Die Stadt, das sind wir
Susanne HSB in Stadtnotizen ⁓ 10. Oktober 2012 ⁓ 15:02 Uhr ⁓ 26 Kommentare

Sticker an einer Ampel in Neukölln Foto: HSBengl
Diese grundlegende und gar nicht so schwer verständliche Weisheit stammt offensichtlich von Kotti & Co, der Kreuzberger Mietergemeinschaft am Kottbusser Tor. Diese wehrt sich seit 2011 gegen die jährlich steigenden Mieten im sozialen Wohnungsbau:
Unsere Hochhäuser gehören den privaten Gesellschaften Hermes und GSW, die seit über 30 Jahren Subventionen bekommen, um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Sie erhöhen jedes Jahr die Miete, da die Stadt sich aus den Subventionen zurückzieht. Unsere Mieten sind inzwischen so hoch, dass jede zweite Familie hier 40-50% ihres Einkommens dafür ausgibt. Auch das Jobcenter verschickt Aufforderungen, die “Kosten der Unterkunft” zu senken. (Quelle)





Ist aber eine sehr kurzfristige Weissagung der Mieter – wenn die weg sind kommen mittelfristig neue, im Anmarsch sind sie ja schon. Langfristig gesehen kann man Stadt auch mit den neuen Mietern machen, was u.U. gerade in dieser doch ziemlich in Verruf geratenen Gegend nicht mal verkehrt wäre.
Genau Ulla,
es ist wie bei vielen Arbeitnehmern, wenn der Chef einen Hungerlohn bietet, fangen viele Arbeitnehmer auch für 50 Cent die Stunde weniger an.
Aber dann rumjammern.
Na denn passen Sie mal auf sich auf @ Ulla, das Sie sich nicht auch noch eine neue Bleibe suchen müssen, im Wedding sind ja auch so manche Gegenden in Verruf geraten.
Und da kann man auch was mit neuen Mietern machen.
@Toska
Ich wohne im Goldenen Mittelwedding, nicht an der Plumpe :-)
@ Aussteiger (12. Oktober 2012 ⁓ 12:09)
was soll das denn jetzt sein? meinung? begründung? weder-noch oder ist-mir-doch-egal?
ich würde dazu ‘illusionistische verkennung’ sagen, und das ist noch nett formuliert. jahrelang wurde den leuten ideologisch eingeschärft, daß gewerkschaften nur murx sind (weil sie ja am wohlstand auch so partizipieren konnten und gewerkschaften nur ihr eigenes ding machen wollen), daß die arbeitnehmer ihre interessen auch ohne starke gewerkschaften durchsetzen könnten (und so kam der mitgliederschwund zu den gewerkschaften) – dann kamen die wirtschaftkrisen und ein heer von arbeitslosen (wer erinnert sich nicht der millionen?) – dann kam die Agenda 2010 und mit ihr der druck auf die arbeitnehmer, jede ‘zumutbare’ arbeit annehmen zu müssen (und die ‘zumutbarkeit’ orientiert sich nicht die bohne am gehalt, lohn oder salär) und die ‘Angst’, arbeitslos zu werden und, gott-o-gott, bei ‘Hartz IV’ zu landen – dann kam die ‘Wiedervereinigung’ und mit ihr ein heer von frischen arbeitskräften bei gleichzeitigem wegbrechen der industriellen basis in vielen gebieten der ehemaligen DDR und Berlins – parallel dazu wurden in all den jahren durch rationalisierung und ‘optimierung’ von arbeitsabläfen, durch technische modernisierungen und arbeitsverdichtung mehr und mehr menschen als ‘überflüssig’ aussortiert (und in vielen branchen gibt es auch schon gar keine tarifverträge mehr, weil man ja gewerkschaften nicht braucht)… eine entwicklung insgesamt, die dazu beitrug, daß überall löhne und gehälter gedrückt werden konnten und mehr und mehr prekäre arbeitsplätze entstanden und enttehen und die reallohnentwicklung sowieso schon seit jahren stagniert oder ins minus läuft – und dann stellt sich hier jemand hin und sagt den idioten, die sich auf “50 Cent” weniger lohn/gehalt einlassen, daß sie bzgl. der mieten, die sich völlig unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen situation entwickeln, doch nicht jammern sollen, weil sie doch letztlich selbst schuld daran sind, wenn es für die miete dann nicht mehr reicht! klasse!
