Vom Ende der Scheinheiligkeit: der Ladenschluss fällt
Stephan in Stadtnotizen am 25. Oktober 2006, 16:13 52 Kommentare »
Der Senat drückt aufs Tempo und will das nahezu grenzenlose Shoppen bereits zur Vorweihnachtszeit möglich machen. Clever, denn dann entgeht dem Berliner Handel nicht das Weihnachtsgeschäft. Und die bisherigen scheinheiligen Lösungen (Tankstellen, Bahnhöfe, etc.) sind dann, ganz nebenbei, nicht länger scheinheilig, sondern offen und ehrlich.
Überhaupt nicht clever sind hingegen die ewig gleichen Sprüche der Gewerkschaften, die wieder mal gegen die Pläne mobil machen. Da gibt es nicht viel Neues: ultraharte Zeiten für die Beschäftigten werden skizziert, das Ende des Tante-Emma-Einzelhandels, ebenso der Untergang des Abendlandes aufgrund der Sonn- und Feiertagsruhe, die nun zur Disposition steht.
Abgesehen davon, dass alle Argumente dafür und dagegen x-fach durchgekaut wurden, bleibt mir zum Abschluss dieses nervigen Kapitels deutscher Regelungswut vor allem eines in Erinnerung: ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Menschen getroffen zu haben, der ernsthaft gegen die Liberalisierung der Öffnungszeiten war. Mit Ausnahme von Gewerkschaftsfunktionären selbstverständlich, die sich so wohl ihre Posten und Pfründe zu sichern versuchen.
Klar, dass nicht alle Angestellten im Handel ausnahmslos begeistert sein werden. Doch auch die Verkäuferin im Modegeschäft wird wohl – wenig überraschend – nichts dagegen haben, ihre abendliche Flasche Coke demnächst schnell und günstig im Supermarkt um die Ecke kaufen und sich so den Preisaufschlag der Tankstellen sparen zu können.
Die Mehrheit der Menschen drängt ganz offensichtlich auf diese Freiheit, die nun endlich gewährt werden soll. Denn diese ist nicht nur einer Metropole wie Berlin würdig, sie ist einfach längst überfällig. Und sie zeigt erneut, dass die Fraktion der Besitzstandswahrer einfach nicht aufgeben will – auch wenn die Argumente noch so hanebüchen sind und sich die Zeiten geändert haben. Ganz nach dem Motto: Verlangt werden Opfer immer – von den anderen.
52 Kommentare
bela
am 25. Oktober 2006, 17:26 #
Die Vergütungsmodelle der Spätarbeit werden ja nun auch gekappt. Das heißt, die angestellten Spätverkäuferinnen dürfen sich also freuen, weniger Geld zu bekommen. Und ein Mindestlohn ist sicherlich auch zu viel Regelungswut und außerdem ja von den Gewerkschaften gefordert. Der sollte also auch nicht kommen. Außerdem ist das schlecht für den Unternehmensgewinn und der muss maximiert werden.
Also keine Markencoke mehr, sondern lieber ein Noname-Produkt für die Angestellte im Modegeschäft.
Stefan S.
am 25. Oktober 2006, 17:45 #
Da hat der Stephan aber weit ausgeholt. Was soll denn diese nachgeplapperte mit dem Weihnachtsgeschäft? Nur weil die Läden mehr geöffnet haben wird nicht (proportional) mehr verkauft. Bei längeren Öffnungszeiten entstehen erstmal nur höhere Kosten, die Umsätze des Gesamtmarktes werden nicht spürbar ansteigen, da ich jeden Euro nur einmal ausgeben kann.
Die gestiegenen Kosten werden dann auf die Preise (steigen) und die Entgelte (sinken) umgelegt.
Ich als Konsument werde jetzt noch mehr auf die Preise achten und nicht am Sonntag einkaufen gehen. Die Liberalisierung im Einzelhandel ist eine Change für den Tante-Emma-Laden. Letztendlich entscheidet der Verbraucher über die Marktentwicklung.
frechdax
am 25. Oktober 2006, 18:07 #
überhaupt scheint mir stephan´s argumentation nicht so ganz schlüssig zu sein. wie sollen gewerkschaftler ihre posten und pfründe sichern, wenn alle, naja gemäss stephan “nicht alle Angestellten im Handel ausnahmslos” für die lieberalisierung sind? wenn sie sich, die gewerkschaftler notabene, auch noch gegen die begeisterten modeverkäuferinnen stellen? und laufe ich beim einkauf im minimal in der kulturbrauerei jetzt gefahr von hüpfenden und colaflaschen schwenkenden modeverkäuferinnen überrannt zu werden?
und… welche anforderungen muss man eigentlich erfüllen, hier einen artikel einzustellen? reichen ein paar stammtischbesuche aus um die stimmung im volke einzufangen? also für mich wirft stephan´s werk hier mehr fragen auf als es beantwortet.
