Sachen machen in Berlin
Susanne HSB in Kultur ⁓ 05. August 2012 ⁓ 10:40 Uhr ⁓ 55 Kommentare

Das Buch zur Lesung, schon ganz oben auf meinem Schreibtisch.
Sachen gibt’s, die weiß man, die kennt man, da hat man mal von gehört. Die wollte man immer schon einmal ausprobieren, eigentlich, irgendwann, vielleicht. Aber man tut es dann doch nicht. Wer kennt das nicht?
Ganz anders Isabel Bogdan, auch bekannt als Isabo in ihrem Blog mit dem schönen selbsterklärenden Titel …is a blog. Sie macht die Sachen. Sie nimmt sie wahr, die kleinen Angebote und Ideen, die ihr über den Weg laufen. Und sie schreibt anschließend darüber.
Vor kurzem ist aus diesen Texten ein amüsantes Taschenbuch geworden, das sich leicht und mit Freude in kleinen Häppchen lesen lässt. Ich tue das schon seit ein paar Tagen, beim Warten im Bürgeramt oder im Wartezimmer beim Arzt. Überall, wo ein bisschen Zeit bleibt. Und hier und da wundere ich mich darüber, was es so alles gibt. Zum Beispiel diese Punks, die sich regelmäßig zum Tischtennisspielen treffen. Rundlauf, so wie ich das letzte Mal in irgendwelchen Jugendgruppen. Süß.
Heute Abend ist Isabel in Berlin und liest aus »Sachen machen«. Da geh ich hin, keine Frage! Die Sache mache ich einfach mal.
Lesung, heute um 19.30 Uhr, in Bad Kreuzberg, Blücherstraße 17, Eintritt weiß ich nicht 5,- €




Nun, es wäre natürlich noch schön zu wissen, wie teuer der Eintritt ist. Aber ich habe ihn eben auch nicht gefunden, also kein Vorwurf an euch ;-)
Der Link zum Blog funktioniert leider nicht.
Danke, ist repariert. Funktioniert leider trotzdem nicht. :(
Auf Facebook sagt Isabo gerade, dass es vielleicht 5€ kosten könnte. Sie ist aber auch nicht sicher.
Hihi, das ist ja auch der Link zum alten Blog, und antville hat gerade Magenschmerzen. Aktuell ist diese Adresse: http://isabelbogdan.de/
Ach ja, oje. Völlig vergessen. Das kommt davon, wenn ich sonntags früh einfach mal schnell google. Schande über mich! (Jetzt aber!)
Also der Eintritt kostet tatsächlich fünf Euro, habe gerade auf der Facebook-Seite die Bestätigung bekommen.
“Rundlauf” beim Tischtennis? Bei uns früher hieß das aus irgendeinem Grund “Chinesisch”. Also alle rannten um den Tisch, und jeder mußte, wenn er an die Reihe kam, den Ball regelkonform zurückspielen. Wer es nicht schaffte, schied aus, und es ging in kleinerer Runde weiter. War ein schönes Spiel. Sozial, weil bis zu acht Leute oder so eine Tischtennisplatte nutzen konnten. Und egalitär, weil da Leute so im Alter von 12-16 zusammen spielten, aber immer die älteren “Cracks” sich gleich am Anfang gegenseitig rauszuschmettern versuchten, so daß auch ein “Kleiner” immer mal ins Endspiel kommen und am Ende in der Punktwertung weit oben landen konnte. Ach, süße Nostalgie… Wie jung man doch mal war… Und was für Sachen man gemacht hat…
“Rundlauf” ist vielleicht der politische korrekte Ausdruck?? Ich hab auch nur “chinesisch” gespielt. Klassenfahrten, Ferienlager – lang ists her. ;)
Aber das Buch werde ich mir auf jeden Fall einmal anschauen, wenigstens mal durchblättern. Wiedermal danke für den Tipp.
“[...] Ich möchte es noch heilsam–schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!”
(Arno Schmidt, Julianische Tage, 1961)
oder auch:
“Das ist schön bei uns Deutschen; keiner ist so verrückt, daß er nicht noch einen Verrückteren fände, der ihn versteht”
(Heinrich Heine, Harzreise, in: Reisebilder. Erster Teil, 1826)
“Das Leben ist so kurz! Selbst wenn Sie ein Bücherfresser sind, und nur fünf Tage brauchen, um ein Buch zweimal zu lesen, schaffen Sie im Jahre nur 70. Und für die fünfundvierzig Jahre, von Fünfzehn bis Sechzig, die man aufnahmefähig ist, ergibt das 3150 Bände:die wollen sorgfältigst ausgewählt sein!” auch Arno Schmidt.
Aber wer liest schon jedes Buch zweimal? Für ein sogfältig ausgesuchtes kleines Taschenbuch ist sicher immer ein Plätzchen frei.
@ 1704
Kleine, wohl wahre Anekdote aus meiner früheren ostdeutschen Heimatstadt.
Verkehrspolizist hält Oberarzt der Psychiatrie wegen eines offenbar etwas schwereren Verstoßes an: “Sie sind wohl verrückt geworden, oder was?”
Antwortet der Arzt: “Das kann gar nicht sein. In dieser Stadt darf ICH bestimmen, wer verrückt ist, und nicht SIE!”
@ ulla (6. August 2012 ⁓ 14:09)
stimmt, wer liest schon jedes buch zweimal! die meisten werden in ihrem leben nicht einmal auf die 3150 EINMAL gelesenen bände kommen, die meisten nicht einmal auf 70 im jahr! da heißt es dann wohl erst recht, die auswahl seiner lektüre sehr sorgfältig vorzunehmen, und seien es dann auch oder gerade nur “kleine” taschenbücher!
@ Glis glis (6. August 2012 ⁓ 15:24)
“Wir alle werden verrückt geboren. Manche bleiben es.”
(Samuel Beckett, Warten auf Godot, 1955)
http://www.youtube.com/watch?v=S0tmZP87eJ0
Du bist verrückt
mein Kind
du musst nach Berlin!
Wo die Verrückten sind
da gehörst du hin!
Du bist verrückt
mein Kind
du musst nach Plötzensee.
Wo die Verrückten sind
am grünen Strand der Spree!
(Traditional in Anlehnung an Franz von Suppé)
@1704
Da haben Sie wohl Recht. Auch Arno Schmidt geht davon aus, daß dieser Umfang an Lesestoff nur “Selbst wenn Sie ein Bücherfresser sind” erreicht wird.
Darüber, nach welchen Kriterien die Bücher (z.B. Romane, Fachbücher, philosophische, politische oder schöngeistige Werke etc., auch mal so ein unterhaltsames Taschenbuch wie oben beschrieben) ausgewählt werden sollten sagt er allerdings nichts.
Es gibt viele Bücher, die es wert sind zwei mal gelesen zu werden.
Jedenfalls ist es bei mir so. Sehr gut geschriebene Biografien ( als Beichtspiel) muss man manchmal zwei mal lesen um es zu begreifen.
Übrigens ist die Bibel das beste Beichspiel dafür, dass Bücher sogar mehr als zweimal gelesen werden.
Es kommt darauf an, was man liest und vor allen Dingen wie man eines Buch liest. Man muss sich mit dem Inhalt eines Buches auseinander setzen.
Um mal zum Thema zu kommen, Isabel Bogdan hat ja mehrere Bücher geschrieben.
Tja, amüsant, für mich fällt diese Kategorie Literatur ( dieses Wort ist eigentlich hier nicht zutreffend ) aber Geschreibsel würde ich es auch nicht nennen, unter Rubrik ” anspruchslos”
Ich möchte die Autorin damit nicht beleidigen, aber diese Art zu schreiben, ist anspruchslos, man muss nicht viel nachdenken, einige amüsante Geschichte zum Schmunzeln, kurzum – ein Buch für zwischendurch. Der Inhalt bleibt einen nicht in Erinnerung. Man liest es und danach wirft man es weg.