erzählen Sie doch mal, was passiert, wenn ein arbeitnehmer sagt: wenn sie da noch “50 Cent” die stunde drauflegen, dann mache ich den job. ich könnte glatt meinen, Sie leben in einer ‘Parallelwelt’!
Puh @ Ulla
da bin ich echt beruhigt. :-) Hätte ich mir auch denken können, wir haben ja beide schließlich Stil .
Aber jetzt mal zum Kotti & Co. Ich habe mir mal den Link im Bericht angeschaut, mehr als Aufrufe zur Demo mit Lärm machen findet sich eigentlich nichts brauchbares an reale umsetzbare Vorschläge.
Ob man damit das Ziel erreichen kann, ich bezweifle es. Solche Mietergemeinschaften gibt es ja in jeden Bezirk
Gefragt ist die Senatspolitik von Berlin, und der geht das kalt am Hintern vorbei. Sozialer Wohnungsbau macht nur Sinn, wenn nicht auf profitorientierte Bauträger gesetzt wird.
ja – wir haben den aufkleber in anlehnung eines sehr weit verbreiteten anderen aufklebers produziert:
http://www.fechenbach.de/web/produkte/bilder/a222g.jpg
der eigentliche spruch hat diese geschichte: http://de.wikipedia.org/wiki/Weissagung_der_Cree
ist nicht der beste aufkleber den wir bisher produziert haben – musste aber sein ; )
grüsse http://kottiundco.net
liebe toska – verzeih – aber du hast dich nicht ausreichend informiert über unsere aktivitäten, die weit mehr sind als du erfasst hast. und alles auch schön auf unserer webseite dokumentiert. hier nur ein paar beispiele:
http://kottiundco.net/2012/10/11/unsere-konferenz-zum-sozialen-wohnungsbau-am-13-november-2012/
http://kottiundco.net/2012/09/12/wissenschaftlerinnen-fur-kotti-co/
http://kottiundco.net/2012/07/20/zur-antwort-von-senator-mulle/
also einfach mal nochmal genau hinsehen und dann urteilen!
danke
k&co
@ kotti & co
Ja, o.k. was nützen die schönsten Dokumente und Aktivitäten, wenn kein Ergebnis raus kommt.
Nicht das Du mich falsch verstehst, solche Mietervereine machen auf mich immer den Eindruck eines zahnlosen Tigers.
Was habt ihr mit euren Protest erreicht? was habt ihr mit euren Dauercamp erreicht? Einiges wird es schon sein. Aber letztendlich haben da ganz andere das Sagen !
hast du dir meinen letzten satz- in 18:07 richtig durchgelesen? und vor allen Dingen verstanden?
Ich will gewiss nicht eure Aktivitäten und Proteste abwerten, im Gegenteil, nur was bringt es.?
In dieser Stadt wird gegen alles zu Demos aufgerufen, nur komisch, das die Ziele oder die Forderung weswegen die Demos sind, überhaupt nicht realisierbar sind, zum einen Teil weil es von der Politik abhängig ist oder vom Geld. Das erste kannst Du vergessen und das zweite ist nicht da.
„Wir haben Kreuzberg erst attraktiv gemacht und jetzt sollen wir vertrieben werden?“ (Quelle: http://kottiundco.net/wer-wir-sind/)
Entschuldigung aber darüber kann ich nicht einmal lachen. Kreuzberg wurde attraktiv gemacht? Besonders die Gegend um den Kotti? Dann frage ich mich, weshalb wir vor nunmehr 12 Jahren nach Treptow gezogen sind, weil wir den Dreck und die Zustände in unserer Straße (Kohlfurter Straße) und gerade um den Kotti nicht mehr ertragen konnten. Wenn das attraktiv sein soll, dann kann ich persönlich darauf verzichten.
