Buschkowsky erklärt sich und seine Wirklichkeit

Ein durchaus erhellendes Interview mit vielen Aspekten zum Thema Neukölln, wie es hier vor Ort und darüber hinaus überall ist, hat der Tagesspiegel mit Heinz Buschkowsky geführt. Darin bezieht der bekannte Bezirksbürgermeister gewohnt klar Stellung. Zunächst zu sich und zu seiner Sichtweise:

Wer behauptet, dass Parallelgesellschaften, asymmetrische Entwicklungen, Gewaltbereitschaft, Nicht-Anpassen-Wollen und „das eigene Ding“ machen, Vielehen und eigene Rechtsfindung nur in Neukölln zu finden sind, der verkennt die Realitäten. Die Kehrseite der gelungenen Integrationskarrieren sind die Einwandererschichten, die sich der deutschen Gesellschaft und ihren Regeln entziehen. Sie gibt es von Kiel-Gaarden bis München-Hasenbergl. Wenn wir weiter tatenlos zusehen, werden Stadtviertel wie in London oder am Rande von Paris die Folge sein.

Außerdem zu seiner bescheidenen politischen Handlungsfähigkeit:

Ein Bezirksbürgermeister bestimmt noch nicht einmal die Größe von Schulklassen oder Kita-Gruppen, kann keine Lehrer einstellen oder Ganztagsschulen gründen. Wenn ich das alles könnte, würde Neukölln anders aussehen.

Darüber hinaus gibt er noch eigentümlich Sätze zum Besten:

Die Wirklichkeit kann nicht rassistisch sein.

Letzteres verstehe ich nicht so ganz, das heißt, eigentlich überhaupt nicht. Es scheint mir ein völlig absurder Satz zu sein. Auch aus dem Zusammenhang kann ich mir den Konstrukt nur notdürftig zusammenflicken.

Aber egal, die eigentliche Frage ist doch: Von welcher Wirklichkeit redet der Mann? Von seiner eigenen offensichtlich. Der ich noch nicht einmal die faktische Richtigkeit absprechen mag. Es gibt diese Problemschwerpunkte in Neukölln, wie auch anderswo. Und das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, ganz im Gegenteil. Das gehört auf den Tisch.

Aber meine Wirlichkeit, und die der meisten Neuköllner vermutlich ebenfalls, ist das nicht. Und das sollte, bei aller politischen Agitation, nicht vergessen werden. Hier leben Menschen, viele Menschen, gut und sehr gerne. So ist das.

9 Kommentare
  1. Pipop 15. Oktober 2012 ⁓ 17:48

    Das ein Bürgermeister und ein “normaler” Einwohner des jeweiligen Bezirks unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen haben, liegt auf der Hand, ist aber nicht Gegenstand des Textes im Tagesspiegel. Vielleicht lesen Sie den Artikel richtig, denken nach und schreiben dann. Mir kommt es so vor als ob sie erst schreiben und dabei auch nicht mehr nachdenken. Insgesamt ein blödsinniger Kommentar, von dem ich nicht weiß, was er den Lesern eigentlich mitteilen will?

  2. 1704 15. Oktober 2012 ⁓ 21:20

    @ Pipop (15. Oktober 2012 ⁓ 17:48)

    Sie schreiben: “Das ein Bürgermeister und ein “normaler” Einwohner des jeweiligen Bezirks unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen haben, liegt auf der Hand, ist aber nicht Gegenstand des Textes im Tagesspiegel…”

    gegenstand des textes im Tagesspiegel ist ein interview, und, merkwürdig, schon zu beginn des interviews findet sich das hier:

    “Ich habe in meinem Buch die Wirklichkeit beschrieben, wie sie jeder selbst sehen und erleben kann.”

    wenn jeder die im buch beschriebene wirklichkeit selbst sehen und erleben kann, ist die perspektive eines bezirksbürgermeister bzw. dessen perspektive hier gar nicht so relevant! es kommt ja nicht auf die unterschiede an, sondern auf das gemeinsame, also das, was ein “‘normaler’ Einwohner des jeweiligen Bezirks” als auch der bezirksbürgermeister des jeweiligen bezirks sehen und erleben kann. von daher ist die frage von @Susanne HSB (“Von welcher Wirklichkeit redet der Mann?”) völlig berechtigt!

    also, @Pipop, lassen Sie es sich so gesagt sein: “Vielleicht lesen Sie den Artikel richtig, denken nach und schreiben dann.”