Das Buch , dass von @ Susanne hsb geschrieben wurde ist auch so ein ” Grenzfall” . Aber es ist kein Buch um es sich gemütlich zu machen, sondern hier muss man beim lesen mitgehen um sich mit der Romanfigur auseinander zu setzen. Und das ist eben der kleine Unterschied, zwischen Büchern und “Büchern”.
Nur kurz zur Ergänzung: Isabel Bogdan ist Übersetzerin und hat daher natürlich schon etliche Bücher verfasst. Soweit ich weiß ist dieses aber das erste, das gleich auf Deutsch und nur unter ihrem Namen erschienen ist.
Und dann, ach, diese immer wieder bemühte Unterscheidung zwischen E und U in der (deutschen) Kultur. Ich bin es so leid. Ich schmunzel gern mal zwischendurch.
@ ulla (7. August 2012 ⁓ 08:39)
“Darüber, nach welchen Kriterien die Bücher… ausgewählt werden sollten sagt er allerdings nichts.”
‘Iss das aquirierte oder revellierte Erkenntnis?’
ich denke, Sie kennen Arno Schmidt nicht sonderlich gut, in dessen werken finden sich eine fülle von anmerkungen zur literatur, insbesondere, wenn diese entlegen/vergessen und zu unrecht unterschätzt war oder warum er dieses oder jenes werk oder sich selbst für nun ach so bedeutend/lesenswert/usw. fand. aber er hat natürlich keine bibel als gebrauchsanleitung geschrieben!
@ Susanne HSB (7. August 2012 ⁓ 09:44)
“Und dann, ach, diese immer wieder bemühte Unterscheidung zwischen E und U in der (deutschen) Kultur.”
sehe/lese ich hier nicht.
allerdings hoffe ich doch, daß durchaus in dem sinne differenziert werden kann, daß, wer ein (evtl. sogar hervorragender) übersetzer/in ist, deshalb noch lange nicht selbst ein/e gute/r dichter/erzähler/(roman)autor/schriftsteller/in ist. auch das kriterium “kommerzieller erfolg” erachte ich persönlich als wenig aussagekräftig. Isabel Bogdan ist zu wünschen, daß sie neben dem spaß und dem frohsinn inhaltlich noch ein wenig mehr für ihre schriftstellerische leidenschaft findet als ausgerechnet das bedürfnis, unterhaltsam und witzig sein zu wollen… ich habe beim lesen oft das gefühl, daß die suche/sucht nach der/den pointe(n) das, was man sagen könnte/müßte/wollte verhindert… aber sie steht ja auch erst am anfang ihrer schriftstellerischen laufbahn, und es steht noch keineswegs fest, ob es überhaupt eine ist!
@Susanne
Mit E und U in der Kultur geht’s mir auch so. Jetzt frage ich mich aber erstmal, was die von @1704 zitierte “Hochliteratur” sein soll, wo sie anfängt, wo sie bis zum jetzigen Zeitpunkt endet und ob sie – richtigerweise – international zu verstehen ist.
Auch ein Arno Schmidt redet, vorsichtig ausgedrückt, manchmal Schwammiges :-)
@Toska
“Sehr gut geschriebene Biografien ( als Beichtspiel)”
ist das jetzt eine freud’sche Fehlleistung oder meinen Sie das wirklich so?
@ Susanne hsb /09:44
Was hat das eine mit den anderen zu tun ? Ob nun Frau Bogdan Übersetzerin ist oder nicht, es interessiert mich nicht, ich möchte ein gutes Buch lesen und das ist ihr mit diesem Werk nicht so ganz gelungen. Ich gehe sogar so weit, es in der Rubrik ” Katzenberger ” einzuordnen.
Ich kann mich nur ausnahmslos den letzten Absatz des Kommentars von @1704 /11:49 anschließen.
Zur Schrifttellerei oder zur Buchautorin gehört ein wenig mehr, als seine beruflichen ” Titel ” aufzuzählen.
und tschüs……..
1. Ich hab auch nur chinesisch gespielt, nie Rundlauf. oder, wenn alle Kinder/ Jugendlichen eher mal anders spielen wollten, dann Doppel oder Einzel bis 11 Pkt. – damit die anderen nicht so lange warten müssen.
2. Wieso liest man nicht Bücher 2x oder öfter? Mark Twain lese ich alle paar Jahre oder Hans G. Bentz.
3. In das vorgestellte Buch werde ich auch reinlesen, klar, als Berlinerin :-).
@ Ulla
Was jetzt das freud’sche betrifft, kann ich Ihnen das Werk:
Der Prophet und der Apokalyptische Reiter empfehlen.
Bin mir aber nicht sicher, ob das zu ” schwere Kost” für Sie ist.
Ansonsten verstehe ich unter Biografien ganz bestimmt nicht solche, wie die von Brigitte Nielsen.
@Toska
Kleines Mißverständnis Ihrerseits – Sie führen gut geschriebene Biografien “als Beichtspiel” an, deshalb meine Vermutung :-)
Ach @ Ulla
da bin ich richtig beruhigt :-))
schicke mal von den 38 Grat Wärme hier in Süditalien etwas nach Berlin …. das macht auch kein Spaß im eigenen Saft zu liegen.
bis irgendwann ….
@ ulla (7. August 2012 ⁓ 12:30)
wenn Sie mehr von Arno Schmidt gelesen hätten, wüßten Sie auch, daß dieser keineswegs so “Schwammiges” redet(e) wie Sie hier nun so beiläufig konstatierend behaupten. allerdings vermute ich, daß Sie Ihre frage eh nur als rhetorische verstehen, also auch gar nicht wirklich ernsthaft stellen, wahrscheinlich, weil Sie davon ablenken wollen, daß es hier bzgl. Isabel Bogdan gerade NICHT um “Hochliteratur”, und davon, daß dieses ‘kleine Taschenbuch’ Ihnen viel eher zusagt, weil Sie sich wahrscheinlich bzgl. eigener auswahl von lesestoff eher in den gefilden der “Unterhaltungsliteratur” tummeln (?).
nun wurde die ansicht Arno Schmidts wiedergegen, man hätte “einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen”, von daher wäre doch die frage naheliegender, ob es sich bei diesem buch von Isabel Bogdan um “Kitsch oder auch nur Durchschnittliches” handelt, aber merkwürdigerweise scheint diese frage Ihnen gar nicht in den sinn gekommen zu sein, oder aber Sie haben sie gleich wieder verworfen. das eine wie das andere wird gründe haben.
festzuhalten ist aber, daß Sie so etwas wie einen standpunkt eingenommen haben, nämlich, daß für ein “sogfältig ausgesuchtes kleines Taschenbuch” “sicher immer ein Plätzchen frei” sei (@ulla, 6. August 2012 ⁓ 14:09) – auch deshalb stellte sich die frage, wenn man hier denn tatsächlich ernsthaft diskutieren wollte, völlig anders, nämlich, sollte Isabel Bogdans “Sachen machen: Was ich immer schon tun wollte” dieses ‘sorgfältig ausgesuchte kleine Taschenbuch’ sein: wie man sich diese ‘sorgfältige Auswahl’ vorzustellen hat, also die frage nach den zugrundegelegten kriterien für IHRE auswahl stellt.
bei beantwortung dieser frage würde auch mühelos und ganz nebenbei deutlich, daß es gar nicht darauf ankommt, daß Arno Schmidt Ihrer meinung nach “allerdings nichts” darüber sagt, “nach welchen Kriterien die Bücher (z.B. Romane, Fachbücher, philosophische, politische oder schöngeistige Werke etc., auch mal so ein unterhaltsames Taschenbuch wie oben beschrieben) ausgewählt werden sollten” (@ulla, 7. August 2012 ⁓ 08:39), denn es geht ja nicht darum, was Arno Schmidt ausgewählt hätte oder wie er das buch von Isabel Bogdan eingeordnet hätte, sondern um die Auswahl, die Sie selbst “sorgfältig” vorgenommen haben oder werdeen. das hätte für Sie auch den großen vorteil, daß Sie sozusagen quellen aus erster hand benutzen könnten (also sich selbst) und Sie müßten sich auch nicht damit abmühen, den gedanken eines wahrscheinlich zum großen teil unbekannten autoren nachzuhängen, nein, Sie müßten sich bei dieser frage einzig und allein mit sich selbst beschäftigen, und wahrscheinlich sind Sie dabei dann auch die, die noch am besten darüber bescheid weiß, welche beweggründe Sie zu einem bestimmten buch greifen, andere wiederum unbeachtet lassen.