Thomas
am 25. Oktober 2006, 18:14 #
Hm…also mir eröffnen sich da ehrlicht gesagt nicht ganz so viele Probleme mit der Argumentation. Ist es denn so,dass sich die Gewerkschaftsfunktionäre neuerdings immer an der Realität orientieren? Dann würden ja den Gewerkschaften nicht immer mehr Mitglieder wegrennen, so wie es der Fall ist.
“Samstags gehört Pappi mir” ist uralte Gewerkschaftsrhetorik von denen, die immer noch nix dazugelernt haben.
am 25. Oktober 2006, 18:18 #
Ich war ja gerade in den USA und dort gibt es liberale sprich 24/7 Öffnungszeiten ja nun schon seit Ewigkeiten. Und im Endeffekt sieht das so aus: Spätestens ab 22.00 Uhr ist da auch alles dicht, sieht man mal von Wal Mart und der Drogeriekette Walgreens. Ansonsten ist offen: die meisten Fastfood Ketten (jedenfalls in Großstädten) und die Tankstellen, die ähnlich wie hier teilweise halbe Supermärkte sind.
Ich glaube nicht, dass sich viel ändern wird. Es werden ein paar Gemüsehändler länger aufhaben, vielleicht die Supermärkte bis 22.00 Uhr statt bis 20.00, jedenfalls da, wo es sich lohnt. Ansonsten wird nix passieren.
frechdax
am 25. Oktober 2006, 18:23 #
@Thomas
lassen sich mit weggerannten gewerkschaftlern posten und pfründe der funktionäre sichern? welcher logik entspricht das denn? auch gewerkschaftsfunktionäre werden sich nach der basis richten sonst schwimmen denen schon die felle, posten und pfründe weg. nicht wahr?
Thomas
am 25. Oktober 2006, 18:31 #
@frechdax: Das ist ungefähr genauso logisch wie das erneute Aufspielen des Orchesters auf der Titanic, während der Kahn bereits untergeht. Das entspricht somit lediglich der realitätsfernen Logik, die ich den Berufskrakeelern der Gewerkschaften bereits attestiert habe. Wer lesen kann…
Stefan S.
am 25. Oktober 2006, 18:48 #
Nun mal langsam mein lieber Thomas. Es wird doch auf beiden Seiten mit scheinheiligen Aussagen argumentiert. Welches Weihnachtsgeschäft entginge den dem Handel, würde das Gesetzt später (oder nie) aufgehoben? Das Ladenschlussgesetz war übrigens ein Schutzgesetz für den Handel und nie für die Mitarbeiter. Der eine Händler sollte keinen Nachteil haben wenn der andere am Samstag oder nach 18:30 seinen Laden öffnet. Die Gewerkschaften vertreten die Interessen der Mitarbeiter und hatten mit diesem Gesetz eine starke Unterstützung.
Thomas
am 25. Oktober 2006, 19:21 #
Welches Weihnachtsgeschäft dem Handel entginge? Ein kundenzufriedenes. Ganz einfach.
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 21:04 #
Stephan meint´s doch nur gut – mehr Ehrlichkeit für diese böse Welt! Nieder mit der Scheinheiligkeit!
Schnell schnell, bevor das Christkind wieder kommt!
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 21:27 #
Stephan schrieb: Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Menschen getroffen zu haben, der ernsthaft gegen die Liberalisierung der Öffnungszeiten war ….
Klar, dass nicht alle Angestellten im Handel ausnahmslos begeistert sein werden.
Find ich schon ein wenig scheinheilig, diese Rhetorik. Es liest sich nicht so, als hätte sich Stephan vor Ort (also beim Verkaufspersonal, persönlich) über die Probleme informiert. Und das macht seinen Beitrag so schwach.
