Können’, dann ist das etymologisch falsch! der spätere sprachgebrauch hat die ursprüngliche bedeutung des wortes überlagert. deshalb: kunst kommt immer noch von wissen, kennen, erkennen, und eben NICHT von KÖNNEN!

    KÖNNEN KOMMT VON KUNST, werter @Hernando, nicht andersherum!

    übrigens auch ein beispiel dafür, daß auch wikipedia irren kann.

    typisch für Ihre art zu denken ist Ihre eingangsfrage, bei der Sie gar kein interesse haben, sie auch beantworten zu wollen, auch nicht, sie beantworten zu KÖNNEN, sondern die frage lediglich rhetorisch nutzen, um so zu tun als wüßten Sie die antwort bzw. als käme es auf die RICHTIGE, also KUNDIGE, antwort gar nicht an.

    ein satz wie “Für mich eindeutig Letzteres!” erklärt nichts, ignoriert letztlich bewußt die eingangs gestellte frage und macht das rhetorische schon zur ‘Er-KENNT-nis’, die aber gar keine ist, sondern lediglich ein beliebiges fürwahrhalten formuliert. für mich bestürzend ist dabei allerdings mehr, daß Sie ganz offensichtlich an einem KUNSTbegriff festhalten, den Sie aufgrund des dann bemühten satzes von der KUNST, die angeblich vom KÖNNEN kommt, auch als quasie ‘richtig’ ansehen. ein großer irrtum, wenn es um das verstehen zeitgenössischer kunst geht, sozusagen ein sprachlicher ausdruck für die mauer im kopf, die verhindert, daß man die weite der landschaft, die vor einem liegt, als solche auch er-KENNEN kann.

    BERLIN WALK mag seine berechtigung haben, auch als KUNST, aber wenn Sie das lediglich daran festmachen, daß da so eine art KÖNNEN zu sehen ist, dann zeigt es in dieser engen sicht auch viel ignoranz, die Sie sogar ganz bewußt hinnehmen, weil Sie so ignorant sein wollen! WOLLEN leitet sich psychologisch auch von KÖNNEN ab, evtl. sollten Sie darüber einmal ernsthaft nachdenken! evtl. erweitert es dann auch Ihr nachdenken über KUNST?

    aber um zu Ihrer ausgangsfrage (“Was ist Kunst?”) und zu der antwort, die Sie sich gegeben haben (“Für mich eindeutig Letzteres!”), zurückzukehren: wie BEGRÜNDET sich denn dieses EINDEUTIG? oder, anders gefragt: was macht denn BERLIN WALK für Sie zum KUNSTwerk? handelt es sich bei BERLIN WALK überhaupt um ein KUNSTwerk? wenn ja, woran machen Sie das fest? und bzgl. der hundehaufen mit nationalfähnchen: woran machen Sie denn fest, daß es KEINE KUNST ist? und wenn Sie BeERLIN WALK und die PEACE WALL miteinander vergleichen, was macht das eine für SIE denn zu einer goutierten KUNST, während Sie das andere ablehnen? kommt es auf zustimmung/ablehnung bei der betrachtung von KUNST überhaupt an?

    zu Ihrem letzten absatz: “… Auf schmerzhafte Weise wurde uns Kuratoren, Organisatoren und Künstlern das Problem des unverhältnismäßigen Ausstellungsbudgets bewusst. Obwohl die Gelder für die Produktion so stark gekürzt wurden, dass die Entwicklung einzelner Arbeiten infrage stand, zogen sich die Künstlerinnen und Künstler nicht aus der Ausstellung zurück. Einige fanden selbst externe Quellen finanzieller Unterstützung. Wir
    Kuratoren kamen überein, dass jeder Künstler der Biennale ein Honorar von 1.000 Euro erhalten würde (leider galt das nicht für alle).” *** Sie zeigen wieder einmal mit Ihrer argumentation auf, wie wenig Sie über die produktionsbedingungen moderner kunst wissen! aber vorurteilen sei dank, müssen Sie das ja auch nicht!

    ———-

    *** zitat: ARTUR ŻMIJEWSKI: 7. BERLIN BIENNALE FÜR ZEITGENÖSSISCHE POLITIK, Pressemappe, http://www.berlinbiennale.de/blog/wp-content/uploads/2012/04/7BerlinBiennale_Pressemappe.pdf

  11. Glis glis 12. Juni 2012 ⁓ 14:15

    Ah… auch das Interesse an der Pieß Wall ist noch nicht abgeflaut… Nadja Prlja könnte ja nun sinngemäß Honecker zitieren: Die Mauer wird so lange stehenbleiben, wie die Zustände, die zu ihrer Errichtung führten, bestehen bleiben.