ich bin mir aber relativ sicher, daß Sie bzgl. dieser “beweggründe” bzw. “kriterien” erhellendes hier nicht lesen lassen werden, noch sicherer bin ich mir in der annahme, daß wir bzgl. Ihrer bemühungen hinsichtlich der fragen, die Sie in Ihrem kommentar @ulla, 7. August 2012 ⁓ 12:30 stell(t)en, nichts weiter erfahren werden. ich vermute sogar, daß diese fragen für Sie auch eigentlich gar keine weitere bedeutung haben, obwohl sie durchaus ‘gute’ fragen darstellen, wenn auch wie üblich falsch gestellt (z.b. “was…’Hochliteratur’ sein soll” oder jenes “richtigerweise” und “international”) gestellt…
@1704
Alles schön und gut; aber was ist denn nun Hochliteratur und wo und wie fängt sie an? Bei Homer über Shakespeare, Schilller, Goethe und endet vorläufig bei Günter Grass (um nur einige zu nennen)?
… und wie verträgt sich Ihr Kommentar von heute 12.00 mit dem vom 7. August 2012, 11:49 Uhr in welchem Sie schreiben “… in dessen werken finden sich eine fülle von anmerkungen zur literatur, insbesondere, wenn diese entlegen/vergessen und zu unrecht unterschätzt war”. Soll man daraus schließen, daß, im Gegensatz zu vielen Klassikern z.B., nur entlegene/vergessene und zu Unrecht unterschätzte Literatur, gute Literatur, also “Hochliteratur” ist?
Fragen über Fragen – haben Sie übrigens schon einmal darüber nachgedacht, daß im Sinne von A. Schmidt auch das Taschenbuch von Isabel Bogdan gute Literatur ist weil es von Ihnen möglicherweise zu Unrecht unterschätzt wird? :-)
P.S.
“… Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur” sagt Herr Schmidt – sollte er damit tatsächlich die vergessenen und unterschätzten Werke meinen, wie Sie es am 7.8.12 in Ihrem Kommentar zum Besten gaben? Na dann fröhliches Suchen nach diesen Schätzen, wo auch immer Sie damit beginnen wollen.
@1704
… und das noch explizit für Sie zu Ihrem Kommentar vom 9. August 2012, 12:00 Uhr:
“Dabei ist doch wirklich nichts leichter, als zu entscheiden, ob ein Autor zur Hochliteratur gehört oder nicht: das ist ja schließlich keine Frage des persönlichen Geschmacks; sondern man hat da ganz einwandfreie Kriterien – Bemühung um Sprache, Form, Inhalt – aus denen sich die Rangordnung eines Schriftstellers einwandfrei ergibt!” (Arno Schmidt: Das essayistische Werk zur deutschen Literatur in 4 Bänden. Sämtliche Nachtprogramme und Aufsätze. Band 4. Zürich 1988, Seite 101)aus http://www.literaturforum.de/forum/literatur-sprachwissenschaften/4853-hochliteratur.html
Irgendwie müssen Sie doch schief gelegen haben mit Ihren Erklärungsversuchen :-)
Früher bevorzugte ich auch Hochliteratur. Mit der Zeit wird es mir aber zu beschwerlich, immer mithilfe der Leiter in das oberste Stockwerk des Regals hinaufzusteigen, und ich habe meinen Gefallen an Flachliteratur gefunden. Die kann man auch im Liegen lesen.
Bin kein großer Kenner der ganzen Weltliteratur. Aber hier, zur Publikumserbauung, eine ganz subjektive Liste mit ziemlich schrottigen Werken von ausgewiesenen Hochliteratur-Schriftstellern:
Leo Tolstoi – “Die Kreuzersonate”
–> Peinliches reaktionäres Gewäsch. “Pussy Riot” wäre die adäquate Antwort darauf gewesen.
Heinrich von Kleist – “Der Prinz von Homburg”
–> Ideenlose und alberne Anbiederung an den preußischen Königshof. Reich-Ranicki hat sich darüber beschwert, daß in Frankfurt bei einer Inszenierung Schauspieler auf die Bühne urinierten. Bei diesem Stück habe ich aber Verständnis.
William Shakespeare (oder Edmund de Vere) – “Titus Andronicus”
–> Großer Bodycount. Die Handlung besteht ausschließlich darin, daß sich die Leute reihenweise auf absurde und bestialische Weise niedermetzeln. Zwei Drittel aller Splatterfilme haben mehr Tiefe… äh… Höhe. Eine Zumutung.
JW Goethe – “Faust II”
–> Wirres, zusammenhangloses Konfabulieren. Versteht keine Sau. Die Deutungen der berufsmäßigen Interpreten entbehren aber nicht der Komik. Ein Kollateralschaden des Werkes ist der Untergang der DDR, deren Abiturienten der Tragödie zweiten Teil in der zwölften Klasse sämtlich lesen mußten und somit einen irreversiblen Verlust von Gehirnzellen erlitten.
Da gibt es viel Flachliteratur, die ich mit mehr Gewinn gelesen habe.
Bei manchen Schriftstellern findet sich Grandioses und Dämliches sogar innerhalb eines Werkes. Der “Blechtrommel” erste Hälfte ist phantastisch, die zweite Hälfte dagegen nur noch Krampf.
@Glis glis
:-)
@ ulla (9. August 2012 ⁓ 16:37)
Alles schön und gut; aber was ist denn nun Hochliteratur und wo und wie fängt sie an? Bei Homer über Shakespeare, Schilller, Goethe und endet vorläufig bei Günter Grass (um nur einige zu nennen)?
der trick ist einfach, aber auch durchschaubar, aber sei es drum – es spielt doch keine rolle, wie 1704 diese fragen beantwortet. es ist doch sowieso klar, daß Sie dessen ansichten schon aus prinzip nicht teilen werden. angesprochener Goethe z.b. wird i.d.R. als der “Hochliteratur” zugehörig angesehen, hat aber auch mindestens 1 werk verfaßt, das lediglich als “Unterhaltungsliteratur” durchgehen kann! Schiller kann man sogar ‘vorwerfen’, obwohl auch dieser der “Hochliteratur” zugehörig angesehen wird, auch triviales, i.d.S. also “Trivialliteratur” verfaßt zu haben. zum anderen sollten Sie sich mit der frage beschäftigen, seit wann man überhaupt von “(Hoch)literatur” spricht und wie sich der ‘umweg’ über ‘belles lettres’ ausgewirkt hat, weil die antwort darauf einen teil Ihrer fragen schon beantwortet, immerhin dann, wenn Sie dabei die antiken und frühneuzeitlichen poesiediskussionen zu berücksichtigen in der lage sind, was ich allerdings bezweifle. warum die “Hochliteratur” “vorläufig” nun ausgerechnet mit Günter Grass enden sollte, wird wohl Ihr geheimnis bleiben.
“Soll man daraus schließen, daß, im Gegensatz zu vielen Klassikern z.B., nur entlegene/vergessene und zu Unrecht unterschätzte Literatur, gute Literatur, also “Hochliteratur” ist?”
nein, soll man nicht, aber es steht auch nirgendwo, daß man es sollte! Sie zeigen mit dieser frage doch nur, wie wenig Sie die ausführung, in der auf Schmidt eingegangen worden ist, überhaupt verstanden haben. evtl. hilft es Ihnen ja, daß ich Arno Schmidt keineswegs als eine art literaturpapst ansehe, z.t. sogar überaus kritisch sehe und mit sicherheit nicht alle seine ansichten teile, schon gar nicht die über die sogtenannte “Hochliteratur”, aber Sie sollten sich trotzdem darum bemühen, gelesenes in dem kontext verstehen zu wollen, in dem es zu lesen ist, und nicht willkürlich zum mittel der kontextverschiebung greifen, nur um fragwürdigen zwecken den notwendigen ausdruck geben zu können! vielleicht hilft Ihnen dieser kleine hinweis ja zu neuen, noch nie gestellten fragen. aber wäre natürlich auch schön, von Ihnen auch mal antworten zu lesen!