    @ Susanne (HSB)

    “‘Die Wirklichkeit kann nicht rassistisch sein.’ Letzteres verstehe ich nicht so ganz, das heißt, eigentlich überhaupt nicht…”

    ist ganz einfach: Buschkowsky beschreibt, seiner meinung nach, wirklichkeit, wirklichkeit, so wie sie ist, von daher kann der vorwurf, er sei rassistisch, nicht zutreffend sein, meint er, weil er ja nur eine beschreibung dessen liefert, was und wie es ist. es ist einer der großen irrtümer von Heinz Buschkowsky, daß er meint, er beschreibe ja nur – nein, macht er eben nicht, er interpretiert auch, und in seinen interpretationen ist er dann auch angreifbar!

    er beschreibt ja auch keineswegs nur, er konstruiert auch, z.b.

    “… Meine Erfahrung ist: Niemand will beliebig sein. Jeder will wissen, wo er herkommt, wo seine Wurzeln sind und wo er hingehört. Oder klarer formuliert: Niemand will multikulturell sein. Das hat nichts damit zu tun, dass er seine Nachbarn oder seine Arbeitskollegen nicht schätzt. ‘Multikulturell’ heißt im Grunde genommen nichts anderes als ‘austauschbar’. Das stellt das Individuum und seine unverletzliche Würde in Frage. Zweifelsohne eine Anlehnung an die ‘-ismus’-Lehren, die alle nur das Kollektiv und die Unterwerfung des Einzelnen unter einen Willen kennen…” (Heinz Buschkowsky, Die Migration im Grundsatz, in: Neukölln ist überall, 2012)

    tja, wenden wir uns z.b. der parallelwelt “Arbeitsleben” zu. eine der grundlegendsten erfahrungen, die man dort machen kann, ist die erfahrung, daß man ‘austauschbar’ ist – wir müssen also hinsichtlich der deutschen arbeitswelt davon ausgehen, folgen wir Buschkowsky, daß diese arbeitswelt ‘multikulturell’ ist, also “zweifelsohne eine Anlehnung an die ‘-ismus’-Lehren, die alle nur das Kollektiv und die Unterwerfung des Einzelnen unter einen Willen kennen…”

    ein salto mentale, nur merkt Heinz Buschkowsky davon nichts!

    er widerspricht sich auch, ohne mit der wimper zu zucken:

    “… Es gibt keinen Bezirk, in dem so viele erfolgreiche Integrationsprojekte entwickelt wurden wie in Neukölln. Deswegen wurden wir auch in den europaweiten Kreis der Intercultural Cities berufen. Das geht von Stadtteilmüttern über Schulstationen und Sprachzentren bis zum Campus Rütli, Berlins erstem Ganztagsgymnasium, den meisten migrantischen Auszubildenden aller Bezirke, ein geschlossenes Integrationskonzept und ein Leitbild. Da können viele mit der großen Klappe sich etwas abschauen.” (Der Tagesspiegel, Neuköllns Bürgermeister im Gespräch Buschkowsky: “Ich habe die Wirklichkeit beschrieben”, 15.10.2012)

    ich denke, Buschkowsky hat eine “große Klappe”, aber er will sich von sich nichts sagen lassen.

    auffallend am gesamten interview mit Heinz Buschkowsky: an keiner stelle hat er wiederholt, was er in seinem vorwort des buches so tapfer formulierte: “… müsste eigentlich auf jeder der folgenden Seiten oben und unten in Fettdruck der Hinweis stehen, dass die beschriebenen Sachverhalte niemals alle Einwanderer, alle Muslime, alle Hartz-IV-Empfänger und alle Jugendlichen meinen, ja, meinen können…”

    er hat es wohl der einfachheit halber einfach weggelassen zu erwähnen…

  3. Marco 16. Oktober 2012 ⁓ 08:18

    @ 1704 15. Oktober 2012 ⁓ 21:20

    “…was ein “‘normaler’ Einwohner des jeweiligen Bezirks” als auch der bezirksbürgermeister des jeweiligen bezirks sehen und erleben kann.”

