Eine neue Weinerei in der Griebenowstr
Thomas in Kultur am 7. Februar 2007, 18:32 15 Kommentare »
Das Weinerei-Prinzip dürfte vielen schon bekannt sein: In netter Atmosphäre essen und trinken, am Anfang ein Glas mieten und am Ende “fair bezahlen”. Es gibt also keine Preise, keine Rechnung, kein Trinkgeld, sondern die Devise: Zahl, was du auch sonst in einem “normalen” Restaurant bezahlt hättest. Eingerechnet vielleicht noch die erbärmliche oder glorreiche eigene finanzielle Situation plus einen Bonus für besonders gutes Essen. Ein schönes Prinzip, das natürlich auf die eigene Verantwortung (ich würde auch gerne sagen: Ehre) und auf eine Community, also das gegenseitige Kennen der Macher und der Gäste, baut.
Weinereien kamen und gingen in Berlin, alles unabhängige Läden, die ein gemeinsamer Weinhändler zusammen hält und alle (mir bekannten) im Prenzlauer Berg. Das Prinzip war Thema in Diplomarbeiten, in Zeit- und in Economist-Artikeln und immer wieder Anstoß für Diskussionen á la “Wie kann das funktionieren?”.
Nur mit viel Herzblut und Idealismus, achja und reich wird man damit natürlich nicht. Die Menschen hinter dem Tresen arbeiten alle mit einer ausgesprochenen Wärme und Herzlichkeit und wer das hier liest und dort jemals schlecht oder gar nicht bezahlt hat, sei verflucht!
Jetzt zum Anlass: Es gibt eine neue Weinerei, in der Griebenowstr. 5, in der Nähe vom Zionskirchplatz (wo ja auch schon zwei andere sind, eine weitere ist in der Kollwitzstr). Beim ersten Besuch fühlte sich alles neu und schön an und aufregend, die ersten Augenblicke mitzuerleben. Die Einrichtung ist fantasievoll, künstlerisch und gemütlich, das Essen exquisit (Kartoffelvariation mit Koriander, super, und der Kabeljau ein Gedicht), die Musik angenehm und die Gäste interessant anzuschauen. Ich wünschte, ich hätte mehr Fotos. Morgen Abend gibt es dort auch Theater, wer mag, schaue vorbei und erweise den Gastgebern seine Ehre.
Das Foto stammt von der Künstlerin ZolaBerlin. Fotografieren ist aber nicht ihre Hauptbetätigungsfeld; sie hat eine ganz eigene Art der Collagenherstellung entwickelt. Es wird nicht verraten wie, vielleicht kann man es erraten und hoffentlich gibt es von ihrer Arbeitsweise bald Filme. Auf zolaberlin.blogspot.com gibt es viele ihrer Werke und fast jeden Tag macht sie ein Neues, es lohnt sich also, dranzubleiben. Darüber hinaus profiliert sie sich gerade mit beeindruckender Geschwindigkeit auf Myspace und sammelt eine Künstlercommunity um sich.
15 Kommentare
Eric
am 7. Februar 2007, 23:46 #
Also ich will ‘ne Karte und ‘ne Rechnung am Ende, will nicht auch noch rechnen müssen und mir dann Vorwürfe machen ob ich jetzt zuviel oder zuwenig bezahlt habe. Und wählen was ich esse will ich auch.
Ich will entspannen und nicht ‘Verantwortung’. Kurz: die Weinereien sind nix für mich (trotz Super-Mariano in der Küche).
am 8. Februar 2007, 01:34 #
Oh, tut mir leid, da bin ich wohl jemandem auf die Füße getreten. (komisch, das mit der Ehre hatte ich mir fast schon vorher gedacht)
@eric okeye haltung, finde ich auch konsequent
ach und hier noch was von Platon zu Ehre:
“Die wahre Ehre aber setzen wir, um es in eine allgemeine Formel zusammenzufassen, darein, daß man dem Bessern nachstrebe und das Schlimme, aber der Verbesserung noch Fähige, möglichst zum Guten hinlenke.”
