Schildkrötenwut – ein Film aus Berlin

„Was macht ein Kind mit den Geschichten seiner Eltern?“ Gute Frage, finde ich. Guter Film, vermute ich. Mehr gibt es bei mec film.

11 Kommentare
  1. Mitleser 25. Juli 2012 ⁓ 18:46

    Bestimmt ist das ein interessanter Film. Nur leider wird er in Berlin gar nicht mehr gezeigt. Es wundert mich ein wenig, dass er jetzt erst hier empfohlen wird.

  2. sigurd 25. Juli 2012 ⁓ 19:47

    Sehr wahrscheinlich wird der Film irgendwann in ARTE und dem 1. Programm gezeigt. Der Mittwochsfilm der ARD würde sich dazu bestens eignen. An diesem Sendeplatz gab es, jedenfalls nach meiner subjektiven Meinung, schon gute Filme.

  3. Hernando 26. Juli 2012 ⁓ 12:14

    Filme, die vom Steuerzahler bezahlt wurden, haben es nicht nötig, im Kino zu laufen.

    Und Kinobetreiber müssen sehen, dass sie Filme im Programm haben, die die Leute sehen wollen.
    Die haben nämlich Unkosten, die sie erst mal einspielen müssen.

    Es wird sich aber sicher eine Nische in den GEZ-Spartenprogrammen finden.

  4. ulla 27. Juli 2012 ⁓ 12:54

    “Filme, die vom Steuerzahler bezahlt wurden, haben es nicht nötig, im Kino zu laufen” – die bei solchen Filmen meist an den Haaren herbeigezogenen Themen und aufgeplusterten familiären Dramen, bzw. Befindlichkeiten, will eh kaum jemand sehen möchte ich hinzufügen.

    Aber vielleicht ist der Film ja sonst gut gemacht, filmtechnisch gesehen :-)

  5. 1704 29. Juli 2012 ⁓ 12:06

    “die bei solchen Filmen meist an den Haaren herbeigezogenen Themen und aufgeplusterten familiären Dramen, bzw. Befindlichkeiten”

    stehen natürlich beispiellos in der wüste üblicher behauptungen – die gründe, warum manche filme nicht gern gesehen werden oder kommerziell floppen, sind sicher nicht einfach nur darauf zurückzuführen, daß diese filme “meist an den Haaren herbeigezogene Themen” und/oder “aufgeplusterten familiären Dramen, bzw. Befindlichkeiten” zeigen – wobei ja immerhin interessant wäre, ein paar beispiele gerader solcher filme auch genannt zu bekommen. aber hier reicht es ja meistens, irgendetwas in die welt zu setzen, auch wenn es wenig überzeugend dargestellt wird. letztlich das übliche verfahren, eigene vor-urteile so lange zu wiederholen, bis die häufige wiederholung eine art selbstreferentielle evidenz herstellt…

  6. Hernando 29. Juli 2012 ⁓ 14:53

    @1704: “letztlich das übliche verfahren, eigene vor-urteile so lange zu wiederholen, bis die häufige wiederholung eine art selbstreferentielle evidenz herstellt…”

    Sowas gibt es. In der Tat.
    Besonders wenn ich an die jahrzehntelang gebetsmühlenartig wiederholten verbalen Verzückungen zum Thema “Multikulti” denke.
    Heute stehen diese Leute meist in der Ecke und schämen sich dafür.
    Wie nennt man das dann?
    Selbstreferentielle Autokorrektur?

  7. 1704 30. Juli 2012 ⁓ 11:24

    @ Hernando (29. Juli 2012 ⁓ 14:53)

    ein beliebtes vor-urteil heutiger tage ist ja bei etlichen, daß “Multikulti” gescheitert sei, und sie wiederholen sich das so oft, weil sie sich über das gebetsmühlenartige wiederholen dieses vor-urteils eine selbstreferentielle evidenz herstellen.

    es gibt allerdings tatsächlich leute, die sich darüber schämen, weil sie den eindruck haben müssen, daß etliche Deutsche weder selbstreferentiell noch realitätsevident in der lage zu einer korrektur ihres denkens befähigt sind. insofern stellt sich bezüglicher dieser in dieser hinsicht so minder befähigten leute auch die frage: “Was macht ein Kind mit den Geschichten seiner Eltern?” bzgl. dieser leute ist diese frage wohl damit zu beantworten, daß das kind die geschichte seiner eltern wiederholt, weil es sich nicht in die lage versetzt hat oder versetzen (lassen) konnte, sich von dieser geschichte zu emanzipieren. ein mittel des entzugs der möglichkeit, sich von der geschichte der eltern und damit auch eines gewissen teils der eigenen geschichte zu emanzipieren, ist die selbstreferentielle evidenz, die nicht kritisch gesehen werden kann oder soll, weil damit nicht nur das vor-urteil bedroht ist, sondern auch eben diese geschichte, von der sie sich nicht lösen können/wollen. für viele gilt deshalb: ‘sie sind so ‚gesund‘, daß, würden sie sich selbst auf der Straße begegnen, sie sich nicht erkennen würden, weil ihnen ein Selbst gegenübersteht, das ihnen Angst macht.’ (leicht abgewandelt nach Arno Grün, Der Fremde in uns, 2000)

