Platform 79 im ehemaligen Frauengefängnis
Linda HSB in Kultur ⁓ 12. September 2012 ⁓ 21:40 Uhr ⁓ 17 Kommentare
Ein stillgelegtes Gefängnisgebäude wird zum Ort für künstlerische Experimente mit Wänden, Fenstern und Türen. Eine internationale Künstler- und Kuratorengruppe nimmt die Geschichte und das aktuelle Ambiente des Hauses auf und stellt Projekte vor, die sich mit Gefangensein im weiteren Sinn befassen. Papierbotschaften, eine Spiegelskulptur im Gefängnishof , eine Klanginstallation, eine Wasserprojektion mit Regenbogen im Gemeinschaftwaschraum, eine “Frauenkiste”, Video-Interviews mit weiblichen Gefangenen und andere Arbeiten lassen sich noch bis zum 16. September betrachten.
platform79 Kantstraße 79 Hinterhof. Eintritt frei, Spende erwünscht. Ein ausführlicher Katalog (10 Euro) ist vorhanden








“Numerous art fairs are held in Berlin during this time, making the city the focal point of the art world. We hope to attract some of these visitors as well as the local art scene through an exciting proposition in this intriguing premise located in central Berlin.”
Hai, dier änglofon follouers of art änd fäschn! Eim neißer ä part of ße lokäl art ßien nor ä visiter, so ju dount houp tu ätträckt mie äs än indidschines treibsmänn? Änd wott ße hell das ßis mien: intrickwing prämiß lokäited in ßenträll Börrlinn? Jess ei anderständ: ä wümenns prisn ivouks männi, ispeschällie mäle fäntäsies. Batt fouks, wudd ju bih so keind änd täik ä luck ät ße ßitti mäpp? ßätt fanni änd ämäsing pläiß is lokäited matsch kloser tu Grunewald, währ ße weild bohr liffs, währ bätscher änd räckuhn säi ietsch aßer ‘hai’. Matsch, matsch kloser tu ße wilderniß ßän tu, lätts säi, Tschäckpeunt Tscharlie änd orll ße pabbkrohling lokäischns, ßätt ju juschuälli wudd korll ‘ßenter’. So täik kär aut ßer änd dount get lost or lockt in.
Keind rigards fromm fätt dormaus.
Jaaaa – bis 1920: Stadtgefängnis Charlottenburg. Hatte nix mit Berlin zu tun! Aber kommse mal kucken – ist sonst nämlich zu …
@ Linda HSB (13. September 2012 ⁓ 17:49)
schön, daß Sie die geschichte dieses hauses ansprechen, dann wissen Sie ja sicher auch, daß die überschrift ein wenig irreführend ist! die veranstaltung dort evtl. auch?
in der nachkriegszeit wurde das gefängnis für jugendarreste genutzt, dann wieder als ‘männergefängnis’ (bis 1985), danach wurde es hauptsächlich als lagerraum für justizakten oder auch für gar nichts weiter benutzt (es stand lange jahre auch einfach nur schön oder häßlich und meistens einfach so in der gegend herum). es gehört in die reihe von privatisierungen von landesvermögen, die seinerzeit als ‘Tafelsilber verscherbeln’ angesehen wurde, und, ja, ein “Frauengefängnis” war es auch.