“haben Sie übrigens schon einmal darüber nachgedacht, daß im Sinne von A. Schmidt auch das Taschenbuch von Isabel Bogdan gute Literatur ist weil es von Ihnen möglicherweise zu Unrecht unterschätzt wird?”
wenn Sie mir sagen können, was “im Sinne von A. Schmidt” “gute Literatur” ist, dann werde ich gern auf diese hier wiedergegebene frage eingehen. im übrigen stellen Sie die frage schon wieder falsch, denn auch, wenn ich das buch von Isabel Bogdan unterschätzte, kann daraus nicht folgen, daß es gute literatur ist. ich denke, Sie haben diese frage schon in einem gewissen zustand des aufgebrachtseins geschrieben, da versegelt man sich schon mal, allerdings, ohne dabei Amerika zu entdecken!
“‘… Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur’ sagt Herr Schmidt – sollte er damit tatsächlich die vergessenen und unterschätzten Werke meinen, wie Sie es am 7.8.12 in Ihrem Kommentar zum Besten gaben?”
da geben Sie sich jetzt wieder mühe, das gelesene falsch verstehen zu wollen! ich habe keineswegs behauptet, was Ihre frage hier nun nahelegen soll! aber, um Sie zu beruhigen: es spielt keine rolle, ob Arno Schmidt nun seine eigenen literarischen vorlieben zu diesen “sämtliche Bände der Hochliteratur” zugerechnet wissen wollte oder nicht, vermutlich wird er! aber, um ein beispiel zu nennen: über Arno Schmidts zurechnung des spätwerks von Karl May zur “Hochliteratur” wurden/werden in der literaturwissenschaft durchaus hitzige kontroversen geführt, woraus Sie immerhin den schluß ziehen können, daß Arno Schmidt nicht zwingend mit seinen ansichten recht haben muß! aber es lohnt u.U., sich mit diesen ansichten ernsthaft zu beschäftigen. ernsthaft beschäftigen meint allerdings nicht dieses zwanghafte querschießen, das Sie hier so gern betreiben!
“Na dann fröhliches Suchen nach diesen Schätzen, wo auch immer Sie damit beginnen wollen.” deutlicher können Sie gar nicht aufzeigen, wie sehr Sie sich mühe geben, gelesenes mißverstehen zu wollen. aus keiner stelle meiner kommentare läßt sich ableiten, daß ich “nach diesen Schätzen” suchte, nicht einmal, daß es diese “Schätze” überhaupt gibt, allerdings nähme ich mir die freiheit, Isabel Bogdans buch nicht zu diesen zählen zu wollen! und was ich über das buch von Isabel Bogdan denke, habe ich ja bereits weiter oben dargetan. Sie hingegen haben hier außer Ihrer spiegelfechterei noch gar nichts weiter ausgeführt!
@ ulla (9. August 2012 ⁓ 17:12)
das zitierte ist mir bekannt! ich bezweifle allerdings, daß Sie in der lage sind (so wie Arno Schmidt meint, daß es leicht sei) darzulegen, ob Isabel Bogdan als autorin nun “zur Hochliteratur gehört oder nicht”, denn er verneint ja ausdrücklich, daß es eine frage des persönlichen geschmacks sei! nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich denke nicht, daß Sie in der lage sind, die “einwandfreie[n] Kriterien”, von denen Schmidt in dem zitierten spricht, auch tatsächlich anwenden zu können! aber immerhin hätten Sie hier den anfang für die frage, ob das buch von Isabel Bogdan nun “Kitsch oder auch nur Durchschnittliches” ist oder nicht, also just jene frage, der Sie hier so wortreich zu entgehen suchen!
nebenbei, wikipedia bildet hier und da! es gibt dort auch eine kurze und prägnante “definition” dafür, was “Unterhaltungsliteratur” ist (eine “Definition”, wie sie auch andernorts ‘üblich’ ist – dies nur, falls Sie wikipedia nicht mögen!): “Unterhaltungsliteratur ist für den schnellen und leichten Konsum bestimmte Literatur” (wikipedia, Unterhaltungsliteratur) – sollten Sie bzgl. des hier besprochenen buches zu dem schluß kommen, diese “definition” träfe für dieses buch zu, dann dürfte sich doch auch unser kleiner nichtsnutziger disput erübrigt haben, allerdings schwebt dann immer noch diese unsägliche frage im raum, ob das buch von Isabel Bogdan nun “Kitsch oder auch nur Durchschnittliches” sei oder nicht nebelig im dickicht ungeschriebener kommentare… nehmen Sie es als ermunterung, diesen nebel zu lichten!
@Glis glis (9. August 2012 ⁓ 22:57)
was Sie hier aufzählen und darlegen ist nicht nur “eine ganz subjektive Liste”, sondern auch nur eine “Frage des persönlichen Geschmacks” (i.S.v. Arno Schmidt, wie in @ulla, 9. August 2012 ⁓ 17:12 zitiert).
aber:
Tolstoi, ‘Die Kreuzersonate’ = “Peinliches reaktionäres Gewäsch” – hm, möglicherweise haben Sie nicht verstanden, daß die wiedergabe bestehender anschauungen auch als eine form von kritik verstanden werden kann, indem es den lesenden dazu bringt zu sagen: “Peinliches reaktionäres Gewäsch”. dann hätte derjenige, der die wiedergabe als kritik an demselben konzipierte, sein ziel erreicht. leider hat Tolstoi zehn jahre nach der erstveröffentlichung ein nachwort hinzugefügt, das Ihnen wohl recht gibt! aber evtl. beschäftigen Sie sich einmal mit der biographie dieses menschen, evtl. wird dann etliches nachvollziehbarer (?). nur mal so als anregung.
bzgl Kleist empfehle ich einmal zur lektüre das essay ‘Für eine Literatur des Krieges, Kleist.’ von Mathieu Carrière (Stroemfeld/Roter Stern, Basel/Frankfurt 1981) – evtl. werden Sie dann feststellen, daß Sie Kleist bisher mißverstanden haben…
daß Sie Shakespeare ausgerechnet mit ‘Titus Andronicus’ (‘The Most Lamentable Roman Tragedy of Titus Andronicus’) hier anführen, einem frühwerk! verwundert ein wenig, aber immerhin hat ausgerechnet dieser ‘Titus Andronicus’ auch einen Heiner Müller dazu hingerissen, sich noch einmal mit dem stoff zu beschäftigen!
