Dienstag, den 9. Januar 2008
Linda in Schlagzeilen am 8. Januar 2008, 10:23 9 Leserbriefe »
Im Streit um das Thema “Ausländerfeindlichkeit als Wahlkampfschlager” meldet sich der Berliner Migrationsbeauftragte Günter Piening zu Wort. Er beklagt, dass den noch nicht eingebürgerten Migranten die Möglichkeit fehlt, mit ihrer Wählerstimme Populisten Grenzen aufzuzeigen. Die Berliner Einbürgerungskampagne Passt mir will daher den hessischen Wahlkampf beobachten und Schlüsse für ihre zweite Einbürgerungskampagne in diesem Frühjahr ziehen. Justizsenatorin Von der Aue schaut sich die Konzepte der angeblich neuen amerikanischen Jugendcamps an und hält sie für Mottenkiste der Erziehung. Außerdem hat der Senat ein Förderprogramm für Tandem-Projekte zwischen einer Migrantenorganisation und einer im Bezirk tätigen Jugend- oder Kultureinrichtung, aufgelegt.
Berlin bekommt Rückendeckung vom Deutschen Städtetag. Der Präsident des Deutschen Städtetags, der Münchener Oberbürgermeister Ude, erklärt die Einführung von Umweltschutzzonen für notwendig im Sinne der EU-Richtlinien zur Feinstaubreduzierung. Gleichzeitig warnt er vor der Annahme, wegen der beschlossenen Lockerung der Vorgaben bis 2010 könne man mit der Einführung von verkehrsreduzierenden Maßnahmen warten. Diese Lockerung gelte nur für Städte, die sich bis dahin um Feinstaubreduzierung bemüht haben.
Bei den Bezirksmitteilungen fällt mir heute eine Ausstellungsankündigung des Bezirks Mitte auf: während in Neapel gerade der Staatspräsident den Müll wegtragen muss, sammeln die Berliner fleißig Abfall in getrennten Eimern! Und er wird sogar abgeholt!
Was macht denn unsere regionale Arbeitsagentur? Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin sinkt, interessanterweise ist der öffentliche Dienst die Branche mit dem größten Abbau versicherungspflichtiger Vollzeitstellen. Die Menschen mit Minijobs, die ergänzende Leistungen nach dem Sozialhilfegesetz beziehen, sind hier nicht erfasst: sie gelten nicht mehr als arbeitslos.
Nun zur Berliner Statistik: Das statistische Landesamt veröffentlichte die Oktober-Zahlen für das Berliner Baugewerbe (Achtung, PDF-Datei). Mehr Aufträge bescherten den Bauunternehmen ein Umsatzplus von 4,7%. Die Entwicklung der durchschnittlichen Verbraucherpreise wird mit + 1,7% für das ganze Jahr angegeben, die einzelnen Posten kann man sich hier anschauen.
Zum Schluss nochmal mit Daten zum anfänglichen Thema zurück. Ein Blick in den Berliner Datenreport der Bundeszentrale für Politische Aufklärung untermauert die These von der gefühlten Kriminalitätsrate. Während die mediale Aufmerksamkeit und die Berichterstattung über Kriminalfälle zunimmt, ist die Anzahl der Delikte “Mord und Totschlag” ist seit 1980 etwa gleichgeblieben, ebenso Raub und Diebstahl, zugenommen haben Betrug, Untreue und Urkundenfälschung (“weiße Delikte”) von 7% auf 16%, Betäubungsmitteldelikte sind angestiegen von 2% auf 6%, die übrigen Verbrechen sind zurückgegangen von 9,9 auf 9%. Zugenommen hat dagegen die Zahl der männlichen jugendlichen Gefängnissinsassen.
Ein weiterer Grund für mich, mich nicht am Agenda Setting der Lokalpresse zu beteiligen, und weiterhin meinen dienstäglichen Blick in ausgewählte Originalquellen zu werfen.
9 Kommentare
am 8. Januar 2008, 10:33 #
Berlin sammelt getrennt scheint mir doch eine gelungene Informationskampagne der beteiligten Unternehmen zu sein. In der Presseinfo steht:
zeigt, dass Umwelt und eigener Geldbeutel davon profitieren, wenn gebrauchte Verpackungen getrennt gesammelt werden.
Dabei ist der Grüne Punkt ökonomisch und ökologisch überholt. Und so versucht unser Wirtschaftsminister uns demnächst von den Gelben Tonnen zu befreien. Manche Akteure sind “not amused”.
am 8. Januar 2008, 10:54 #
Ich gehe davon aus, dass die «Befreiung von den Gelben Tonnen» natürlich mit einem Aufschlag in der Rechnung legitimiert werden wird?
Nick
am 8. Januar 2008, 11:36 #
Dass der Vorwurf des Populismus beim Thema Ausländerkriminalität ungerechtfertigt ist, zeigen die nüchternen Zahlen
www.welt.de/hamburg/article1520423/Kriminelle_Auslaender_geraten_in_den_Fokus.html
Es zeigt sich auch, dass einige Kulturen stärker als andere in Erscheinung treten – dazu für Interessierte ein guter Beitrag eines Oberstaatsanwalts
am 8. Januar 2008, 16:04 #
@Nick
Ich wundere mich gerade, wo du im Post den Populismusvorwurf liest? Na egal.
Interessant finde ich, dass du von nüchternen Zahlen sprichst und auf den Welt-Artikel verweist. Selbst die Welt gibt in dem Artikel zu, dass ihre Stichprobe nicht repräsentativ ist. Das sollte zu denken geben.
Da wir gerade beim Thema Statistik sind: Wenn man sich die Statistiken anschaut, welche Nationalitäten welche Schultypen besuchen, so gibt es in Berlin auch auffällig viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die eine Haupt- oder Gesamtschule besuchen, in Gymnasien sind sie eher »Mangelware«.
Marginalisierung heißt das Phänomen. Um zu wissen, dass marginalisierte Gruppen eine stärkere Gewaltbereitschaft haben, muss man auch kein Hellseher sein. Man könnte jetzt überlegen, wie es überhaupt soweit kommen konnte und ob die Gesellschaft nicht was verschlafen hat. Aber da müsste man sich ja an die eigene Nase fassen.
am 8. Januar 2008, 22:44 #
Sollte ich darauf hinweisen, dass das Powerblog herausgefunden hat, dass heute erst der 8. Januar ist?
am 9. Januar 2008, 07:41 #
Ich finde, jetzt wäre die Auflösung fällig, warum gestern schon heute (9. Jan.) war. :) Da steckt doch mehr hinter als nur ein Typo.