(Den HSB kritisier ich damit ausdrücklich nicht. Und selbstverständlich mag ich Stephan auch.)
frechdax
am 25. Oktober 2006, 21:40 #
ich mag stephan, per se, auch. den hsb sowieso. und auch ich bin gegen regelwut und deutsche bürokratie, freue mich darüber einzukaufen wenns mir passt. und auch ich finde, die gewerkschaften haben zuviel einfluss.
aber alle gewerkschaftler als unnütze, egoistische, postenschacherer und pfründebewahrer hinzustellen wenn sie sich als einzige für die wirklich betroffenen dieses vorganges einsetzen, finde ich nicht richtig. das ist einseitig, tendenziös und hat stammtischcharakter.
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 22:09 #
Richtig
und die historische Aussage:
“Am Samstag gehört der Pappi mir”
als Rhetorik abzuqualifizieren, zeugt von völliger Geschichtsvergessenheit.
Ein Hoch auf die Gewerkschaften. Ich hoffe, dass sie weiterkämpfen!
antistroebele
am 25. Oktober 2006, 22:21 #
ja. die kommunisten kämpfen ja auch weiter. trotz allem…
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 22:33 #
Ich mag Antistroebele. Er ist einfach ein Schatz,
auch wenn er die Gewerkschaftler als Kommunisten bezeichnet – ganz spielerisch rhetorisch natürlich nur.
Aber ich denk, das Thema ist damit vollkommen erledigt.
Lenin
am 25. Oktober 2006, 22:42 #
Wer ist denn der Meinung von antistroebele nach ein Kommunist? Das würde mich mal interessieren. Etwa die Gewerkschaftler oder die Mitglieder von Gewerkschaften?
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 22:49 #
Ach was – er will doch nur spieln.
Und da ist jedes Spielchen recht.
Fabian
am 25. Oktober 2006, 22:59 #
Was für ein unglaublich tendenziöser Artikel; Stammtisch ist schon fast kein Ausdruck!
Wenn Stephan außer „Gewerkschaftsfunktionären“ keine pro Ladenschluss-Menschen kennt, dann ist sein Bekanntenkreis nicht repräsentativ. Und viel schlimmer, es ist ohne Aussagekraft. Ich kenne auch keine Menschen, die gerne beim Bund waren, bin mir aber bewußt, dass es welche gibt und die Bundeswehr nicht prinzipiell überflüssig ist.
Vielleicht möchte Stephan uns ja auch nur mitteilen, dass N U R „Gewerkschaftsfunktionäre“ pro Ladenschluss sind – ohne Beleg. Den Ladenschluss gibt es, wie oben bereits richtig erwähnt, wegen der Interessen des Einzelhandels. Diese Regelung soll nur wegen Gewerkschaftsfunktionären bis heute bestanden haben und dann ausgerechnet im letzten Bundesland mit Rot-Roter Regierung, also gewerkschaftsfreundlichem Gebiet, gekippt worden sein?
Die Mechanismen sind komplexer, komplexer als sie Stephan darstellen möchte oder kann. Oder es wurde nur ein Aufhänger gesucht Gewerkschaften schlecht zu machen – wie aufregend, gähn!
Ich mag die objektiven Berichte hier über Berlin, aber das hier ist mies. Woher weiß Stephan eigentlich, was eine „Verkäuferin im Modegeschäft“ gut und schlecht findet? Und selbst wenn er diese Wissen hätte, was ist denn das bitte für eine Argumentation!? Sie kauft auch gerne am Wochenende ein. Achso, na dann! Das hat ja keiner gewußt. Wenn das nur vorher recherchiert worden wäre. Das lößt ja alle Probleme. Ich hoffe Mittelstandsvereinigungen lesen Stephans Artikel und ihnen wird so die Furcht vor der neuen Regelung genommen.
antistroebele
am 25. Oktober 2006, 23:02 #
ach, muß ich ihnen jetzt grundlegende grammatik erklären?
ich habe gewerkschaftler und kommunisten doch nicht inhaltlich vergleichen, meine damen und herren, sondern lediglich in ihrer beharrlichkeit.
die bessere Welt
am 25. Oktober 2006, 23:08 #
Lieber Antistroebele,
gehen Sie doch weiter mit Ihrer Rhetorik. Das Thema ist mit Diskutanten Ihrer Art durch, ganz und gar durch.