    Mal eine Frage, was ist denn ein normaler Einwohner?
    Versteh’ ich nicht. Bitte um Aufklärung, am Besten so, als ob ich 8 Jahre alt wäre, also ganz ganz einfach und kurz!, wenn es denn geht.

    Wie sie schon richtig geschrieben haben, normal in Anführungszeichen.
    Meine Theorie, die jeden Tag in meinen Augen bestätigt wird, es gibt nicht einen “normalen” Einwohner in Berlin, jedenfalls ist mir noch keiner aufgefallen, jeder hat irgendeine Panne, sei es am Kopp, im Kopp, oder sonstwo am Körper.

    “tja, wenden wir uns z.b. der parallelwelt “Arbeitsleben” zu. eine der grundlegendsten erfahrungen, die man dort machen kann, ist die erfahrung, daß man ‘austauschbar’ ist – wir müssen also hinsichtlich der deutschen arbeitswelt davon ausgehen, folgen wir Buschkowsky, daß diese arbeitswelt ‘multikulturell’ ist, also “zweifelsohne eine Anlehnung an die ‘-ismus’-Lehren, die alle nur das Kollektiv und die Unterwerfung des Einzelnen unter einen Willen kennen…”

    ein salto mentale, nur merkt Heinz Buschkowsky davon nichts!”

    Nun ja, nur ein kleiner Hinweis, das Arbeitsleben mit Menschen zu vergleichen, halte ich nicht für angemessen, zumal sie widerum den Fehler begehen außer acht zu lassen, daß es viele Menschen verschiedenster Herkunft hier in Berlin (also auch in Neukölln) gibt, die gar kein Arbeitsleben haben, sprich seit Jahren, oder gar Jahrzehnten arbeitslos sind;Gründe lasse ich mal außen vor.
    Insofern hinkt ihr “Vergleich”, so es denn ein “Vergleich” war, ich will ihnen ja nicht zu nah treten, nicht daß sie mir noch erklären wollen, oder sich gar genötigt sehen, mir erklären zu wollen, was ein Vergleich überhaupt ist.

    “er hat es wohl der einfachheit halber einfach weggelassen zu erwähnen…”

    Unterschätzen sie mal nicht die tollen, immer top informierten, und vor allen Dingen, absolut neutralen und ausgewogenen deutschen Journalisten, die schon morgens die Weisheit sich kiloweise reinknallen.
    Bsp. gefällig? Zwar anderes Thema, ganz anderes, aber verdeutlicht so einiges…
    Vor wenigen Jahren, als die Milchpreise stark anzogen… was war passiert, der “böse” superhungrige, nach Kuhmilch nur so lechzende Chinese war (natürlich) Schuld, jedenfalls wurde das durch die Medien verbreitet, obwohl eigentlich sich auch bei deutschen Journalisten schon rumgesprochen haben sollte, daß ca. 90% der Chinesen eine Laktoseintoleranz haben, also gar keine Kuhmilch vertragen.
    Ein anderer Aspekt, der ebenfalls immer wieder stark vernachlässigt wird, scheinbar auch von ihnen, es gibt kaum noch wirklich freie Journalisten. Fast alle sind mehr oder minder unfrei, abhängig von dem für den sie schreiben, und selbst sogn. “freie” Journalisten sind nicht wirklich “frei”, wenn dem Chefredakteur Kritik oder ein Unterton nicht passt, weil vielleicht damit ein großer Anzeigenkunde tangiert wird… es gibt noch hunderte “freie” Journalisten die Texte schreiben können, die (dann) dem Chefredakteur gefallen.