“… Das einstige Gefängnis mit Zellen für rund 100 Häftlinge… Die Zellen sind jeweils etwa sechs Quadratmeter groß. In vielen stehen Regale, weil dort Akten lagerten… So ganz ungenutzt blieb das Haus in den letzten Jahren nicht. Das leerstehende Gefängnis wurde gern für Filmarbeiten genutzt. Szenen für ‘Der Vorleser’ mit Kate Winslet sind dort entstanden, Skandal-Rapper Bushido drehte einen Videoclip, Models präsentierten Dessous in Gefängnis-Atmosphäre. Filmwelt, Spinnweben und Staub haben mit der Zeit die Geschichte überdeckt…. Während der Nazizeit waren dort Frauen aus dem Widerstand inhaftiert. Viele haben ihre letzten Tage bis zur Hinrichtung in einer der winzigen Zellen verbracht. Der Charlottenburger Karl Dürr, 76 Jahre alt, hat sich aus Interesse mit dem Haus befasst. Er sagt, er hätte sich gewünscht, dass in dem Gebäude eine Gedenkstätte für diese Frauen eingerichtet wird, weil ihr Widerstand häufig ignoriert werde. Dürr erzählt von Frauen aus der Widerstandsgruppe der “Roten Kapelle”, 19 von ihnen waren in der Kantstraße 79 inhaftiert. Libertas Schulze-Boysen zum Beispiel, die Frau von Harro Schulze-Boysen, die Material über Gewaltverbrechen an der Ostfront sammelte und auf Flugblättern publik machte. Nach Entdeckung ihrer Verbindungen zur Sowjetunion wurden Libertas und ihr Mann verhaftet und vom Reichskriegsgericht 1942 zum Tode verurteilt. Libertas Schulze-Boysen hat zehn Tage in der Kantstraße verbracht. Sie starb im Alter von 29 Jahren am 22. Dezember 1942 unter dem Fallbeil. Eva-Maria Buch war 21 Jahre alt, Maria Terwiel 32, als sie in der Kantstraße auf ihre Hinrichtung warteten. Beide Frauen, strenge Katholikinnen, haben zwei Monate in den Zellen gesessen. Die Widerstandskämpferin Greta Kuckhoff ist dem Todesurteil entgangen. Sie saß sechs Monate in der Kantstraße, in der DDR war sie später, von 1950 bis 1958, Präsidentin der Staatsbank und dann im Friedensrat aktiv. Sie starb 1981 in Wandlitz. Auch die Politikerin Ottilie Pohl hat viele Nächte im Frauengefängnis Kantstraße verbracht. Sie engagierte sich gegen das Nazi-Regime und war in der ‘Roten Hilfe Deutschland’ aktiv. 1940 wurde sie zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einen Kommunisten bei Bekannten versteckte. Sie starb 1943 im KZ Theresienstadt…”
(quelle: Berliner Zeitung, Gefängnis zu verkaufen, 26.05.2010, lin s.o.)
zum Thema Widerstandskämpferinnen im Frauengefängnis Kantstraße hat in der Villa Oppenheim soeben eine Ausstellung geschlossen:
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/org/heimatmuseum/erdgeschoss/ausstellungsflaeche_links.html
@ Linda HSB
die ausstellung ‘Frauen des Widerstands im Gerichtsgefängnis Kantstraße 79′ ist verlängert bis zum 31.10.2012
http://www.villa-oppenheim-berlin.de/ausstellungen/sonderausstellungen/gefaengnis-kantstrasse.html
Vor 1, 2 Jahren gab es in der Abendschau in der Reihe “Geheimnisvolle Orte” auch mal einen Bericht über das ehem. Frauengefängnis und die Widerstandskämpferinnen. Ist schon interessant zu sehen und zu hören was man über die Stadt in der man – als “Einheimische” – lebt so alles nicht weiß.
@1704
Vielen Dank für die Nutzungsgeschichte des Hauses.
Wie hätte sie wohl ausgesehen, wenn das Gebäude im Ostteil unserer Stadt stände?
@ Hernando (14. September 2012 ⁓ 12:05)
bis 1945 wohl identisch! und, da ich zu wissen vermute, worauf Sie ‘anspielen’ wollen: wenn die DDR mehr knäste gebraucht hätte, hätte sie sich die auch gebaut, sicherlich hätte man dieses gebäude auch für haftzwecke benutzt, wie man es ja im westteil der stadt auch bis 1985 getan hat. “Das Gerichtsgefängnis in der Kantstraße diente für diese Frauen nur als Zwischenstation auf dem Weg ins Zuchthaus oder zur Hinrichtung in Plötzensee.” (http://www.villa-oppenheim-berlin.de/ausstellungen/sonderausstellungen/gefaengnis-kantstrasse.html) die frauen “durchliefen… viele Aufenthaltsorte, das Polizeipräsidium Alex, das Frauengefängnis Barnimstr., die Gestapozentrale Prinz-Albrecht-Straße und die Untersuchungshaftanstalt Moabit, dazwischen taucht immer wieder die Kantstraße auf… Die Besonderheit des Ortes bestand ja darin, daß hier nicht die Gestapo, sondern der Generalstaatsanwalt des Kammergerichtes zuständig war…” (http://gerichtsgefaengniskantstrasse.wordpress.com/)
“Models präsentierten Dessous in Gefängnis-Atmosphäre”.
