Opernhopping

Alex in am 26. Januar 2006, 12:35   Kommentar schreiben »

Kleiner Grenzverkehr...

Ich versuche mich an einem neuen Hobby! Jawohl, seit vergangenen Samstag. Es handelt sich um Opernhopping und ist vielleicht nicht die entspannteste, aber die umfassendste Variante, einen ausgefüllten Opernabend zu erleben. Und so kam es zu meinem “ersten Mal”: Ich wollte unbedingt die Uraufführung in der Staatsoper miterleben, weil ich diese Erfahrung, ein Stück zum ersten Mal überhaupt zu hören, einfach genial finde und eben das für mich die Ausgeburt gelebter Operngeschichte ist. Ob man über die dann tatsächlich erlebte Operngeschichte glücklich ist, ist immer eine andere Sache…

Also, FAUSTUS von Pascal Dusapin in der Staatsoper war ein absolutes Muss am Samstagabend. Die TOSCA in unserem Haus, bekanntermaßen die Deutsche Oper Berlin, allerdings auch. Denn heute hat die wundervolle Violetta Urmana ihre erste Tosca in Deutschland gesungen. Und sie ist einfach göttlich. Nicht ganz ohne Grund – und ehrlich gesagt auch Dank der unermüdlichen und fleißigen PR-Agentin der Sopranistin – war Frau Urmana in der Bild-Zeitung und der Berliner Morgenpost vertreten. Das freut mich am Tag der Staatsopern-Premiere natürlich umso mehr. Natürlich nicht, weil ich ein Konkurrenzdenken an den Tag lege, nein, nein, sondern weil ich mich für die kongeniale Opernstiftung freue, dass die Vielfalt dieses Konstrukts so wunderbar abgebildet wird…

Also hieß es: erst zur Premiere in die Staatsoper, um sich fast zwei Stunden lang mit zeitgenössischer Musik beschallen zu lassen, und dann zum Ausgleich in den Westen, um dort pünktlich zur Arie der Tosca vor Ort zu sein. Und es war einfach ein Traum. Frau Urmana ist unbeschreiblich. Juan Pons, der Scarpia, und Walter Fraccaro als Cavaradossi übrigens auch! Ich liebe Sänger, die uns das Haus so wie heute bis zum letzten Platz füllen und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Ich liebe sie einfach…

Nun muss man auch sagen, dass diese TOSCA in der Inszenierung Boreslaw Barlogs auch ein gefundenes Fressen für alle Beteiligten ist. Sie ist die älteste Produktion des Hauses – aus dem Jahre 1969 – und bietet somit alles, was das Herz begehrt – Engelsburg inkusive. Das tolle für mich als Opernhopper sowie vor allem für den Pausencaterer: Es gibt zwei Pausen. Nur so konnte ich noch fast den ganzen zweiten Akt sehen und mich des definitiv schönsten Teils des Opernabends erfreuen…

Gerechterweise möchte ich an dieser Stelle aber auch einige Worte zu der im Grunde gelungenen und auch vom Publikum mild aufgenommenen Uraufführung verlieren: Die Sänger waren hervorragend, das Orchester differenziert und gut, die Musik überaus spannend und vielschichtig, das Werk an sich – also vor allem das Libretto – für meinen Geschmack zu philosophisch und undurchdringlich und die Inszenierung von Herrn Mussbach sehr interessant, in der Eigenart, das Philosophische des Werks herauszustellen, aber nicht zu entschlüsseln und zu durchleuchten, eher verwirrend als sinnstiftend. Im Grunde war ich dem Intellekt des gesamten Abends einfach nicht gewachsen – und dazu stehe ich auch…

Somit war die einzige Sache, die ich mit aus dieser Opernaufführung bzw. aus einem der Programmhefttexte genommen habe, die Tatsache, dass es drei unterschiedliche Arten von Menschen hinsichtlich des Umgangs mit Gebrauchsanweisungen gibt. Die einen lesen diese gar nicht – das ist der Großteil. Einige wenige gibt es, die diese komplett von vorne bis hinten lesen. Und dann gibt es noch die, die nur dann etwas nachlesen, wenn sie im Umgang mit dem entsprechenden Gerät nicht weiter wissen. Die genaue Zuordnung eines Menschen zu einer der Gruppen lässt dann Rückschlüsse auf seine Psyche und sein Verhalten zu. Wirklich spannend…

Leider gab es keine Anleitung für den gezeigten Opernabend. Vermutlich komme ich aber auch nur aufgrund meines eigenen Verhältnisses zu Gebrauchsanweisungen, zu denen ich in diesem Fall wohlwollend auch das Programmheft zähle, zu dieser Aussage. Diese lese ich nämlich fast nie. Vielleicht sollte ich mich demnächst nach einer Uraufführung nicht in eine schwelgende Tosca-Vorstellung setzen, die alles erlebte in keinerlei Relation stellt, sondern mich nach Hause auf die Couch begeben – mit der Gebrauchsanweisung in Form des Programmheftes. Das hieße dann allerdings im Klartext: Ade, Opernhopping! Vielleicht hilft’s…

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