Neuköllner Erziehungsmethoden

Susanne in am 30. Juli 2007, 20:59   6 Kommentare »

„Ey“, höre ich jemanden unten auf der Straße rufen, während ich auf dem Balkon schnell die reifen Tomaten fürs Abendessen pflücke. (Aber ja doch! Das geht, auch bei diesem Wetter.)

„Hast du einen Vogel?“ geht es unten weiter. Ich sehe über die Brüstung und erkenne einen Mann, der jemandem einen Vogel zeigt. Wer das ist, kann ich nicht erkennen. Der, die, das steht zu nah an der Wand.

Macht Sinn, denke ich, Vogel sagen und Vogel zeigen. Obschon es mir ein wenig gedoppelt vorkommt.

Der Mann spricht ruhig, nicht wütend. Nur ein wenig laut. Überhaupt scheint er eher empört als gereizt. Oder gar unverschämt. Auf Streit aus, wie es hier durchaus einmal vorkommen kann. Nein, das nicht. Nur laut eben, zu laut.

„Man läuft nicht auf die Straße“, stellt der Mann schließlich fest, immer noch im selben Tonfall. Etwas genervt ist er inzwischen.

Er spricht mit einem Kind, seinem Kind, denke ich. Wie spricht der denn mit seinem Kind? Geht das denn nicht anders? Und warum stemmt er so tatenlos seine Hände in die Hüften? Kann er nicht vielleicht einmal ein bisschen näher zu dem Kind gehen. Das ist doch bestimmt noch klein, das antwortet ja nicht einmal.

„Hast du dein Handy?“ fragt eine Frau mit Kind, die auf den Mann zugeht. Er nickt kurz, dann pfeift er durch die Zähne. Und macht eine zackige Geste in Richtung Wand. Schnell beuge ich mich vor, um den ursprünglichen Dialogpartner vielleicht doch noch zu erkennen.

Ich bin amüsiert und entsetzt zugleich. Es ist bloß sein Köter, ein Boxer oder sowas. Ich kenn mich da nicht aus. Breitbrüstig und blöd, das Vieh. Der Maulkorb baumelt ihm unterm Kinn.

[Gut, dass der letzte Satz nicht lautete: „Man beißt nicht in Menschen“. Denke ich.]

6 Kommentare

1

Ulf HSB

Mit seinem Hund zu diskutieren ist immer eine großartige Idee. Das sind ja edle Wesen die total intelligent sind und jedes Wort verstehen.

2

SteffenBerlin

Spontaner Ausruf einer älteren Frau auf dem Campingplatz (O-Ton): “Hans-Dieter, Deine Leine wird ja auch immer länger”.
Wie ihr Ehemann heißt, habe ich in den fünf Tagen, die ich dort war, nicht herausbekommen. Hans-Dieter heißt jedenfalls der große schwarze Familienköter.

3

Mick, der Pole

Und was hast Du zu Deiner Tomate gesagt?
“Das tut jetzt nicht weh?”

4

Susanne HSB

@ Ulf
Der Hund hab aber doch gar nicht geantwortet. Er hat nur auf den Boden gestarrt, nicht mal auf seinen Diskussionspartner.

@SteffenBerlin
Von wegen der Leine kann man ja fast froh sein, dass Hans-Dieter nicht der Mann war.

@ Mick
Meinen Tomaten muss ich nix sagen. Die wissen, dass sie mein sind und dass ich sie mir einverleiben werde. Ich glaube, sie sind einverstanden.

5

Stephan

Schade, dass mir durch die Kommentarfunktion bereits verraten wurde, dass es sich um einen Hund handelt. So wurde der Witz der Geschichte bereits vor dem Klick preisgegeben.

6

Susanne HSB

Ja, schade. Finde ich auch. (Ich mag diese Vorschau eh nicht so besonders, aber… hab sie auch nicht erfunden. ;-)

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