Angriff auf Politiker
Susanne in berichtet am 20. Mai 2006, 18:11 8 Kommentare »
Linda hat es heute morgen schon kurz angedeutet. Es gibt keine Probleme mit Rechtsradikalen vor der WM. Könnte man annehmen, nachdem der Überfall auf einen Italiener Anfang der Woche offensichtlich eine dumme Finte war.
Der türkischstämmige Politiker Giyasettin Sayan (PDS) allerdings ist gestern abend in seinem Wahlkreis Lichtenberg schwer verletzt worden. Er wurde mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Zuvor hatten ihn zwei Männer zwischen 20 und 25 Jahren und 1,80 bis 1,85 Meter Größe mit fremdenfeindlichen Parolen beleidigt und anschließend niedergeschlagen.
Eine nähere Täterbeschreibung findet sich bei der Polizei. Das Landeskriminalamt ist mit den Ermittlungen betraut.
Polizeipräsident Dieter Glietsch wies heute auf einer Pressekonferenz vorsorglich darauf hin, dass solche Übergriffe in Berlin eher selten vorkämen. Im Jahr 2005 gab es nur 18 fremdenfeindlich motivierte Gewalttaten, lediglich zwei davon in Lichtenberg.
“Diese Tat rechtfertigt es nicht, Berlin-Lichtenberg oder Teile dieses Bezirks zur „no-go-area“ zu erklären”, betonte Glietsch. “Wir werden alles uns Mögliche tun, damit das auch so bleibt.” (ebenfalls via Polizeiticker)
Wollen wir’s hoffen!
8 Kommentare
am 20. Mai 2006, 18:54 #
mir gibt auch zu denken, dass bis mittags um 12 außer der “zeit” und 2 oder 3 regionalmagazinen noch niemand berichtet hat. erst vor einer stunde hat sich die morgenpost zu einem artikel hinreißen lassen. hat die lokale presse nach den erfahrungen mit dem italiener jetzt einen recherchtag vorlaufzeit eingelegt? oder soll das – aus rücksicht auf die wm ganz verschwiegen werden oder zumindest auf “niedriger flamme gekocht”?
meine überzeugung ist nämlich, dass auch mit verschwiegenen meldungen “nachrichtenpolitik” gemacht wird.
am 20. Mai 2006, 19:11 #
Ich war auch ein wenig verwundert, Pressemeldungen erst nach 14 Uhr zu finden. Andererseits möchte ich sensible Angelegenheiten auch sorgfältig behandelt wissen, und das braucht halt mitunter etwas Zeit.
Eine zwiespältige Sache also, bei der unter anderem auch der besoffene Italiener sicherlich nicht ganz unbeteiligt sein dürfte. An ‘Verschwiegen’ mag ich allerdings lieber nicht glauben. Obwohl… böse Vorstellung, das!
am 20. Mai 2006, 20:15 #
Warum wohl, drei Wochen vor der WM? Und überhaupt, das war ja wohl auch eine Nummer zu dick!
Der Vorfall ist im Übrigen gerade in der Tagesschau (rbb) aufgegriffen worden.
Bliss Draven
am 21. Mai 2006, 11:55 #
ich denke auch ,dass man dieses mal etwas vorsichtiger an die sache rangehen wollte und nicht sofot von einem fremdenfeindlichen überfall reden wollte, wenn es im endeffekt vielleicht gar keiner war.
am 21. Mai 2006, 12:15 #
Heye hat Recht. Man sollte endlich mal mit den Relativierungen aufhören und zugeben das es in D ein Rassismus- und Faschoproblem gibt. Denn erst dann kann man auch wirklich was dagegen tun.
Ich finde das auch im Zusammenhang mit dem Potsdammer Überfall etwas lächerlich, dass Schönbohm und Co. erst dann von ausländerfeindlichen Motiven sprechen wollen, wenn sie bei den Tätern irgend ein/en Nazi-Parteibuch/Clubausweis gefunden haben. Solche Typen sind aber nun mal nicht immer (immer weniger?) organisiert.
am 21. Mai 2006, 13:21 #
Ich bin jetzt mal ehrlich und mach mir damit sicher keine Freunde, ABER: Langsam könnte ich wegen den ganzen ‘in Brandenburg (komme aus Potsdam) gibt es Orte, da sollte ein Schwarzer lieber nicht hin’ und ‘also Ich denke schon wir haben ein Rassismusproblem, aber solch eine Veralgemeinerung’ echt…, hm, verbal verdauen.
Die beiden semi-professionellen Zitate sind absolut verschieden? Nicht für mich, denn beide sagen aus, dass wir Rechte im Land haben. Das ist auch wahr. Leider. Aber es bedeutet auch, dass wir (die Nation und die politische Nation im Besonderen) uns dafür schämen müssen.
Wieviele Orte in – von mir aus – Miami sollte man als Weisser nicht betreten? Und wieviele Stimmen hat die rechte Partei in Frankreich bekommen, als sie in den Nationalrat eingegangen sind? Überall, in jedem Land, in jeder Stadt, gott in jedem Menschen gibt es rechte Sympathien, und glaubt mir wenn ich sage, dass ich so wenig ein Rechter, wie ein Seepferd bin.
Ich kanns einfach nicht mehr ertragen, dass wir immernoch einem 50-60 Jahre alten Trauma unterlegen sind. Klar, wir (oder besser gesagt unsere Ureltern – obwohl meiner sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden ließ) haben vor einem halben Jahrhundert sehr viel (entschuldigt) Scheiße getan. Und ich hab auch nichts gegen Vergangenheitsbewältigung, sie ist verdammt wichtig, aber irgendwann sollte man sie auch bewältigt haben, sonst ergibt das eindeutig ein Paradoxon sondergleichen.
“Man sollte endlich mal mit den Relativierungen aufhören und zugeben das es in D ein Rassismus- und Faschoproblem gibt. Denn erst dann kann man auch wirklich was dagegen tun. [...] Solche Typen sind aber nun mal nicht immer (immer weniger?) organisiert.”
Bevor ich mir diesen Vorwurf anhören muss: Ich versuch nichts zu relativieren und wenn ihr anderer Meinung seid: Bittesehr! Desweiteren glaube ich nicht im Geringsten, dass man irgendetwas gegen ‘Rassismus- und Faschoprobleme’ tuen kann. Das einzige was bleibt ist, selbst nicht so schmalspurig zu sein, wie diese Halbidioten, blindlings-naiv Leute davon zu überzeugen versucht, dass rassistisches Gedankengut schlicht und ergreifend dumm und überholt ist und vor allem seinen Kindern nichts derartiges beibringt.
Zu guter Letzt natürlich noch: Nope! Das Problem ist nicht, dass diese Leute immer unorganisierter werden, sondern genau das Gegenteil. Nur mal so zum Vergleich: Wieviele Leute sind vor fünf Jahren mit klischeehaften Bomberjacken, Springerstiefeln und Glatze rumgelaufen, und wieviele jetzt? Überhaupt davon auszugehen, dass man bei einer halbfertigen Razzia etwas fragwürdiges findet ist entweder naiv, oder man kennt die Leute zu gut.
Aber dennoch, liebe Grüße, alex
am 21. Mai 2006, 14:35 #
naja, wir reden doch jetzt ;-) mein punkt war eher, dass man nun nachrichten aus rücksicht auf die wm nicht mehr bringt. das fände ich geradezu kriminell verantwortungslos gegenüber nicht “deutsch” aussehenden besuchern.
und davon, dass systematische antifa-erziehung etwas bewirkt, bin ich überzeugt. aber sie muss auch stattfinden….