Dass der soziale Wohnungsbau in Schüben abgeschafft wird, ist seit über 15 Jahren bekannt. Schon damals hatten wir versucht, mit der GSW ins Gespräch zu kommen. Sie fühlten sich nicht zuständig und hatten, so jedenfalls mein Eindruck, die Gegend schon längst abgeschrieben.
Nein, ich verlinke jetzt nicht schon wieder die “Kreuzberger Nächte”; aber zu der Zeit als Kreuzberg “attraktiv” wurde waren die meisten Aktivisten von Kotti & Co wahrscheinlich noch nicht mal geplant.
hallo nochmal,
@ toska: im verhältnis zu dem was hier gerade in berlin passieren müsste ist alles an engagement sicherlich zu wenig. und ich stimme zu: die politik sitzt in einer parallelgesellschaft zu der nur wenige zutritt haben. geld ist sicherlich ein faktor. aber ein “die machen doch eh nur was sie wollen” ist keine alternative. wir haben schon einiges erreicht. die welt haben wir aber bisher noch nicht gerettet ; )
@ sigurt: viele von uns sind seit jahren in den unterschiedlichsten organisationen aktiv. vom QM hin zu elternvereinen, über sozialprojekte hin zu gewerbevereinigungen.
das ihr schon vor 15 jahren versucht hab was zu verbesser finde ich klasse. die situation heute ist aber eine andere. kreuzberg und auhc das kotti ist attraktiv geworden obwohl weiterhin viele probleme bestehen. klar. aber viele die hier wohnen, mich eingeschlossen, fühlen sich hier sehr wohl. und schau die doch mal an wie das südliche kotti mittlerweile aussieht. da haben wir viel getan in den letzten jahren.
@ ulla: gebrüder blattschuss / kreuzberger nächte – das war 1978. bei uns sind leute von 17 bis 68 jahre aktiv. mit den unterschiedlichsten hintergründen. bitte unterlasse deine spekulationen über unser alter! ; )
http://gensol.arte.tv/kotti-co-de/2012/10/13/wissenschaftlerinnen-fur-kotti-co/
Geduldige Leser könnte dieser Artikel aus der “Zeit” von 1984 interessieren. Er ist länger als eine “Tapete”.
http://www.zeit.de/1984/24/jehtnich-jibsnich-geht-doch
Ich habe diese Zeit aktiv miterleb tund beobachte die heutige Entwicklung skeptisch. Die Bewohner müssen ihre Quartiere immer neu aktiv verteidigen und mit gestalten, wenn sie nicht verdrängt werden wollen. Ich freue mich über alle Initiativen, die sich konstruktiv zur Wehr setzen.
@kotti & co.
Meiner “Spekulation” liegen Eure Bilder in
http://kottiundco.net/2012/08/03/merhaba-salam-und-schonen-guten-tag/ zugrunde.
Kleiner Verbesserungsvorschlag von mir: Bringt doch auch ähnliche Bilder von den älteren Aktivisten sonst verspekulieren sich außer mir noch andere :-)
Zu den Wissenschaftler°innen die sich Euch angeschlossen haben sage ich mal jetzt besser nichts oder höchstens soviel, daß die Rassismuskeule scheinbar immer paßt egal worum es geht.
@ ulla (13. Oktober 2012 ⁓ 12:44)
im höchsten maße unredlich, was und wie Sie es machen – Sie ‘diskreditieren’ hier, ohne wirklich konkret zu werden, womit begründen Sie substantiell die angebliche “Rassismuskeule”?