  4. 1704 16. Oktober 2012 ⁓ 10:49

    @ Marco (16. Oktober 2012 ⁓ 08:18)

    ich habe den begriff des ‘”normalen” menschen’ lediglich aufgegriffen – zur näheren inhaltlichen bestimmung wenden Sie sich vertrauensvoll an @Pipop.

    ich habe dazu natürlich auch eine konkrete vorstellung, und die geht tatsächlich genau in die richtung, die Sie andeuten: “jeder hat irgendeine Panne”, aber das spielt hier in diesem zusammenhang wohl nur eine untergeordnete rolle – Sie können wahrcheinlich @Popop auch dann richtig verstehen, wenn Sie einfach von der vorstellung ausgehen, daß die erfahrungswelt eines bezirksbürgermeisters, unfallsanitäters, polizisten, verwaltungsangestellten usw. berufsspezifisch geprägt ist, während bei anderen genau diese spezifität nicht wirksam ist/auftritt…

    ich habe keineswegs “das Arbeitsleben mit Menschen” verglichen. ich habe mich mit einer passage aus Heinz Buschkowsky buch beschäftigt, in der er die behauptung aufstellt “‘Multikulturell’ heißt im Grunde genommen nichts anderes als ‘austauschbar’” – und ich habe diesen begriff der austauschbarkeit aufgegriffen und im sinne der ausführung von Buschkowsky auf die “parallelwelt “Arbeitsleben”” übertragen. wenn Sie also kritik/einwände/zustimmung/ergänzungen/etc. formulieren, dann sollten Sie die am begriff der “austauschbarkeit” ausrichten, nicht an einem vergleich, der gar nicht angestellt worden ist. nebenbei: arbeitslose sind auch austauschbar – ebenso menschen mit verschiedenster herkunft –

    “er hat es wohl der einfachheit halber einfach weggelassen zu erwähnen…” war ironisch gemeint, will sagen: Buschkowsky macht im interview genau den ‘fehler’, den er in seinem buch vorab zu vermeiden sucht – d.h. leser, die Heinz Buschkowskys buch nicht kennen, insbesondere das vorwort nicht, können das interview nicht in dem von Heinz Buschkowsky eingeschränkten sinne verstehen, sondern nehmen die ausführungen als allgemein gültig gemeint. und das interview macht auch nicht deutlich, daß Heinz Buschkowsky sich seines eigenen vorworts bewußt war, als ihm die sätze von der zunge perlten. Buschkowsky “generalisiert, dramatisiert und kulturalisiert” * bewußt, weil er wahrscheinlich meint, dies sei der ‘sache’ förderlich, aber er schafft damit “Unfrieden” und “spaltet die Gesellschaft”, wobei es mehr als fraglich ist, ob er mit dieser “alarmistischen” art (wie er es selbst in seinem buch nennt) des umgangs mit den problemen tatsächlich dazu beiträgt, daß lösungen für die bestehenden speziellen probleme gefunden werden (können).

    ———-

    * begriffe, die Gari Pavkovic benutzte, in: Der Tagesspiegel, Interview – “Das Problem von Neukölln sind nicht die, die dort wohnen, sondern die die wegziehen”, 15.10.2012, http://www.tagesspiegel.de/politik/interview-das-problem-von-neukoelln-sind-nicht-die-die-dort-wohnen-sondern-die-die-wegziehen/7256966.html

  5. Aussteiger 16. Oktober 2012 ⁓ 18:58

    Im Tagesspiegel ist ein, meiner Meinung nach, guter Gastkommentar zum Thema, Buschkowskys Buch.
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-wir-brauchen-mehr-buschkowskys/7262304.html

  6. Marco 17. Oktober 2012 ⁓ 08:26

    @1704 16. Oktober 2012 ⁓ 10:49

    “d.h. leser, die Heinz Buschkowskys buch nicht kennen, insbesondere das vorwort nicht, können das interview nicht in dem von Heinz Buschkowsky eingeschränkten sinne verstehen, sondern nehmen die ausführungen als allgemein gültig gemeint.”

    Ich verstehe was sie meinen, allerdings unterschätzen sie da mit Sicherheit einige Menschen. Ich wäre immer vorsichtig zu sagen, was andere nicht können oder doch können;einer meiner ehm. Mathelehrer sah aus wie der letzte Penner, kleidungstechnisch, und nebenbei verströmte er noch einen etwas säuerlichen Körpergeruch, aber fachlich war er top.

