Archiv für September 2012

Mörder Ahoi

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Wer nach meinem Beitrag über das Kriminaltheater auf den Geschmack gekommen ist, ein Kriminalhörspiel zu besuchen, hat heute Abend dazu die Gelegenheit.

Im lauschigen Café Theater „Schalotte“ in der Behaimstr. 22 in Charlottenburg präsentiert Schaller-Entertainment mit „Mörder Ahoi“ ein weiteres Stück rund um die bekannt-schrullige Miss Marple. Ein paar Appetithäppchen aus der gestrigen Premiere finden Interessierte unter http://www.flickr.com/photos/hauptstadt-bilder/sets/72157631591621250/

18 Uhr in Neukölln: Die Kundgebung zum Buschkowsky Buch

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Heinz Buschkowsky hat es getan, er hat jetzt auch mal was geschrieben und sich nicht nur in diversen Talkshows platziert, um seine tiefgreifenden Erkenntnisse kundzutun. In der „Zeitung“ mit den großen Bildern konnte man es dieser Tage bereits lesen, was an mir natürlich komplett vorübergegangen ist. Doch auch die Morgenpost hat bereits einen (flüchtigen?) Blick auf das heute erscheinende Buch geworfen:

In “Neukölln ist überall” (ab 21. September) beschreibt Buschkowsky deutschenfeindliche Aggressionen, Integrationsverweigerung, Kriminalität und islamistische Tendenzen in seinem Bezirk und in der Einwandererszene. Gleichzeitig wirft er Berlins Regieren dem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Ahnungslosigkeit über die tatsächlichen Probleme vor.

Buschkowsky sagte im Interview mit der “Zeit”, Wowereit beklage, Kinder könnten verhungern, wenn ihre Familien aus der Sozialhilfe Bußgelder bezahlen müssten. “Wo sind wir denn, dass ein Regierungschef so einen Stuss schreibt?” Nötig seien klare Regeln auch für Einwanderer: Kindergartenpflicht, Ganztagsschulen und Sanktionen schon bei kleinen Regelverstößen.

Treffsicher zum Erscheinungstermin hingegen wird heute um 18 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Neuköllner Rathaus aufgerufen. In der Pressemitteilung wird klar Position bezogen:

Am Freitag den 21.9.2012 erscheint im Ullsteinverlag, der zur Axel Springer AG gehört, das Buch des Bezirksbürgermeisters von Neukölln, Heinz Buschkowsky. In Vorabdrucken der ebenfalls zur Axel Springer AG gehörigen Boulevardzeitung „BILD“ wurden seit Montag jeden Tag Kernthesen seines Buches „Neukölln ist überall“ verbreitet.

Der dort verbreitete Rassismus, nämlich das ausschliesslich Menschen nicht-deutscher Herkunft, die Heinz Buschkowsky nach eigener Aussage eindeutig an ihrem Äusseren erkennen kann, für alle Probleme Neuköllns verantwortlich seien und seine sozialhetzerischen Ansichten, dass Menschen nur nützlich sind, wenn sie ausreichend zum Bruttosozialprodukt beitragen, ruft entschiedenen Widerspruch in Neukölln hervor. Gegen die ausgrenzenden und diffamierenden Behauptungen des Bezirksbürgermeister von Neukölln findet am heutigen Freitag um 18 Uhr eine Kundgebung vor dem Rathaus Neukölln statt, die kurzfristig und spontan von empörten Menschen aus Neukölln organisiert und angemeldet wurde. Als Termin haben wir bewusst den Erscheinungstag von „Neukölln ist überall“ gewählt und rufen Heinz Buschkowsky zu: „Rassismus ist überall!“ Buschkowskys Wahrnehmung der Verhältnisse in Neukölln teilen wir in keinster Weise, denn hier tobt kein Bürgerkrieg der Migranten, die Buschkowsky stets als Täter_innen beschreibt, gegen die „guten“ Deutschen, die er stets als Opfer betrachtet. Dagegen werden wir vor dem Rathaus Neukölln laut, kraftvoll und bunt demonstrieren.

Mehr Infos gibt es auf Facebook. Lesenswert ist in dem Zusammenhang auch dieser offene Brief an Herrn Buschkowsky. Nachtrag: Die taz äußert sich ebenfalls, differenziert und bedenkenswert.

KISS

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Triebzug der ODEG

In Berlin kommt Farbe ins Spiel – Foto: h|b

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember kommt ein wenig Farbe in die Stadt. Die ODEG die den Zuschlag für die ehemaligen Linien RE 2 von Cottbus nach Wismar und die RE 4 von Stendal nach Jüteborg bekommen hat, stellt auf der Innotrans ihren neuen Zug KISS (Komfortabler Innovativer spurtstarker Schnellbahnzug) vor. Es ist ein Triebzug, der – im Gegensatz zu den DB Zügen – keine Lokomotiven benötigt, sondern wie eine S-Bahn mit Steuerwagen an beiden Enden ausgestattet ist. Er ist auch nicht einfach rot, wie die Regelzüge des DB Konzerns, sondern begrüßt den Reisenden in den ODEG Farben gelb, grün und weiß.

Wie die anderen RE Linien handelt es sich auch um Doppelstockwagen, der Innenausbau ist ähnlich dem des aktuell eingesetzten Wagenparks der DB. Beim Gang durch den Wagen fällt auf, dass die Steckdosendichte um einiges höher liegt, als bei den DB Zügen, wo sich Steckdosen meist nur in der ersten Klasse finden. Hier wird der starken Nutzung mobiler Geräte konsequent Rechnung getragen. Wir dürfen gespannt auf die Fahrpreisgestaltung sein und ob die ODEG zum Fahrplanwechsel die geforderten 16 Zugeinheiten auf die Schiene bringen kann. Bisher sind sieben von 16 Zügen geliefert, die Abnahme der EBA steht scheinbar auch noch aus. Auf dem Zug der Innotrans fehlt der entsprechende Hinweis.