Jeder halbwegs denkende Kopf checkt Ihre gedankenfreien Spielchen.
Zustimmung zu Fabian.
am 25. Oktober 2006, 23:12 #
Achja, der typisch ewiggestrige deutsche Sturm der Entrüstung. Was in vielen anderen Ländern (Skandinavien, USA, halb Asien, ...) auch geht, geht halt nur hier nicht. Nur nix neues, nur keine Veränderung.
Zum Glück ist abzusehen, daß in 1-2 Jahren niemand – ja, auch nicht der Gewerkschaftler beim Einkaufen um 21:30 – mehr darüber spricht und sich keiner mehr vorstellen kann, daß es jemals Ladenöffnungszeiten gegeben hat.
antistroebele
am 25. Oktober 2006, 23:22 #
ob herr bsrske (war da noch ein vokal?) wohl überhaupt selbst zu edeka geht? ich glaub’s ja nicht.
am 25. Oktober 2006, 23:33 #
Ist ja kaum zu fassen, was dieses Thema Kommentare sammelt. Hat es nicht verdient, muss ich dazu bemerken. Absolut nicht.
Ich schließe mich Don Dahlmann an, alles halb so wild.
Außerdem verstehe ich natürlich die Einzelhandelsbeschäftigten. Da war ich vor langerlanger Zeit – als es noch die alten Ladenschlusszeiten gab, von denen jetzt schon längst nicht mehr die Rede ist – nämlich auch mal. Ich war damals froh um den ‘frühen’ Schluss, Abend für Abend. Und ich hatte immer vor den VerkäuferInnen Feierabend.
Neukölln
am 26. Oktober 2006, 01:06 #
antistroebele ist ja mit seiner provokativen, seine ehrliche Meinung nicht äußernden Art aufreizend. Punkt 1.
Punkt 2 ist einfach das Gewerkschaftsbashing des Artikels. Das kann so nicht einfach hingenommen werden. Sicher, wir verlassen dann das ursprüngliche Thema – nämlich Ladenschlussöffnungszeiten. Don Dahlmann mit seiner erlebten Erfahrung von unregulierten Ladenöffnungszeiten und ihrer PRAXIS finde ich sehr wertvoll. Manche Prinzipienreiter halten sich da lieber wo anders auf. Aber dafür gibt es ja blogs, damit sich die verschiedenen Meinungen dort in den Kommentaren treffen.
Und ich finde, dass Gewerkschaften ihren Sinn und ihre regulierende Funktion im derzeit herrschenden Gesellschaftssystem haben. Ich bin dankbar für einen 8-Stunden-Tag – auch wenn ich mich nicht daran halte, ich bin dankbar für einen tariflich geregelten Lohn, ich bin dankbar für das Betriebsverfassungsgesetz – und ich bin dankbar, in europa zu sein und nicht in den U.S.A..
Liberalismus ist immer zweifältig gewesen: Der Liberalismus, der keine Einmischung staatlicher Stellen in unternehmerische Entscheidungen haben will und der Liberalismus, der bürgerliche Freiheiten in den Vordergrund stellte. Aber das sind Geschichten des vergangenen Jahrtausends. Heute geht es eher darum, den ungehemmten Freiheiten des Kapitals ein bisschen die Stirn zu trotzen, auch wenn es manchen nicht gefällt – nachdem der Kapitalismus gesiegt hat. Hinter einer Gewerkschaft verbergen sich Millionen von Arbeitnehmern, und das ist auch gut so (Mitgliederschwund ist überall zu beobachten).
Und ein rot-roter Senat, der die Öffnung der Ladenschlussgesetze beschließt, kann da nicht in das Weltbild eines im Mauerdenken verhafteten antistroebele passen.
Je mehr Kommentare, desto lebendiger diese Diskussionsplattform. Weiter so, auch antistroebele mit seinen naja!
Allerdings bezweifle ich, dass unter den bisherigen Kommentaren irgendjemand in seinem Arbeitsalltag von der Öffnung der Ladenzeiten als Verkäuferin betroffen ist. Die haben gar keine Zeit, sich in blogs auszulassen oder sie zu lesen.
Beliben wir also elitär.
Ben
am 26. Oktober 2006, 04:11 #
Zu antiströbele: Immer was zu lachen, sorry ernst nehmen kann ich dich wirklich nicht (aber vielleicht ist das ja der große Plan).
