Die "Ulbrichtkurve" wächst zu - die Gleimtunnel-Lücke nicht
Günter in Ausflug am 12. August 2007, 20:13 4 Kommentare »
Am morgigen Montag jährt sich der der Bau der Berliner Mauer zum 46. Mal – gute Gelegenheit, das ehemalige Grenzgebiet aus der Nähe anzusehen. Spaziert man etwa auf dem Mauerweg zwischen Bösebrücke (S-Bahnhof Bornholmer Straße) und Behmbrücke, sieht man noch recht viele Reste des “antifaschistischen Schutzwalls”, der einst die DDR-Bürger vor dem Westen beschützte. Allerdings: Sichtbar ist nur noch die sogenannte Hinterlandmauer, Teil der weiträumigen Sperranlagen in diesem Bereich.
Die eigentliche Mauer verlief mitten durch den S-Bahn-Graben, wo längst neue Schienen liegen (vielleicht könnte man den dortigen Verlauf irgendwie markieren – mit Farbe vielleicht?). Aber auch von der Hinterlandmauer sieht man an einigen Stellen immer weniger, da das wuchernde Grün große Teile verdeckt. Das lässt sich zum Beispiel erkennen, wenn man ein Bild des Vereins Historische S-Bahn von 2003 (das fünfte Foto) mit einer aktuellen Ansicht der früheren Ulbricht-Kurve vergleicht.
Wandert man ein Stück weiter Richtung Süden, trifft man auf den Gleimtunnel, der die Gleimstraße unter früheren Eisenbahnbrücken hindurchführt und den Mauerpark durchtrennt. Seit Jahren wird die Schließung der fiesen Lücke gefordert – und bald verfallen die Gelder zur Finanzierung eines Steges. Die BVV stimmte für den Holzsteg, jetzt müsste nur noch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), die Verwalterin der ehemaligen Bahnflächen, eine Duldung aussprechen – aber die lässt auf sich warten.
Immerhin wird einem der Weg zwischen den beiden Teilen durch mitunter grandiose Streetart versüßt.
4 Kommentare
Stefan S.
am 14. August 2007, 17:24 #
Die alten Mauerteile ersparen der DB AG Kosten für einen neuen Zaun. Spätestens wenn die umgewidmete Freifläche bebaut wird ist auch hier die Mauer und das Grünzeug weg.
Stillgelegte Gleise und Denkmalschutz, that’s Germany. Siehe auch Yorkbrücken. Zum Glück ist man da am Bahnhof Pankow nicht so vergangenheitsorientiert. Brücke weg, Gleise weg, mehr Platz für ein neues Einkaufscenter und womöglich eine neue Straße.
am 19. April 2008, 14:55 #
Scheinbar macht sich hier keiner Gedanken darüber, was der Erhalt des Gleimtunnels kostet.
An die Adresse der Deutschen Bahn: Eigentum verpflichtet. Wird die Bahnanlage nicht mehr genutzt, so ist das Gelände zu renaturieren. Wo kommen wir denn hin, wenn die Bahn uns überall Schrottlandschaften zurücklässt. Schrott ist kein Denkmal. Alles faule Ausreden, um Kosten zu vermeiden.
Lothar Eckstein
am 20. April 2008, 08:47 #
Lieber H Sack, ich würde vorschlagen, dass Sie ein wenig Fakten recherchieren. Dann würden Sie feststellen, dass die Bahn in den letzten Jahren einen 3-stelligen Mio Betrag in die Wiedernutzbarmachung brach gefallener Bahngelände gesteckt hat. Überall in Europa fallen Bahngelände brach. Dank einer fragwürdigen Verschiebung zum Individualverkehr aber auch auch Elektroloks nur einen Bruchteil der Fläche brauchen, um sie am laufen zu halten, wie Dampfloks. In nur wenigen Ländern wurde soviel in die Wiedernutzbarmachung dieser Flächen gesteckt, wie in Deutschland. Sicher nur zum allerkleinsten Teil weil die Bahn ein altruristischer Verein ist. Sondern weil sich dann die Flächen danach als Bauland verkaufen liessen oder weil es gesetzliche Vorschriften gab. Ändert aber nichts daran, dass 3 ihrer 4 Sätze mit der Wirklichkeit so gut wie Nichts zu tun haben.