    ““er hat es wohl der einfachheit halber einfach weggelassen zu erwähnen…” war ironisch gemeint”

    Aha, war excellent versteckt.

    “aber er schafft damit “Unfrieden” und “spaltet die Gesellschaft”

    Achso, tut er das..
    Bei mir spaltet sich da nichts, und Unfrieden löst er auch nicht bei mir aus. Da gibt es einen alten Volksspruch, “getroffene Hunde bellen”. Die Frage ist doch, wo und bei wem spaltet er und wo und bei wem entsteht durch ihn Unfrieden. Und was ich so gehört habe, bekommt Buschkowsky auch von Moslems Zustimmung und Zuspruch, sicherlich nicht von allen, aber doch von einigen, und genau da sollte man nachhaken, warum von den einen und nicht von den anderen. Das könnte sehr interessant werden, allerdings habe ich die Vermutung, wo ich wieder bei den phantastischen deutschen Journalisten bin (in der “Titanic” gab es vor Jahren mal einen Artikel, “deutsche Journalisten sind die Besten”, da blieb einem fast das Lachen im Hals stecken) daß das die deutschen Journalisen nicht wirklich interessiert, da ist es viel sexier auf Buschkowsky draufzuhauen.

    “spaltet die Gesellschaft”

    Ist sie doch schon längst, doch viele (Weltverbesserer/Besserwisser usw.) wollen/können das nicht akzeptieren, denn das würde ja womöglich bedeuten, daß man zugeben müßte, daß Integration zu einem gewissem Grad gescheitert ist bzw. nicht satttgefunden hat.

    “wobei es mehr als fraglich ist, ob er mit dieser “alarmistischen” art (wie er es selbst in seinem buch nennt) des umgangs mit den problemen tatsächlich dazu beiträgt, daß lösungen für die bestehenden speziellen probleme gefunden werden (können).”

    Was mir immer wieder auffällt, bei bestimmten Thematiken soll/muß der Kritiker auch gleich mit DER! Lösung daherkommen, was ich für absoluten Schwachsinn halte. Unsere tollen Journalisten die so gern draufhauen, haben komischerweise nichts in petto, von anderen supertollen Po-litikern ganz zu schweigen.
    Haben sie denn Lösungsansätze?
    Die Idee von dem einen Neuköllner Friedensrichter hat was, wobei, einigen bestimmt zu radikal, zumal die Gefahr besteht, daß Beifall von der falschen Seite kommen könnte, was man ja auf gar keinen Fall will, also wird weiter nur der Zeigefinger erhoben, und “Du Du Du” gesagt, im übertragenen Sinne.

    Man könnte alles auch auf einen Satz eindampfen, alles in fast jeder Lebenssituation, und ich habe die Befürchtung, daß wird auch weiterhin so bleiben.
    “Die Schei*e bleibt immer dieselbe, nur die Fliegen ändern sich.”

  7. 1704 17. Oktober 2012 ⁓ 11:49

    @ Marco (17. Oktober 2012 ⁓ 08:26)

    “allerdings unterschätzen sie da mit Sicherheit einige Menschen” – warum folgen Sie da nicht Ihren eigenen einsichten: “Ich wäre immer vorsichtig zu sagen, was andere nicht können oder doch können” ?

    “Bei mir spaltet sich da nichts” – wenn Sie das so sagen! hoffentlich in einklang mit der überzeugung “jeder hat irgendeine Panne”. abgesehen davon können Sie ja auch schon ein produkt der spaltung sein, ohne es als solches oder als solche zu erkennen…

    “… Und was ich so gehört habe, bekommt Buschkowsky auch von Moslems Zustimmung und Zuspruch, sicherlich nicht von allen, aber doch von einigen…”

    1. ja und? moslem ist doch nicht gleich moslem – Sie haben doch auch die eine oder andere meinung zu etwas, die von der meinung der anderen Deutschen abweicht. beanspruchen Sie deshalb, recht zu haben? oder ist “Zustimmung und Zuspruch” Ihnen ein ausreichender beleg dafür, daß Sie mit Ihrer ansicht/meinung richtig liegen?

