Archiv für März 2013

Eiszapft is

Die Feuerwehr dein Freund und Helfer

Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr beim karfreitaglichen Einsatz in der Gefahrenabwehr – Foto: h|b

Nachdem es heute nacht mal wieder angefangen hat zu schneien, wurde die Feuerwehr aktiv, um die schon länger hängenden und durch das Tauen und Frieren immer weiter wachsenden Eiszapfen an den Häusern in der Torellstraße zu entfernen. Durch die Form der Dächer entwickeln sich hier jedes Jahr im Winter richtige Eisstalaktiten, die beim abbrechen sicher in der Lage wären, die Fußgänger auf dem Bürgersteig sofort in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Wie fragil das Ganze schon war zeigte sich daran, das Sekundenbruchteile nach diesem Foto, der ganze Eisblock in den Korb der Feuerwehrleute krachte. Aber besser so, als 20 Meter im freien Fall nach unten. Achja, wir werden in diesem Jahr das kälteste Ostern ever haben hier in Berlin und weiß soll es auch bleiben. Ist doch auch schön. Ist sicher die Rache des Wettergottes für die warmen Weihnachtstage.

Halbinsel Stralau

Fotos: Copyright Ute Schirmack, 2013.

Alle Jubeljahre gucke ich nach, wie es an Orten aussieht, an denen ich schon mal war, an die ich aber nicht so häufig komme. Die Halbinsel Stralau ist so einer. Eigentlich ganz nah von mir aus, aber irgendwie hinter der Bahn und dem Damm doch abgelegen. Dafür aber auch ein bisschen im Dornröschenschlaf, mindestens an einem eisigen, aber sonnigen Sonntagnachmittag. Ich wandelte auf der Südspitze herum, besser gesagt, versuchte ich mich per mentaler Beschwörung und Stollenprofilsohlen auf den Eisplatten auf den Wegen zu halten, aber, nun gut, ein bisschen Schwund ist immer dabei. weiterlesen »

Winter in Tempelhof

Winterfrische

Gedeckte Tische an der Fischerhütte am Schlachtensee
Heute Mittag an der Fischerhütte am Schlachtensee – Foto: h|b

Die Menge und das Meer aus kleinem Geld

Teilen. Gemeinsam. Paradigmen, die längst zu einem Mainstream angeschwollen sind. In unserer von prekären und gleichzeitig künstlerisch wertvollen Verhältnissen durchwobenen Stadt kann man das freigiebig Teilende und gemeinsam Erschaffende am eigenen Leib erleben, wenn man will. Gerade auch für die Netzbeheimateten – wie Sascha Lobo die netzaffinen Citoyen nennt – ist das ein systemimmanentes Verhalten. Teilen von und gemeinsames Erarbeiten von Inhalten. Nicht zuletzt ist dieses Blog, das Ergebnis einer Gruppe.

Es ist das eine, Bilder, Buchstaben und Beats kollaborativ zu schaffen und zu nutzen, und etwas anderes, Geld zu beschaffen. Aber Crowdfunding entspringt derselben Motivation. Und das Prinzip, wenn viele ein wenig geben, kann daraus etwas großes werden, erlebt derzeit einen ordentlichen Aufschwung. Und hier gilt wie überall: im Longtail ist für jeden was dabei, egal welches Thema mensch umschwärmen möchte. Theaterstücke, Kunstprojekte, Spende, Geschäftsideen und Produkte jeder Art.

Die Plattformen dafür sind auch im deutschsprachigen Raum inzwischen zahlreich. Auch regionale Plattformen entstehen. Für Berlin zum Beispiel Berlin Crowd. Geben und Nehmen. Für mein Invest bekomme ich im Erfolgsfall exklusiv das fertige Werk, ein Hauskonzert oder Anteile an einem StartUp.

In Sachen Musik ist Sellaband ein internationaler Platzhirsch. Hier kann man Musikern ein Konzert, eine Tournee oder eine Platte ermöglichen. Und weil wir derzeit alle etwas Wärmendes, Süßes und Farbiges gut gebrauchen können, steht der Song “Meer aus Farben” Berliner Band Berge nicht nur für eine erfolgreiche Kampagne mit der Masse, sondern auch für einen frühlingshaften Abschluss dieses Beitrags.

In Kamelien

Fotos: Copyright Ute Schirmack / 2013.

Das mag sich ja keiner da draußen mehr angucken. Weiß und nichts als Weiß, tauend tagsüber, schneiend abends und nichts vom Frühling zu spüren. Doch es gibt Hoffnung. Es gibt einen Ort in der Stadt, da ist es bunt, da blüht’s und man kann das – zugegeben malerische – Außen einfach ausblenden. Das Drinnen verheißt Farbe, wenn nicht überall auch Wärme und es tut sogar so, als würde es mordsmäßig duften.