Zu den Gewergis: So langsam nur noch zum heulen, weil wirklich ein paar ganz entscheidende Diskurse verpasst.
Zum Ladenschluss: Don (#7) hat recht – einfach so.
Zum USA-Argument: Ich finde es schon toll, wie immer geworben wird, in den USA gehts doch auch. Stimmt! Da geht es z.B. auch, dass Manager und Abgeordnete ihr Gehalt und iher eventuellen Nebentätigkeiten offenlegen. Und das Straßen in wenigen Tagen, bzw. Wochen saniert werden und nicht wie hier ein paar hundert Meter Wisbyer Str. bis ende 2008! Das, bei allen Mängeln des amerikanischen Sozialsystems, dort wirklich gefordert und gefördert wird. RoKo (der Kinder statt Inder-Hesse) wolte nach seinem USA-Besuch nämlich auch mal wieder ganz lustig nur das Übernehmen was ihm gefiel. Also nur die Forderungen, nicht die staatlichen Leistungen.
Und schließlich zu Stephan: Ich glaube ich verstehe was du sagen willst und damit hast du (teilweise) recht. aber der Stil war wirklich schwach :(
am 26. Oktober 2006, 08:40 #
Artikel und Diskussion machen mal wieder auf eine andere Scheinheiligkeit aufmerksam.
Es ist offensichtlich populär organisierte Organisationen, hier Gewerkschaften, pauschal abzuwerten. (Pfründe, Funktionäre, “immer gleiche Sprüche” usw.)
Ähnlich populäre Argumentationsmuster finden sich auch gegenüber Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Parteien usw.
Eigentlich konsequent und logisch das all diese Organisationen ständig Mitglieder verlieren. Wer läßt sich für ehrenamtliche Arbeit schon gern beschimpfen.
Scheinheilig finde ich dann die Verwunderung über die Folgen.
Sina
am 26. Oktober 2006, 08:47 #
Also ich habe mich koeniglich amuesiert! Da wird ein provokanter Knochen hingeworfen und so viele schalten freiwillig ihr Hirn aus und lassen ihren Bauch sprechen! Was eine Gaudi!!! Danke dafuer!!!
Was wird hier Schlimmes geschrieben??? Mal sehen…im ersten Absatz schreibt Stephan von der Senatsentscheidung und den Tankstellen, die wir sicherlich alle mal des Naechtens genutzt haben. Oder? Im zweiten Absatz kommt er scharf auf die Gewerkschaften zu sprechen. Dass diese tatsaechlich Angriffe auf die Menschenwuerde und anderen Mist behaupten, ist Fakt. Und wie die Deutschen zu den Ladenoeffnungszeiten stehen, ebenfalls. Im dritten Absatz erinnert er sich, dass er noch nie eine Person getroffen hat, die ernsthaft gegen lange geoeffnete Laeden war. Jetzt moechte ich hier und sofort mal die TotalverweigererInnen langer Oeffnungszeiten sehen! Wo seid ihr alle? Wollt ihr wieder um 18h vor geschlossenen Tueren stehen, wenn ihr erst gegen 19h aus eurem Buero kommt??? Der vierte Absatz stellt m.M.n. folgerichtig die Scheinheiligkeit dar, die viele MitbruellerInnen vertreten: erst schreien sie auf der Demo “Dagegen”, dann gehen sie selbst um 20h einkaufen. Wollt ihr ernsthaft die alten Zeiten zurueck??? Im fuenften Absatz redet er von der mehrheitlich gewollten Freiheit. Schon mal Statistiken angeschaut? Die absolute Minderheit sind die, die keine Freigabe wollen.
Hier sind wirklich seltsame Leser zu finden. Lesen sie einen hochbezahlten Feuilletonisten mit einem aehnlich bissigen Artikel in einem renommierten Blatt, da freuen sie sich. An Blogartikel werden aber anscheinend nur geringe Anforderungen gestellt. Oder mensch ist nicht willens, sich mal denkenderweise drauf einzulassen. Pawlow haette an so vielen von euch seinen Spass gehabt :-)
am 26. Oktober 2006, 08:58 #
“organisierte Organisationen” :-)
organisierte Interessenvertretung war gemeint
niemand
am 26. Oktober 2006, 09:07 #
diesmal ist der post gross genug, um anscheinend auch den letzten noch so oberflaechlich lesenden abzufischen. in einem anderen hsb-artikel wurde sogar der sonntag in frage gestellt (“Die Senatorin für Soziales bilanziert in einem Interview und hat einen Gesetzentwurf zum Ladenschluss in der Tasche. Nur der Sonntag soll heilig bleiben. Warum eigentlich?”) – kein leserbrief (-> http://www.hauptstadtblog.de/article/2024/berlin-am-sonnabend-den-22-juli-2006)
lesen die leser genau genug?