ich bin beileibe kein Goethefan, aber: Faust II wurde auch in Westdeutschland hier & da (sogar an allgemeinbildenden schulen) gelesen, ohne daß das nachhaltig geschadet hat, allerdings ging es wohl den meisten (schülern) wie Ihnen: sie konnten nur wenig damit anfangen. ich teile trotzdem nicht Ihre auffassung, daß es sich dabei um “wirres, zusammenhangloses Konfabulieren” handelt, denn, wahrscheinlich im gegensatz zu Ihnen, sehe ich Faust I wesentlich kritischer, um nicht zu sagen: trivialer (inhaltlich), aber insgesamt ist Faust, egal wie man das werk nun sehen will, ein sprachmächtiges überding, ähnlich der lutherische bibelübersetzung, der man inhaltlich ja nicht unbedingt folgen muß. in Faust II geht es um das (generelle) scheitern, den widerspruch zwischen dem, was man sein will/sein könnte, und dem, was davon in der realität umzusetzen ist und bestand hat, nämlich eigentlich nichts und keinen. zum anderen führt Goethe zurück zur (griechischen) antike, und folgt damit einer für viele autoren dieser epoche typischen zeitstimmung (Hölderlin z.b., oder Klopstock, Lessing, Schiller u.v.m.), um aber letztlich aufzuzeigen, daß die poesie (‘Euphorion’) die welt nicht nachhaltig verändert, sondern nur einen flüchtigen, zeitlich begrenzt wirksamen, eindruck hervorbringt. das ganze ist als tragödie im klassischen sinne zu verstehen, obwohl es als drama daherkommt! allein an dieser unterscheidung scheitern heutzutage ja schon so manche leser… fazit: möglicherweise haben Sie nur nie den zugang zu diesem werk gefunden, und wie das oft so ist: was anstrengt und sperrig ist, macht keinen spaß und wird in die ecke gepfeffert…
‘Die Blechtrommel’ habe ich immer als “Unterhaltungsliteratur” angesehen, und, na ja, “phantastisch” fand ich gar nichts an diesem roman, allerdings hörte ich es von vielen überschwenglich besungen und wunderte mich sehr, daß man ‘mit sowas’, wenn auch erst viele jahre später, literaturnobelpreisträger werden kann…
Sie kennen Georg Christoph Lichtenberg, insbesondere die ‘Sudelbücher’? “Ein Buch ist ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.” (Sudelbücher Heft E) oder auch: “Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?” (Sudelbücher, Heft D)
aber bitte nicht persönlich nehmen, Sie wissen ja, ich schätze Ihre kommentare sehr!
Bin gerade am überlegen, ob ich mich beim nächsten Arztbesuch im Wartezimmer entschuldigen soll, wenn ich die ” Traumnovelle ” lese, oder ob ich vorsichtshalber ” Feuchtgebiete” einstecken soll.
@ Glis glis
jetzt kommen Sie nicht mit Reich -Ranicki an. Jemand.der keine andere Meinung als seine eignende zulässt ist überflüssig.( was Literatur betrifft)
Ich schätze Ihre Beiträge sehr, aber versuchen Sie nicht immer krampfhaft witzig zu sein. Wenn Sie weiter Flachliteratur im liegen lesen, werden Sie in nicht langer Zeit auf keine Leiter mehr raufkommen.
Wenn man, wie Sie selber schreiben, von Hochliteratur wenig wissen, sollte man auch die Finger von Vergleiche lassen, oder man liest wirklich mal einige Werke der Hochliteratur um sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht sich auf RR zu berufen…
@1704
Da haben Sie in Ihrem Übereifer doch glatt wieder übers Tor hinaus geschossen. Deshalb abschließend zu unserem “kleinen nichtsnutzigen”, von Ihnen entfachten Disput:
Ausgewählt und vorgestellt hat @Susanne uns das Büchelchen von Isabel Bogdan
Mal reinschauen, bzw. es lesen, wollen @ostsee und @cora.
An welcher Stelle haben Sie von mir Ähnliches gelesen? Ich habe weder dem Buch noch Isabel Bogdan das Wort geredet weil – geht nicht, ich habe bisher noch gar nichts von ihr gelesen. Nach der Negativ-Werbung, die Sie betrieben haben, wird sich das aber schlagartig ändern. Das kleine Buch hole ich mir nachher.
P.S.
Ich habe nur ganz allgemein die Frage nach “Hochliteratur” in den Raum gestellt – kleiner Rat unter “Freunden”: Erst lesen, dann denken, dann schreiben :-)
@ ulla
Und ich hab jetzt auch schon ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich bei meinem nächsten Besuch einer Buchhandlung einfach mal in dem Büchlein blättern würde. (Ich kenne die Autorin nicht, mir gefällt aber die Idee zum Buch.)
Außerdem schaue ich gerade auf meine Bücherregale und überlege, ob ich überhaupt noch jemanden in mein Wohnzimmer lassen kann – mit Hochliteratur isses da gar nicht so weit her, da stehen tatsächlich z. B. auch Thriller und meine Lieblingsamerikaner.
@ ulla (10. August 2012 ⁓ 11:56)
“Ich habe nur ganz allgemein die Frage nach “Hochliteratur” in den Raum gestellt – kleiner Rat unter “Freunden”: Erst lesen, dann denken, dann schreiben”
der übliche fallrückzieher oder aber Sie wissen schon nicht mehr, was Sie hier so geschrieben haben. Ihr allererster kommentar wartet mit einem (weiteren) Arno-Schmidt-Zitat auf, dem Sie anfügen: “Aber wer liest schon jedes Buch zweimal? Für ein sogfältig ausgesuchtes kleines Taschenbuch ist sicher immer ein Plätzchen frei.” (@ulla, 6. August 2012 ⁓ 14:09) – wenn Sie damit “nur ganz allgemein” die frage nach “Hochliteratur” in den raum gestellt haben wollen, dann lesen Sie wahrscheinlich gar nicht, was Sie so schreiben!
ich hatte mir dann erlaubt, bzgl. Ihres “sogfältig ausgesuchtes kleines Taschenbuch” darauf hinzuweisen, daß angesichts des wenigen, daß man in seinem leben fähig ist zu lesen, erst recht eine sorgfältige auswahl treffen sollte, dutrchaus in dem sinne, wie ich Arno Schmidt eingangs zitiert hatte.
in erwiderung darauf meinten Sie “Darüber, nach welchen Kriterien die Bücher (z.B. Romane, Fachbücher, philosophische, politische oder schöngeistige Werke etc., auch mal so ein unterhaltsames Taschenbuch wie oben beschrieben) ausgewählt werden sollten sagt er allerdings nichts.” (@ulla, 7. August 2012 ⁓ 08:39)
worauf ich Sie fragte (in form eines Arno-Schmidt-Zitats), ob es sich bei dieser aussage nun um eine “aquirierte oder revellierte Erkenntnis” handele, denn Sie zeigen schon mit der behauptung, Arno Schmidt sage nichts darüber aus, nach welchen kriterien die bücher ausgewählt werden sollten, daß Sie nun just diesen autor nicht bis gar nicht kennen! Sie vermieden dann ja auch ganz folgerichtig die antwort auf meine frage!
Ihre ‘fragerei’ bzgl. “Hochliteratur” kommt erst mit @ulla, 7. August 2012 ⁓ 12:30. und ich habe mir erlaubt, dazu einen kommentar zu schreiben (@1704, 9. August 2012 ⁓ 12:00), der verdeutlichen sollte, daß Ihre frage doch eigentlich völlig irrelevant ist, insbesondere und erst recht, wenn Sie nun schreiben: “Nach der Negativ-Werbung, die Sie betrieben haben, wird sich das aber schlagartig ändern. Das kleine Buch hole ich mir nachher.” denn damit machen Sie (endlich!!!) deutlich, daß z.b. 1 kriterium für ein “sogfältig ausgesuchtes kleines Taschenbuch” irgendeine form von (negativ)werbung ist, allerdings konterkariert das den wohl bestehenden anspruch, bei der eigenen auswahl “sorgfältig” zu sein!
Sie haben meinen allerersten kommentar zu diesem thread, denke ich, gar nicht wirklich erfaßt, denn er verweist nicht etwa darauf, daß man sich gefälligst (ausschließlich) mit “Hochliteratur” befassen solle, noch zielte er darauf ab, Isabel Bogdan in eine der möglichen schubladen zu tun, sonern lediglich, daß man seine doch, wie ich meine, durchaus kostbare zeit nicht mit ‘Kitsch oder auch nur Durchschnittlichem’ verschwenden sollte. eine ansicht, die man teilen kann oder auch nicht! es scheinen aber schon einzelne formulierungen einer buchempfehlung wie z.b. “ein amüsantes Taschenbuch” oder “das sich leicht und mit Freude in kleinen Häppchen lesen lässt” zu genügen, menschen für etwas interessiert zu machen. andererseits wartet der beitrag von @Susanne HSB aber auch mit noch etwas anderem auf, nämlich dem hier:
“Sachen gibt’s, die weiß man, die kennt man, da hat man mal von gehört. Die wollte man immer schon einmal ausprobieren, eigentlich, irgendwann, vielleicht. Aber man tut es dann doch nicht. Wer kennt das nicht?”
merkwürdig, daß darauf hier niemand eingegagnen ist! aber gut, das wurde sicherlich durch die so gewichtige diskussion um “Hochliteratur” oder die unterscheidung zwischen “U und E” (zielsicher?) vereitelt!?
