Archiv für Oktober 2012

Der kleine König Dezember im Schlosspark-Theater

Am vergangenen Sonntag fand eine besondere Premiere statt: „Der kleine König Dezember“ sollte eigentlich schon am 6. Oktober erstmals im Schlosspark-Theater in Steglitz aufgeführt werden. Aber wenige Tage vor dem geplanten Termin überschattete der plötzliche Tod des Hauptdarstellers Dirk Bach die Vorbereitungen.

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Grundsatzdiskussion am Rand des Refugee Camps am Pariser Platz

Flüchtlinge protestieren und frieren am Pariser Platz

Im September machten sich Flüchtlinge und Asylanten von Würzburg aus zu Fuß auf den Marsch nach Berlin, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und eine menschenwürdige Behandlung einzuklagen. Gefordert werden u. a. ein legaler Aufenthalt, einen legalen Zugang zum Arbeitsmarkt und die Abschaffung der Sammelunterkünfte sowie der Residenzpflicht für Asylbewerber. Dem wäre noch einiges hinzuzufügen, etwa die bestehende Abschiebepraxis.

Inzwischen kampieren sie auf dem Parier Platz und frieren und hungern für ihr Anliegen. Was in den Sozialen Netzwerken seit Tagen, wenn nicht seit Wochen ein Thema ist, erreicht nun auch – endlich – die Printmedien. Gestern berichtete die Berliner Zeitung:

Trotz eisiger Temperaturen protestieren Flüchtlinge weiter Tag und Nacht vor dem Brandenburger Tor gegen die deutsche Asylpolitik. Wärmende Decken, Isomatten, Wärmflaschen und Regenschirme mussten die etwa 14 Demonstranten jedoch auch in der Nacht zu Sonntag wieder abgeben. Polizisten beschlagnahmten die wärmenden und schützenden Utensilien. Ans Aufgeben denken die Demonstranten, die am Mittwoch in einen Hungerstreik getreten waren, nicht. „Wir bleiben, bis die Politiker unsere Situation verbessern“, sagte ein Sprecher der Gruppe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Heute steigt aus Spon ein und vergisst dabei auch „das Netz“ nicht:

Im Netz wird die Aktion – und vor allem die Reaktion der deutschen Behörden darauf – kontrovers diskutiert. Besondere Empörung herrscht darüber, dass die Demonstranten keine Isomatten, Decken und Schlafsäcke benutzen dürfen. Auch mehrere prominente Mitglieder der Piratenpartei beklagen sich per Twitter darüber. So twittert etwa Anke Domscheit: “kann ein polizist eigentl nachts schlafen, nachdem er hungernden, frierenden flüchtlingen decken u isomatten weggenommen hat?” Die Piratin Marina Weißband ruft zur Hilfe für die Frierenden auf: “Könntet ihr euch etwas Honig, Jacken und Decken unter den Arm klemmen und am Pariser Platz vorbei schauen?” Die Bloggerin Julia Probst, auch Piraten-Mitglied, schrieb: “WAS lese ich DA? Den frierenden Flüchtlingen beim #refugeecamp nimmt man die Decken + Schlafsäcken weg? Bitte sagt, dass das nicht stimmt.”

Und ich frage mich nun: Darf man in Berlin wirklich nicht campen? Also, aus welchem Grund auch immer, denkbar wäre ja auch der Verlust der Wohng oder ähnliches. Oder ist das nur an touristisch relevanten Plätzen unerwünscht?

Nachtrag: Mehr und direktere Info über berlin und andere Städte gibt es übrigen auf refugeetentaction.net

Mit der Bitte um Kenntnisnahme

In S- und U-Bahn öffnen bekanntlich die Türen bei Bedarf nach individuellem Knopdruck und schließen automatisch kurz vor der Abfahrt. Nun ist der stressgeplagte Pendler der Arbeitswelt froh über jede automatische Hilfestellung, die ihm den Transport erleichtert.
Was aber, wenn bei knackender Kälte der Zug an jeder Station gefühlte 5 Minuten anhält und die Tür aus Gewohnheit dann ebenso lange offenbleibt? Es wird arschkalt! In jedem S-Bahn Waggon befinden sich seitlich an den Türen so komische Knöpfe.
Liebe Mitberliner! Bitte auf diesen Knopf drücken!

Grauer Alex

Schauspieler in Mittelalteruniform

Auf der Suche nach dem neuen “Berlin Dungeon” – Foto: h|b

Micky Maus, Darth Vader und das übliche Militärpersonal hatten heute morgen einen schweren Stand am Brandenburger Tor. Die meisten Fotografen und Touristen scharten sich um zwei finstere Gesellen und eine weiße Frau mit einem Holzwagen voller Folterinstrumente. Die Troika war auf der Suche nach einem “großen, grauen Alex” und schreckte selbst vor Folterandrohungen nicht zurück, um den entscheidenden Hinweis zu bekommen.