frechdax
am 26. Oktober 2006, 10:17 #
ich denke es ist der unterschied darum begründet, dass die eine in der urlaubs- und saure-gurken-zeit einen entwurf in der tasche hat (hab ich selber dutzendweise) und es jetzt aber innert wochenfrist zur umsetzung gelangt.
andererseits ist es vermutlich einfach nur der stil, des vorstehenden artikels von stephan, der zur ausschweifenden diskussion führte. aber dafür müsste man mehr als 30 kommentare lesen. und wer tut das schon? niemand!
@sina
einen “hochbezahlten” Feuilletonisten mit einem aehnlich bissigen Artikel kann ich nur per leserbrief kritisieren. der vermutlich mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit sowieso zensiert und seinen weg in den rundordner finden wird.
am 26. Oktober 2006, 10:32 #
@Sina: Möchtest du erst spät Abends 22 Uhr aus dem Laden kommen und dann vor verschlossenen Türen am Supermarkt stehen? ;)
@all: Aber eigentlich bin ich auch für längere Öffnungszeiten, weil ich glaube, dass kleine Läden davon profitieren. Sie können ihre Zeiten flexibler an Kundenströme anpassen. Ansonsten mal ein Aussschnitt aus dem täglichen Leben eines Durchschnittsdeutschen, der eben nicht in Berlin wohnt. Nehmen wir…äh…Brandenburg an der Havel. In dieser wunderschönen Stadt mit 70.000 – 80.000 Einwohner steht (tatsächlich) folgende Reklame Tafel:
“C&A geht in die Verlängerung. Montag – Freitag bis 20 Uhr geöffnet. Samstags sogar bis 18 Uhr.”
Und nun teilt mir bitte noch einmal eure Ängste mit. =)
Stefan
am 26. Oktober 2006, 11:42 #
Bei der Ladenschluß-Diskussion sind alle dabei, egal wo.
Aber anschliessend werden vermutlich auch die meisten Ladenschluß-Festhalter dann gerne auch mal zwischendurch zum Einkaufen zum Discounter/Großkette rennen anstatt konsequent einen Einkaufsmarkt zu bevorzugen, der seine Angestellten angemessen behandelt und wo es gar noch einen richtigen kleinen Privatbesitzer gibt.
Hauptsache, die Prioritäten sind richtig gesetzt, was? lach
frechdax
am 26. Oktober 2006, 12:34 #
ja und ich freue mich schon riesig drauf, meinen wocheneinkauf nicht mehr tagsüber am samstag machen zu müssen, bei vollen früchte- und gemüseregalen (scheiss-auswahl-kann-mich-gar-ned-entscheiden), “sondern gerne mal zwischendurch” um 2 uhr morgens. lechzzz, wann ists endlich soweit?
und klar, brauche ich einen schokoriegel, dringend um 3.15h laufe ich in den supermarkt, lauf mir da drin die hacken ab bis zum regal, zurück zur kasse und dahin zurück wo ich herkomme. niemals werde ich da drauf verzichten können. ganz schnell werde ich vergessen, dass ich es je konnte.
Stefan, wie man an deiner zuschrift sieht hat dummheit niemals ladenschluss. kann leider nimmer lach
Günter
am 26. Oktober 2006, 13:04 #
@Stefan: Einkaufen hat tatsächlich etwas mit Prioritäten und Lebensqualität zu tun und es gibt Menschen, für die diese Dinge wichtig sind. Vermutlich gehöre ich einer aussterbenden Spezies an, aber ich erledige meine Einkäufe noch beim Metzger, beim Bäcker, schätze meinen Käsehändler, meinen Geflügelhändler, meinen Obst- und Gemüsehändler et cetera. Leider sind einige Dinge heutzutage nur noch in Supermärkten erhältlich, aber ob Aldi, Plus, Tengelmann oder wie auch immer sie sich nennen mögen, es ist einfach widerlich dort einzukaufen, und wie man es freiwillig machen kann, ist mir einfach unverständlich. Warum soll man diesen zivilisatorischen Niedergang jetzt auch noch mit liberaleren Ladenschlusszeiten unterstützten?
