Berlin - Hauptstadt der Kinderarmut
Daniel in Stadtnotizen am 24. April 2007, 13:00 7 Kommentare »
Über die Ticker der Redaktionen ratterte heute vor allem eine Meldung: Das Land Berlin wird – entgegen der Koalitionsvereinbarung der Berliner Regierungsparteien – 32 Millionen Euro für den Bau des Stadtschlosses aufwenden. Eine viel bedeutendere Nachricht droht dabei überhört zu werden.
Berlin ist die Stadt in der gesamten Republik mit den meisten armen Kindern (Hauptstadtblog berichtete). Fast 40 Prozent aller kleinen und kleinsten Berliner hängen bereits am staatlichen Tropf. Das Ergebnis einer Studie des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) wurde heute in verschiedenen Medien veröffentlicht.
Den stärksten Zuwachs verzeichnete Baden-Württemberg mit 12,6 Prozent auf 149000 Kinder, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 12,5 Prozent auf fast 74 500. Am unteren Ende liegt Sachsen-Anhalt mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent auf 80 500 betroffene Kinder. Die meisten armen Kinder leben demnach im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. [...] Die Stadt mit den meisten armen Kindern ist Berlin. Dort müssen mehr als 147000 Kinder von Sozialhilfe leben, fast zehn Prozent mehr als 2005.
Für den DGB bekräftigt Annelie Buntenbach erneut die Forderung nach einer Kindergrundsicherung. Bereits letztes Jahr sagte sie dazu:
Mehr als 35 Prozent der Hartz-IV-Empfänger sind nicht arbeitslos. Außerdem dürfen Erwerbstätige nicht durch ihre Kinder zum Hartz-IV-Fall werden. Der Kinderzuschlag muss vereinfacht und durch eine großzügigere Einkommensanrechnung zu einer wirklichen Kindergrundsicherung ausgebaut werden.
7 Kommentare
Cherusker
am 24. April 2007, 14:23 #
Wir leben in absurden Zeiten. Unsere Kinder verhungern, kein Geld für nichts in Berlin. Aber 32 Mio fürs Stadtschloss.
Mein Vorschlag: Wir bauen für die Touristen die Neue Reichskanzlei des GröVaZ (größter Verbrecher aller Zeiten) wieder auf – von den Einnahmen sorgen wir dafür, daß die Kindern genug Essen und was zum Anziehen haben.
Und die Gedächtniskirche können wir gleich abreissen. Das olle Teil soll an den Kriegstreiber Kaiser Wilhelm erinnern und wurde außerdem von dem Antisemiten und Hofprediger Adolf Stoecker initiiert.
Die Trennung von Kirche und Staat hat es in Deutschland nie gegeben. Beide sind schon alleoin dadurch innich verbunden, das sie Geld für Schwachsinn ausgeben, statt den Menschen zu helfen.
Max
am 24. April 2007, 16:32 #
Ganz interessant am Rande: Die Zahlen spiegeln die Familien und Kinder wieder, die Unterstützung durch den Staat erhalten. Das heißt also: Die Zahl der Kinder, die eben nicht mehr arm sind, weil sie Unterstützung vom Staat erhalten. Oder stimmen hier etwa alle dem Automatismus “Hartz = arm” zu?
Cherusker
am 24. April 2007, 16:38 #
Hartz = arm. Ich kann daran nix falsches erkennen. Klar gibt es auch noch welche die keine staatlichen Gelder erhalten. Umso schlimmer!
Du kannst jetzt abwiegeln, wir haben ja keiune Moskauer oder brasilianische Verhältnisse. Aber für Exportweltmeister ist das doch schon krass, wieviel Kinder hier in Armut leben (müssen).
Stefan S.
am 24. April 2007, 16:46 #
Leider ist Armut in Deutschland eher ein statistisches Problem. Je mehr Reiche es gibt, desto mehr Arme gibt es dann auch. Arm ist, wer weniger als die Hälfte vom Durchschnitt … (oder so). Werglichen mit einem wirklich armen Kind in Afrika ist jeder ALG2 Empfänger ein Multimillionär. Die Kinder in Deutschland verhungern weil ihnen die Eltern nichts zu essen geben, dass ist der Skandal.
PS: neben den 32 Mio. cash gibt Berlin noch das Grundstück zum “schloss” dazu, Wert ca. 50 Mio.
am 24. April 2007, 17:14 #
Hallo Stefan,
zu Deinem Kommentar:
Armut als statistisches Konstrukt
“Die Situation der Armen war nie besser als in den Zeiten des freien Marktes. Wenn man aber erst mal damit anfängt, die zehn Prozent der Bevölkerung mit dem jeweils niedrigsten Einkommen ‘die Armen’ zu nennen, dann wird es immer Arme geben, weil einige immer diese zehn Prozent sein müssen. Jede Handlungsweise der Regierung aber, die sich dauerhaft als direktes Ziel die Wohlfahrt der Armen vornimmt, muß letztlich zur Zerstörung des Marktes führen und damit zur Zerstörung des Wachstums des Gesamteinkommens, von welchem die Hoffnungen der Armen wirklich abhängen.”
Friedrich von Hayek
Viele Grüße
Daniel