Flüchtlinge protestieren und frieren am Pariser Platz

Im September machten sich Flüchtlinge und Asylanten von Würzburg aus zu Fuß auf den Marsch nach Berlin, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und eine menschenwürdige Behandlung einzuklagen. Gefordert werden u. a. ein legaler Aufenthalt, einen legalen Zugang zum Arbeitsmarkt und die Abschaffung der Sammelunterkünfte sowie der Residenzpflicht für Asylbewerber. Dem wäre noch einiges hinzuzufügen, etwa die bestehende Abschiebepraxis.

Inzwischen kampieren sie auf dem Parier Platz und frieren und hungern für ihr Anliegen. Was in den Sozialen Netzwerken seit Tagen, wenn nicht seit Wochen ein Thema ist, erreicht nun auch – endlich – die Printmedien. Gestern berichtete die Berliner Zeitung:

Trotz eisiger Temperaturen protestieren Flüchtlinge weiter Tag und Nacht vor dem Brandenburger Tor gegen die deutsche Asylpolitik. Wärmende Decken, Isomatten, Wärmflaschen und Regenschirme mussten die etwa 14 Demonstranten jedoch auch in der Nacht zu Sonntag wieder abgeben. Polizisten beschlagnahmten die wärmenden und schützenden Utensilien. Ans Aufgeben denken die Demonstranten, die am Mittwoch in einen Hungerstreik getreten waren, nicht. „Wir bleiben, bis die Politiker unsere Situation verbessern“, sagte ein Sprecher der Gruppe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Heute steigt aus Spon ein und vergisst dabei auch „das Netz“ nicht:

Im Netz wird die Aktion – und vor allem die Reaktion der deutschen Behörden darauf – kontrovers diskutiert. Besondere Empörung herrscht darüber, dass die Demonstranten keine Isomatten, Decken und Schlafsäcke benutzen dürfen. Auch mehrere prominente Mitglieder der Piratenpartei beklagen sich per Twitter darüber. So twittert etwa Anke Domscheit: “kann ein polizist eigentl nachts schlafen, nachdem er hungernden, frierenden flüchtlingen decken u isomatten weggenommen hat?” Die Piratin Marina Weißband ruft zur Hilfe für die Frierenden auf: “Könntet ihr euch etwas Honig, Jacken und Decken unter den Arm klemmen und am Pariser Platz vorbei schauen?” Die Bloggerin Julia Probst, auch Piraten-Mitglied, schrieb: “WAS lese ich DA? Den frierenden Flüchtlingen beim #refugeecamp nimmt man die Decken + Schlafsäcken weg? Bitte sagt, dass das nicht stimmt.”

Und ich frage mich nun: Darf man in Berlin wirklich nicht campen? Also, aus welchem Grund auch immer, denkbar wäre ja auch der Verlust der Wohng oder ähnliches. Oder ist das nur an touristisch relevanten Plätzen unerwünscht?

Nachtrag: Mehr und direktere Info über berlin und andere Städte gibt es übrigen auf refugeetentaction.net

9 Kommentare
  1. Sven 28. Oktober 2012 ⁓ 17:14

    Da ja Obdachlose auch Schlafsäcke und Co. haben, welche sie benutzen dürfen, ist das mit Sicherheit nur ein Mittel, um den Streik so kurz wie möglich zu halten. Ich hoffe natürlich, dass diese Strategie kein Erfolg hat.

  2. Marco 29. Oktober 2012 ⁓ 16:30

    Ich habe noch ein Kotlett im Kühlschrank.
    Ach ja, viele der Flüchtigen erfrieren ja lieber als Schweinefleisch zu essen – na dann hab ick mehr.

    Ganz ehrlich, wer was gegen die deutsche Asylpolitik hat, sollte anders wählen, oder kann ja den einen oder anderen Flüchtling bei sich zu hause aufnehmen, wahlweise auch einen Großeinkauf machen (Würstchen für alle) und auf dem Pariser Platz den Grill anschmeißen.
    Warum macht das nur kaum einer..

    Wenn man es sich mal so überlegt, schon ‘n Ding, da wird (halsüberkopf) geflüchtet, und dann wird im Zielland darüber rumgemosert, daß die Bedingungen so sind wie sie sind.
    So ähnlich wie wenn ich in die USA auswandere und dann dort alles schei*e finde und vlt. noch nicht mal die Sprache spreche.

  3. Susanne HSB 29. Oktober 2012 ⁓ 17:09

    @Marco
    Wie soll ich sagen, ohne unhöflich zu werden? Thema verfehlt, aber total.

  4. Helen 29. Oktober 2012 ⁓ 20:29

    In der AS wurde heute berichtet, daß der Kältebus wieder eingesetzt wird, und daß Obdachlose bei den Kirchen und Sozialen Einrichtungen für eine Nacht unterkommen können.
    Die Protestierer hatten ein Quartier, ein Dach über dem Koipf und kampieren jetzt vor dem Brandenburger Tor, um auf ihre “Lage” aufmerksasm zu machen. Vielleicht sollte man sie mal in so einer Obdachlosen-Unterkunft übernachten lassen.

