Welche Mauer?
Linda in Stadtnotizen am 13. August 2006, 13:11 2 Kommentare »
Eigentlich müsste ich doch ein paar Mauerfotos haben, dachte ich. Irgendwelche Kameras hatte ich schon immer, Berlinfotos habe ich auch ohne Digiknipse mit meiner Spiegelreflex gemacht – und immer brav zum Entwickeln getragen. In meinem Archiv gibt’s aber nur ein – zugegeben nichtssagendes – Foto von der Mauer über die Schlesische Straße. Beim Aufnehmen hatte ich nicht die geringste Idee davon, was auf der anderen Seite sein könnte.
Für Westberliner war es zu der Zeit die beste Strategie, die Mauer einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen – sonst wär’ man verrückt geworden! Andererseits blühte – eben auch geschützt durch die Mauer – ein gesellschaftlich-politisches Experimentierfeld der Studentenkultur, Pazifisten, antiautoritäre Kinderläden, Kneipenkollektive, linke Verlage und andere kollektiv geführte Geschäftmodelle. Im Nachhinein betrachtet eine schizophrene Situation!
2 Kommentare
am 13. August 2006, 14:20 #
Die ganze Mauer war von Beginn an eine einzige Schizophrenie! Ein Volk einzusperren, damit es einem nicht wegläuft – viel perverser kann ein System nicht sein.
am 13. August 2006, 16:47 #
naja, meine sicht ist vielleicht auch westlastig. mit “schizophren” meinte ich ja, dass die lage westberlins in bestimmter hinsicht auch vorteilhaft war: hier sind immer leute zugewandert, die sich etwas davon versprochen haben. es gab eine florierende regionale alternativökonomie, unabhängig von “staatsknete” für soziale und kulturprojekte. und vor allem gab es – trotz mauer – eine offene und diskussionsfreudige linksliberale bürgergesellschaft. auch schizophren ist: jetzt wo berlin eine “offene stadt” ist, gibt es mehr geschlossene “geldsäcke”- gesellschaften als jemals zuvor. und mehr architektur, die sich abschottet statt öffnet. mich erinnern viele der “schicken” neuen gebäude an belfast.