    Aber zu dem Film… Ja, hat was realitäts-entkoppeltes. Ohne das jetzt werten zu wollen. Ich finde den Kontrast erstaunlich zwischen den sehr kurzen Einstellungen (oft reicht die Zeit kaum um zu erfassen was man da sieht) und der entspannten, eher die Zeit dehnenden Musik. Mußte daran denken, daß einem der Tag so erscheinen mag, wenn man die Nacht durchgefeiert und -getanzt hat, den Zustand der Berauschtheit und Müdigkeit schon überwunden hat und alles so in einem Zustand eines teilnahmslosen, aber nicht unangenehmen Schwebens wahrnimmt. So als entkoppelte Momentaufnahmen wie durch einen Filter. (Bevor jetzt garstige Kommentare kommen: das sind bei mir Erinnerungen an eine Zeit vor 20 Jahren…) Unschöne Dinge sieht man ja durchaus auch… aber durch diesen “Filter” wird die reflexhafte Abwehr irgendwie ausgeschaltet, die sich bei ihrem Anblick sonst einstellt. Funktioniert aber auch nur, weil auf harte Bilder verzichtet wird und alles noch so ästhetisiert daherkommt, daß der Schwebezustand nicht durchbrochen wird.

    @1704: Ist das jetzt schon ausreichend intelligenter Unsinn, mit dem ich es auch noch zum Museumsführer bringen könnte?

  12. ulla 12. Juni 2012 ⁓ 14:27

    “… und bzgl. der hundehaufen mit nationalfähnchen: woran machen Sie denn fest, daß es KEINE KUNST ist?”

    Na ja, also ich z.B. würde sagen daß das doch ein bißchen streng riecht und sich dann mit der Nase voran drüber zu bücken um ein Fähnchen darin zu versenken – das ist schon Kunst.

  13. Glis glis 12. Juni 2012 ⁓ 15:19

    “…Hundehaufen mit Nationalfähnchen…”

    Also ich bitte Sie… Was für Nationalfähnchen? Wollen Sie einen diplomatischen Skandal hervorrufen? Erinnern Sie sich nicht an die Reaktionen auf das hier?

    http://www.rp-online.de/politik/deutschland/hakenkreuz-streit-um-eu-kunstwerk-1.2301293

  14. 1704 12. Juni 2012 ⁓ 19:05

    @ Glis glis

    (12. Juni 2012 ⁓ 14:15)

    “intelligenter Unsinn” scheint Sie ja be-merken-swert beeindruckt zu haben, aber ich kann Sie beruhigen: nein, es ist kein “intelligenter Unsinn”, den Sie da geschrieben haben, eher so etwas wie eine ‘persönliche annäherung’ an ein fremdes, unbekanntes objekt, losgelöst von der frage, ob es sich dabei (auch noch) um “Kunst” handelt. mich stört da schon eher die Honnecker-anleihe, obwohl sie treffsicher ironisch pontiert, aber in diesem fall kann ich der ironie sogar etwas abgewinnen.

    (12. Juni 2012 ⁓ 15:19)

    nationalfähnchen in hundehaufen sah ich persönlich das erste mal in den frühen 1980er jahren in Kopenhagen, allerdings waren es dort natürlich dänische fähnchen – wenn ich seinerzeit den “schöpfer” dieser verzierten hundehaufen getroffen hätte und er hätte mir gesagt, daß er das ganze als eine “KUNST”aktion versteht, dann hätte ich, ganz im gegensatz zu einigen anderen kommentatoren hier, mit der antwort gar keine probleme gehabt. aber es scheint ja, daß in Deutschland die KUNSTvermittlung gründlich versagt hat, und möglicherweise hat daran auch dieser “intelligente Unsinn” einen erheblichen anteil, der gern z.b. anläßlich von museumsführungen den leuten so aufgeschwatzt wird. die feuilletons der zeitungen stehen dem ja leider zu einem sehr großen teil auch in nichts nach, und so wundert es auch nicht, daß hier KUNSTauffassungen zum ausdruck kommen, die leztlich in das späte 19. jahrhundert gehören. das muß man aber nicht nur negativ sehen, gibt es doch zeitgenössischen künstlern gute gründe und gelegenheiten, mit doch eher einfachen mitteln genau gegen diese auffassungen zu verstoßen, damit sich wieder etwas in den köpfen bewegt bzw. bewegen kann…

  15. Hernando 12. Juni 2012 ⁓ 20:21

    @ulla 14:27: Köstlich!