Whoever
am 26. Oktober 2006, 13:14 #
@Günter: Ganz einfach. Weil die überwältigende Mehrheit der Menschen es so möchte. Denn diese Menschen sind in der Gegenwart angekommen und halten den Einkauf zu den Zeiten, die nachgefragt und nicht diktiert werden, für keinen zivilisatorischen Niedergang. Im Gegenteil.
egal
am 26. Oktober 2006, 13:31 #
@Günter: Genug Zeit scheinst du ja zu haben. Wenn ich so wie du einkaufen würde, wäre ich den ganzen Tag damit beschäftigt. Und genug Geld scheinst du auch zu haben, dass du den Discountern aus dem Weg gehen kannst. Schön, dass es dir so gut geht, lieber Günter.
Stefan S.
am 26. Oktober 2006, 18:08 #
Günter macht es richtig, ihm ist Qualität wichtiger als der Preis. Geiz macht Krank! Das mit dem “sich leisten können” kann man durch bewussten und knappen Konsum ausgleichen. Wenn ich sehe was manche so aus den Discountern rausschaffen, das esse ich in 3 Monaten nicht. Einmal 100 Gram teures Fleisch schmeckt viel besser als täglich billiges Fleisch. Obst und Gemüse kann man sich vom Biobauern auch liefern lassen, kostet nicht die Welt: für 10 EUR kann man 2 Personen in der Woche mit Grünzeug versorgen.
Warum hat eigentlich noch keiner die Tankstelleneinkäufer kommentiert? Ist teurer als Bio nur viel schlechter. (Stereotypen wo man nur schaut.)
Nun zu den deutschen Regelungsfanatikern. Alle, aber auch wirklich alle orientieren sich immer genau an der Begrenzung. Die Minijobs werden exakt mit 400 EUR ausgefüllt und die Gleitzone darüber bis 800 EUR wird nicht angetastet. Die Läden werden genau bis 20:00 Uhr geöffnet und nicht etwa bis 19:00 Uhr. Wenn das Gesetzt jetzt (endlich) abgeschafft wird, kommen unsere Einzelhändler ganz schön ins schwimmen. Wenn die sich genauso hilflos wie beim “freiwilligen” SSV/WSV anstellen (hier besonders auch die Medien), na dann gute Nacht.
Es wird eine spannende Orientierungsphase geben, dass mögen wir Deutsche nicht so gerne.
Stefan
am 26. Oktober 2006, 19:14 #
@frechdax
Mit Stammtischpolemiken wird die Diskussion nur noch sinnloser, als sie ohnehin schon ist und eigentlich schon immer war.
Du bist Deutschland. lach
antistroebele
am 26. Oktober 2006, 21:22 #
lieber ben,
daß sie mich nicht ernst nehmen wollen, ist wohl ihr gutes recht. ich nehm sie auch nicht ernst. da haben sie’s. so einfach ist das.
freundlichst
ihr antistroebele
usweb
am 27. Oktober 2006, 22:10 #
bei diesm thema sollte man differenzieren: für die beschäftigten im eh kann es knüppelhart werden; für die verbraucher/kunden kann das “paradies” kommen. obwohl sich die eh-geschäfte durchaus im klaren sind, dass es nicht wirklich zu deutlichen umsatzsteigerungen kommen wird, wohl aber zu kaufzeit-verschiebungen. ist aber aus sicht des “konsums” dringend notwendig weil sich die arbeits- und eben die kaufgewohnheiten in den letzten jahre deutlich gewandelt haben. deshalb: grds. positiv. anmerkung: liebe gewerkschafter, es wäre sinnvoll sich mit der bunten welt des 21. jahrhunderts auseinanderzusetzen, anstelle klassenkämpferische parolen, die eh niemand mehr hören will, aufzublasen.
antistroebele
am 29. Oktober 2006, 12:51 #
es ist ja eine kann-regelung und keine muß-regelung. natürlich wird gerade in brandenburg (havel) alles beim alten bleiben. keine bange. kein manchester-liberalismus bei c&a in brandenburg an der havel!