Gott sprach zu mir in der Marietta Bar

Ulf in am 8. Dezember 2007, 17:43   4 Kommentare »

Strenggenommen handelte es sich nicht um Gott, sondern um Göttin. Es war eine Frauenstimme die zu mir sprach. Eine Frauenstimme ohne Körper.

Ich empfand diese Erkenntnis als beruhigend, denn zunächst war ich verunsichert, ob ich nicht letztendlich angekommen wäre. Auf der Schwelle zum Wahnsinn. Wenn man schon Stimmen hört, sollte es wenigstens die von Gott oder Göttin sein, beschloss ich.

Göttin ist irgendwie in der Medienbranche und wollte unbedingt die Ereignisse eines TV-Film Drehs mit mir teilen. Andere bekommen 10 Gesetze die die Welt verändern, eine klare Wegbeschreibung ins Paradies oder zumindest den Befehl, das eine oder andere Land zu überfallen. Ich bekomme einen Drehbericht. Mist.

Zum Glück war alles ganz anders. Gott ist gar keine Medientussi und ich bin auch gar nicht wirklich wahnsinnig. In der Marietta Bar gibt es nur einen tollen akustischen Effekt, der jedem Physiklehrer das pure, rotbäckige Glück ins Gesicht zaubern sollte.

Wenn man an einer bestimmten Stelle im vorderen Raum sitzt und die Leute an der Theke in die richtige Richtung gedreht stehen, kann man deren Gespräche mitverfolgen. Auch wenn die Leute an der Theke die in die richtige Richtung gedreht stehen sehr leise sprechen und der Raum ziemlich laut ist, kann man mit etwas Mühe an dieser bestimmten Stelle halbwegs verstehen worum es geht.

Gut. Ein Bericht von Dreharbeiten ist echt nichts was man hören möchte. Und das ging Gottes Begleiter scheinbar genauso. Der sagte nämlich irgendwann gar nichts mehr und ließ das Gelaber lotusblattgleich an sich abperlen.

Könnte man diesen akustischen Effekt nicht ausgesprochen lustig oder gar gewinnbringend einsetzen, indem man selber den Thekenplatz einnimmt und den sitzenden als Gottes Stimme Befehle erteilt? Das mögen sich zumindest charakterlich weniger starke Individuen fragen.

Ich möchte zu bedenken geben, dass das wirklich unmoralisch wäre. Und auch nicht nett. Niemals würde ich zum Beispiel die Physik nutzen, mir einen Haufen Drinks ausgeben zu lassen. Auch würde ich den sitzenden nicht einreden, dass sie ihr Leben ändern, Ihren SUV verschenken und den gesamten Besitz armen Waisenkindern übereignen müssen. Selbstverständlich würde ich auch keinen attraktiven Frauen klar machen, von nun an auf große, zunehmend grauhaarige Männer mit etwas zu viel Bauch und Brille zu stehen. Das wäre garstig.

4 Kommentare

1

Fritzchen

Irre, genau das gleiche ist mir neulich auch passiert…
Unheimlich diese allgegenwärtige Präsenz von Go(e)tt(in)!

2

diezwiebel

“Selbstverständlich würde ich auch keinen attraktiven Frauen klar machen, von nun an auf große, zunehmend grauhaarige Männer mit etwas zu viel Bauch und Brille zu stehen. Das wäre garstig.”

Zuviel Bauch und zuviel Brille? he, he
wie dem auch sei, vielleicht solltest du in manchen gebieten ein wenig von deinen moralischen bedenken abstand nehmen.
das glück kann zuweilen gerade bei zuviel bauch und brille ein zuhause gefunden haben. da muß man manch frauen unverfroren auf die sprünge helfen.
denen könnte ein bißchen mehr brille oft gar nicht schaden.
sach ich ma so – als frau

3

Katti K.

Unglaublich!Ich habe neulich von jemanden gehört, der jemanden kennt, dem genau das passiert ist!!!

4

Niko Laus

“große, zunehmend grauhaarige Männer mit etwas zu viel Bauch und Brille”???
Entweder meinst Du meinen Nach(t)barn Andy B oder
hier ist die Rede vom Weihnachtsmann, alias Nikolaus, alias Santa Claus usw.

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