Download In Your Eyes

Günter in am 21. September 2007, 13:05   1 Kommentar »

"Download In Your Eyes": Dagmar Wöhrl und die No Angels.

"Download In Your Eyes": Dagmar Wöhrl und die No Angels.

Ich vermag nicht zu berurteilen, ob Dagmar Wöhrl (CSU) eine gute Parlamentarische Staatssekretärin ist. Im Pop-Geschäft scheint die Miss Germany von 1977 jedenfalls noch Nachholbedarf zu haben: Als sie gestern beim Empfang der Bayerischen Landesvertretung den “No Angels” einen bayerischen Popkomm-Musiklöwen überreichte, erinnerte sie an deren Tophit “Download In Your Eyes”. Hat die CSU denn keinen Pop-Beauftragten? Andererseits passte der Satz ganz gut zu der bizarren Veranstaltung im BMW-Haus am Kurfürstendamm.

“Alle wippten im Rhythmus der röhrenden Gitarrensounds”, heißt es in der Pressemitteilung zu diesem “offiziellen Side Event der Popkomm”. Die Mitteilung war freilich schon vor Beginn fertig. Und so konnte der Verfasser auch nicht wissen, dass nicht alle “wippten”, sondern die meisten mehr an Gratis-Getränken und Häppchen interessiert waren als an der Musik. Obwohl die wirklich gut war, besonders Anajo, Fertig, Los! und die angenehm respektlosen Kilians, deren Sänger sich ein paar Seitenhiebe gegen BMW nicht verkneifen konnte (“Ich fahr Mercedes.”).

Fertig, Los! aus München und ein mutmaßlich bayerischer Fan.

Fertig, Los! aus München und ein mutmaßlich bayerischer Fan.

Bizarres Spektakel: Silbermond, Porzellanlöwe, Gotthilf Fischer.

Bizarres Spektakel: Silbermond, Porzellanlöwe, Gotthilf Fischer.

“Alles, was Rang und Namen hatte”, folgte laut Pressemitteilung der Einladung von Emilia Müller, der Bayerischen Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, angeblich auch bekannte Leute wie Schauspieler Jürgen Vogel und Wirtschaftsminister Michael Glos. Haben sich offenbar gut versteckt, die beiden.

Neben Mia, Silbermond und Nevio erhielt unter anderem der Radiosender Bayern3 einen bayerischen Popkomm-Löwen für seine “NewcomerShow”. Auf der Bühne lobte Bayern3-Musikchef Edi van Beek seine Vorgesetzten, die ihm freie Hand ließen – was allerdings wenig überrascht bei einer Sendung, die freitags um 22 Uhr läuft. Ich wollte es genauer wissen:

Gegenüber Berliner Sendern ist Bayern3 brav – sehen Sie das auch so?
Edi van Beek: Der bayerische Markt ist grundsätzlich relativ brav. Was wir uns in der NewcomerShow trauen, ist für Bayern schon ganz schön mutig. Aber das wollen wir auch, weil wir uns von der privaten Konkurrenz unterscheiden und tatsächlich Talente fördern wollen. Mit Claudia Koreck fördern wir eine Künstlerin, die sogar bayerisch singt. Das ist mutig, weil deutsche Musik an sich schon beim Hörer sehr schlecht ankommt, wir wir wissen. Aber wir haben da unsere Chefs voll hinter uns.

Wäre das auch so, wenn man solche Musik im Morgenprogramm bringt?
Edi van Beek: Schwierig – ich glaube, jetzt noch nicht, die Zeit ist dazu noch nicht reif. Ich glaube aber, dass es irgendwann mal so sein wird. Gebt uns mal so ein, zwei, drei Jahre, dann sind wir so weit, dass wir diese Art von Musik im Sender so etabliert haben, dass wir sie auch in einer Morningshow senden können. Jetzt ist auch das Publikum noch nicht so weit. Die Leute sind im Moment noch nicht gewöhnt, außerhalb des Mainstreams bedient zu werden. Aber das ändert sich: Die Leute wollen große Vielfalt haben. Und daran arbeiten wir.

Heißt Vielfalt auch: Mehr Wortbeiträge? radioeins hat damit ja viel Erfolg.
Edi van Beek: Defintiv. Es gibt ja immer noch Gerüchte, die öffentlich-rechtlichen Popwellen halten sich an 1:30-Beiträge. Bei uns heißt es immer: Die gefühlte Länge ist wichtig. Wenn ein Beitrag sieben Minuten lang ist, ich mich als Hörer aber gut unterhalten fühle, ist es mir egal. Hauptsache es ist gut und informativ, unterhaltend oder wichtig – das setzt sich langsam durch. Content wird bei uns immer wichtiger – diese Entwicklung gefällt mir sehr, sehr gut.

Bedeutet das auch: Weg vom Formatradio?
Edi van Beek: Ich glaube ja. Formatradio an sich wird zwar nicht so schnell sterben, dazu ist es zu erfolgreich – gerade die ganzen Sender mit Gewinnspielen. Aber im Prinzip wollen die Leute eine Alternative – mit mehr Vielfalt.

Zum Schluss noch ein Zitat aus der Pressemitteilung: “Gespannt warten alle auf das Jahr 2008, wenn es wieder heißt: ‘Die Welt trifft sich Bayern’[sic!].”

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Günter HSB

Ergänzendes liefert St. Burnster.

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