    übrigens, um auch wieder stärker auf das thema dieses threads zu kommen, oben genannte, die sich selbstreferentielle evidenz erhalten, gleichen in diesem sinne dem vater im film: in sich verschlossen, die sich in die keller der familienwohnung zurückziehen und sich unter einen panzer verkriechen wie eine schildkröte. der ‘panzer’ ist das konglomerat dessen, was mit selbstreferentieller evidenz erreicht werden soll… eine etwas ausführlichere besprechung des films von Pary El-Qalqili: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2012%2F05%2F12%2Fa0255&cHash=d710f8fc1c/

    abschließend und nur nebenbei bemerkt: religion besteht nahezu ausschließlich aus selbstreferentieller evidenz, und, wie wir sehen können, ist es unendlich schwer, sich dieser zu entledigen oder sich daraus zu befreien. dabei spielt es überhaupt keine rolle, um welche religion es sich dabei handelt!

  8. Mitleser 31. Juli 2012 ⁓ 17:04

    @ 1714

    Diesen Text musste ich 3 x lesen. Geht´s nicht für einfache Gemüter etwas weniger verschachtelt?

  9. 1704 1. August 2012 ⁓ 12:01

    @ Mitleser (31. Juli 2012 ⁓ 17:04)

    ich bitte um nachsicht, denn noch “weniger” wäre dann schon viel zu wenig!

    [theologen und ideologen, oftmals synonym zu sehen, reden/schreiben gern in "weniger verschachtelter" sprache, allerdings eher deshalb, um die verschachtelungen des (vorgetragenen) denkens weniger auffällig und damit weniger frag-würdig erscheinen zu lassen. deshalb hüpft und springt deren sprache von einer abduktion zur anderen, wobei sprache dann hauptsächlich apagogisch als konjunktion benutzt wird, um selbstreferenzielle evidenzen proklamieren und widersprüche frag-los verwerfen zu können.]

    frage, warum geht hier eigentlich niemand auf die frage im beitrag ein (“‘Was macht ein Kind mit den Geschichten seiner Eltern?’”)? an der “verschachtelten” sprache kann es ja wohl nicht liegen!

  10. Mitleser 1. August 2012 ⁓ 15:17

    Was macht ein Kind mit den Geschichten seiner Eltern? Das ist eine uferlose Frage. Was macht MEIN Kind mit MEINER Geschichte? Was mache ich mit den Geschichten meiner Eltern, deren Eltern, die darin verknüpft sind usw.Zum Glück gibt es Zäsuren, die das Generationenschema durchbrechen. Die dazu gehörenden Geschichten sind so vielfältig wie die Menschen, manchmal banal, manchmal erhellend. Ich finde sie auf jeden Fall spannend.

  11. 1704 3. August 2012 ⁓ 11:13

    @ Mitleser (1. August 2012 ⁓ 15:17)

    “uferlose Frage” – doch nur, weil Sie sie “uferlos” gestellt wissen wollen.

    es geht dabei nicht nur um die “Geschichten”, die erzählt werden (können), sondern auch um die dazugehörenden ‘subtexte’. als ein irgendwie “selbstbestimmtes” wesen kann man sich ja nicht von geburt an verstehen, man wurde in bestehende familiäre/gesellschaftliche situationen hineingeboren, man wurde “erzogen”, also von anderen auch “geformt”, man verhielt sich dazu usw. usf. – es wurde demzufolge auch immer etwas mit einem gemacht und man wurde auch irgendwann teil der geschichte der eltern. biographie ist niemals nur 1 geschichte, und deshalb ist es auch bei den meisten immer eine “Geschichte” ohne ende, was wohl auch dazu führen kann, die frage danach als “uferlos” ansehen zu wollen, aber: existentiell betrachtet ist sie nur dann “uferlos”, wenn man sich selbst als “uferlos” versteht/erlebt – das wiederum trifft wohl immer nur auf wenige zu, den meisten ist wahrscheinlich gar nicht so recht bewußt, daß der fluß, der sie sind, von ufern begrenzt wird, die sie nicht selbst entworfen haben. aber zugegeben: die eigene “Geschichte” zu verstehen ist nicht wirklich leicht, schon gar nicht, wenn man an ihr (längst schon) gescheitert ist. die frage “Was macht ein Kind mit den Geschichten seiner Eltern” ist immer auch eine frage im sinne der uralten forderung griechischen denkens: gnothi seauton (nosce te ipsum, erkenne dich selbst), was ja im klassischen sinne die frage nach der eigenen begrenztheit (sic! die sache mit dem “uferlos”) und hinfällig-/sterblichkeit darstellt, heute aber wesentlich umfassender gedacht wird… und klar, es gibt immer fragen, die man sich nicht stellt, weil sie einem entweder gar nicht in den sinn kommen oder weil man sie auch gar nicht gestellt haben/wissen möchte, dann fängt das nachdenken über die frage eben an dieser stelle an, oder eben auch nicht! aber, so oder so, auch das ist schon wieder teil der geschichte, die “erzählt” (werden) wird…