Im toten Winkel
Karl-Heinz in Stadtnotizen am 13. März 2007, 18:01 9 Kommentare »
Wieder sind am Montag und Dienstag in Berlin drei Radfahrerinnen und Radfahrer Opfer von Verkehrsunfällen geworden. In Treptow wurde eine Radfahrerin an der Kiefholzstraße Ecke Elsenstraße von einem nach rechts abbiegenden LKW erfasst und verstarb leider noch am Unfallort.
Seit Ende Januar 2007 ist es Pflicht in Deutschland, bei allen neuen LKW geänderte Außenspiegel anzubringen, die den toten Winkel reduzieren. Kritiker bemängeln allerdings, dass bei den in der Zulassungsordnung gemachten Vorgaben der tote Winkel nur auf 19% reduziert wird. Der von vielen geforderte Dobli-Spiegel, mit dem auch die BVG nachgerüstet hat, reduziert den toten Winkel auf 4%, taucht aber in der aktuellen verkehrspolitischen Diskussion derzeit nirgendwo auf.
In Friedrichshagen wurde eine Radfahrerin durch eine sich öffnende PKW-Tür schwer verletzt und im Wedding kollidierte ein betrunkener Radfahrer mit einem geparkten LKW. Zumindest im letzten Fall hätte ein vierter Spiegel am LKW den Unfall wohl nicht verhindert.
9 Kommentare
Mehmet
am 14. März 2007, 10:18 #
Die armen Radfahrer. Jetzt rasen viele von Ihnen wieder ohne passende Ausstattung, Rücksicht und Benehmen durch die Strassen und wundern sich, wenn sie dabei in Gefahr kommen. Die Berliner Autofahrer sind sicherlich nicht gerade die freundlichsten ihrer Art. Aber die zahllosen unmotorisierten Rüpel auf zwei Rädern können da locker mithalten.
Um es klarzustellen: komischerweise fahren junge Frauen mit Kindern, ältere Männer und kleine Kinder augenscheinlich meist vernünftig. Nur wer ein Rennrad unterm Arsch hat und irgendwo zwischen 14 und 40 zu sein scheint, der benimmt sich auffallend oft wie ein Volldepp.
Stefan S.
am 14. März 2007, 15:16 #
Also ich bin am Samstag Rad gefahren und war weit und breit der einzige auf Brandenburgs Straßen. Die Autofahrer müssen sich also noch an die Radfahrer gewöhnen.
Martin Keune
am 23. März 2007, 10:22 #
Lieber Mehmet,
das Gelaber, dass die Radfahrer selbst schuld seien, wenn ihnen auf der Straße was passiert, höre ich seit Jahren. Ich verfolge speziell das Geschehen im Toten Winkel von LKWs sehr intensiv und kann Dir sagen: Ob alt oder jung, Rennrad oder Hollandrad, Helm oder nicht – die rund 150 Radler/innen, die in Deutschland jedes Jahr zu Tode kommen, sterben nicht durch eigenes Dazutun, sondern weil der LKW-Fahrer trotz fehlender Sicht beim Abbiegen Gas gibt.
Und apropos “passende Ausstattung”: 150 Euro kostet die Lösung des Problems, der Dobli-Spiegel. Im Gerichtssaal hat sich mancher LKW-Fahrer schon gewünscht, er hätte das Geld VOR dem tödlichen Unfall in die Hand genommen.
Aus meiner Sicht ist das Problem des Toten Winkels weder durch gepanzerte Fahrräder noch durch pränatale Verkehrserziehung wirklich zu lösen – sondern nur durch ein Gesetz, dass die Besitzer von LKWs endlich zur Entschärfung ihrer innerstädtischen Mordmaschinen zwingt.
am 24. März 2007, 23:26 #
Sicherlich gibt es auch unter den Radfahrern nicht nur Engel, wie in diesem Tagesspiegelartikel von letzter Woche nachzulesen ist. Tatsache ist aber, dass mehr Radfahrer durch LKWs geschädigt werden als umgekehrt. Warum der Dobli-Spiegel nicht wie in den Niederlanden auch Pflicht für ältere Fahrzeuge ist, ist nicht nachvollziehbar.
Stefan S.
am 25. März 2007, 17:32 #
Auch der normale Radfahrer ist kein Engel, das ist ein Widerspruch in sich. Auf den Tag, dass ein Radfahrer einen LKW schädigt kann Karl-Heinz ewig warten, der LKW ist von Natur aus überlegen. Der Schrei nach Super-Spiegel ist auch nicht die Lösung. Radfahrer sollten der Gefahr aus dem Weg gehen. Ich meide den mir bekannten toten Winkel und passe beim rechts überholen von rechtsabbiegenden Fahrzeugen besonders auf. Wenn ihr mal einen jungen Radfahrer ohne Kind an einer roten Ampel stehen seht, könnt ihr mich gerne ansprechen.
toll
am 26. März 2007, 20:53 #
und “liegefahrräder” sollten verboten werden.
die sieht man als autofahrer auch nicht wenn die neben einem herfahren.
am 26. März 2007, 21:12 #
Besser wäre, jeder Autofahrer müßte mal ne Runde Liegefahrrad fahren, bevor er den Führerschein bekommt.