Kiezreporter – frische journalistische Billigkräfte für Berlin?

Da habe ich vorgestern erst die Berliner Zeitung als eine der lesbarsten Zeitungen Berlins gelobt, besonders was den Lokalteil angeht. Und das will ich auch nicht wirklich zurücknehmen, nein. Nicht, was die Qualität der Artikel, Meldungen und Meinungen betrifft, zumindest so im Großen und Ganzen betrachtet. Kleinere Missgriffe oder auch Totalausfälle gibt es zwar auch, aber naja, Schwamm drüber.

Aber als ich soeben auf diese Meldung bei ver.di stieß, war ich dann doch schwer geplättet. Hier ein paar Auszüge:

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di befürchtet eine Kündigungswelle beim Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, Abendblatt). Nach Informationen, die der dju vorliegen, sollen 50 Arbeitsplätze wegfallen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd hat eine Sprecherin des Kölner Zeitungshauses M. DuMont Schauberg, zu dem der Berliner Verlag über die BV Deutsche Zeitungsholding gehört, eingeräumt, dass Einsparmaßnahmen geplant seien.

„Mit einem fantasielosen Handstreich, der seinesgleichen sucht, soll ein Zehntel der Belegschaft vor die Tür gesetzt werden. Dabei ist der  Arbeitsdruck in Verlagen und Redaktionen schon jetzt an der Grenze  des Erträglichen“, sagt dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß.

„Billigkräfte sollen als ,Kiezreporter’ eingesetzt werden. Damit versucht DuMont Schauberg aber nur zu kaschieren, dass letztendlich am Standort Berlin mit deutlich weniger Personal produziert werden soll. Gute Bedingungen für guten Journalismus sind das nicht“, betont die dju-Bundesgeschäftsführerin. Beim Boulevardblatt „Berliner Kurier“ könnte jede siebte Stelle gestrichen und in der Redaktionsgemeinschaft der „Berliner Zeitung“ mit der „Frankfurter Rundschau“ 15 bis 20 Stellen abgebaut werden.

6 Kommentare
  1. Nordost 19. Oktober 2012 ⁓ 18:17

    Berliner Zeitung lesbar ? Gut Lokales mag noch gerade so gehen.
    Aber ansonsten purer Main-Stream Journalismus. Kein Wunder das die Leser in Scharen wegrennen. Ich will dieses Blatt nicht mal geschenkt. In der BRD gibts doch kaum freie ,unabhängige Presse.
    Aber mit den Kiezreportern eine” grandiose Idee”.

  2. Aussteiger 19. Oktober 2012 ⁓ 19:47

    Machen Journalisten, die teilweise die Weisheit gelöffelt haben, würde ein Jobwechsel ganz gut tun und vielleicht hätte das Ganze ja ein Gutes. Es könnte ja sein, das dann junge, motivierte, nichtstudierte Quereinsteiger die Jobs als Kietzreporter bekommen. So liesse sich ein Fuss in die Tür bekommen.
    Zur Berliner Zeitung möchte ich mich lieber nicht äussern.

  3. Susanne HSB 19. Oktober 2012 ⁓ 19:53

    Einen Fuß in die Tür mit einem 400€-Job? Ich bitte Sie, da lachen ja alle Hühner.

  4. sigurd 19. Oktober 2012 ⁓ 21:15

    Das geht schon seit über 30 Jahren, dass im Mediengewerbe Arbeitsplätze wegfallen. Seit Einführung des Fotosatzes viel der Bleisatz praktisch weg und der Buchdruck ist nur noch eine Randerscheinung. Journalisten schreiben ihre Artikel gleich am PC, somit fällt der Satzbereich fast gänzlich weg.

    Der Zeitungsmarkt ist nach wie vor begehrt und durch das Internet hat sich die Berichterstattung wesentlich geändert. Vergleiche zwischen den Printausgaben und der Darstellung im Internet zeigen, dass im Internet Artikel meist viel reißerischer gebracht werden. Sie z. B. Tagesspiegel.

    Die Berliner Zeitung hatte ich vor ca. 10 Jahren im Abo und konnte mich mit ihr nie anfreunden. Es war ohnehin ein Abo unter einigen. Nach einem Jahr habe ich sie wieder abbestellt. Heute lese ich ab und an die Internetausgabe und stelle fest, dass Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau sich in der Internetpräsenz nicht viel unterscheiden, außer der Lokalteil selbstverständlich.

    @Aussteiger, aus ihrem Kommentar schließe ich, dass Sie sich mit dem grafischen Gewerbe nicht so recht auskennen. Allerdings, das muss ich zugeben, könnte man bei manchen Journalisten auf den Gedanken kommen, dass es Quereinsteiger sind.

  5. Helen 19. Oktober 2012 ⁓ 21:28

    Wir lesen die “Berliner Zeitung” schon lange, bestimmt seit 20 Jahren. Bis jetzt schien sie uns sehr seriös zu sein. Stellen werden überall gestrichen. Von den Boulevard’s halte ich eh nicht viel.

  6. Exla M 24. Oktober 2012 ⁓ 17:36

    Ich lese nur http://www.isitajoke.de, fur alternativische Nachrichten über Berlin und die Berliner.