    @1704 “Kunst kommt von Können” meint im Sprachgebrauch des Volkes nicht die etymologischen Spitzfindigkeiten sondern etwa das: “Kunst verlangt spezielles Können, sonst ist es keine Kunst. Allenfalls Ästhetik, Kitsch, Scharlatanerie, Provokation o.ä. Was jeder “kann”, ist keine Kunst.”

    Warum “Berlin Walk” eher Kunst ist, hat @Glis glis (14:15) in seinem 2. Absatz sehr schön dargelegt.

    Kunst mal beiseite.
    Warum sind Sie nicht auf meinen letzten Absatz eingegangen sondern haben mit den “1000 €” abgelenkt?
    Der eigentliche Skandal ist doch nicht das misslungene Kunstwerk, sondern die politische Anmaßung, den Leuten, die da wohnen, die Welt erklären zu wollen. Ungefragt und ohne Entschädigung für die erlittenen Nachteile.

  16. ulla 13. Juni 2012 ⁓ 09:47

    Wenn ich daran denke wie viele Kunstwerke, ob mit oder ohne Fähnchen, täglich durch die BSR zerstört werden …

    Und dafür werden dann auch noch ständig höhere Gebühren verlangt. Nicht zu fassen!

  17. 1704 13. Juni 2012 ⁓ 11:35

    @ Hernando (12. Juni 2012 ⁓ 20:21)

    der “Volksmund” plappert nur nach, was andere schon mißverstanden haben, Herder z.b., und er hält daran fest, weil der irrtum sich so wunderbar mit dem eigenen (kunst)unverständnis verbinden läßt. ist auch lediglich beim DEUTSCHEN volksmund so, andere volksmünder haben zwar auch oft probleme mit der (modernen) KUNST, können das aber sprachlich nicht so auf den punkt bringen wie der deutsche, weil es in anderen sprachen diesen punkt nicht gibt!

    bzgl. BERLIN WALK ging es mir bei meinen fragen an SIE nicht darum, was ein anderer zu diesem meint oder andere meinen könnten, sondern woher SIE für sich dieses formulierte “EINDEUTIG” nehmen, “oder, anders gefragt: was macht denn BERLIN WALK für Sie zum KUNSTwerk? handelt es sich bei BERLIN WALK überhaupt um ein KUNSTwerk? wenn ja, woran machen Sie das fest?” wahrscheinlich KÖNNEN Sie weder das eine noch das andere begründen, weil es keinem nachdenken und sehr wahrscheinlich auch keinem WISSEN über KUNST entspringt. Sie gehören sicher zu den menschen, die heute staunend und bewundernd vor einem gemälde eines El Greco stehen, ohne zu wissen, daß damalige zeitgenossen El Greco eben genau das vorwarfen, was Sie heute anderen kunstwerken/künstlern vorwerfen.

    wenn Sie also hier den “volksmund” bemühen, dann übersehen Sie sozusagen die genealogie des begriffs KUNST, aber noch viel stärker, woran sich der volksmund orientierte, auch wenn er es dann im laufe der jahrhunderte vergessen hat, d.h. wir sind mit unserer diskussion ungefähr im 15. jahrhundert, und Sie werden zugeben (?), daß es dann bis ins 21. jahrhundert doch noch ein recht weiter weg ist, oder? warum schreibe ich vom 15. jahrhundert? deshalb: “Der Begriff der Kunst wurde… im 15. Jahrhundert in Italien von solchen Handwerkern eingeführt, die sich von anderen Handwerken dadurch abgrenzen wollten, dass sie ihre jeweilige Profession nicht mehr den so genannten mechanischen, sondern den so genannten freien Künsten zurechneten. Als diese bezeichnete man einerseits das Trivium Grammatik, Rhetorik und Dialektik… und andererseits das Quadrivium Algebra, Geometrie, Astronomie und Musiktheorie. Diese sieben artes liberales waren nach heutigem Wortgebrauch also keine Künste, sondern wissenschaftliche Disziplinen und wurden an den Universitäten gelehrt…” ***

