Hilfe für Burma auch in Berlin

Sebastian in am 8. November 2007, 13:43   Leserbriefe

Die Ereignisse in Burma sind schon fast wieder aus dem medialen Blickfeld geraten. Wie immer bei solchen Konflikten, sind bilderlose Berichte nicht gut zu verkaufen. Das Hauptstadtblog hat Herrn Khin Maung Yin, den Vorsitzenden des Burma Projekt e.V. Berlin, getroffen.

Wenn er von seinem Heimatland erzählt, schwanken die Gesichtszüge des Herrn Yin von einem sanften Lächeln bis hin zu ernsten Stirnfalten. Aber immer leuchten die Augen engagiert. Herr Yin ist ein gefragter Mann in den letzten Wochen. Die Bilder der demonstrierenden Mönche und die brutale Reaktion des Militärregimes haben die Aufmerksamkeit auch auf ihn und seinen Verein gelenkt.

Demonstriert haben sie auch in Berlin – Anfang September, drei Tage hintereinander vor dem Reichstag. Aber kaum jemand hat davon Notiz genommen. Kein Wunder, sind es doch nur eine Handvoll Burmesen, vornehmlich ehemalige Studenten, die in der Hauptstadt leben. Aber davon lassen sie sich nicht entmutigen. „In Leipzig gibt es jetzt Mahnwachen für Burma, das müssen Sie sich mal vorstellen!“. Der von den legendären Montagsdemonstrationen zu DDR-Zeiten bekannte Pfarrer Christian Führer engagiert sich dafür. „Vielleicht gelingt das auch in Berlin. Wir planen noch für dieses Jahr, etwas Regelmäßiges hinzubekommen.“

Mit Freude kommentiert Herr Yin die einzelnen Bilder der kleine Fotoausstellung über Burma, die noch bis zum 30. November im ersten Stock der Landesbibliothek zu besichtigen ist. Neben der wichtigen Öffentlichkeitsarbeit hier in Deutschland geht es ihm und seinen Mitstreitern aber vor allem um die konkreten Projekte in Burma. Im Verein engagieren sich etwa 50 Menschen, über die Hälfte sind Deutsche. Sie organisieren konkrete Hilfe in überschaubaren Projekten. „Burma ist ein korruptes Land, deshalb übergeben wir die Spendengelder selber, ohne Zwischenstationen und meist offiziell in der deutschen Botschaft.“ Dazu fahren sie immer wieder in das südostasiatische Land – machen sich selbst ein Bild. Von den Schulen, die gebaut werden oder den Booten für die Fischer. In Burma selbst hat der Verein drei Ansprechpartner, die ständig bei den Projekten bleiben, um die Umsetzung zu betreuen.

Fotos aus Burma von Günter Heil in ZIB. Foto: c. thomas

Die Einreise in das Land ist für unliebsame Personen seit dem Militärputsch vor über 40 Jahren ständig mit Schwierigkeiten verbunden. „Ich durfte 20 Jahre lang nicht in meine Heimat einreisen.“ In den letzten Jahren hat Herr Yin glücklicherweise immer mal wieder ein Visum bekommen, aber angesichts seiner aktuellen politischen Aktivitäten wird sich das vermutlich wieder ändern.

Wie sehen die nächsten Vorhaben aus? „Derzeit planen wir den Mönchen, die zum Teil in ihre Elternhäuser zurückgekehrt sind oder sich im Untergrund versteckt halten, medizinische Hilfe, Nahrungsmittel und Kleidung zukommen zu lassen.“ Spenden sind hierfür natürlich gerne gesehen.

Welche Rolle spielt angesichts der zensierten Presse das Internet und Weblogs? „Die wenigen privaten Internetanschlüsse gehören den Privilegierten und Armeeangehörigen, da ist viel Netzaktivität nicht zu erwarten.“ Aber die neuesten Nachrichten und Bilder aus dem Land erreichen per E-Mail ihre Empfänger. Eine entscheidende Rolle für die Informationsbeschaffung der Menschen im Land übernimmt der Rundfunk – man hört Radio Free Asia. „Nicht zu vergessen die Satellitenschüsseln. Darüber kann man zum Beispiel Deutsche Welle empfangen.“ Und natürlich Democratic Voice of Burma, den Exilsender, der aus Oslo sendet.

Träumt Herr Yin davon, einen demokratischen Wandel in seiner Heimat zu erleben? Die internationalen Sanktionen helfen dabei aus seiner Sicht jedenfalls überhaupt nicht, weil die umliegenden Staaten wie China, Indien oder Thailand umso besser den Handel mit Burma diktieren können. „Nur wenn es gelingt mit den gemäßigten Teilen der Armee in einen Dialog zu kommen, könnte sich etwas ändern.“ Man kann es nur hoffen.

5 Kommentare

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ulla

Also nee, bei allem Verständnis für die Probleme Burmas: Jetzt müssen wir uns erstmal um unsere lieben rumänischen Touristen kümmern. Wir wollen doch gute Gastgeber sein und dafür sorgen, daß es ihnen an nichts fehlt.

Aber man kann doch mal bei den Leuten von Bethanien nachfragen – vielleicht unterstützen sie jetzt wenigstens eine neue Demo des Vereins. Zeit dafür haben sie nun wieder – die Sorge um das Wohlergehen der Sintis und Romas haben sie ja an die Kirche und den gemeinen Steuerzahler deligiert.

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(HSB) Sebastian

@ulla: Kurzer Hinweis. Der Artikel ist aus dem November 2007.

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oStsEE

@ ulla

In letzter Zeit sind Sie wirklich eine Nervensäge.

Tut mir leid, das schreiben zu müssen (ja, ich musste).

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ulla

@(HSB) Sebastian

Pardon, da habe ich nicht drauf geachtet. Mein Beitrag war auch nicht böse sondern eher ironisch gemeint. Persönlich halte ich die Verhältnisse in Burma für weitaus schlimmer als das, was hier von Sintis, Roma und den Bethaniern so vorgegeben wird.

In Bezug auf Sintis und Roma bin ich sicher voreingenommen und will dazu nicht viel sagen außer, daß sie auch nicht viel tun, um seßhaft zu werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken und Arbeit zu finden. Das wäre ihnen auf ihren Wanderungen durch Europa bestimmt im Laufe der Jahrhunderte in einem Land außerhalb Rumäniens gelungen, wenn sie es denn gewollt hätten.

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(HSB) Sebastian

@all Da der Artikel über Burma geht und nicht über die aktuelle Sinti & Roma – Gruppe in Bethanien schliesse ich die Kommentare.