Macht das Wort „frei“ blöd?
Claudia in berichtet am 24. April 2007, 11:52 8 Kommentare »
Gestern führte mich mein Weg mehrmals durch die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Höhe Pestalozzistraße ein Stand unserer allseits Bekannten von der Scientology-Front. „Freier Stresstest“ steht auf den Standelementen. Auf anderen wird für das Buch von Ron L. Hubbard geworben. Vier Mal bin ich an dem Stand vorbei gelaufen im Abstand von ca. 120 Minuten. Vier Mal war der Stand voll besetzt mit Testaten, meist mit recht jungen Menschen im Studentlook. Einem einzigen davon hätte ich die Teilnahme eher von Ressentiments getrieben zugetraut. Unfassbar „diesen Erfolg“ mit anzusehen. Merken die nichts? Und was tun die Sektenbeauftragten der Parteien in diesem Land eigentlich?
8 Kommentare
Inyah
am 24. April 2007, 16:35 #
Das mit dem Studierendenlook ist mir auch schon mehrfach aufgefallen. Gerade die Büso-Sekte (in Amerika verboten!) hat immer ausgesprochen attraktive junge Menschen an ihren Ständen. Da fragt man sich schon, ob nun Sektenmitgliedschaft schön macht oder ob sich da Leute aus Geldnot hingeben? Weiss da jemand was?
Cherusker
am 24. April 2007, 16:42 #
kursiv Und was tun die Sektenbeauftragten der Parteien in diesem Land eigentlich?
Diese ganze Diskussion um Scientology erinnert mich doch ein wenig an die Aufregung zwischen Staatskirche und Urchristen.
Hat irgendjemand eine Ahnung worum es bei Scientology geht? oder übernehmen alle nur erlnertes Verhalten?
am 24. April 2007, 19:10 #
@3: Was scientology tatsächlich ist – schau auf www.ingo-heinemann.de oder ins englische wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Scientology
(im deutschen Wikipedia steht dagegen bereits in der Einleitung Unfug, sollte man also mit Vorsicht lesen)
Das Thema Sekten ist bei den Parteien weitgehend vergessen, die konzentrieren sich auf Islamisten; zum Thema scientology tut nur noch Beckstein etwas. Ja, ausgerechnet der. In Berlin ist Körting hochgradig merkbefreit, bei der Opposition sieht es etwas besser aus.
am 24. April 2007, 21:44 #
kann auch daran liegen, dass parteien keine sektenbeauftragten haben.
aber ist insgesamt die scientology-hysterie nicht ein wenig eine ersatzbefriedigung zur vermeidung der befassung mit wichtigeren problemen? sicher, ich finde die genauso krude wie erzkatholische schäfchen. aber eine überbordende gefahr bei scientology kann ich nicht erkennen.
am 24. April 2007, 22:28 #
@Inyah
Warum Mensche sich den unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften zuwenden, ist wohl sehr individuell. Scientology versucht gerne über die „mit uns wirst Du besonders erfolgreich und glücklich“-Schiene zu ködern. Menschen in Geldnot sind hier eher nicht interessant, ich bezweifle ernsthaft, dass der AG-II-Empfänger formvollendet zum Auditing geladen würde, denn Scientologe sein, heißt sich im Zweifelsfalle hoch verschulden zu müssen. Auditings kosten ab € 400 – 5.000.
@Cherusker
Ich kann nur für mich sprechen, ich habe die seit über 20 Jahren auf dem Programm. Ich übernehme nichts, ich bin mit den Fakten mehrerer Aussteiger vertraut, z. B. habe ich sehr nahe die Auseinandersetzung Hamburgs mit Scientology in den späten 80igern mitbekommen und mir meine eigene Meinung gebildet.
@mark
Jede der größeren Parteien verfügt über eine/n Sektenbeauftragte/n. Ich weiß nicht, wann für Dich Probleme wichtiger sind. Fakt ist, dass Scientologen deutlich weniger zurückhaltend sind, was das Ausspionieren und Bedrohen von Gegnern ihrer Religion sind. Die tun das bereits, was Herr Schäubele gerne legitimiert sehen möchte, die Illegalität ihres Handelns ist ihnen dabei ziemlich schnuppe. Sie sind diesbezüglich im übrigen bereits vor den Gerichten diverse europäischer Ländern verurteilt worden. Es verschwinden aber auch gelegentlich bis häufig mal die Zeugen in solchen Prozessen in der Gerichtsmedizin. Sie haben sich innerhalb Europas Deutschland als Hochburg auserkoren, weil sie hier – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – verhältnismässig unbehelligt und unbeaufsichtigt agieren können. Das Ziel von Scientologen ist es Mitglieder in Massen zu rekrutieren, um neben dem Material Mensch vor allem auch mit deren Material Geld sich weiteren „Erfolg und Macht“ zu sichern.
Scientology lässt nachweislich Leute, die nicht mehr dieser Gemeinschaft zugehörig sein möchten, nicht freiwillig ziehen. Das alleine entzieht ihnen meiner Meinung nach die Berechtigung zu ihrer geschäftlichen Existenz.
Wenn Du glaubst, keine überbordende Gefahr in Scientologen zu erkennen, dann recherchiere doch mal bei Gelegenheit ein bisschen zum Thema was mit Aussteigern und Kritikern dieser Gemeinschaft passiert.
Kleines Beispiel: Der Scientologe benennt einen Geistesgestörten, einen Geisteskranken „aberriert“. So ganz nebenbei sind aber bei Scientology alle, die nicht dem scientologischen Glauben folgen, ebenfalls aberrierte. Mir bereitet eine Truppe, die davon ausgeht, dass wir hier, die wir ganz normal durch’s Leben laufen, geistesgestört sind, mehr Sorge als Freude. Und ich habe auch keine Lust, das mit naivem Schulterzucken abzutun. Fakt ist, dass Scientologen in der letzten Zeit sich wieder sehr um „Kunden“ bemühen und diese im öffentlich Bild offensiv anwerben. Ja, das stört mich extrem! Das tut nämlich der Pastor nicht.
Cherusker
am 24. April 2007, 23:04 #
Die Scientology mag für labile Persönlichkeiten eine Gefahr sein. Es gibt jedoch weitere, andere Mächte, die solche labilen Persönlichkeiten erst hervorbringen.
Eine umfassende Bildung der Persönlichkeit, des Charakters, sollte das Zentrum eines jeden Lebens sein – nicht der passive Konsum artifzieller Realitäten.
Die Scientology mit ihren erschreckenden Möglichkeiten ist eine solche künstlich geschaffene Realität. Andere – bewußtseinsbeeinflussende – Systeme bauen die Scientology jedoch in die Images ein, deren Wahrnehmung von den eigenen erschreckenden Möglichkeiten der jeweiligen Systeme ablenkt.
Denn: ist die Politik, sind die Staatskirchen, die Medien, gut, wenn – bzw. weil – sie sich gegen Scientology positionieren? Der Rezipient neigt im Zweifelsfall zum Extremismus, schlagen zwei Wissenschaftler aus den USA vor.
am 25. April 2007, 08:57 #
nachdem ich schon in den frühen 80ern einen ‘scientology’-fall im engeren freundeskreis hatte, bin ich von dieser veranstaltung und ihren folgen gründlich ‘geheilt’.
mein kommentar zu dieser organisation wurde schon künstlerisch umgesetzt angesichts des ersten stuhlgangs von cruise’s nachwuchs : http://ondamaris.blogspot.com/2007/01/noch-mehr-cruise-sch.html
einfach sch… – dem könnte man sich anschließen …
lg ulli