    Sie verstehen jetzt evtl. ein wenig besser, warum sich bei etlichen bis in die heutige zeit die meinung erhalten hat, kunst sei ein handwerk und von daher müsse kunst auch handwerklich überzeugend sein. aber wir leben nun einmal nicht mehr im 15., sondern bereits im 21. jahrhundert, deshalb: “Im Zeitalter nach Duchamp, nach Warhol und nach Beuys — um nur diese drei mythenumwobenen Namen zu nennen — im Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe also, muss man nichts mehr herstellen, um ein Künstler zu sein, und damit etwas Kunst ist, muss es kein eigenhändig hergestellter Gegenstand mehr sein, man darf sich mit Vorgefertigtem, mit irgendeiner Aktion oder mit einem bloßen Konzept begnügen. Eine unüberbietbare Totalität ist somit erreicht. Es gibt im Prinzip nichts mehr, was nicht Kunst sein könnte, und niemanden mehr, der nicht auch ein Künstler oder sogar eine Künstlerin sein könnte… Was also macht die Kunst zur Kunst? Wohlgemerkt, das ist nicht dieselbe Frage wie: Was ist Kunst? ‘Was also macht die Kunst zur Kunst’ fragt nicht nach dem ontologischen Status, sondern danach, was passieren muss, damit etwas als Kunst bezeichnet und anerkannt wird…” ***

    es geht also bei Ihrem EINDEUTIG eben nicht um die mittlerweile langweilige frage “Was ist Kunst?”, sondern “wie es eigentlich dazu kommt, dass etwas als Kunst bezeichnet und anerkannt wird, welche Gründe und Absichten sich damit verbinden und zu welchen Folgen es führt.” *** und an genau diesem punkt schweigen Sie, hier auch nicht zum ersten mal, es ist schon ein liebgewordener habitus!

    warum ich nicht auf Ihren letzten absatz eingegangen sei? merkwürdige frage, da ich ja darauf eingegangen bin, aber Ihnen paßt wahrscheinlich die antwort nicht.

    aber bitte. Ihrf letzter absatz besteht aus 2 teilen: der erste: “Auf dem Balkan gibt es wahrlich genug zu tun. Gegen Rassismus, übersteigerten Nationalismus, religiösen Fundamentalismus.” und einem 2ten: “Aber hier in Berlin Staatsknete für ‘Projekte’ abgreifen, das ist sicher bequemer und lukrativer.”

    um den 2ten teil vorwegzunehmen, nein, es ist nicht bequehmer oder lukrativer – aber grundsätzlich: Ihnen wünschte ich ja durchaus eine gesellschaft, in der es keine “Staatsknete” für kunst geben würde, einfach nur, damit Sie quasie am eigenen leibe erführen, was dann alles fehlen würde, oder auch, um Ihnen klar zu machen, was Ihnen alles für Ihr dasein nicht fehlen würde! Sie haben offensichtlich immer noch nicht verstanden, warum überhaupt “Staatsknete” ausgegeben wird, kunst bringt mit “events” wie z.b. die Berliner Bienale geld in die stadt, oder meinen Sie tatsächlich, die “Staatskneter” würden geld einfach nur so zum fenster hinauswerfen, wenn sich daran nicht bestimmte erwartungen knüpfen ließen? schauen Sie einfach ein wenig mehr über Ihren tellerrand, dann verstehen Sie evtl. besser, warum für vieles, was Ihnen unsinnig erscheint, geld ausgegeben wird.

    zu Ihrem ersten teil: Nada Prlja hat auch in Ljubljana (im rahmen der 28th Biennial of Graphic Arts, Ljubljana zum themenkomplex ‘The Matrix: An Unstable Reality’) und in Skopje (‘Should I Stay or Should I Go?’) arbeiten gezeigt. Ihre behauptung zeigt in erster linie Ihre unkenntnis über die kritisierte. es zeigt auch, wie schnell Sie behauptungen in die welt setzen, ohne sich darum zu bekümmern, ob sie denn auch tatsächlich zutreffend sind, es reicht Ihnen ja immer, wenn es sich im einklang mit Ihrer weltsicht oder Ihrer sicht der dinge im einklang befindet.

    “Der eigentliche Skandal ist doch nicht das misslungene Kunstwerk, sondern die politische Anmaßung, den Leuten, die da wohnen, die Welt erklären zu wollen. Ungefragt und ohne Entschädigung für die erlittenen Nachteile.”

    ich sehe da weder einen eigentlichen noch einen uneigentlichen “Skandal”, ich sehe da hauptsächlich borniertheit im umgang mit einem temporären kunstwerk – Sie kennen sicher die bedeutung von “temporär”? die behauptung, es seien durch das kunstwerk auch zu materiellen schäden gekommen, hätte ich gern einmal nachprüfbar dargelegt – ich halte das für eine erfindung der gewerbetreibenden dort! und Ihre behauptung, die künstlerin maße sich an, den anwohnern ” die Welt erklären zu wollen”, zeigt lediglich auf, wie ideologisch vorgeprägt Sie das kunstwerk sehen möchten, ohne sich aber tatsächlich mit diesem kunstwerk auch auseinandersetzen zu wollen. die künstlerin war ja sogar 2 mal direkt vor ort (zuvor angekündigt) und hat die anwohner zu einem gespräch über die PEACE WALL eingeladen, aber die anwohner wie auch die gewerbetreibenden dort zogen es mehrheitlich vor, nicht zu erscheinen, ein gespräch gar nicht erst stattfinden zu lassen. und nun wieder Sie!