Es war aber kein vorgezogener Helloween-Spaß, sondern die Promotion für ein anderes Spektakel, welches im nächsten Frühjahr in Berlin seine Zelte in der Nähe vom Hackeschen Markt aufschlagen will. Vis-a-vis vom Sea-Life eröffnet das Berlin Dungeon, “eine Reise durch 700 Jahre dunkelste Berliner Geschichte”, wie auf der Website des Veranstalters zu lesen ist. Neben Hamburg ist Berlin die zweite Stadt, die mit einem Dungeon beglückt wird.

Schleifen, Blumen und Herzen

Die PPSch-41 bei Fuß! Mit Blümchen. Foto: HSBengl

Heute im Treptower Park gewesen, die letzte Sonne genießen. Dabei eher versehentlich über das Sowjetische Ehrenmal gestolpert. Sofern man bei der Größe überhaupt von Stolpern reden kann. Einmal rundherum gelaufen und jede Menge Stalinprosa genossen. Oder ist das Poesie? Kriegspoesie? Helden- und Opferdramatik?

Des Kaiser’s Herzen. Oder sind die von Rewe? Foto: HSBengl

30 Minuten freies WLAN in Berlin

Über derzeit 44 Hotspots kann in Berlin ab sofort frei gesurft werden. Am Freitag startete das Pilotprojekt, das bis Sommer 2013 auf 100 Hotspots erweitert werden wird. Das Projekt soll über zwei Jahre lang laufen, der Spaß ist allerdings begrenzt auf eine halbe Stunde pro Tag.

Die aktuellen Hotspots stehen dort, wo man massenhaft mobile Nutzer erwarten darf: rund um den Hackeschen Markt etwa, am Gendarmenmarkt und in der Gegend um die Kastanienallee und den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Künftig sollen der Potsdamer Platz, die Kantstraße in Charlottenburg und die Stadtmitte von Potsdam hinzukommen.

Die Einwahl ist mit jedem WLAN-fähigen Gerät – etwa Laptops, Tablet-PCs, Smartphones – möglich. Die offenen Netzwerke heißen entweder „KD WLAN Hotspot+“ oder „30 Min Free WIFI“, bei der Anmeldung werden keine persönlichen Daten abgefragt, … (weiterlesen in der Berliner Zeitung)

Farbrausch

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Ein Happening der besonderen Art findet im Moment jeden Abend ab 19 Uhr am Potsdamer Platz im Rahmen des “Festival of Lights” statt. Die Kunstinstallation “Words of Berlin – Time Drift” von Philipp Geist projiziert Wörter auf den Platz, die angrenzenden Gebäude und natürlich auf die Menschen vor Ort. Sieht sehr cool aus. Für morgen Abend lädt der Künstler um 21 Uhr zum großen Abschlussevent ein. Besucher sollen möglichst in weißen Sachen kommen, es gibt aber auch Overalls zum ausleihen.

Kiezreporter – frische journalistische Billigkräfte für Berlin?

Da habe ich vorgestern erst die Berliner Zeitung als eine der lesbarsten Zeitungen Berlins gelobt, besonders was den Lokalteil angeht. Und das will ich auch nicht wirklich zurücknehmen, nein. Nicht, was die Qualität der Artikel, Meldungen und Meinungen betrifft, zumindest so im Großen und Ganzen betrachtet. Kleinere Missgriffe oder auch Totalausfälle gibt es zwar auch, aber naja, Schwamm drüber.

Aber als ich soeben auf diese Meldung bei ver.di stieß, war ich dann doch schwer geplättet. Hier ein paar Auszüge:

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di befürchtet eine Kündigungswelle beim Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, Abendblatt). Nach Informationen, die der dju vorliegen, sollen 50 Arbeitsplätze wegfallen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd hat eine Sprecherin des Kölner Zeitungshauses M. DuMont Schauberg, zu dem der Berliner Verlag über die BV Deutsche Zeitungsholding gehört, eingeräumt, dass Einsparmaßnahmen geplant seien.

„Mit einem fantasielosen Handstreich, der seinesgleichen sucht, soll ein Zehntel der Belegschaft vor die Tür gesetzt werden. Dabei ist der  Arbeitsdruck in Verlagen und Redaktionen schon jetzt an der Grenze  des Erträglichen“, sagt dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß.

„Billigkräfte sollen als ,Kiezreporter’ eingesetzt werden. Damit versucht DuMont Schauberg aber nur zu kaschieren, dass letztendlich am Standort Berlin mit deutlich weniger Personal produziert werden soll. Gute Bedingungen für guten Journalismus sind das nicht“, betont die dju-Bundesgeschäftsführerin. Beim Boulevardblatt „Berliner Kurier“ könnte jede siebte Stelle gestrichen und in der Redaktionsgemeinschaft der „Berliner Zeitung“ mit der „Frankfurter Rundschau“ 15 bis 20 Stellen abgebaut werden.

Platz nehmen!

