Berlin. Mauer. Kunst.

Dani in am 21. März 2007, 23:44   3 Kommentare »

East Side Gallery

Die East Side Gallery ist mittlerweile alles andere als ein Schmuckstück. Viele der Bilder sind kaum noch zu erkennen, einige übermalt oder anderweitig beschädigt, denn das Stücke Mauer ist inzwischen auch porös.

Dem soll dieses Jahr abgeholfen werden. Die Mauer wird saniert. Und nicht nur das, Kani Alavi, der Vorsitzende des Vereins East Side Gallery möchte alle Künstler (und das sind über 100), die hier ihre Kunst nach der Wende angebracht haben, einladen, um die Werke erneut anzubringen. All das soll entweder direkt nach oder sogar noch während der Sanierung beginnen.

Das Geld für die Sanierung, rund 1,2 Millionen Euro, ist gesichert, das gilt allerdings nicht für die Kunstaktion, denn schließlich kosten Anreise und Unterbringung auch etwas, Kani Alavi rechnet mit 700.000 Euro, von denen bisher nur 130.000 vom Kulturausschuss des Deutschen Bundestags spendiert wurden.

Gesucht werden jetzt also Gönner und Sponsoren, natürlich lieber heute als gestern, schließlich muss alles logistisch vorbereitet werden, weil nicht alle gleichzeitig die Mauer bekünstlern können.

Ausserdem soll es während den Malarbeiten auch ein großes Fest und zahlreiche Events rund um die East Side Gallery geben.

Und wo wir grad bei der Mauer sind, es gibt auch Mauerkunst, die VOR der Wende stattfand. Z.B. das Stück Mauer – drei mal zwei Meter 40 m groß – das am 18. Juli 82 unter Hammer- und Meißelschlägen fiel und danach vom Künstler mit einer blutroten Plane bedeckt wurde. “Grenzverletzung” ist der Titel dieses vergessenen Werks.

Ralf Gründer hat es wieder hervorgekramt. Der Autor und Mauerforscher hat nach jahrelanger Arbeit ein Buch herausgebracht, in dem er die Geschichte der Kunst an der Berliner Mauer beschreibt. Berliner Mauerkunst heißt es und lässt sich für interessierte käuflich erwerben. Natürlich gibts auch eine Buchpräsentation. Am 12. April um 19.30 im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus in der Niederkirchnerstr. 6.

3 Kommentare

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claudia

Was ich begrüße, obwohl ich kaum glaube, dass sich viele der Künstler über so eine Offerte wirklich freuen – sie legen ja auch Wert auf ihre künstlerische Entwicklung über die Jahre – und sich glücklich fühlen, eine Arbeit von vor x-Jahren zu wiederholen. Künstlerische Arbeit ist wohl eher ein Prozess, keine Retorte.

Spannenderweise habe ich im Frühling letzten Jahres die Truppe von Fotofreunden (aus der Bundesrepublik) – mehr als Pausenfüller gedacht – zur East Side Gallery geführt und die war dann das absolute Highlight für die Leute an dem Tag. Sie hat immer noch eine magische Anziehung auf die Besucher.

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Stefan S.

Es gab noch viel mehr Mauerkunst VOR der Wende. Der eingesperrte Teil, also die West Side war schon immer künstlerisch gestaltet. Die East Side war doch eher eine Reaktion bzw. Antwort darauf.

Das die Mauer jetzt bröckelt zeigt, dass sie nicht für die Ewigkeit gebaut wurde. Welcher Plan steckte dahinter? War das Projekt “DDR” von Anfang an zeitlich befristet und wurde 18 Jahre früher eingestellt als geplant? Oder hatte man gehofft, dass sich der Kapitalismus früher oder später von selbst abwickelt?

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claudia

Ich denke mal, dass war eher einkalkulierter Materialschwund als einkalkulierter Ideologienschwund …

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