    ———-

    *** aus: Stefan Broniowski, Vortrag in der Wiener Kunstschule (in der Veranstaltungsreihe „Berufsbild KünstlerIn“), 3. Mai 2006

  18. ulla 13. Juni 2012 ⁓ 15:03

    “im Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe also, muss man nichts mehr herstellen, um ein Künstler zu sein, und damit etwas Kunst ist, muss es kein eigenhändig hergestellter Gegenstand mehr sein , …” was bedeutet, daß nicht der Fähnchenstecker sondern der Hund der wahre Künstler ist.

    Nur interessehalber – gibt es Belege dafür, daß wir im “Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe” leben? Z.B. bei der Gesetzgebung, in Fachgebieten wie Justiz, Medizin, Technik, Sport etc., etc.

  19. 1704 13. Juni 2012 ⁓ 16:39

    die frage (“gibt es Belege dafür, daß wir im ‘Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe’ leben?”) ist wie üblich falsch gestellt, aber vielleicht kommt die fragestellerin ja selbst darauf, warum die frage falsch gestellt ist. im ausgangstext selbst ist die frage (“gibt es Belege dafür, daß wir im ‘Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe’ leben?”) längst belegt…

  20. ulla 13. Juni 2012 ⁓ 19:02

    @1704

    Die Frage ist schon richtig gestellt, nur Ihre Antwort darauf ist schwach.

  21. 1704 14. Juni 2012 ⁓ 09:52

    @ ulla (13. Juni 2012 ⁓ 19:02)

    nein, die frage ist nicht richtig gestellt, Sie wissen wahrscheinlich nur nicht, was mit den “rückhaltlos erweiterten Begriffe”n gemeint ist, und betrachten deshalb in Ihrer interpretation den Ihnen so liebgewordenen hundehaufen (“was bedeutet, daß nicht der Fähnchenstecker sondern der Hund der wahre Künstler ist.”) wie das urinal (‘Fountain’, 1917) von Marcel Duchamp – sonst wüßten Sie ja, daß der hund lediglich der “hersteller” ist, aber eben nicht der künstler! deshalb kommen Sie auch mit Ihrer frage (“Nur interessehalber…”) nicht zurecht. fragen sind ja auch indiz dafür, was und wie man etwas verstanden bzw. eben (noch) nicht verstanden hat – Ihre beispiele sind da sehr aufschußreich (“bei der Gesetzgebung, in Fachgebieten wie Justiz, Medizin, Technik, Sport”). allerdings beantwortet das Ihre falsch gestellte frage auf für Sie sicherlich unerwartete art&weise: SIE leben ganz bestimmt NICHT “im Zeitalter der rückhaltlos erweiterten Begriffe”, aber das ist als einzelschicksal zu sehen, dem ja abgeholfen werden könnte, wenn Sie anfingen, fragen richtig zu stellen. dazu gehörte dann natürlich als voraussetzung auch die bereitschaft, die eigenen verbiesterten mauern im eigenen kopf nicht länger als äußerste begrenzungen der welt begreifen zu wollen. es ist zwar wenig wahrscheinlich, daß Sie diese bereitschaft jemals entwickeln werden – aber es ist nicht unmöglich, behaupte ich mal, weil ich an die entwicklungsfähigkeit der menschen glaube, nicht an ihre beschränkungen!

  22. Hernando 14. Juni 2012 ⁓ 22:59

    @1704: “weil ich an die entwicklungsfähigkeit der menschen glaube, nicht an ihre beschränkungen!”

    Beziehen Ihro Gnaden sich da mit ein?
    Oder ist die höchste Entwicklungsstufe schon erreicht?

    Und dann muss ich jetzt doch mal auf die Manipulation des von mir eingeführten Häufchens zu sprechen kommen.
    Da ist nirgends von einem Hund die Rede.
    Klar, wer Kunst nicht auf sich wirken läßt, sondern nur über sie theoretisiert, der verpasst schon mal die wichtigsten Nuancen.

