Gebrauchsanweisung für Berlin
Phil in Stadtnotizen am 2. Oktober 2006, 20:19 2 Kommentare »
Für viele ist „der wahre Berliner immer ein Zugezogener“. Die Autoren des Hauptstadtblogs können als Beleg dieses Phänomens herangezogen werden. So kommen sie ursprünglich aus ganz unterschiedlichen Städten. Auch Autor Jakob Hein ist nicht in Berlin geboren. Er lebt und arbeitet jedoch seit nun mehr als dreissig Jahren in der Hauptstadt und hat die Berliner Seele in dieser Zeit ausgiebig studiert. Seine Erfahrungen hat er in der „Gebrauchsanweisung für Berlin“ zusammengetragen. Das Buch ist mehr Liebeserklärung als Anweisung.
Seine Bestandsaufnahme beginnt Hain mit der Geschichte der Hauptstadt. Im Verlauf des Buches erklärt er den „eigentlich schönen Begriff Kiez“, charakterisiert das ausgedehnte U-Bahn-Netz, analysieren die berliner Essgewohnheiten und beschreibt den heftigen Kampf der Berliner gegen die deutsche Grammatik.
Der Autor spielt mit Klischees, welche dem Leser sofort bekannt vorkommen. Man kennt das Beschriebene vom Hörensagen oder hat es am eigenen Leib so erlebt. Die 149 Seiten sind weder Lobhudelei noch Abrechnung. Dem „schnoddrigen“ Berliner bietet sich kein Anlass für Kritik. Vielmehr wird er das Werk mit einem Lächeln schmökern. Denn wie schreibt Hein so schön: „die vermeintliche Unfreundlichkeit der Hauptstädter ist Rauheit mit inhaltlicher Höfflichkeit und Anteilnahme“. Recht hat er!
2 Kommentare
Caro
am 4. Oktober 2006, 11:24 #
Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen. Ich fühlte mich als “Wahlberlinierin” in meinen Klischees bestätigt.
am 4. Oktober 2006, 11:36 #
Besonders amüsant fand ich auf der Lesung, dass alle Zuschauer folgende Zeilen mit dem Autor im Chor sprachen…
“Ick sitze hier und esse Klops,
Uff eenmal kloppt’s.
Ick kicke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, de Tür.
Nanu, denk ick, ick denk nanu,
jetzt isse uff, erscht war se zu.
Ick jeh raus und blicke,
Und wer steht draußen?
Icke!”