im gesamten text, auf den verlinkt worden ist und auf den Sie hier eingehen, kommt das wort “Rassismus” 3 mal vor:
1 + 2 “Atiye Eksi, eine langjährige Anwohnerin am Kottbusser Tor, beantwortete auf der Pressekonferenz die Frage nach dem Zusammenhang von Verdränung und RASSISMUS so: … “Wenn man mich fragt, was RASSISMUS ist, dann zeige ich den Leuten meinen alten Pass, wo früher…”
3 “Als WissenschaftlerInnen mit sehr unterschiedlichen disziplinären Perspektiven auf Migration und Rassismus, aus Europäischer Ethnologie, Urban Studies, Postcolonial Studies, Soziologie, Sozial- und Kulturwissenschaften, als interdisziplinäre und unabhängige ForscherInnen zu Fragen der Einwanderungsgesellschaft und als NachbarInnen, die sehr gezielt die Geschichte und Gegenwart der Migration in Berlin im Blick haben, ist uns dieser Protest natürlich nicht entgangen…”
(quelle: http://kottiundco.net/2012/09/12/wissenschaftlerinnen-fur-kotti-co/)
und dann sind ja auch noch die einzelnen “Wissenschaftler°innen” namentlich genannt, als da sind
Dr. Manuela Bojadzijev (Humboldt Universität), Dr. des. Birgit zur Nieden (Humboldt Universität), Dr. Serhat Karakayali (Berlin, Universität Halle), Prof. Dr. Birgit Rommelspacher (Alice Salomon Fachhochschule), Prof. Dr. Juliane Karakayali (Evangelische Hochschule Berlin), Prof. Dr. Iman Attia (Alice Salomon Fachhochschule), Prof. Dr. Michal Bodemann (University of Toronto Berlin), Prof. Dr. Gökce Yurdakul (Humboldt Universität), Dr. Mark Terkessidis (Freier Autor, Berlin), Dr. Naika Foroutan (Humboldt Universität), Gastprof. Dr. Isabell Lorey (Berlin, Universität Basel), Prof. Dr. Regina Römhild (Humboldt Universität), Dr. Antke Engel (Institut für Queer Theory, Berlin), Prof. Dr. Werner Schiffauer (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder), Prof. Dr. Ina Kerner (Humboldt Universität), Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba (Humboldt Universität), Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (Alice Salomon Hochschule), Prof. Dr. Nikita Dhawan (Goethe-Universität Frankfurt)
kennen Sie irgendeine publikation, irgendein öffentliches auftreten, irgendeine äußerung dieser wissenschaftler/innen, aus dem Sie ableiten können, was Sie hier meinen, besser nicht sagen zu wollen? da bin ich jetzt aber mächtig gespannt!
kann es sein, daß Sie an sich rassistische denkmuster entdeckten, weil etliche dieser wissenschaftler/innen namen tragen, die nicht deutsch klingen? und daß Sie deshalb meinen, diese wissenschaftler/innen müssen ja, bei dieser herkunft, die “Rassismuskeule” schwingen, “egal worum es geht”?
@kotti & co 13. Oktober 2012 ⁓ 08:59
Ich sehe eure Bemühungen mit großer Sympathie und wünsche euch auch gute Fortschritte. Da könnt ihr ganz gewiss sein. Nichts würde mich mehr freuen, als wenn mein alter Kiez wieder zur Normalität kommen würde. Dass mir die Gegend noch immer sehr am Herzen liegt, habe ich, so glaube ich, zu Pfingsten in meinem Blog zum Ausdruck gebracht.
http://sigurd.blog.de/2012/05/26/so36-13748496/
Aber vor einigen Wochen hatte ich den Kiez mal wieder besucht um ein Foto für meine Reihe Berlin-Rätsel zu schießen und musste dabei leider feststellen, dass sich wenig verändert hat.
sigurd.blog.de/2012/08/17/
Wahrscheinlich nehmt ihr kleine Veränderungen mehr war als ich als mittlerweile Außenstehender der es wahrscheinlich aus einer anderen Sicht betrachtet.