(is von hier: http://www.textlog.de/35077.html)
Daniel
am 28. Oktober 2007, 16:36 #
Die Weinerei funktioniert freilich gar nicht. Immer wieder wird man genötigt, überwacht und kontrolliert. Das gilt nur für den ehrlichen Gast, nicht für den florierenden Drogenhandel. Nur wer pro Glas mehr als im Rutz/KaDeWe zahlt wird griesgrämig herausgelassen. Ein peinlicher Laden. Man sollte sich schämen.
Thomas (HSB)
am 29. Oktober 2007, 13:39 #
Hallo Daniel, komisch, dass deine email-adresse mit spitzenweine beginnt. Gibt es da etwa eine Konkurrenz zwischen dir und der Weinerei? Vermutlich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Das würde auch erklären, dass du hier nicht die Wahrheit sagst, um einen Konkurrenten in Misskredit zu bringen. Was du behauptest, stimmt nämlich nicht. So bist leider nur du hier peinlich und solltest dich schämen.
Gina
am 7. November 2007, 02:09 #
Hello, I am a resident of Berlin. I am fluent in German and English (amonth many others), having spent a decade each in both countries.
I happened to be there with an English speaking friend and a German. The following happened: the blond heavy-body lady at the “pay however much you want” bar (aka one of your employees) was monitoring how much we were paying and then arguing that she should be paid more.
She said that it was impossible to find a glass of wine for less than 5Euros (we had already paid 1 Euro just for taking a wine, and it was not a refund). We paid 2 Euro per small glass on top of the 1 Euro per glass. When we refused to pay more she banned us from coming back to the bar. This is not something she needs to worry about. It may be a worry to you that I am ensuring that my well connected media network is telling the rest of the world to not ever step foot in your bar.
My German friend paid a lot less and she simply smiled at him.
By the way, the 1Euro wineglass was the smallest glass I have ever been served ever in the world, and I have lived in three different continents.
It was shameful because it was only myself and the other English speaking individual who were discriminated blatantly: my German counter part paid significantly less and was asked to come back with a smile. It is exactly this kind of discrimination which has fuelled this country’s mentality to wish to eradicate an entire people 50 years ago, which coincidentally happened to be of the same folk as the lady who was arguing with me.
I am a freelance writer to a few mid scale international magazines and newspapers. I am writing about my experience.
When i tried to take a picture, I was told this was not a zoo. I would like to agree: zoos are more pleasant and the animals are treated nicer than people at this bar.
am 20. November 2007, 16:46 #
Hi Gina!
Yes, I recommend the following: Why don’t you write an article in every one of your midscale international magazines in one of your many fluently spoken languages and tell everyone how badly you have been treated at the Weinerei, Berlin so you and your media network won’t bother us anymore.
(Poor Gina, it must be hard to make such a fool of yourself. Do you always do that?)
Martin
am 19. Dezember 2007, 17:14 #
Hallo, wenn man das hier so liest, fragt man sich tatsächlich, ob hier die Weinerei/das Team Kritik eigentlich ertragen kann, oder es sich ob des großartigen, toll funktionierenden alternativen Konzept außerhalb jeder Kritik sieht.
Ihr widerspricht nicht eimal der Kritik, sondern versucht einfach denjenigen zu diskreditieren, der etwas gegen euch vorbringt. Schade.
weirdo
am 21. Dezember 2007, 01:00 #
erinnert mich irgendwie an die diskussion über die plattenläden in berlin… ;)
am 24. Dezember 2007, 15:41 #
Also, ich bin ja nicht die Weinerei, ich bezweifle, dass die Weinerei-Leute das hier überhaupt mitbekommen. Ich bin der Ursprungsautor des Artikels und deswegen melde ich mich als Weinerei-Fan hier immer wieder zu Wort. Und solch dumme Kommentare wie z.B. der von Gina diskreditieren den/die Autor(in) schon von ganz alleine, das muss ich gar nicht selber tun. Da macht es einfach Spaß, noch mal auf die unsägliche Arroganz und das Nicht-Wissen hinzuweisen, obwohl es wohl ohnehin jeder Leser von alleine merkt.
