Ein Nachruf

Georg in am 28. März 2007, 20:09   8 Kommentare »

Yan Yan wollte nicht mehr. Sie hatte einfach die Schnauze voll. Selbstmord, da bin ich mir ganz sicher! Nach 22 Jahren der Begaffung hat sie wohl geahnt, dass Knut von nun an die Rolle des putzigen Bären übernimmt. Man selbst lag ja nur noch so im Käfig herum, vertrödelte die Zeit damit, die Langeweile zu ertragen. So ein Knut, so ein Energiebündel, das noch nicht weiss, dass sein Leben genau so entsetzlich langweilig werden wird, wie das Eigene, macht gerade für´s Publikum den Affen. Aber bald wird dieses putzige kleine Kerlchen recht groß und gefährlich werden und er wird auf diesem hässlichen Felsen leben müssen, wo man versucht so zu tun als sei es seine natürliche Umgebung. Er wird dem Zoo ein Umsatzplus verschaffen was leider dazu führen wird, dass diese Begaffungsanstalt für exotische Tiere weiterhin am Leben erhalten wird.

Vorbei die Zeiten als sie, neben Bao Bao dem zweiten Panda im Gefängnis, der Star des Zoos war. Sie überlässt das Feld auch ihrem asexuellen Artgenossen, der sie nie rannehmen wollte. Wer will sich schon im Zoo vermehren. Hinter Gittern. Die mögliche Brut sollten nicht das gleiche Schicksal erleiden.

So verstarb dann Yan Yan einsam und still an etwas, was ihr quer im Magen lag. Ihr Tod verursachte nur soviel Aufmerksamkeit, wie wenn in Köln eine Bratwurst geplatzt wäre. Ob es Gram war oder die Gewissheit, dass ihre Zeit vorbei ist, wir werden es nicht erfahren. Bao Bao wird ihr sicherlich schnell folgen, zwar hatte er keine Lust auf Sex mit ihr, aber zumindest war da etwas 12 Jahre im Nebenkäfig welches das gleiche Schicksal zu ertragen hatte. Jetzt ganz allein, wird er wohl schnell merken, dass die Zeit der Pandas im Zoo einfach vorbei ist. Der neue Star, Knut, verkauft sich einfach viel zu gut.

8 Kommentare

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Stefan S.

Wenn ich 22 Jahre hinter Gittern leben müsste und man mir ein Frau zum poppen zwecks Arterhaltung in den Käfig wirft würde ich auch an Verstopfungen leiden. Glückwunsch Yan Yan, du bist jetzt frei!

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rob

Yan Yan vergnügt sich jetzt mit Problembär Bruno im Bärenhimmel….

Wie es dazu kam, findet man hier

3

claudia

Interessanter Aspekt.

4

till

Das vergißt man bei den süßen Knutbildern viel zu schnell, dass die armen Tiere da alle eingesperrt leben. Wobei man auch sagen muss, Zoos tun hier und da eine Menge für Arterhaltung (nachdem wir alles vorher versaut haben). Bin kein Berliner-Zoo-Experte, aber die haben hier und da auch interessante Projekte.

Glaube Knut gäbe es ohne den Zoo auch nicht – er wäre schon längst verhungert oder von Robben erschlagen und Pinguinen verspeißt!

5

Stefan S.

Knut ist seit über 30 Jahren der erste Eisbär der in einem Zoo geboren wurde. Willst du ernsthaft behaupten, dass seit 30 Jahren kein Eisbär in Freiheit zur Welt kam und überlebte? Und wen eine Robbe einen jungen Eisbären frißt hat das schon seine Richtigkeit. Was sagte Darwin dazu: ...

6

claudia

Naja, bei Knut zieht das Argument nicht. Aber Pandabären gäbe es nun mal definitiv überhaupt nicht mehr ohne Zoo und Zooaufzuchtprogramm. Das ist Fakt.

Die Diskussion darüber ob Zoos nun gut sind oder nicht, ist wohl so alt wie der Zoo selber. Fakt ist aber, dass in vielen Zoos excellente Artenerhalt- und Aufzuchtsprogramme existieren und nur aufgrund dieser in so manchem Gebiet auf dieser Erde bereits dort ausgestorbene Tiere wieder ausgewildert werden konnten. Zoos arbeiten nicht nur für den Bürger, der mal wilde Tiere sehen will, das wird immer gerne vergessen.

Da diskutiere ich lieber vehement über die Tierhaltung in Zirkussen.

7

HSB_Georg

Mir ist nicht bekannt das Pandabären aus Zoos zum Auswildern bestimmt sind. Wenn sie sich überhaupt vermehren, dienen sie als Besuchermagnet des Zoos. Um Populationen am Leben zu erhalten und Inzucht zu vermeiden, müssten von jeder Art, laut kritischen Wissenschaftlern 500 paarungsfähige und –willige Tiere am Zuchtprogramm teilnehmen. Diese Tiere werden dann zur “Arterhaltung” um den ganzen Globus geflogen. Stress pur.

Die Anlagen in Zoos sind außerdem so konzipiert das der Besucher soviel wie möglich sieht vom Tier. Man zahlt schlieslich Eintritt! Mit artgerechter Haltung hat das sehr wenig zu tun.

Ich halte die Aufzuchtsprogramme für Feigenblätter. Es geht in erster Linie ums Geldverdienen. Wenn Programme, dann in Zusammenarbeit mit den Länder in denen die Tiere vom Aussterben bedroht sind. Hilfe vor Ort!

Es ist wohl sinnvoller über die Ursachen des Aussterbens zu diskutieren als über die Zweckmässigkeit von Zoos.

Und Zirkusse mit Tierattraktion gehören sowieso sofort verboten!

8

Matthias

Ein manueller Trackback zu Überlegmal.

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