Daumen hoch

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Werbung für das Handwerk

Daumen hoch für Handwerksberufe – Foto: h|b

Handwerk hat goldenen Boden sagte man früher mal, heute ist es in vielen Fällen eher ein Synonym für spätere Altersarmut. In einer Werbekampagne am Berliner Hauptbahnhof kann man sich über die Vielfalt der Handwerksberufe informieren. Beschrieben werden z.B. Speiseeishersteller, Gebäudereiniger, Bootsbauer, Gerüstbauer, Oberflächenbeschichter, Graveure und was es so alles an Handwerksberufen gibt. Weiß man ja gar nicht so genau. Funktioniert ja alles irgendwie. Was mit uns allen passieren würde, wenn das Handwerk nicht mehr da wäre, kann man in diesem Video sehen. Eine Werbekampagne des Handwerks. Interessant ist der Abspann am Ende. Was da alles an Handwerksberufen auftaucht ist erstaunlich.

Platform 79 im ehemaligen Frauengefängnis

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Frauengefägnins Kantstraße 79

Frauengefägnins Kantstraße 79, Foto: linda link

Ein stillgelegtes Gefängnisgebäude wird zum Ort für künstlerische Experimente mit Wänden, Fenstern und Türen. Eine internationale Künstler- und Kuratorengruppe nimmt die Geschichte und das aktuelle Ambiente des Hauses  auf und  stellt Projekte vor, die sich mit Gefangensein im weiteren Sinn befassen. Papierbotschaften, eine Spiegelskulptur im Gefängnishof , eine Klanginstallation, eine Wasserprojektion mit Regenbogen im Gemeinschaftwaschraum, eine “Frauenkiste”, Video-Interviews mit weiblichen Gefangenen und andere Arbeiten lassen sich noch bis zum 16. September betrachten.
platform79 Kantstraße 79 Hinterhof. Eintritt frei, Spende erwünscht. Ein ausführlicher Katalog (10 Euro) ist vorhanden

Frauengefängnis Kantstraße, Einzelzellen

Türen, Einzelzellen, Foto: linda link

Berlinpremiere – Krausser liest in Neukölln

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Tieffliegende Literaturhinweise in Neukölln Foto: HSBengl

Soweit ist es also gekommen mit mir. Beim ahnungs- und ziellosen Flanieren in meinen Heimatgefilden flattern mir die Lesungshinweise jetzt schon hemmungslos vor die Füße. Ich weiß noch nicht, ob ich die Zeit finde. Aber Helmut Krausser soll gut sein, das ist eventuell lohnenswert.

Samstag, 15. September 2012, 20 Uhr, Buchhandlung Stadtlichter, Bürknerstraße 1, Eintritt 8,-/10,- €

Charlottenburger Fundstücke

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zahnspange

Wer nicht aufpasst, muss zur Polizei! Foto: linda link

Belesen werden – Rituale der Literatur

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Da an dieser Stelle im HSB ein unvermutet großes Interesse an der hohen Literatur zutage getreten ist und ich selbst mich kürzlich erst todesmutig (oder lebensmüde?) in eine Veranstaltung der Hochliteratur gestürzt habe, erlaube ich mir eine Verlinkung auf einen recht persönlichen Bericht über eben dieses bizarre Erlebnis. Dieser beginnt allerdings erst in der zweiten Hälfte, vorher geht es um ein Buch, oh Wunder, und um das Lesen generell. Dann aber folgt dieses:

Lesungen der sogenannten Hochliteratur, die in einem irgendwie postulierten, gar akademischen Rahmen stattfinden, lassen grundsätzlich Schreckliches vermuten. Ich weiß das, ich hätte gewarnt sein sollen. Aber mitunter bin ich ein freches Kerlchen und trage meine olle Fresse auch mal in eine unpassende Umgebung. Wenn es anders nicht geht.

Frontallesung mit Tisch. Gut, das war zu erwarten. Der Raum ist durch und durch beige und wird quer bespielt. Da kann man nichts machen. Ich habe schon auf Europaletten Salsa gespielt, damals, zu Bandzeiten. Die Beine der Trommeln stürzten  immer wieder in die Lücken. Aber man nimmt es, wie es kommt. Bei einer Lesung in einem kleinen Theater saß ich einmal über eine Stunde unmittelbar vor einem zirka zwei Meter hohen Eisblock. Selten habe ich so gefroren. Bis heute frage ich mich, ob das Publikum mein unkontrolliertes Zittern gesehehen haben könnte. Das kann man sich nicht aussuchen, das weiß ich. Wenn man auf die Bühne muss. Das Licht kommt an diesem Abend von oben, im ganzen Raum. Und es bleibt, die ganze Zeit. Zwei Strahler sind kaputt, zum Glück auch der über mir. Dafür bin ich dankbar. Die Sitze sind gepolsterte Freischwinger, und es gibt Teppich, natürlich. Nichts, das quietschen oder knarren könnte. So hat der Raum keinen Ton. Ich versuche, ob mein rechter Stiefel vielleicht ein kleines bisschen knatschen mag. Tut er aber nicht. Leider. Ich leide, dabei hat es noch nicht einmal angefangen. Ich schalte mein Mobiltelefon stumm und schreibe eine SMS an Madame Modeste, die mich aus beruflichen Gründen versetzt und in diesem Elend allein gelassen hat. Sie soll auch leiden. Die Luft steht, jetzt schon. Draußen wird es dunkel.

Von Anfang an und auch noch weiterlesen im Common Reader