Es ist Kamelienzeit im Botanischen Garten. Gehen Sie einfach ins Kamelien- und Azaleenhaus, da finden Sie das, was Sie vor der Winter … pardon … Frühlingsdepression bewahrt. Schöne Pflanzen, farbige Blüten, die einem ganz japanisch zumute werden lassen. Kamelien überall. Schöner frösteln als dort, das geht im Moment einfach nicht.

Tropisch warm wird’s gleich nebenan, im Großen Tropenhaus, bei Palmen und Riesenbambus. Und im Mittelmeerhaus  finden Sie auch alle Düfte, die bei den Kamelien fehlen – übrigens deshalb, weil Kamelien in Japan von Insekten bestäubt werden, die nicht gut riechen können. So habe ich’s gelesen, leider erinnere ich mich nicht mehr, wo, da draußen in den Weiten des Internets. Logisch klingt’s allemal – wer nicht mit feinen Gerüchen locken muss, der kann aufs Parfüm verzichten …

Die gute Zusatznachricht für den kleinen Stadtausflug: Da wir uns, unglaublich, aber wahr, kalendarisch bereits im März befinden, ist der Garten schon wieder bis 18 Uhr geöffnet, die Gewächshäuser schließen eine halbe Stunde vorher.

Eisige Zeiten

Schneefläche über Landebahn in Tempelhof

Eiszeit auf dem Tempelhofer Feld – Foto: h|b

Looking for Freedom

Ein Teil der Eastside Gallery in Berlin-Friedrichshain

Das Mauerloch in der Eastside Gallery gegen das heute erneut demonstriert wird – Foto: h|b

So, heute mal nicht so lange brunchen liebe Hipster, es gilt die Welt zu retten. Und das zusammen mit einer Ikone des schlechten Geschmacks, das passt doch super, oder? Und echt Retro ist es darüberhinaus auch noch. David Hasselhoff “The Hoff” kommt höchstpersönlich aus dem warmen LA in das winterliche Berlin um die Mauer an der Mühlenstraße zu retten. Keine Ahnung wer oder was ihn dazu getrieben hat, aber er glaubt ja auch ’89 mit seinem “Looking for Freedom” zum Sturz der DDR und der damit einhergehenden Öffnung der Mauer beigetragen zu haben.

Allerdings war er damals wohl eher für den Abriss. Mal hören, wie er nachher um 14 Uhr nun das Gegenteil verkündet. Ich bezweifle allerdings, dass er wirklich weiß um was es hier geht, schließlich wäre er ja eher ein potentieller Mieter für das schnieke “Living Levels”. Sich gemütlich im Penthouse mit Blick über die Spree die Kante geben, hat doch was schön dekadentes. Also, raus in die Sonne und nachher dann alle gemeinsam: “I’ve been looking for freedom, I’ve been looking so long ….”

David Hasselhoff winkt seinen Fans

David dirigiert die Massen zu “Looking for Freedom”, der Andrang war gigantisch – Foto:h|b

Wer wider erwarten keine Zeit oder einfach keine Lust haben sollte bei diesem Unsinn mitzumachen, was ich persönlich verstehen könnte, mag sich auf der Seite des Tagesspiegel vielleicht die komplette Eastside Gallery anschauen, ohne dafür extra nach draussen gehen zu müssen. TSP-Fotografin Kitty Kleist-Heinrich ist dankenswerterweise für uns die 1316 Meter Schritt für Schritt abgelaufen und hat die einzelne Abschnitte fotografisch dokumentiert.

Winter im Kiez

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Und wieder hat über Nacht der Winter zugeschlagen. So ist es gefühlt jedes Jahr in Berlin. Wenn anderswo in der Republik schon die Osterglocken blühen und man sich in Freiburg bereits die Cocktails im Freien schmecken lässt, blühen hier höchstens die Eisblumen und dick vermummte Menschen hasten eilig, durch den vom Ostwind befeuerten Schneesturm, durch die Straßen. Man könnte denken es wäre Dezember und nicht Mitte März. Es soll jetzt noch ein wenig weiterschneien und im Laufe der Woche aufklaren, bei Nachttemperaturen bis minus 15 Grad. Es wäre zum heulen, wenn einem nicht die Tränen sofort festfrieren würden. So bleibt nur die Hoffnung, endlich aus diesem eisigem Gefängnis befreit zu werden, notfalls mit fremder Hilfe. Aber dafür demonstriert natürlich wieder mal keiner.