Ich wünsche Euch viel Erfolg auf Eurem Weg und einen Tipp habe ich noch. Bei der GSW hilft nur Hartnäckigkeit, seit sie verkauft wurde, ist alles viel schwieriger geworden. Vor 30 Jahren als wir damals eine Mieterinitiative in der von mir weiter oben genannten Straße gründeten waren bei der GSW noch Bearbeiter, die unseren Anliegen aufgeschlossen gegenüberstanden und damals wurde auch einiges erreicht. Ich konnte sogar erreichen, dass von der GSW Mitarbeiter zu unserer Mieterversammlung geschickt wurden. Mit Ihnen konnte man sehr vernünftig reden und zumindest wurde nach Zwischenlösungen gesucht und diese von der Wohnungsbaugesellschaft auch tatsächlich umgesetzt. Das ist heute nicht mehr so einfach. Aber wie schon geschrieben, viel Glück.
@1704
Ich könnte Ihnen jetzt einen langen Vortrag darüber halten was in höchstem Maße unredlich ist, tue ich aber nicht – ich lasse Sie in Ihrer heiligen Einfalt einfach weiter schwadronieren.
Zu den Wissenschaftlern: In der Pressekonferenz ging’s um die Frage nach dem Zusammenhang von Verdrängung und Rassismus. Frau Eksi sagt dazu
“… und in den unattraktiven Bezirken zu wohnen, die niemand wollte wie z.B. Kreuzberg. Nachdem wir aus Kreuzberg das gemacht haben was es heute ist und mit den Nachbarn und Freunden hier schon eine Familie wurden, sollen wir jetzt raus, weil wir wiedermal nicht gut genug sind”
So ganz am Rande: Wenn ich sagen würde, daß die Migranten aus Kreuzberg das gemacht haben was es heute ist, dann wäre ich eine Rassistin.
@ulla
So ist es. (Wobei ich mich auf Ihrem letzten Satz beziehe, nicht auf die eigentümlichen Gedankenkonstruktionen zuvor.) Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Ihre Kommentare ab sofort aussortiert werden, da ich keine Lust mehr verspüre, meine Zeit mit dem Lesen derselben zu verschwenden. Danke.
@Susanne HSB 13. Oktober 2012 ⁓ 16:32
Endlich! Das verwirrte tendenziöse Geschwurbel war nicht mehr erträglich zu lesen.
Vielen Dank.
@BBQ
Gern geschehen.
danke für die kommentare und angeregte diskussion von allen seiten.
es liegt noch vieles vor uns. mit grüssen in die stadt von morgen im heute. und bis bald …
k&co ; )
Also erst mal ist das eine sehr vernünftige Sache, was kotti&co da machen. Sicher kann man immer die rhetorische Frage stellen, was am Ende dabei rauskommt… aber es geht ja offenbar auch darum, sich gemeinsam erst mal über die rechtlichen Möglichkeiten auf Landesebene klar zu werden, um dann den politischen Akteuren im Land Berlin die richtigen Forderungen vorzulegen. Der offizielle Diskurs etwa von seiten der Senatsverwaltung ist ja häufig so: Kann man nix machen, ist Bundesrecht und/oder Marktlogik.
Gab zuletzt einen Artikel von Andrej Holm, wo er – wohl zu Recht – vor der Fixierung auf Neubau warnt.
http://www.taz.de/Debatte-Gentrifizierung/!103330/
Günstige Mieten kann es eigentlich nur im vorhandenen Bestand geben, und die “Filtertheorie” (teurer Neubau “saugt” zahlungskräftige Nachfrage aus dem Bestand heraus und entspannt dort den Preisdruck) gilt m.W. als weitgehend widerlegt. Die noch vorhandenen Bestände der landeseigenen Wohnungsunternehmen müßten zielgerichtet zur Mietpreisdämpfung genutzt werden
Jetzt strömt viel Fluchtkapital aus Südeuropa in den deutschen Immobiliensektor, eine deutliche (!) Erhöhung der auf Landesebene zu erhebenden Grunderwerbsteuer (nicht zu verwechseln mit der Grundsteuer) wäre sicher ein Weg, die damit verbundenen spekulativen Exzesse einzudämmen oder jedenfalls dem Land Einnahmen zu schaffen, die dann in eine aktive Wohnungspolitik gesteckt werden könnten.