    Ich schrieb nämlich:
    “Was ist Kunst?
    Wenn einer mitten auf die Straße einen Haufen macht, sich dabei filmen lässt und dann ein Fähnchen reinsteckt?”

    Wau wau?
    Nein.
    Einfach mal das Undenkbare denken.

  23. ulla 15. Juni 2012 ⁓ 00:11

    @1704 – 14.7.12 ⁓ 09:52

    :-)

    Ist wirklich Ihr Ernst, was Sie sich da abgerungen haben???

    Glaube ich nicht.

  24. ulla 15. Juni 2012 ⁓ 10:06

    @Hernando

    Ihr Kommentar und dazu dieses viel versprechende Wetter – mein Tag ist gerettet :-)

    Zum Wochenend-Auftakt werde ich nachher auch einen Berlin Walk machen, ganz lässig und entspannt, so wie vom Video angeregt – ich freue mich schon drauf.

  25. 1704 15. Juni 2012 ⁓ 12:12

    @ Hernando (14. Juni 2012 ⁓ 22:59)

    zu ‘wau wau’ gehört für manche auch “ding-dong”, konträr dazu die “da-da-” bzw. “hau-ruck-”theorie, wobei FOXP2 im zusammenspiel mit zwei aminosäuren wohl doch gewichtiger ist, das Broca-areal und das Wernicke-Areal dabei aber nicht überbewertet und schon gar nicht ausschließlich gesehen werden sollten…

    seien Sie einfach “wunderbar echt”, dann wird das schon!

  26. Glis glis 15. Juni 2012 ⁓ 14:32

    Die Kunstdebatten sind immer das Highlight…

    Hab nicht Kunstgeschichte studiert und kenne nicht einschlägige Theorien, will mich der Sache nur mal unter Zuhilfenahme der Logik durch ein paar Gedankensplitter zu nähern versuchen…

    Ein “handwerkliches” Verständnis von Kunst scheint mir tatsächlich fehl am Platze, weil Handwerk immer einer Funktionalität gehorcht. Ich meine, wenn das mit dem fließenden Wasser aus der Leitung nicht funktioniert, dann muß es ein Handwerker richten. Es gibt ein objektives Kriterium für die Qualität des Handwerks: Wasserhahn auf, Wasser fließt. Wasserhahn zu, Wasser fließt nicht.

    Ein vergleichbares Kriterium gibt es bei Kunst nicht. Hier entscheidet letztlich das Auge des Betrachters. Sozusagen das kollektive Auge des gesellschaftlichen Betrachters. Kunst ist also abhängig von einem Diskurs des Publikums. Damit kommen wir zu den “rückhaltlosen Begriffen”. Ich tat mich doch zuerst auch fragen, warum die Begriffe nicht nur einfach haltlos, sondern RÜCKhaltlos sein sollen. Also nach vorn hin oder zur Seite halten sie sich offenbar noch, nur nach hinten geraten sie immerzu ins Kippen. Aber Kalauer beiseite, gemeint ist offenbar, daß es keine übergeordnete gesellschaftliche Instanz mehr gibt, die den Diskurs lenkt und die Bedeutung von Begriffen eingrenzt – also so wie früher die Kirche oder im Osten die Parteikirche. Und es gibt auch kein soziales Milieu mehr, das wirklich für größere Teile der Gesellschaft stilprägend wäre – also so wie der Adel und die Herrschaftshäuser seinerzeit, oder auf der anderen Seite eben eine flächendeckende und nicht sooo heterogene bäuerliche Lebenswelt für die Volkskunst.

    An deren Stelle sind die Massenmedien getreten, die aber anders funktionieren. Sie konstruieren keine geschlossene “große Erzählung” mehr wie etwa früher die Kirche, sondern sie leben von Inszenierungen, von Spektakeln, von jeweils kurzzeitiger Konzentration der Aufmerksamkeit auf einen Punkt hin – und meist erreichen die Inszenierungen auch nicht das Gesellschaft insgesamt, sondern nur einzelne Milieus und Segmente. Ich will das gar nicht kritisieren, letztlich ist das alles Ergebnis eines langen Prozesses der Umformung von Lebenswelten in Europa seit der frühen Neuzeit, der sicher gute wie schlechte Seiten hat, der aber absolut irreversibel sein dürfte.

    Was die Peace Wall angeht: Wenn ein Objekt nicht durch irgendwelche inneren Qualitäten Kunst wird, sondern dadurch, daß es den Diskurs eines Publikums auslöst, Aufmerksamkeit hervorruft… also dann ist der Kunst-Charakter der Sperrholz-Wellblech-Wand eigentlich schon dadurch belegt, daß sie hier zum zweiten Mal für eine aufgeregte Kontroverse sorgt.

