Krumme Straße
Linda in Stadtnotizen am 1. Juni 2007, 23:35 3 Kommentare »
Die unscheinbare Krumme Straße hat es zu internationaler Bekanntheit gebracht – aus unterschiedlichen Gründen. Walter Benjamin beschrieb in seiner “Berliner Kindheit um neunzehnhundert” die Krumme Straße als einen Ort mit zwiespältigem Reiz: einerseits musste er als Jugendlicher in das historische Schwimmbad zum verhassten Schwimmkurs, dann aber gab es hier ein gewisses Papiergeschäft mit anzüglichen Bildern. Das Schwimmbad hat einen Bombenangriff gegen Ende des 2. Weltkriegs überstanden, ist aber nach langen Jahren der Nutzung renovierungsbedürftig und soll erst zum Jahresende wieder geöffnet werden.
Besonders schön ist sie nicht wieder aufgebaut worden, die “Krumme”. Und sie wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn hier nicht die Ereignisse am 2. Juni 1967 stattgefunden hätten.
Der Student Benno Ohnesorg besuchte eine Demonstration gegen den damaligen Schah von Persien, der sah in der Deutschen Oper eine Mozart-Aufführung. Die Studenten sollten von der Oper ferngehalten werden, sie wurden in die Krumme Straße abgedrängt. Es gab Proteste, ein Polizeiwachtmeister schoss auf die Studenten, Benno Ohnesorg wurde getroffen. Die Ereignisse wurden in der Süddeutschen sehr persönlich beschrieben von Katja Ebstein und Friederike Hausmann, der Frau, die auf dem berühmten Foto neben Benno Ohnesorg kniet. Der Polizeimeister wurde zwar angeklagt, aber später freigesprochen.
Alfred Hrdlicka, der österreichische Bildhauer, schuf 1971 ein Relief zum Tod von Benno Ohnesorg. 1990 ließ der Berliner Senat das Kunstwerk am U-Bahnhof Deutsche Oper aufstellen.
Sonnabend, den 2. Juni 2007 um 10 Uhr findet an dieser Stelle eine Gedenkfeier mit der Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und der Deutschen Oper statt.
3 Kommentare
Ralf
am 17. Mai 2009, 14:01 #
Auf der Tafel stört mich nur ein Wort.
“erschossen”
ich finde es müsste “ermordert” lauten.
In Anbetracht der Äusserung des Herrn Kurras 2007.
(Karl-Heinz Kurras ist der Mann der geschossen hat)
Zitat:
Kurras wird an diesem Sonnabend 80 Jahre alt. Der Tod Ohnesorgs belastet ihn nicht. Im Gegenteil: Heutige Polizisten würden viel zu selten von der Schusswaffe Gebrauch machen. Er könne vielleicht einen Schlag abbekommen, aber keinen zweiten. “Dann ist der Junge aber vom Fenster. Fehler? Ich hätte hinhalten sollen, dass die Fetzen geflogen wären, nicht nur ein Mal; fünf, sechs Mal hätte ich hinhalten sollen. Wer mich angreift, wird vernichtet. Aus. Feierabend. So iss das zu sehen.”