@Susanne HSB fährt dann in ihrem beitrag fort: “Ganz anders Isabel Bogdan… Sie macht die Sachen. Sie nimmt sie wahr, die kleinen Angebote und Ideen, die ihr über den Weg laufen. Und sie schreibt anschließend darüber.”
wie niedlich/harmlos kommt das daher, ‘die kleinen Angebote und Ideen, die einem über den Weg laufen’, und möglicherweise läßt sch daraus auch ableiten, warum Isabel Bogdan eben nicht etwa “Hochliteratur” verfaßt hat, und daß man auch wahrscheinlich nur “Durchschnittliches” lesen wird, weil es letztlich sehr wahrscheinlich nichts in frage stellt, keine kritik offeriert, das gegebene halt nimmt wie es kommt und das beste draus macht, eine niedlich-harmlose alltagsphilsophie, die sichaber nciht erklärt, sondern einfach nur in lustigen/spaßigen geschichten ein wenig wellness verbreiten möchte, und damit durchaus auf der “Höhe der Zeit” ist – umso wichtiger eigentlich die frage, ob bei “sorgfältiger Auswahl” dieses buch zur auswahl gehören sollte!
zum abschluß: wir befinden uns in einer krisenzeit, und es erinnert ein wenig an die biedermeierzeit mit ihrer flucht ins idyll und das private, wenn man in solcher zeit mit “Sachen machen” aufwartet oder sie mit “Sachen machen” verbringen will – da muß man sich auch nicht wundern, wenn andere dann meinen, die leute hierzulande sind viel zu blöd, um zu merken, was da draußen wirklich passiert, und selbst, wenn sie es merkten, dann sind sie viel zu blöd, etwas gewichtigeres auf die beine zu stellen als das, was eine mainstreamorientierte und mainstreambildende unterhaltungsinduistrie eben so an alternativen anzubieten hat. let´s have a party, was auch sonst?
@ Ostsee,
das Problem lässt sich doch einfach lösen: Sie kaufen sich dekorative Buchrücken mit „anständigen“ Titeln und da stellen Sie Ihre Schmöker rein. Manche verstecken da auch Hochprozentiges und anderen Krimskrams. Sieht immer ordentlich aus.
@ Mitleser,
gibts dafür so spezielle Buchrückenläden?
@1704
:-))
Wo haben Sie gelesen, daß ich dieses kleine Taschenbuch sorgfältig ausgesucht habe? Ausgesucht und das sicher sorgfältig, um es uns vorzustellen, hat es @Susanne, schrieb ich schon. Den Rest Ihres Kommentars lese ich vielleicht später mal.
@ostsee
Auf die Gefahr hin, daß @1704 nie wieder ein böses Wort an mich richtet – mir geht’s ähnlich, nur daß es bei mir mehr die Italiener (vorzugsweise Krimis) sind.
@ Toska
Sobald man Reich-Ranicki erwähnt, kriegt man hier eine Art verbalen Exorzismus zu hören. Sie haben den alten Knaben nur nicht verstanden. Reich-Ranicki im “Literarischen Quartett” ist eine Art Aktionskunst gewesen, eine Clownsnummer im Zirkus. Stellen Sie sich vor, das LQ hätte aus vier Professoren bestanden, die einen bräsigen Diskurs gemäß den akademischen Gepflogenheiten geführt hätten. Hätte kaum eine Sau interessiert. Schauen Sie sich Schlotterdicks trauriges Philosophisches Quartett an, in dem (so meine Erinnerung an das letzte Durchzappen) zuletzt ohnehin nur noch belangloses Trallalla geredet wurde.
Nee, MRR hat Krawall gemacht, hat mit seiner krähenden Stimme subtile Beleidigungen vom Stapel gelassen. Er hat dem subjektiven Urteil das Recht zurückgegeben gegenüber einem anmaßenden Expertendiskurs.. Dabei hat er durchaus andere Meinungen gelten lassen, sonst hätte er ja “Literarisches Solo” gemacht. Aber natürlich war MRR der Popstar der Runde. Er war der anarchische, subjektive Clown, sozusagen das Gegenteil eines Professors. Damit war er gerade kein Autokrat, sondern ein wahrer Demokrat. Der Clown können wir nämlich alle sein, während es für den Habitus des Professors eine Stellung in der Hierarchie braucht… und eine künstlich elaborierte Sprache als Ausdruck einer hierarchischen Diskurses… Diesem hierarchischen Diskurs hat die Rampensau MRR mit ihrem Herumgehampel und -gekrähe die angemaßte Würde genommen. Damit wurde “Hochliteratur” zu einer Angelegenheit des Volkes.
Manche mögen es nur eingeschaltet haben, weil da über Bücher geredet wurde. Aber die meisten haben es zumindest auch eingeschaltet, weil MRR immer eine gute Show geboten hat. Und davon haben am Ende wohl selbst die Autoren profitiert, die er verrissen hat. Ohne MRRs Show wäre in Deutschland gewiß nicht so viel “Hochliteratur” verkauft worden, und wahrscheinlich hält dieser Effekt bis heute an.
Und – MRRs Urteile mögen subjektiv und manchmal gemein gewesen sein, aber sie waren in den seltensten Fällen unbegründet (ein paar mal hat er sich freilich vergaloppiert, etwa bei der Sache, die dann zum Ausstieg von Sigrid Löffler führte). Die richtig fiesen Sottisen hat er nach meiner Erinnerung nie gegen weitgehend unbekannte Autoren abgefeuert, die sich nicht wehren konnten. Sondern er hat sich schon die Autoritäten der deutschsprachigen Literaturszene vorgenommen. Grass, Walser, Handke… Keiner von denen, gegen die er heftig geschossen hat, ist dadurch in seiner schriftstellerischen Existenz bedroht gewesen, nur vielleicht in seinem Ego verletzt. Aber da müssen sie durch…
Übrigens folge ich in meinem Urteil keineswegs immer dem MRR (allenfalls versuche ich es ein wenig im Stil…) Das einzige Buch unter den oben genannten, von dem ich ein Urteil von MRR kenne, ist Kleists “Prinz von Homburg”. Wenn ich mich recht erinnere, mag er das sehr. Ich gar nicht.
@ ulla (10. August 2012 ⁓ 16:40)
evtl. denken Sie noch einmal über Ihre frage nach?
aber, um auf Ihre kleine anmerkung einzugehen: Sie wissen nicht, ob @Susanne HSB “sicher sorgfältig” ausgesucht hat, was sie hier als buchempfehlung eingestellt hat bzw. selbst schon “seit ein paar Tagen” “mit Freude in kleinen Häppchen” gelesen hat – da bewegen Sie sich im bereich der bloßen vermutung! ich bewege mich mit meinen vermutungen eher im bereich gegenteiliger behauptung!
von daher kann ich meinen kommentar (@1704, 6. August 2012 ⁓ 10:16) hier auch völlig unverändert wieder einstellen: http://www.hauptstadtblog.de/2012/08/05/sachen-machen-in-berlin/#comment-6519
@ Glis glis (11. August 2012 ⁓ 00:54)
von dieser “Rampensau” kann man auch folgendes lesen:
“Hitler wurde von der Mehrheit des deutschen Volkes gewählt, bewundert und geliebt. Aber die Mehrheit des Volkes liest keine Literatur, jedenfalls keine, die sich ernst nehmen ließe. So konnte die herrliche Literatur der Weimarer Republik mit Thomas Mann an der Spitze politisch nichts bewirken. Es gehört übrigens zu den Sünden der Literaturkritik, dass sie sich damals um die Trivialliteratur, beispielsweise die Romane der Hedwig Courths-Mahler, überhaupt nicht gekümmert hat. Man hätte zeigen müssen, wie das Zeug gemacht ist. Die Medizin kann auf die Stuhlgang-Analyse auch nicht verzichten.”