“Viele (der inhaftierten Frauen) haben ihre letzten Tage bis zur Hinrichtung in einer der winzigen Zellen verbracht”
Tja…
Danke, 1704, wann kommt endlich Ihr erstes Buch heraus?
Titel: “Hochgeistige Kommentare von 1704 im HSB gepostet”.
Mittelerweile frage ich mich, warum Sie nicht an irgendwelchen Unis ihr Zeug verbreiten.
@Mitleser: Ergebnis, wenn man staatliche Gebäude an private Investoren verkauft?
@ cora (14. September 2012 ⁓ 16:54)
wieso “Ihr erstes”?
und, was Sie sich fragen, interessiert mich, ehrlich gesagt, nicht im mindesten! zumal ich vermute, daß Sie die antwort darauf auch längst so schon für sich gefunden haben! allerdings könnten Sie mich ja einmal bei gelegenheit darüber aufklären, was solche kommentare wie der von Ihnen eigentlich soll? und, bleiben Sie einfach sachlich!
Die Präsentation von Dessous in Gefängnisatmosphäre, besonders in dieser, steht eigentlich auf der gleichen Stufe wie die oft unsäglich provokante Benetton-Werbung.
Im vergangenen Jahr gab es dort aber eine Kunstausstellung http://www.bz-berlin.de/kultur/kunst/kunst-im-ehemaligen-knast-article1190062.html in der es um Frauen”schönheit” ging – hierfür fand ich den Ort sehr passend gewählt.
@cora
Sie rennen wahrscheinlich offene Türen ein. Buch ist fertig, Hörsäle sind bei den Vorlesungen überfüllt :-)
@ Linda
Da konnte ich nicht anders als der persönlichen Einladung (“kommse mal kucken”) zu folgen und hab mir das heute mal angeschaut. Also, ich kann es schon weiterempfehlen. Es soll ja ein positives Feedback geben… Wobei es eigentlich ein dunkler und deprimierender Ort ist. Habe deutlich früher schon andere alte Ex-Gefängnisse besichtigt, aber diesmal schien es mir am bedrückendsten. Ist aber vielleicht auch eine Frage des Alters… nicht des Gefängnisses, sondern des Betrachters…
Es wirkt ja so, als seien die Häftlinge erst vor kurzem ausgezogen und als könne es jederzeit wieder in Betrieb genommen werden.
Die Kunstwerke teilen sich wohl grob gesagt in zwei Gruppen: Die einen spielen mit optischen (oder akustischen) Effekten und sind eher minimalistisch. Die anderen versuchen dem lichtarmen Gemäuer eine gewisse Schrillheit oder Provokation entgegenzusetzen. Die erstgenannten haben mir zunächst mehr zugesagt, obwohl… mit einigem zeitlichen Abstand kann ich auch einigen der sich aggressiver in die Wahrnehmung hineindrängenden Installationen was abgewinnen, so der allerdings ziemlich krassen und suggestiven “Frauenkiste” und den juvenilen Mordszenen.
Verblüffend ist natürlich die Konstruktion mit der sich im Luftzug bewegenden und aus Spiegeln bestehenden “Unruhe” im Hof, die man durch viele Zellenfenster sieht und die z.T. tolle Doppelspiegelungen hervorruft – und da, bei den ständigen zufälligen Schwenks der Spiegel von den Mauern zum Himmel glaubte ich auch die Idee mit den Mauern, Türen und Fenstern zu verstehen.