    Wobei man es, obiger Logik folgend, auch alles ganz anders sehen kannn. Irgendwie ist die Unterhaltung hier im Blog dazu auch ein Beleg für die… äh… Inkommensurabilität der Begriffe verschiedener kultureller Milieus. Diese Unmöglichkeit, eine gemeinsame Sprache zu finden, führt bei den widerstreitenden Parteien dann zu persönlichen Attacken. Aber genauso könnte der Eskimo den Europäer für blöd erklären, weil dieser keine 20 verschiedenen Begriffe für “Schnee” hat – und der Europäer umgekehrt den Eskimo, weil dieser vermutlich über keine verschiedenen Begriffe für “Getreide” verfügt. Um mal einen überspitzten und rückhaltlosen Vergleich zu verwenden. Soll in diesen Dingen doch jeder nach eigener Fasson selig werden.

    Hauptsache, das Wasser kommt aus der Leitung.

  27. Sigurd 15. Juni 2012 ⁓ 18:50

    Also ich lese diesen Thread mit großem Vergnügen. Bin allerdings @Hernando dankbar, dass er das mit den Hundehaufen geklärt hat. Ich begann schon etwas an mir zu zweifeln, da ich auch nach mehrmaligem Lesen nichts von einem Hundehaufen bei ihm lesen konnte.
    Zu dem Film selbst, ich filme sehr viel und schneide die Filme auch, bis ich finde, so kann man sie zeigen. Solch einen Film wie hier würde ich allerdings nicht zeigen. Die wiederkehrenden Effekte nerven und werden schnell langweilig, man kann vorhersehen, wann dieser knarrende Effekt eingesetzt wird. Die Musik ist langweilig und abtörnend, jedenfalls nach meinem Geschmack. Etwa aus Angst vor der GEMA?
    Aber das ist mein subjektiver Eindruck, wem es gefällt der wird bestimmt Freude an dem Filmchen haben.

  28. 1704 16. Juni 2012 ⁓ 06:37

    da es hier ja nun leichte irritationen gegeben zu haben scheint:

    die “hundehaufen mit nationalfähnchen” habe ich hier eingebracht, aber ich übersah dabei, daß manche manches gern, wie ich aus dem Duden erfuhr, “umgangssprachlich verhüllend” artikulieren, weil scheißen zwar jedermanns/-fraus sache ist, am liebsten regelmäßig, aber man es so direkt nicht gern benennt, weil auch das kacken noch ‘verhüllend’, um nicht zu sagen: verschleiert, benannt sein soll, wahrscheinlich, weil die krone der schöpfung, das schwein, der mensch (die gebildeten unter den hier lesenden wissen, wer hier quasie zitiert wird), so profan nicht gesehen werden möchte, sich i.d.R. dabei also auch nicht zeigt oder filmt, obwohl man sich früher gern in gesellschaft zum scheißen zusammenfand und neben der verrichtung der notdurft, mit zisch und pups und plumps und stink, die neuesten neuigkeiten einander erzählte, zudem sich “‘… so wunderbar echt’” sind auch die Hunde und ihre Menschen in dem Video” und “Wenn einer mitten auf die Straße einen Haufen macht, sich dabei filmen lässt und dann ein Fähnchen reinsteckt…” ganz lebensnah mit der frage “WAS IST KUNST?” und ‘WAS IST DEM BERLINER SEIN GRÖSSTES PROBLEM?’ verbindet wie verbunden hat, und ja, hunde machen so etwas nicht, fähnchen irgendwohin stecken, hätte mir auffallen müssen, oh mea culpa, oh heilige heimsuchung der manipulation, du großer geist der illusion, wie verkleidest du dir? wobei die “hundehaufen mit nationalfähnchen” mir, heute, profaner vorkommen als z.b. die Merda d’artista eines Piero Manzoni (jeweils 30 g seiner eigenen Fäkalien in 90 Dosen), die man ja nicht zwangsläufig mit der frage “WAS IST KUNST?” oder “WIE? DAS IST KUNST?” behelligen muß, sondern auch einfach als eine visualisierte metonymie begreifen kann, woraus sich dann allerdings durchaus auch ein gedanklicher ansatz zur beantwortung der frage “WAS IST KUNST?” ableiten ließe. aber im zeitalter “rückhaltlos erweiterten Begriffe” gilt bereits die frage “WAS IST KUNST?” als eine frage, die sich eigentlich nicht mehr stellt, weil das WAS ganz rückhaltlos erweitert eben ALLES sein kann, sogar ein hundehaufen oder die kacke eines menschen und dies sogar ontologisch bis in fernste/finsterste (gedanken)gehege des (da)seins gedanklich verästelt werden kann. problematisch sind da eigentlich nur die nationalfähnchen, weil man so etwas nach dem gesetz (§ 90a StGB) nicht tut, aber trillertrallepiff&paff. wenn also “einer mitten auf die Straße einen Haufen macht, sich dabei filmen lässt und dann ein Fähnchen reinsteckt” beantwortet das nicht die frage “WAS IST KUNST?”, sondern zeigt bestenfalls auf, wie man leichtfertig mit dem gesetz in konflikt geraten kann und, eher nebenbei, auch wie unsinnig diese frage ist. denn,