quelle: stern.de, Interview – “Ich lasse mich nicht beirren”, 9.10.2003, http://www.stern.de/kultur/buecher/interview-ich-lasse-mich-nicht-beirren-514042.html
ich will mich auch gar nicht sonderlich in Ihr gespräch mit @Toska einmischen, aber “Damit wurde ‘Hochliteratur’ zu einer Angelegenheit des Volkes” klingt als hypothese ja ganz nett, aber ich fürchte, daß Sie beim versuch, diese hypothese auch durch belege untermauern zu wollen, unter umständen gezwungen sein werden, Ihre ansichten über das volk oder über das, was Sie als “Hochliteratur” ansehen, ändern müssen! zum anderen – siehe auszug aus oben genannter quelle – hat “MRR” auch eine durchaus wichtige/richtige kritik an sich selbst formuliert, allerdings liest es sich so, als hätte der gute “MRR” mit den “Sünden der Literaturkritik” rein gar nichts zu tun…
@ Glis glis
ich muss Ihnen da heftig widersprechen was MRR anbetrifft.
Das Geschreibsel von MRR ist ekelhaft, Provokation auf unterstes Niveau.
Das kann man nicht, wie Sie es schreiben mit vergaloppieren begründen.
Die Art und Weise, wahrscheinlich auch aus persönlichen Gründen, wie er mit Grass umgesprungen ist, ist mehr als ekelhaft und unwürdig und an Verächtlichkeit kaum zu überbieten. Denn die, die auf der Seite von Grass stehen, sind antisemitisch.
Wie infantil !!!
Es ist erstaunlich, welch eine angeregte Diskussion solch ein Büchlein entfachen kann.
Noch dazu eines ohne besonderen Tiefgang, nach all dem, was ich recherchieren konnte. Aber es muss nicht immer die hochtrabende Literatur sein. Da ich, wie ich schon des Öfteren kommentierte eine Schwäche für etwas andere Bücher habe, werde ich zumindest mal reinlesen.
@Glis glis
Ich kenne nur einen Prinz von Homburg und das war Norbert Grupe der Boxer und der war mehr als einfach gestrickt. ;-))
Stimmt, es muss nicht immer ” hochtrabende ” Literatur sein @ Sigurd
wo bei ich jetzt nicht ganz verstehe, was Sie unter ” hochtrabend” verstehen. ?!
Aber Trivialliteratur dieser Sorte muss es auch nicht sein.
Aber gut, Geschmäcker sind verschieden und soll jeder mit seinem Buch selig werden.
Ich persönlich habe es oft genug erlebt, dass man beim betrachten mancher Büchersammlung im heimischen Wohnzimmer doch auf den Charakter des Besitzers schließen kann oder zu mindestens erahnen kann- und ich hab immer richtig gelegen.
Gute Literatur zu lesen, und damit meine ich Werke die man der Hochliteratur zurechnen kann, bildet ja auch schließlich.
Aber eventuell bin ich für manch einen hier kein Maßstab, weil ich sehr viel lese und ich habe ein ganzes Zimmer als Bibliothek.
Und ob @ Susanne hsb dass von ihr empfohlene Buch mit Freunde in kleinen Häppchen liest, mag dahingestellt sein. Eventuell möchte man nur jemanden einen Gefallen tun. Werbung ist ja manchmal ganz gut.- so unter ” Autoren” Kolleginnen.
So, nun ist alles gesagt…. und tschüss
Also dieser Satz
“Gute Literatur zu lesen, und damit meine ich Werke die man der Hochliteratur zurechnen kann, bildet ja auch schließlich”
haut mich vom Schlitten :-)
Also ein post geht noch, aber dann finito
Bitte schön @ Ulla extra für Sie, damit es auch was wird, denn wenn Sie das Buch , dass hier vorgestellt wurde gelesen haben, werden Sie solch eine Anleitung nicht finden-oder?
http://www.helpster.de/schlitten-bauen-anleitung_19780
;-))
@ 1704, 10. August, 01:55
So, nu also dazu. Die “Kreutzersonate” und den “Faust II” hab ich vor sehr langer Zeit gelesen, letzteren ja wie gesagt vor dem Abitur. Bzgl. “Faust II” haben Sie womöglich recht, wenn man bedenkt, daß Goethe damals im Zeitalter vor der Ausdifferenzierung der Wissenschaften für ein Bildungspublikum geschrieben hat, dem die ganze antike Mythologie so sehr geläufig war, daß sie sich unmittelbar als Steinbruch anbot und jede Andeutung bzw. Variation auf ein Thema auch verstanden wurde. Das ist heute nicht mehr so. Aber gut., zum Vergleich… ich denke, Thomas Manns “Zauberberg” kann mit etwas historischem Wissen heute ohne weiteres verstanden werden, da uns das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert irgendwie im kollektiven Gedächtnis noch präsent ist. Mag aber sein, daß schon die heute Geborenen dereinst die ganzen Diskurse im “Zauberberg” genauso als ein wirres Konfabulieren empfinden werden, wie ich damals den “Faust II”. Insofern will ich mein Verdikt da nicht unbedingt aufrechterhalten. Zumindest scheint es mir gar keine gute Wahl, den “Faust II” Ende des 20. Jahrhunderts zum Abiturstoff gemacht zu haben. Hätte man in der Zeit irgendwas anderes machen können, “Sachen” zum Beispiel.
Was die “Kreutzersonate” angeht, war ich mir meines Urteils recht sicher, auch ohne das Nachwort. Diese Larmoyanz, dieses Selbstmitleid… nee, also der Leo Tolstoi schien mir da durchaus keine Distanzierung von seinem Helden aufbringen zu können, sondern im Gegenteil eine ziemliche Sympathie für ihn und seine Gedankengänge zu hegen. Nun bin ich aber kein großer Tolstoi-Kenner und kann das Buch nicht in den Kontext seines ganzen Schaffens stellen. Jedenfalls die wenigen anderen Sachen, die ich von ihm kenne, finde ich deutlich besser.
Beim “Prinzen von Homburg” ist der ganze Konflikt so simpel, daß man ihn auf einen Aphorismus zuspitzen könnte. Legitimiert der Erfolg den Verstoß gegen das formal-rationale Verfahren (in der Armee: das Befehlsprinzip)? Schon am Anfang wird er aufgebaut, dann wiedergekäut, ohne daß da noch ein neuer Gesichtspunkt, eine überraschende andere Ebene hineinkommt. Nach weniger als der Hälfte des Stückes ahnte ich schon, wie es endet. Verurteilung, Einsicht des Verurteilten in die Notwendigkeit des Urteils, dann Begnadigung. Und so kam es, und am Ende dann ein allseitiger patriotischer Auswurf: “In Staub mit allen Feinden Brandenburgs.” Oh je… Nun las ich, daß die Experten den Aufbau des Stückes wegen gewisser formaler Kriterien lobpreisen. Interessiert mich aber nicht.
Bei Shakespeare habe ich den “Titus Andronicus” genannt, weil ich das wirklich für Schrott halte, auch vor dem Hintergrund des ganzen Shakespeareschen Werkes, von dem ich zumindest einen Teil kenne. Was hätte ich sonst nennen sollen? Der “Timon von Athen” ist freilich auch fad, aber das ist ja wohl sowieso nur als ein moralisches Rührstück über die Schlechtigkeit der Welt gedacht. Ansonsten hat Shakespeare, oder wer auch immer hinter dem Namen steckt, natürlich auch richtige “Unterhaltungsliteratur” gemacht, aber doch ziemlich gute, oder? Also etwa “The Tempest” ist ein grandioses Stück Unterhaltungsliteratur, finde ich.