    2. von hörensagen halte ich meistens nicht sonderlich viel.

    3. “Zustimmung und Zuspruch” zu Buschkowsky finden Sie z.b. in dem ‘Gastkommentar’, auf den @Aussteiger in @Aussteiger, 16. Oktober 2012 ⁓ 18:58, verlinkt hat. man muß sich dabei aber auch ansehen, wer denn da “Zustimmung und Zuspruch” formuliert. beispiel: “Sie ['Frauen, die unters Kopftuch gezwungen werden'] erzählen von einem Leben in tief religiösen Familien, das für uns kaum vorstellbar ist. Kopftuchzwang ab der Grundschule. Verbot von nichtreligiöser Musik. Verbot, die deutsche Freundin zu besuchen, wenn männliche Verwandte im Haus sind. Das sind alles noch die eher harmlosen Phänomene…” Buschkowsky wiederum spricht gar nicht von “tief religiösen Familien”, und der gastkommentator spricht dabei nicht von allen moslems! weshalb bekommt also Buschkowsky “Zustimmung und Zuspruch”? das wird in dem gastkommentar auch erklärt: “In unserem Verein herrscht ungläubiges Entsetzen über die Rassismusvorwürfe gegen Buschkowsky. Diese Art der Debattenkultur erschwert unsere Arbeit und verhindert, dass Opfern von Gewalt und Unterdrückung geholfen wird.” der verein übersieht dabei, daß die integrationsdebatte sowieso darunter leidet, daß nicht ausreichend differenziert wird und daß Buschkowsky entsprechend dieser mangelnden differenzierung agiert und rezipiert wird. der gastkommentator hat recht, wenn er fordert: “Wir als Gesellschaft brauchen eine andere, offenere Form des Umgangs mit Integrationsproblemen.” aber er begründet diese forderung falsch: “Unser Augenmerk liegt leider viel zu wenig auf dem ‘Rassismus der Antirassisten’, wie Pascal Bruckner es nennt, wenn Gutmeinende den Ethnozentrismus und die Abschottungstendenzen einer Minderheit verherrlichen.” der fehler begründet sich aus der eingeschränkten, zweckgerichteten perspektive des vereins, der sich ja nicht um alle migranten kümmern will, sondern um eine ganz spezielle gruppe von diesen. allerdings halte ich es für kontraproduktiv, wenn man nach der methode ‘du bist doof, nein du bist doof’ argumentiert, Pascal Bruckner kann auch mißbräuchlich benutzt werden!

    der im gastkommentar angesprochene Pascal Bruckner ist Franzose und schreibt über französische befindlichkeiten/situationen/konflikte/zustände/etc., man sollte ihn nicht einfach 1 zu 1 auf deutsche befindlichkeiten/situationen/konflikte/zustände/etc. übertragen. dieser Pascal Bruckner schreibt z.B. auch: “Darum ist das Engagement für einen aufgeklärten europäischen Islam von entscheidender Bedeutung: Europa kann ein leuchtendes Beispiel für eine Reform dieses Monotheismus werden, von dem man sich erhofft, dass er eines Tages für die Selbstkritik und die Gewissensprüfung gewonnen werden kann, so wie es das Zweite Vatikanische Konzil im Fall der Katholiken bewirkt hat. Allerdings sollte man sich nicht im Gesprächspartner irren und jene Fundamentalisten als Freunde der Toleranz hinstellen, die nicht mit offenen Karten spielen und sich der Linken und der Intelligentsia bedienen, um ihre Konfession vor der Bewährungsprobe des Laizismus zu bewahren” (Perlentaucher.de, Essay – Fundamentalismus der Aufklärung oder Rassismus der Antirassisten?, 24.01.2007, http://www.perlentaucher.de/essay/fundamentalismus-der-aufklaerung-oder-rassismus-der-antirassisten.html#a15) und wenn man sich näher mit Pascal Bruckner beschäftigt, dann ahnt man vielleicht, daß er mit den “Rassisten unter den Antirassisten” ganz andere meint als es Thomas Baader in seinem gastkommentar im Tagesspiegel zu suggerieren sucht! so gesehen ist es schon ein starkes stück, daß Thomas Baader letztlich Buschkowsky-kritikern pauschal rassismus vorwirft!