Sonne im Kiez

Gestern war ein strahlender Tag. Am Morgen schon piepten die Vögel, und der Frühling lag nicht nur in der Luft. Er lag auf der Haut, auf der Netzhaut sogar.  Da draußen ist Berlin und wartet. Im Winter, im monatelangen Kälteschlaf vergesse ich das leider, immer wieder. Im Winter macht Berlin auch keinen Spaß, da ist es einfach nur kalt und voll hier.  All die Menschen, die sich über die überbreiten Bürgersteige zwingen und zwängen, man glaubt es kaum.  An strategischen Engpässen navigiert man sich besser sorgsam durch die Massen, mit Schulterblick bei Überhohlmanövern. Hier in Neukölln zumindest ist das so.

Beim Kaffee lese über Gentrifizierung in Neukölln und die Weserstraße, die mittlerweile von Barcelona bis nach New York ein berühmtes Partyareal sein soll. Das Übliche, man kann es mittlerweile überall finden, in Blogs und Zeitungen, bald wird es die Lifestylemagazine und das Hochglanz-TV erreichen. Wenn das nicht schon längst geschehen ist. Das Fazit: Alles wird teurer, nichts ist mehr schön, wir vertreiben uns selbst, vielleicht aber auch (doch noch) nicht.

Dann gehe ich hinunter auf eben diese Weserstraße, um meinem Motorrad die Batterie zu entnehmen. Es ist Frühling, bald geht es wieder los, und ich will bereit sein. Beim Schrauben mache ich eine ganz eigenartige Alltagserfahrung in Sachen Postgender und lerne: Ich bin ein Mensch, das ist genug. Auch das gehört dazu, zum Berliner Spießertum, zur Weltoffenheit, zur heimischen Multikulti. Das gehört hierher, die ureigene, allein seligmachende Façon.

Auf dem Weg zum Friseur, die Weserstraße hoch, fast bis zum Hermannplatz,  sehe ich zum ersten Mal einen Postkartenständer draußen stehen. Dahinter ein Laden wie in Friedrichshain, Schnickes, Schnackes und Souvenirs. Drei Schritte weiter ein türkischer Späti mit Billardtisch im Hinterzimmer. Frisch eröffnet, den halben Winter wurde dort von Grund auf renoviert. Ein paar Straßen weiter steht jemand in einem Hauseingang und macht Fotos mit einem Apfeltelefon. Vermutlich von einem dieser langsam verfallenden Kleingärten, die  alle paar Meter rund um einen Straßenbaum angelegt werden. Etwas anderes, auch nur halbwegs fotogenes kann ich jedenfalls nicht erkennen. Aber schräg gegenüber steht ein Lokal leer, davor ein Pärchen. What’s that, fragt er. A future bar, antwortet sie. Und wir lachen, alle drei.

Um die Ecke sitzt mein türkischer Friseur auf der Bank vor dem Laden und erwartet mich bereits. Nein, eigentlich telefoniert er und reicht mir nebenbei kurz die Hand. Aber ich bin termingerecht für drei Uhr eingetragen, nur meinen Namen hat man in der letzten Woche am Telefon offensichtlich nicht richtig mitbekommen. Sonne, steht da. Nicht Susanne.

Ich bin also Sonne. Sonne um drei. Und ein Mensch in Neukölln.

Lebensraum

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Finnischer Sonnenaufgang in der Columbiahalle

Nach ihrem Gastspiel im vergangenen Sommer in der Wuhlheide war die finnische Rockband Sunrise Avenue am gestrigen Abend erneut in der Hauptstadt und spielte mit einigen Besonderheiten in der Columbiahalle auf.

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Living Protest

Drei Personen vor einem Zaun schauen auf ein Brachgelände

Der schöne Garten, in dem der “reiche Mann” gerne bauen würde – Foto: h|b

“Stell dir vor du hast einen schönen Garten…”, versucht der Vater seinem Kind zu erklären, was derzeit an der Mühlenstraße in Berlin passiert: “… und dann kommt ein reicher Mann und nimmt dir einfach ein Stück davon weg”. Ja, so einfach kann die Welt für ein Kind sein. Viele andere, überwiegend jüngere Menschen, scheinen es aber ähnlich zu sehen, denn heute nachmittag um 14 Uhr kommen rund 5000 Demonstranten und Mauerschützer an der East-Side-Gallery zusammen, um, tja, um was eigentlich zu tun? Okay, so wie es aussieht, erstmal um Spaß zu haben. Die Sonne scheint, es gibt etwas zu trinken und natürlich Mucke. Genug Gründe um am ersten Frühlingswochenende endlich mal wieder was los zu machen. Auf einer autofreien Mühlenstraße gemütlich zu flanieren, wo sonst der Autoverkehr das Tempo vorgibt, hat auf jeden Fall auch etwas. Die East-Side-Gallery kommt gleicht zweimal so gut zur Geltung. Wenn jetzt noch die parkenden Autos … weiterlesen »