1 Euro für Berlin: "Wir schaffen das auch allein!"
Günter in Stadtnotizen am 22. Oktober 2006, 22:18 14 Kommentare »

Kaum zu glauben: Berlin lag mal in Schutt und Asche – und heute macht man sich Sorgen wegen so ein paar Euro Schulden? Schluss damit! Ungefähr das dachte sich wohl das Team von iDemokratie, als es wenige Stunden nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (wonach Berlin keinen Anspruch auf Finanzhilfen des Bundes hat) mit Unterstützung des Hauptstadtblogs die Aktion 1 Euro für Berlin ins Leben gerufen hat. Wer einen Euro für Berlin spendet, darf sich auf der Seite mit einem Foto verewigen – und sich damit solidarisch mit dem “Sparbär” zeigen. Unter dem Motto “Wir schaffen das auch allein!” können die Berliner Bürger auf diese Weise im Internet gemeinsam zeigen, dass Berlin die Kraft hat, sich selbst zu helfen.
Neben Name und Foto kann jeder hinterlassen, warum er gern einen oder mehrere Euros für Berlin spenden möchte. Firmen dürfen bei größeren Spenden statt eines Fotos auch ihr Firmenlogo hochladen.
Die Spenden werden von iDemokratie bis Weihnachten gesammelt und dann dem Regierenden Bürgermeister zusammen mit den Anregungen der Bürger für den Verwendungszweck des Geldes übergeben.
Die taz berichtet in ihrer morgigen Ausgabe über das Projekt.
14 Kommentare
Carl
am 22. Oktober 2006, 23:48 #
Gute Idee, ich werde mich jedenfalls beteiligen.
Aber wie hoch war noch mal die Verschuldung pro Einwohner?
Waren das nicht ettliche Tausend €...?
Naja, besser als nix, ich werde daher allerdings mehr als einen € spenden.
Stefan111
am 23. Oktober 2006, 13:47 #
Wenn jeder der rund 3,4 Mio. in Berlin Lebenden einen Euro spendet, ist das ein Tropfen auf die 60 Milliarden Schulden. Lächerliche Aktion.
am 23. Oktober 2006, 14:02 #
@Stefan111: hat ja keiner gesagt, dass die aktion den haushalt sanieren könnte. aber wenn einige 10.000 EUR zusammenkommen, lässt sich vielleicht das ein oder andere projekt unterstützen, was der nächsten sparwelle zum opfer fallen soll.
Stefan111
am 23. Oktober 2006, 14:19 #
@Sebastian: “das ein oder andere projekt unterstützen” – dagegen habe ich grundsätzlich nichts. Ich habe auch schon gespendet, wusste aber jeweils konkret, wofür. “1 Euro für Berlin” verrät mir dagegen nicht, was mit dem Geld passiert. Ganz im Gegenteil, auf der Webseite heißt es: “Die Spenden werden von iDemokratie bis Weihnachten gesammelt und dann dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zusammen mit Ihren Anregungen für den Verwendungszweck des Geldes übergeben.” Das ist ja wohl extrem wolkig.
am 23. Oktober 2006, 14:54 #
@Stefan111: wenn ich das richtig gelesen habe (taz-artikel), dann werden die spender am ende abstimmen, für welchen zweck die spenden an herrn wowereit übergeben werden.
...und die symbolik sollte auch nicht ausser acht gelassen werden.
Stefan111
am 23. Oktober 2006, 15:16 #
@Sebastian: Oh ja, natürlich, die Symbolik! Wenn eine Sache absehbar zu keinem vernünftigen Ergebnis führt, kann man sich immer noch auf ihren symbolischen Charakter berufen.
Für mich sind derartige Internet-Aktionen höchstens Symbol für zwei Trends: Erstens für Pseudo-Engagement, das man so schön leicht unterstützen kann, ohne sich tatsächlich bemühen zu müssen. Und zweitens für Web-Aktionismus, bei dem die technische Machbarkeit (Community schaffen, Daten auf Plattform hochladen, etc.) im Vordergrund steht.
am 23. Oktober 2006, 15:31 #
@stefan111: das eine “einfache” engagement schliesst das andere – das “tatsächliche” – ja nicht aus. du hast recht, wenn du engagement einforderst, was hierüber hinaus gehst. aber jedes medium nutzt auch seine möglichkeiten, oder? gemeinnützige organisationen schicken studentendrückerkolonnen vor die einkaufszentren, obwohl kaum einer von denen selbst mitglied ist….
du selbst spendest ja offenbar auch. das ist eben eine von vielen methoden. im web bietet sich eine kampagne nun mal auf diese art und weise an.
ps: die symbolik war nur ein randaspekt. quasi ein PS.
frechdax
am 23. Oktober 2006, 16:49 #
man könnte ja einen teil der anwalts- und gerichtskosten des aussichtslosen und gerade eben verlorenen verfahrens bezahlen.
wie jeder weiss werden anwälte nach dem streitwert bezahlt. bei diesem streitwert dürfte sich ein (oder mehrere?) rechtsverdreher eine (oder mehrere?) goldene nasen verdient haben. war sicher kein parteigänger unseres sexy bürgermeisters, nein ganz sicher nicht.
miniaturas
am 24. Oktober 2006, 07:14 #
Guten Morgen Ihr Lieben,
es ist eine gute Idee, sich als Bürger dieser Stadt “symbolisch” mit ihr solidarisch zu erklären, das hat auch eine gute Außenwirkung.