Also wie gesagt, ich finde, sowohl das Gefängnis als auch etliche der Installationen lohnen den Besuch dort am hinteren Ende der Kantstraße, schon nahe der Wildschweinwildnis. (Mir fiel dabei auf, daß ich in der Ecke vorher wirklich sehr selten war, fast ein bißchen terra incognita in der eigenen Stadt. Sonst fahre ich nur gelegentlich mit der Ringbahn da unweit lang. War erstaunt, wieviel Russisch man dort auf der Straße hört.)
@1704 14. September 2012 – 14:30
“wenn die DDR mehr knäste gebraucht hätte, hätte sie sich die auch gebaut, sicherlich hätte man dieses gebäude auch für haftzwecke benutzt,”
Da sind wir uns mal einig.
Und zwar genau in diesem Zustand und dieser Enge.
Aber die DDR brauchte vergleichsweise sehr wenig Gefängnisse.
Die “normale” Kriminalität war dank strikter Sozialisation in engmaschigen Kollektiven und umfassender Überwachung wie in allen Diktaturen sehr gering (“Bei Adolf/Erich hätt’ es sowas nicht gegeben!”).
Lediglich politische Häftlinge, die gegen das “Paradies” aufmuckten, waren reichlich vorhanden und zu “versorgen”.
In den letzten Jahrzehnten verkaufte man sie an den Klassenfeind, weil das überlegene System des Sozialismus sonst schon viel früher zusammengebrochen wäre.
@ Hernando (17. September 2012 ⁓ 10:46)
“… Aber die DDR brauchte vergleichsweise sehr wenig Gefängnisse.
Die “normale” Kriminalität war dank strikter Sozialisation in engmaschigen Kollektiven und umfassender Überwachung wie in allen Diktaturen sehr gering (“Bei Adolf/Erich hätt’ es sowas nicht gegeben!’ …).”
sowohl bei “Adolf” wie auch bei “Erich” hat es das gegeben, was Sie hier “‘normale’ Kriminalität” nennen, und durchaus in erheblichem umfang. es wurde allerdings nie wirklich transparent und umfassend veröffentlicht, auch das anzeigeverhalten war ein anderes. ich wundere mich dabei ein wenig über Sie, der Sie doch sonst kein freund ‘offizieller Statistiken’ sind! andererseits scheinen Sie einem system “strikter Sozialisation in engmaschigen Kollektiven und umfassender Überwachung” einiges abgewinnen zu können.
zum anderen verkennen Sie ein wenig, daß manches, was in Westdeutschland eine straftat darstellte, in der DDR lediglich als ‘Verfehlung’ geahndet wurde, zum anderen wurden z.b. prostitution oder kindestötung zu ‘asoziale Lebensweise’ oder ‘Totschlag’ und entsprechend nebulös ausgewiesen. Sie übersehen also sehr wahrscheinlich auch, daß der kriminalstatistik in der DDR eine andere, selektive erfassung der straftaten zugrunde lag, so daß, bei zugrundelegen der gleichen erfassungskritierien, die kriminalitätsraten in der DDR wesentlich höher lagen, also viel zu niedrig angegeben sind. es gibt sogar manche, die meinen, das von der SED-führung immer wieder betonte zehntel an kriminalität im vergleich zur BRD müßte auf 50 % angehoben werden, wolle man die tatsächliche vergleichbarkeit zum gegenstand der betrachtung machen. und, in der tat, manche formen von kriminalität kamen in der DDR so gut wie gar nicht vor, z.b. viele formen von grenzüberschreitender kriminalität, drogenhandel oder auch organisierter kriminalität…
es geht hier in diesem thread aber nicht um gefängnisse/zuchthäuser/werkhöfe oder kriminalitätsstatistik der DDR, auch nicht um die kriminalität in der DDR ganz allgemein.
Sie sind nicht einmal in der Lage, sich mit der realen Kriminalität im heutigen Deutschland, respektive Berlin auseinanderzusetzen.
Aus Angst gegen die PC zu verstoßen.
Ihr “Wissen” ist Dummfug aus irgendwelchen internetquellen.
Mit ihrer anwidernden Arroganz, würden Sie sogar persönliche Opfer diskreditieren, wenn die nicht in Ihr Schema passen!