    andererseits setzt sich Baader mit diesen Buschkowsky-kritikern inhaltlich gar nicht auseinander – was wiederum typisch ist für diese art der Buschkowsky-verteidigung! macht also selbst genau das, was er an anderen kritisiert. so wird das nichts mit einer ‘anderen, offeneren Form des Umgangs mit Integrationsproblemen’… es trägt lediglich zu einer spaltung der gesellschaft bei. auf der einen seite die, die es vermeintlich besser wissen, auf der anderen seite jene, die es eben anders sehen. und dazwischen stehen dann die migranten, die sich insgesamt als ‘problem’ begreifen dürfen…

    “Da gibt es einen alten Volksspruch, ‘getroffene Hunde bellen’.”

    was macht Sie jetzt so sicher, nicht zu den hunden zu gehören?

    “Was mir immer wieder auffällt, bei bestimmten Thematiken soll/muß der Kritiker auch gleich mit DER! Lösung daherkommen”

    kann schon sein, daß Sie diesen eindruck für sich gewonnen haben, aber ich erwarte von kritikern nicht sogleich eine lösung. ich erwarte nur, daß jemand das, was er kritisiert, auch inhaltlich begriffen hat und in der lage ist, ausreichend differenziert zu beschreiben – und damit haben schon einmal sehr viele ein ganz großes problem, auch ein heinz Buschkowsky, wünschenswert ist dann noch, daß jemand der kritisiert oder kritisiert wird, die bereitschaft und fähigkeit besitzt, einen dialog nicht nur führen zu können, sondern auch zu wollen, auch in dem sinne, daß er sich inhaltlich auf die argumente der anderen einläßt, nicht, wie Heinz Buschkowsky es macht, schon im vorhinein als angegriffener stilisisiert, der doch nur die ‘wahrheit’ sagt. an dieser bereitschaft und fähigkeit zum dialog scheitert dann schon so manches, wenn sie fehlt. mir drängt sich oft der eindruck auf, daß diese gesellschaft immer diskursunfähiger wird oder zu einem status der diskursunfähigkeit zurückkehrt, wie er z.B. in den 1960er jahren massiv bestanden hat, weshalb dann auch viele probleme nicht wirklich geklärt werden können, sondern nur als polarisationspunkte dienen, um partikulare interessen durchzusetzen. insgesamt führt das zu einem konfrontativem miteinander. überwältigungsstrategien werden (wieder) wichtiger als etwa konsensfähige überzeugungsstrukturen.

    ich persönlich halte nichts von “eingedampften sätzen”, weil sie nichts mehr erklären können und meistens nur dazu dienen, das eigene achselzucken zu legitimieren.

    ach ja, eine frage hätte ich dann noch: haben Sie das buch von Heinz Buschkowsky gelesen?

  8. Mo 17. Oktober 2012 ⁓ 13:08

    Das der Massenmörder Breivik im Zusammenhang mit der Diskussion um Herrn Buschkowsky’s Buch genannt wird, ist absurd!

    Aber so ist das eben: Wer nicht sachlich und kühl argumentieren kann, der kramt eben “altbekannte Mittel” heraus.

  9. nena 21. Oktober 2012 ⁓ 19:39

    “Die Wirklichkeit kann nicht rassistisch sein.”

    “Aber meine Wirlichkeit, und die der meisten Neuköllner vermutlich ebenfalls, ist das nicht. ”

    Wieso, ist ihre Wirklichkeit rassistisch?

    Nur zur Erklärung, er meint damit, dass die Beschreibung der Wirklichkeit an sich keine rassistische Handlung sein kann. Es gibt sehr wohl eine Wirklichkeit die rassistisch ist, aber selbst wenn man diese beschreibt, ist dies dann kein Rassismus.