Große Schweinereien stehen auf Bundesebene bevor, das Gesetz zur Entrechtung der Mieter bei energetischer Sanierung… Überhaupt ist das mit der Modernisierungsumlage auch heute schon ein Unding: der entsprechende Aufschlag auf die Miete bleibt auch nach 10 Jahren bestehen, wenn die Modernisierungskosten für den Investor über die Miete wieder eingespielt sind, und so drücken Modernisierungsmaßnahmen dann das allgemeine Mietniveau dauerhaft nach oben. Das läßt sich eigentlich überhaupt nicht rational begründen… aber das ist tatsächlich Bundesrecht, und da macht sich u.a. der lobbyistische Einfluß von Haus&Grund wohl bemerkbar.
Eine Kritik hätte ich an der Eigendarstellung von kotti&co aber doch: Es ist ja grundsätzlich richtig, daß Sie auf die Verdrängung aus Innenstadtbezirken abstellen, das ist in Berlin momentan das größte Problem. Aber mit Ihrer Kreuzberg-Selbstbeweihräucherung schießen Sie m.E. etwas übers Ziel hinaus, und an einigen Stellen betreiben Sie eine “Kulturalisierung” eines sozialökonomisches Problems. Ganz und gar ärgerlich wird es, wo Sie sich abfällig über Außenbezirke wie “Mahrzahn” (sic!) äußern, wo angeblich prügelnde Nazis an den Schulen herumhängen. Sorry, dahinter verbirgt sich so ein kultureller Dünkel… genausogut könnte ich sagen, ich würde meine (hypothetischen) Kinder nie in Kreuzberg zur Schule schicken wollen wegen der prügelnden Türkengangs… Im übrigen sind Sie vermutlich noch nie in Marzahn gewesen, Sie wären überrascht, wie viel Russisch Sie dort auf den Straßen hören… oder aber vielleicht ist genau das ja Ihr Problem dort?
Abgesehen davon ist es aber natürlich richtig: Jeder soll in seinem Kiez wohnen bleiben können, wo er sein gewohntes Umfeld und seine Nahbeziehungen hat – und einer Politik, die diesen Anspruch negiert oder geringschätzt, gehört orgentlich Dampf von unten gemacht…
hallo nochmal kurz
@ Glis glis – die kritik mit der kulturalisierung geht an der perspektive der migration latent vorbei. diese geschichte – und die erfahrung mit rassismus ist vielen (nicht allen) anwohnern hier gemein. das abfällige äussern über randbezirke ist sicher problematisch (…) ich kann von mir seber sagen das ich bewusst nach kreuzberg gezogen bin weil ich hier keinen dummen blicken täglich ausgesetzt bin. bin selber 3 x von deutschtümelnden menschen zusammengeschlagen worden – nicht in marzahn. einer nachbarsfamilie wurde in marzahn der imbiss abgefackelt, andere familien die in andere randbezierke gezogen sind berichten von verbreiteten starken alltagsrassismus. das ist leider so. nicht immer – aber die debatte um die no-go aereas ist vielen hier noch in erinnerung…
aber es geht hier auch nicht darum eine perspektive gegen eine andere zu stellen und zu behaupten es ist so – oder so. ich bin davon überzeugt das marzahn nicht so schlimm ist wie in meiner vorstellung. aber meine vorstellung und die anderer die bewusst in kreuzberg wohnen hat eine geschichte. dennoch: die kritik ist bereichtig wo wir die randbezirke allgemein und pauschaul abwerten. danke für die kritik – und den schönen abschliessenden satz in deinen zeilen ; )
@ Glis glis (16. Oktober 2012 ⁓ 17:11)
“… Ganz und gar ärgerlich wird es, wo Sie sich abfällig über Außenbezirke wie ‘Mahrzahn’ (sic!) äußern, wo angeblich prügelnde Nazis an den Schulen herumhängen…”
können Sie die textstelle/quelle, die Ihrem kommentar anlaß zu dieser äußerung gab, nennen?
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