    merke:

    “Die Kunst ist primär ein Wirtschaftszweig. Die Aufgabe der Kunst besteht primär in Produktion, Verbreitung und Verkauf von Kunstwerken. Das Kunstwerk ist eine Ware wie jede andere. Der Kunstmarkt ist ein Teil des Marktes als solchem und funktioniert nach den üblichen Gesetzen der Warenökonomie.” (Boris Groys, Topologie der Kunst, München 2003)

    d.h. beschäftigung mit der kunstgeschichte bzw. mit den positionen heutiger kunst, sei es nun z.b. in form von künstlerscheiße oder hundekackie, führt zwangsläufig weg vom (wahrscheinlich noch angehimmelten) animistischen mythos der kunst und des künstlers hin zu den gesetzen und begründungen der warenökonomie. der “normale” kunstbetrachter nimmt dabei i.d.R. die haltung/stellung des konsumenten ein und erwartet natürlich prompteste lieferung seiner bestellung, die man auch als erwartung(shorizont) verstehen kann – bei nichtgefallen wird die ware quasie ‘postwendend’ mit dem ausdruck der entrüstung zurückgeschickt, weil man ja schließlich kunst, was auch immer das nun wieder ist, bestellt hatte… natürlich schwingt dabei mit, daß sich die künstler doch bitte zu den deppen der erwartungen anderer machen sollen, andernfalls sind sie nämlich gar keine künstler, und es gibt ja auch genügend künstler, die sich genau zu diesen deppen machen (lassen). aber auch das ändert nichts daran, daß, folgt man Stefan Broniowski (quelle wie in 1704, 13. Juni 2012 ⁓ 11:35 angegeben), “die Begriffe des Künstlers und der Kunst aus Gründen, die der Kunstgeschichte selbst angehören, nicht mehr haltbar sind, dass vielmehr — akzeptiert man, dass man hinter das von Duchamp, Beuys, Warhol Erreichte nicht zurückgehen kann — jede affirmative Rede von Künstler und Kunst antiquiert und tendenziell reaktionär ist…” ausgenommen davon sind natürlich jene, die mühelos hinter das von Duchamp, Beuys, Warhol erreichte zurückgehen können, wobei ich eher vermute, daß sie dort noch nie waren, weswegen sie sich wahrscheinlich wundern, daß heutzutage automobile straßen bevölkern, und über die sinnhaftigkeit von fernbedienungen haben sie sicherlich auch noch keinen reim parat…

    ach ja, bevor ich es vergesse: seit gestern läuft 48 STUNDEN NEUKÖLLN, 14. Kunst- und Kulturfestival 15.- 17. Juni 2012, evtl. wird dort ja die frage “WAS IST KUNST?” deutlicher im sinne rückhaltlos erweiterter begriffe erhellt oder verworfen, wer weiß das schon so genau? …

    http://www.48-stunden-neukoelln.de/2012/

    @ Glis glis (15. Juni 2012 ⁓ 14:32)

    die unmöglichkeit, eine gemeinsame sprache zu finden, liegt, denke ich, in der natur des menschen begründet, daraus folgt aber nicht die “Inkommensurabilität der Begriffe”, sondern die unvereinbarkeit der prarllelwelten, in der die menschen so leben. hinter dem, was Sie “Inkommensurabilität der Begriffe” nennen, verbirgt sich ganz handfest (biografisch verfestigte) ideologie.

  29. ulla 16. Juni 2012 ⁓ 13:02

    @Sigurd – 15. 7.12 ⁓ 18:50

    “Ich begann schon etwas an mir zu zweifeln …”

    Sie wissen doch „Schlafende Hunde soll man nicht wecken” oder um’s mit Goethes Zauberlehrling zu sagen: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ :-)