Designmai
Paula in Kultur am 21. Mai 2006, 02:40 6 Kommentare »
Hoffnungsfrohes Grün begrenzt die Parcours in der Designcity des diesjährigen Designmai. Das Netzwerk Berliner Produktdesigner hingegen findet sich ohne Farbleitsystem in der Backfabrik zusammen. Dort entdeckt der geneigte Besucher Kleinigkeiten wie Potsdamer Plätzchen und City Rings, flippige Mode, ausgefallenen Schmuck, gestylte Möbel und liebevoll entworfenen Krimskrams. Leider unterscheiden sich die Angebote nicht allzusehr von dem, was man bei einem Bummel durch die von bösen Zungen als „Castingallee“ bezeichneten Kastanienallee nicht auch finden könnte.
Richtig spannend dagegen geht es in der Fabrikhalle der Designcity in der Luckenwalder Straße zu.
Die dort ausstellenden Kreativen beschäftigen sich hauptsächlich mit dem urbanen Lebensraum.
Ihre dazu entwickelten Konzepte würden, sollten sie umgesetzt werden, in den Alltag der meisten Städter eingreifen. Viele der vorgestellten Ideen gehen jedoch weit über ästhetisches Aussehen oder pfiffige Funktionalität hinaus. Sie verzahnen Design mit Lebensmodellen.
So auch der MobileMiniShop. Er kann in verschiedensten Ausführungen und zu unterschiedlichsten Zwecken gemietet werden. Flexibel einsetzbar als Bauchladen zum Vertrieb kleiner Produkte oder für ausgefallene Werbekampagnen, bietet dieses einfache Konzept Chancen für Sonderaktionen von Unternehmen oder Selbständigen und somit auch für Minijobber.
Erstaunlich viele Aussteller thematisieren Wohnformen. Gezeigt werden so zum Beispiel ein Modell zur schnellen Schaffung eines simplen Hotels in einer leerstehenden Fabriketage, diverse einfach zu installierende Zelt- und Wohnkubenformen und Architekturentwürfe für kleine städtische Baulücken. Winfried Baumann hat mit Instant Housing Wohnsysteme für urbane Nomaden entwickelt. Es ist erstaunlich zu sehen, wie eine gewöhnliche Mülltonne zu einem halbwegs komfortablen Schlafplatz für einen Obdachlosen werden kann. Die Ausstellungskoje verläßt der Besucher allerdings mit gemischten Gefühlen. So hilfreich wie diese Modelle für unfreiwillige Nomaden sein könnten, würden sie doch wenig an der Situation der Betroffenen ändern.
Das Berufsbild des kreativ Schaffenden an sich nimmt Laufbahn ins Visier. Ein Alpinist fährt mit angerundeten Skiern in kreisrunder Loipe (!) und hat dabei einen prächtig ausgestatteten Chefarbeitsplatz im Blick. Auch für junge Talente gilt also: runde Lebensläufe sind selten, um die Ecke denken und krumme Wege beschreiten führt oftmals schneller ans Ziel. Den Ausstellern dieses Designfestivals ist Erfolg zu wünschen, ihre Ideen haben es verdient öfter gesehen zu werden.
Und was es mit den sprechenden Kugeln auf sich hat, sollten alle Neugierigen jetzt selbst vor Ort herausfinden – geöffnet ist nur noch heute bis 21 Uhr.
6 Kommentare
am 21. Mai 2006, 13:02 #
Oh, es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken, das alles gar nicht in einen artikel passt! ich war gestern auch auf der messe und fand es richtig schön.
Paula
am 21. Mai 2006, 13:23 #
Ja, es war wunderbar inspirierend. Und damit sich hier niemand langweilt, gab es eben nur meine Top 4 der unzähligen Entdeckungen.
am 21. Mai 2006, 17:07 #
Eine kleine Berichtigung: die Youngsters sind am Flutgraben. In der Backfabrik befindet sich der Designmai Showroom von berlindesign.net
am 20. März 2008, 19:46 #
ach wie gerne währe ich dabei gewesen ….aber 2008 bin ich bereit,,,,,lb BEHEIDESIGN.BERLIN