Was die Weinerei und die Kritik daran angeht: Es gibt Leute, die können mit dem Prinzip nichts anfangen und sind nicht bereit, die Verantwortung für ihre Leistung zu dieser Idee zu übernehmen. Das ist völlig ok und die gehen dann woanders hin, so wie Eric oben. Dann gibt es Leute, die eben nicht angemessen bezahlen und die bekommen natürlich ein Problem. Das geht ja gar nicht anders. Und dann gibt es Leute, die erwischen einfach ein Gegenüber, auf das sie nicht klar kommen. Das ist schade. Ist aber trotzdem so.
Eine generelle Kritik an den Weinereien (es gibt ja mehrere, die sind alle unabhängig, jeder kann dort einen Abend organisieren usw., daher gibt es ja auch nicht “die Weinerei” oder “das Team”; stand ja auch alles in der Einleitung, lesen kann also von Vorteil sein, aber egal..) kann ich hier also nicht erkennen, sondern entweder eine Kritik am System (das man in dem Fall einfach meiden muss, da kann man auch nicht drüber diskutieren) oder eine Kritik an einer konkreten Situation, bei der niemand dabei war außer dem/der Kommentierenden. Und das muss man dann einfach mit einer gewissen Skepsis betrachten.
Aber wer hier eine Entschuldigung will, bitte: Alle, die sich schlecht behandelt fühlten, ob in der Weinerei oder jemals anderswo, sei hiermit gesagt: Das ist schade, das tut mir leid, das ist wirklich furchtbar. Frohe Weihnachten.
Caroline antonia
am 16. Januar 2008, 18:23 #
Also ich bin vom Konzept überzeugt, allerdings deren Macher nicht wirklich. Hab auch die unangenehme Erfahrung gemacht, blöd angemotzt zu werden, dabei kannte ich vermeintliche Ausbeuter Gang gar nicht- naja, wir saßen zusammen am Tisch und sie gingen eher als ich..Wie ein Kobold schimpfte er bis ich echt sauer wurde.
Entweder meint man dieses durchaus charmante Hippigetue ernst oder man macht Preise auf ne Karte. Dennoch schau ich gern mal vorbei und trinke ein Glas Wein natürlich mit jeder Menge Falschgeld und nem Fünfer ;-)
Paul
am 19. Februar 2008, 18:16 #
Ich war nun auch mal da und möchte hier auch mein Kommentar abgeben (der sich ebenso bei quype befindet).
Ich war gestern mit zwei Freunden in der Weinerei am Zionskirchplatz 40 (Frarosa). Bevor ich die guten Sachen schreibe, möchte ich sagen, wovon ich enttäuscht war. Man liest hier immer wieder wie sozial und idealistisch dieses Prinzip ist – “Du bestimmst den Preis”… leider nicht so im Frarosa
an diesem Abend: das Weinglas kostete nicht 1 € sondern 2 € und für das Essen gab es jetzt Mindestpreise 15 € für ein 2 Gängemenu und 20 € für ein Dreigängemenu. Das ist eigentlich kein Problem, nur bin ich mit einer anderen Erwartung dort hingegangen und war, verständlicher Weise,
enttäuscht…
Das Essen war sehr lecker und man konnte aus 2 verschiedenen Varianten auswählen. Es gab eine Vorspeise, einen Zwischengang, eine Hauptspeise und ein Dessert, aber je nach Wunsch konnte man etwas auslassen, also nach
Belieben kombinieren. Auch konnte man per Beamer dem Koch bzw. der Köchin beim Zubereiten zuschauen. Ich persönlich empfand die Portionen als klein und zu wenig. Sie waren aber sehr stilvoll angerichtet und schmeckten gut.