Fakt ist doch bei uns Deutschen: kaum hat jemand eine Idee, wird sie erstmal totgequatscht.
Ich bin hier geboren, lebe (und liebe) seit 50 Jahren diese Stadt und möchte nirgendwoanders sein… ok,vielleicht in Sydney ???
Und das eingeforderte Engagement kommt durch solche Aktionen eventuell auch bei einer handvoll Leuten… dadurch kann unsere Stadt nur gewinnen!
Wir unterstützen unser Berlin, und das ist auch gut so.
miniaturas
Michael Springer
am 24. Oktober 2006, 08:06 #
Hallo Leute,
heute reitet Napoleon durchs Brandenburger Tor – Preußen war vor 200 Jahren auch völlig pleite – und was ist daraus geworden?
Wir müssen das Ganze mehr historisch sehen!
Berlin braucht noch 140 Jahre bis zur Entschuldung – wenn man die Sparpolitik fortsetzt. Und was macht eigentlich Brandenburg?
Dort hat der Finanzminister Speer 2004 festgestellt, dass man bei Fortsetzung der Sparpolitik in der 39. Amtsperiode nach der dt. Wiedervereinigung schuldenfrei ist – das sind also noch 229 Jahre – also das Jahr 2235.
Wenn es einen Länderzusammenschluß gibt – dann könnte das gemeinsame Bundesland sicher früher entschuldet sein – denn Doppel-Verwaltung und die erforderliche Pensionierung der Doppelverwaltung frißt die Zukunft der nicht Pensionsberechtigten auf.
Mit freundlichen Grüßen
M.S.
Helmut
am 25. Oktober 2006, 19:42 #
Bitte diese Diskussion sofort einstellen.
Wenn hier einer dieser Sch…. Politiker mitliest, haben wir schon wieder eine Notopfer Berlin (Deutschland) Briefmarke vor der Nase.
Aber wie soll ich auf meine Mails eine Marke kleben? Also werden in Zukunft alle Mails mit einer Notopfergebühr versehen. Wer auf der Straße melodisch Furzt, muss an die GEMA zahlen. Auf euer Auto kommt ein großer Aufkleber
“Autofahren verursacht tödliche Unfälle”.
Mit weniger freundlichen Grüßen
Helmut Heuskel
Stefan S.
am 26. Oktober 2006, 18:39 #
Niedliche Aktion, geht leider völlig, auch symbolisch, am Problem vorbei. 10.000 EUR sind absolut lächerlich gegen 60.000.000.000 EUR. Genauso die oft zitierten Verwaltungs- und Politikerkosten. Wenn mal öfters im Verkehr kontrolliert wird ist jedes Mal die Staatssanierung im Verdacht und nie die Verkehrssicherheit. Wenn irgendwo Überschüsse aufgelaufen sind (Arbeitsagentur) und die verantwortlichen Politiker wollen das Geld “einstreichen” um die Staatsfinanzen zu “sanieren” kommt Kritik.
Symbolik hin oder her, wir müssen eine Oper, einen Zoo/Tierpark und eine Uni schließen. Ortsfremde Studenten müssen Studiengebühren zahlen oder ihren ersten Wohnsitz nach Berlin verlegen. Das hat nämlich Auswirkungen im Länderfinanzausgleich.
Der größte Teil der Ausgaben geht übrigens direkt an die Bürger in Form von Sozialhilfe, ALG 2 und Wohngeld. Im Haushaltsplan läuft das unter “Konsumtive Ausgaben”, nettes Wort. Hier müsste man ansetzen beim sparen. Geht aber nicht.
Maria
am 6. November 2006, 20:51 #
@ Stefan S.: Auf den Punkt gebracht und ich stimme zu. Es ist unnötig, dass Berlin 16 Jahre nach der Wende (ab 1990 zählend) immer noch eine Infrastruktur wie zwei einzelne Städte hat. Das verursacht unnötige Kosten. Aber wie groß war auch das Geschrei, als Berlin Zoo dem Hauptbahnhof zum Opfer fallen sollte – obwohl das eine völlig logische Entscheidung war. Wenn es darum geht Opfer zu erbringen, ist niemand bereit. Auch sollten Studiengebühren eingeführt werden – für Langzeitstudierende und jedes Zweitstudium – wie groß war hier das Geschrei der Stundenten. Und wie groß wäre es, wenn man z.B. sagen würde, die FU und die TU werden fusioniert zu einer Universität.
Ich finde jedoch, dass jede Aktion – und auch wenn Sie nur ein Tropfen auf einen heißen Stein ist, auch wenn sie wirklich nur symbolischen Charakter haben sollte, es wert ist. Sie ist immerhin eine “Aktion” – besser aktiv als passiv. Also besser versuchen etwas zu tun, als gar nichts zu tun.
@Stefan111: Wenn Du also diese Spenden-Aktion so schlimm findest, mach doch was Besseres! Aber selbst nichts tun, wobei andere Dinge schlecht geredet werden – das wäre wirklich peinlich!