Überhaupt finde ich die ganze Trennung zwischen “Hochliteratur” und “Unterhaltungsliteratur” völlig willkürlich und verzichtbar. Es gibt großartige “Unterhaltungsliteratur”, die ein ganzes Zeitalter reflektiert. Z.B. einige Bücher von Remarque, die Krimis von Chandler, die 10-bändige schwedische Krimireihe von Sjöwall/Wahlöö (viel, viel besser als Mankell). Und es gibt Bücher mit erkennbarem “Hochliteratur”-Anspruch, die nur Krampf sind. Mich deucht, in der Unterscheidung zwischen Hoch und Flach spiegelt sich hierzulande nur ein althergebrachter Standesdünkel.
@ Toska
Äh, was? Reich-Ranicki, Grass und “antisemitisch”? Da können Sie unmöglich das Literarische Quartett meinen, sondern allenfalls die diesjährigen Medienfestspiele um das… ähem… “Gedicht” von GG in der “Süddeutschen”. Wenn sich da einer vergaloppiert hat, dann wohl vor allem der Grass selber. Aber dieses Faß sollten wir hier jetzt nicht aufmachen, darüber ist anderswo genug geredet worden.
@Glis glis
Danke –
“Überhaupt finde ich die ganze Trennung zwischen “Hochliteratur” und “Unterhaltungsliteratur” völlig willkürlich und verzichtbar. Es gibt großartige “Unterhaltungsliteratur”, die ein ganzes Zeitalter reflektiert. Z.B. einige Bücher von Remarque, die Krimis von Chandler, die 10-bändige schwedische Krimireihe von Sjöwall/Wahlöö (viel, viel besser als Mankell). Und es gibt Bücher mit erkennbarem “Hochliteratur”-Anspruch, die nur Krampf sind. Mich deucht, in der Unterscheidung zwischen Hoch und Flach spiegelt sich hierzulande nur ein althergebrachter Standesdünkel.”
das ist es was mir durch den Kopf ging als ich das Zitat, in dem die Rede von “Hochliteratur” war, las und mich fragte was A. Schmidt unter diesem Begriff wohl verstehen mag.
@Glis glis (12. August 2012 ⁓ 21:54)
es hat hier niemand bestritten, daß es “großartige ‘Unterhaltungsliteratur’” gibt, auch nicht, daß diese u.U. sogar “ein ganzes Zeitalter reflektiert”. man muß literatur auch nicht zwangsläufig dahingehend untersuchen wollen, ob etwas als “Hochliteratur” anzusehen ist oder nicht, aber trotzdem wird auffallen, daß es in der menge von literatur immer hier und da werke gibt, die sozusagen “herausragend” sind. ich würde Ihnen aus einer anderen richtung, sozusagen: entgegen kommen: ich bin mir nämlich gar nicht sicher, ob z.b. heute überhaupt noch so etwas wie “Hochliteratur” verfaßt wird, von daher könnte es gut sein, daß der begriff “Hochliteratur” für zeitgenössische werke u.U. gar keinen sinn (mehr) macht. andererseits hätte ich mich persönlich erhebliche probleme damit, z.b. die romantrilogie Samuel Becketts (‘Molloy’/'Malone stirbt’/'Der Namenlose’) lediglich als “Unterhaltungsliteratur” zu sehen, genau so wie z.b. Rolf-Dieter Brinkmanns ‘Rom, Blicke’, ‘Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Träume’, ‘Schnitte’ – um bewußt einen älteren und einen jüngeren nachkriegsautoren zu nennen – allerdings habe ich kein problem damit zu behaupten, daß die mögliche liste zeitgenössischer autoren, die der kategorie “Hochliteratur” zuzuordnen wäre, erschreckend kurz ausfiele – über die gründe könnte man sicher lang und breit diskutieren.
aber langer rede kurzer sinn, es wird wohl an meinem kurzen statement deutlich, daß ich, ähnlich wie Sie, aber durchaus aufgrund anderer überlegungen, der behauptung zuneige, daß die unterscheidung zwischen “Hochliteratur” einerseits und anderer literatur andererseits heute wohl kaum noch sinn macht. ob das aber ein wünschenswerter umstand ist, will ich dabei einmal ganz bewußt offen lassen.
kleine anmerkungen zu Sjöwall/Wahlöö – deren krimis ich persönlich sehr schätze, aber trotzdem nicht umhin komme darauf hinzuweisen, daß deren benutzte sprache und stilmittel wenig anspruchsvoll sind und sie sich dem genre der trivialliteratur durchaus verpflichtet wußten, aber eben aus gutem grund, weswegen ich bei diesen auch nie auf den gedanken gekommen wäre mich zu fragen, ob ich hier nun eine art von “Hochliteratur” lese oder nicht. hier sollte man durchaus unterscheiden können zwischen der wirkungsabsicht und den deshalb benutzten stilmitteln, selbst dann, wenn sie auch gar nicht anders hätten schreiben können! und natürlich sollte man auch hier nicht vergessen, wann diese krimis geschrieben worden sind. bzgl. Ihres werturteils (“viel, viel besser als Mankell”) war Ihnen hoffentlich bewußt, daß Mankell in der ‘Sjöwall/Wahlöö-Tradition’ steht, diese aber keineswegs kopieren/nachahmen wollte. allerdings, wenn Sie Mankel in hinblick auf seine literarische intention verstanden haben, dann wissen Sie umso besser, worum es Sjöwall/Wahlöö in ihren krimis gegangen ist…
Zu:
ostsee 10. August 2012 ⁓ 13:50
Und wir haben seit bald eineinhalb Jahren immer noch 3 Kisten Bücher im Keller. Vermisst haben wir davon höchstens 2 oder 3 Bücher :-).
Und lass nur, nicht mal im Arbeitszimmer steht nur “Hochliteratur” – na und?
@ Glis glis (Glis glis)
@ ulla (13. August 2012 ⁓ 08:59)
interessant finde ich ja, daß Sie (beide) sich so mit dem begriff der “Hochliteratur” abmühen, aber so gar nicht mit dem, was unter “Kitsch” oder “nur Durchschnittliches” zu verstehen ist, denn mindestens so bedeutsam, wie die frage, was denn Arno Schmidt nun unter “Hochliteratur” verstanden haben mag, müßte dann doch auch die frage sein, was derselbe unter “Kitsch” und “nur Durchschnittliches” verstanden haben mag. aber das scheint hier so gar nciht als frage interessant zu sein.
falls es @ulla mit ihren bemühungen hinsichtlich der frage, was Arno Schmidt unter “Hochliteratur” verstanden haben mag, immer noch nicht gelungen ist, zumindest einmal ein anschauungsbeispiel zu finden, das er als derselben zugehörig ansah, sei auf Karl Philipp Moritz (‘Anton Reiser’) und den Essay von Arno Schmidt ‘Der arme Anton Reiser’ hingewiesen, in dem Schmidt von Karl Philipp Moritz als “eine der merkwürdigsten Gestalten unserer Hochliteratur” spricht. aber jetzt bitte nicht etwa darüber fabulieren, ob dieser Moritz tatsächlich “eine der merkwürdigsten Gestalten” ist, sondern einfach zur kenntnis nehmen, daß Schmidt hier einen autoren der “Hochliteratur” namentlich benennt. es gibt noch andere, aber ich möchte dem eigenen studium der hier so engagierten keineswegs die lust auf entdeckungen nehmen…
@Susanne
Wie war die Lesung? Für @ostsee, cora, Sigurd und alle anderen, die mal in das Buch reinschauen wollen; aber vielleicht noch keine Zeit dafür gefunden haben, hier eine Kostprobe: http://interview-lounge.tv/isabel-bogdan-liest-aus-sachen-machen-kapitel-wacken-teil-1/
@ ulla
Dank für den Link. In letzter Zeit hab ich die Buchläden nämlich nur zum Zwecke des Kaufes neuer Schulbücher fürs Kind betreten – keine Zeit für anderes (weder fürs Büchlein geschweige denn für Hochliteratur).
@Ulla
Vielen Dank für den Link. Ich musste herzlich lachen, als ich ihn anhörte. Man hat ja so seine eigenen Erfahrungen von solchen Festivals, auch wenn es kein Heavy Metall Festival war.