Ruhe vor dem Sturm?
Phil in Stadtnotizen am 30. April 2007, 20:33 2 Kommentare »
Der 1. Mai hat in Berlin eine lange Tradition. In der Hauptstadt wird nicht, wie anderorts üblich, friedlich in den Mai getanzt. Straßenschlachten zwischen Hausbesetzern oder Autonomen und der Polizei sind für viele Berliner zu einer Art Ritual geworden. Heute ist es erneut soweit. Die paramilitärischen Truppe, die heute eine kiezorientierte Ordnungsmacht darstellt, hat sich gut auf mögliche Krawalle vorbereitet. Mit Halteverbotszonen am Mauerpark, am Boxhagener Platz und rund um das “MyFest” möchte man Schäden an Privatfahrzeugen vermeiden. Darüber hinaus wird es auch in diesem Jahr im Mauerpark und den angrenzenden Straßen verboten sein, Glasflaschen, Glasbehälter und Dosen mitzuführen. Derzeit ist die Lage vor Ort entspannt. Es befinden sich mehr Polizisten als Bürger im Mauerpark. Der Park wirkt wie ausgestorben, die großen Wissen sind verweist. Die Stimmung gleicht eher einem Betriebsausflug der Freunde und Helfer in Grün als einem Einsatz. Auch Polizeisprecher Bernhard Schodrowski ist sichtlich entspannt und scherzt mit den anwesenden Pressevertretern. Gelassen gibt er Interviews und lächelt in die Kamera des Vice Magazins „[…] I It’s a nice day in Berlin. Welcome, welcome, welcome. Have a nice day in this tiny little world city Berlin […]“. Danach spielt er mit meinem Beagle und begrüßt ihn mit den Worten „Komm her Kollege“. Auf die Frage, ob der kleine Kerl wirklich ein Kollege Schodrowski sei antwortet dieser, „Ja, er passt hier auf sein Revier auf“. Die anwesenden Polizisten und Journalisten lachen. Im Hintergrund werden Parkbesucher abgetastet und durchsucht. Mitarbeiter von ALBA nehmen Flaschen in Empfang und konfiszieren vermeintliche Wurfgeschosse. Auf dem Rückweg lädt mich die Bürgerinitiative LIEBET EURE FEINDE zum Friedensgebet ein, Perkussionisten trommeln sich die Seele aus dem Leib und die Sonne strahlt mit voller Kraft. Bleibt zu hoffen, dass sich die Stimmung so hält…
2 Kommentare
Stefan S.
am 30. April 2007, 23:03 #
Hallo Phil, du kannst das nicht wissen, aber der “Berliner” 1. Mai wird in der dir bekannten Form seit gerade mal 20 Jahren so aufgeführt. Tendenz: es wird immer friedlicher.
“sind für viele Berliner zu einer Art Ritual geworden”
So ein Unsinn, viele “Berliner” verlassen die Stadt und genießen einen freien Arbeitstag im grünen Umland, ein paar Schläger wachen aus ihrem Tiefschlaf auf und wollen sich mit der Polizei prügel. Gewaltbereite Schläger kommen extra angereist, z.B. aus Hannover, um sich mitzuprügel.
am 1. Mai 2007, 00:25 #
Ja, Krawalltourismus kenne ich durch die Chaostage. Der 1. Mail und die Revolutionären 1. Mai-Demonstrationen in SO 36 standen traditionell für linksradikale Ausschreitungen und waren ein Ritual der linken Szene Berlins. Dass nicht alle Berliner diese politische Richtung verfolgen, ist allgemein bekannt…