  5. Susanne HSB 29. Oktober 2012 ⁓ 20:50

    @Helen
    Das Problem liegt ungefähr so: Aufgrund der Tatsache, dass es ein Grundgesetz und so etwas wie Menschenrechte gibt, zum Glück, kann man Menschen nicht einfach so irgendetwas x-beliebiges machen lassen. Oder sollte man zumindest nicht können. Deshalb dieser Marsch, das Camp, der Protest und der Hungerstreik.

  6. Mitleser 30. Oktober 2012 ⁓ 15:20

    Wer Geduld und Zeit hat, kann sich diesen Selbstversuch von Caroline Walter von KONTRASTE ansehen. Dabei ist dieses hier gezeigte Heim nicht das schlechteste von allen.
    http://www.rbb-online.de/doku/titel_mit_v_und_w/vier_wochen_asyl.html

  7. Werner 30. Oktober 2012 ⁓ 16:53

    Der Protest ist nach meinem Geschmack überflüssig bis anmaßend (Begründung siehe u.a. @Helen); auch der letzte Absatz von @Marco verfehlt keineswegs das Thema, auch wenn er hier als höchst politisch inkorrekt gesehen wird.

  8. sigurd 30. Oktober 2012 ⁓ 16:58

    Vielen Dank für den Link @Mitleser. Über die Sendung hatte ich in meinem Blog erst gestern geschrieben. Dass sie noch im Netz zu finden ist, hatte ich nicht geglaubt. Den Link werde ich auch verwenden.

  9. Marco 31. Oktober 2012 ⁓ 15:50

    @ Susanne HSB 29. Oktober 2012 ⁓ 17:09

    “Thema verfehlt, aber total.”

    Auf der einen Seite kann ich damit sehr sehr gut leben, auf der anderen Seite kommt es mir so vor, als würden sie befangen sein, da in ihrem Statement Gefühle scheinbar mitschwingen.
    Ihre (möglichen) Gefühle sind völlig verständlich sowie menschlich, jedoch m.M.n. völlig fehl am Platz. Es geht hier um Gesetze, die nunmal so sind wie sie sind, wer daran etwas ändern möchte, sollte bei der nächsten Wahl sehr genau überlegen wo er sein Kreuz macht, bzw. selbst politisch aktiv werden.
    Da wir aber ein Land von Stubenrvoluzzern sind, provokant ausgedrückt, wird sich wohl kaum etwas verändern.

    Wie finden sie das, der HSB-Blog ist total überflüssig, altbacken und nicht lesenswert, in einem Wort: schei*e. Wenn das so ist, warum schreibe ich dann hier etwas? Da beißt sich doch was, oder?

    Wenn sie das nicht verstehen, bitte, nicht mein Problem.
    Und mal janz saublöd nachgefragt, warum sind diese Flüchtlinge nicht im Frühjahr oder Sommer losmarschiert um auf dem Pariser Platz zu campen?
    Achso, hm, …ich ahne, die wußten alle wahrscheinlich nicht, daß wir in Deutschland neben dem Sommer auch einen Herbst und Winter haben. Na klar, so wird’s gewesen sein..

    Übrigens, haben sie nun, oder haben sie nicht, also haben sie den frierenden Flüchtlingen einen heißen Tee gebracht, oder heiße Würstchen, oder eine Unterschriftenaktion vor Ort gestartet.
    Nein? Dacht’ ich’s mir doch.
    Nettes Blog-Thema, kommt vlt. noch ein- zweimal in den Nachrichten, und dann wird die nächste Sau durch’s Dorf getrieben.

    Wie ich schonmal zum Besten gab, “die Schei*e bleibt immer dieselbe, nur die Fliegen ändern sich.”

    @ Werner 30. Oktober 2012 ⁓ 16:53

    “…auch wenn er hier als höchst politisch inkorrekt gesehen wird.”

    Politisch korrekt oder nicht, sowie geht mir X-Kilometer an meinem Gesäß vorbei. Viel interessanter finde ich zu sehen bzw. zu ergründen, wer da meint man sei so oder so …irgendeine Mutti die ihrem Kind vergiftetes billig Spielzeug aus China kauft, oder bei “Kick” T-Shirts kauft, die nachweislich aus Kinderarbeit stammen, zu hause vor ihrem LG Fernseher sitzen, und über die böse Globalisierung dahersabbeln, sich eine Coke reinziehen und auf die bösen Amis schimpfen.
    Höchst amüsant für mich. Soll nicht heißen, daß man nicht kritisieren darf oder soll, ganz im Gegenteil, nur gern am konkreten Beispiel und Ross und Reiter nennen.