Personen in einer U-Bahn in Berlin

Nach der Sitzprobe muss man sich entscheiden – Foto: h|b

Ganz im Sinne einer modernen Bürgerbeteiligung holt sich die BVG gerade die Meinung ihrer Fahrgäste ein, um die kommende Sitzgeneration mitzubestimmen. In der nächsten U-Bahngeneration sollen diese Sitze dann zum Einsatz kommen. Bei den sieben Sitz-Typen handelt es sich um verschiedene Kunststoffschalensitze, wovon fünf Modelle entweder mit dem bereits bekannten Kunststoffbezug in Lederoptik oder einem Textilbezug bezogen werden können.

Nach meiner persönlichen “Sitzprobe” gestern morgen, habe ich mich für das Modell 3 entschieden. Die Abstimmung erfolgt – ganz cheesy – über ein iPad. Wer selbst mal zum Probesitzen ausrücken möchte, kann das den restlichen Oktober über tun. Hier findet ihr die Termine und Standorte, wo ihr zuerst sitzen und dann abstimmen könnt.

Hausbesetzung war erfolgreich

Die Berliner Zeitung – eine weitgehend überaus lesbare Zeitung übrigens – berichtet heute, dass der Seniorentreff in der Stiller Straße doch nicht geschlossen wird. Die Rentner hatten ihn einfach besetzt.

Seit Monaten besetzten Pankower Rentner einen von der Schließung bedrohten Seniorentreff in der Stillen Straße. Nun steht fest: Der Rentnertreff bleibt erhalten. Die Besetzung ist beendet.

Die rüstigen Rentner im Seniorentreff Stille Straße 10 in Pankow können es noch nicht richtig glauben. Seit 111 Tagen halten sie ihre Einrichtung besetzt, jetzt haben sie ihr Ziel erreicht: Der Rentnertreff bleibt erhalten. Der Sozialverband Volkssolidarität wird den Rentnerclub übernehmen. (weiterlesen)

Geht doch!

Zwangloser Kummer im Kasten

Gesehen am Kiehlufer. Foto: HSBengl

Welche Art von Kommentare dort wohl abgegeben werden? Sorgfältig von Hand geschriebene, soweit ich das sehen konnte. Ja, es war tatsächlich etwas darin, sogar jedes Mal. Immer, wenn ich daran vorbeikam bislang. Und: Das Ding ist unten offen, also man könnte, wenn man wollte … Habe ich aber natürlich nicht.

Buschkowsky erklärt sich und seine Wirklichkeit

Ein durchaus erhellendes Interview mit vielen Aspekten zum Thema Neukölln, wie es hier vor Ort und darüber hinaus überall ist, hat der Tagesspiegel mit Heinz Buschkowsky geführt. Darin bezieht der bekannte Bezirksbürgermeister gewohnt klar Stellung. Zunächst zu sich und zu seiner Sichtweise:

Wer behauptet, dass Parallelgesellschaften, asymmetrische Entwicklungen, Gewaltbereitschaft, Nicht-Anpassen-Wollen und „das eigene Ding“ machen, Vielehen und eigene Rechtsfindung nur in Neukölln zu finden sind, der verkennt die Realitäten. Die Kehrseite der gelungenen Integrationskarrieren sind die Einwandererschichten, die sich der deutschen Gesellschaft und ihren Regeln entziehen. Sie gibt es von Kiel-Gaarden bis München-Hasenbergl. Wenn wir weiter tatenlos zusehen, werden Stadtviertel wie in London oder am Rande von Paris die Folge sein.

Außerdem zu seiner bescheidenen politischen Handlungsfähigkeit:

Ein Bezirksbürgermeister bestimmt noch nicht einmal die Größe von Schulklassen oder Kita-Gruppen, kann keine Lehrer einstellen oder Ganztagsschulen gründen. Wenn ich das alles könnte, würde Neukölln anders aussehen.

Darüber hinaus gibt er noch eigentümlich Sätze zum Besten:

Die Wirklichkeit kann nicht rassistisch sein.

Letzteres verstehe ich nicht so ganz, das heißt, eigentlich überhaupt nicht. Es scheint mir ein völlig absurder Satz zu sein. Auch aus dem Zusammenhang kann ich mir den Konstrukt nur notdürftig zusammenflicken.

Aber egal, die eigentliche Frage ist doch: Von welcher Wirklichkeit redet der Mann? Von seiner eigenen offensichtlich. Der ich noch nicht einmal die faktische Richtigkeit absprechen mag. Es gibt diese Problemschwerpunkte in Neukölln, wie auch anderswo. Und das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, ganz im Gegenteil. Das gehört auf den Tisch.

Aber meine Wirlichkeit, und die der meisten Neuköllner vermutlich ebenfalls, ist das nicht. Und das sollte, bei aller politischen Agitation, nicht vergessen werden. Hier leben Menschen, viele Menschen, gut und sehr gerne. So ist das.