Ich hatte eine Vorspreise und ein Hauptgericht. Für die Menge, die es gab hätte ich 15 € für teuer empfunden, aber der Geschmack war es wert. Satt war ich aber nicht geworden.
Ich erwähnte schon, dass die Atmosphäre und das Ambiente sehr schön waren. Wie schon Andere berichteten, sehr stilvoll. Über die Wandbilder kann man sich streiten, ich fand sie ein wenig zu lasziv. Die Tür zur Männertoilette ist mit einem Jesusbild versehen. Platz zum Gehen war nicht sehr viel und leider saßen wir auch an einem Tisch der auf dem Weg zur Toilette war… wir konnten dort auch nicht weg, weil es sehr stark frequentiert war.
Die Stimmung und die Leute waren sehr nett. Die Leute waren nicht jünger als 25 und nicht älter als 35 (mit Ausnahmen). Sehr nett anzuschauen und sie haben sich gut amüsiert. Ein Wort zu Bedienung möchte ich noch verlieren: ich fand die Bedienung relativ unfreundlich. Gut, es war sehr voll und wohl auch stressig für die Bedienung, aber so ist dieser Job
und von Idealismus war bei der Bedienung nicht viel zu spüren… Ausser bei einer Frau, mit der ich allerdings nur sehr kurzen Kontakt hatte.
Heiko
am 8. Februar 2009, 11:45 #
Ich frisch das hier mal ein wenig auf.
Weinerei in der Griebenowstraße – einfach nicht mein Ding.
Zu versnobt, unbequeme Sitzmöbel, viel zu eng und eine Atmosphäre die nicht wirklich einen gemütlichen Abend verspricht.
Nach meinem Eindruck lauter Möchtegernkünstler, die sich in hochphilosophischen Gesprächen ergehen und bewusst die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich ziehen wollen. Unangenehm, störend und in meinen Augen einfach nur peinlich.
Aber wer das mag……… ;-)
Das Frarosa ist da schon eher mein Fall.
Seit vier Jahren schaue ich immer wieder dort rein und gehe überwiegend mit Begeisterung und nur selten enttäuscht nach Hause.
Will ich Gästen etwas Besonderes bieten, geht es Abends ins Frarosa!
Es macht Sinn einen Tisch vorzubestellen, am Wochenende ist der Laden krachend voll und das aus gutem Grund.
Excellente Menüs, alles vom Feinsten, kreativ arrangiert und geschmacklich nicht zu toppen. Und es gibt (fast) immer Fisch…….
Spitzenweine, Sekt, Champagner und eine sachkundige Beratung durch das Personal.
Freundliche und hübsche ;-) Mädels hinterm Tresen.
Da stimmt einfach alles, Ambiente, Essen und Service.
Jens
am 25. Juli 2009, 10:37 #
Ich wollte jetzt dort mal mir einem ganzen Schwarm von Berlin-Gästen vorbeischauen und habe eigentlich nur nach den Adressen gegoogelt.
Was ich nicht verstehe: Wieso motzen die Leute herum, wenn man nach deren Meinung zu wenig bezahlt? Entweder die machen Preise auf die Karten oder ziehen das dann durch. Ich kann doch
a) nicht sagen: Gib mir, was du für angemessen hältst und dann herumkrakeelen, wenn das nicht mit meinen Erwartungen übereinstimmt und
b) nicht erwarten, dass jeder die Preise von Weinen einschätzen kann, die er nicht kennt.
Also, ich werde wohl eher woanders hingehen.
P.S. Was ich am wenigsten an den Kommentaren hier begriffen habe: Wieso hat sich die englisch sprechende Lady selbst disqualifiziert? Wenn das wirklich so war wie sie schrieb, ist das doch wohl eine ungeheure Frechheit, was ihr dort passiert ist. Da wäre ich auch abgegessen.