Auf zum letzten Gefecht: ein Museum für "'68" ins Amerikahaus!
Linda in Kultur am 30. Januar 2008, 17:18 1 Kommentar »
Eberhard Diepgen hätte es sich vor 40 Jahren als RCDS-Chef bestimmt nicht träumen lassen, dass er einmal – zusammen mit dem Schriftsteller Peter Schneider, – als Vertreter der 68er-Generation auf ein Podium geladen wird. Nein, Thomas Krüger, Chef der Bundeszentrale für Politische Bildung, möchte für keine bestimmte Seite in der Auseinandersetzung um die Deutung der “Studentenunruhen” von 1968 Position beziehen. Er stellte heute der Presse die Ausstellung im reaktivierten Amerikahaus vor: ’68 – Brennpunkt Berlin. Krüger verweist aber auch auf Antikriegs- und Oppositionsbewegungen in der DDR und Osteuropa, “68” war eben nicht nur eine West-Angelegenheit.
Also Zeitzeugen-TV. Ohne Frauen – wie 68 noch üblich. Sogar Diepgen gibt zu, dass die Protestkultur einen Modernisierungseffekt ausgelöst hat. Schneider erinnert an Obrigkeitsgläubigkeit und repressive Erziehung, die in Deutschland aus der Nazizeit fortgeführt wurde. Nur vor dem Hintergrund wird die Rebellion verständlich. Das Peinlichste, so Schneider, sei für ihn gewesen, dass auf studentischen Versammlungen Rednern mit missliebigen Meinungen häufig das Wort entzogen wurde.
Was kann man den heutigen Schülern als Lehre aus ’68 vermitteln? Schneider hat seiner Tochter einen Rat gegeben: “Rebellion ist gerechtfertigt!” Ein Zitat von Mao Tse Tung. Obwohl Schneider kein Maoist war.
Die Ausstellung im Amerikahaus zeigt Flugblätter, Plakate und Filme aus der Studentenbewegung. Auch ein Tschako, ein alter Polizeihelm, ist zu sehen, vor dem Haus steht ein Original Wasserwerfer, ausgeliehen vom Polizei-Motorsportclub Marburg. In der oberen Etage sind Fotos von Günter Zint ausgestellt. Bei den Anti-Springer- Demonstrationen kann man sehr schön sehen, wie die Protestierenden quasi mit Mitteln der Werbung eine Gegenöffentlichkeit herstellen. Der Kampf um mediale Aufmerksamkeit brachte heftige Dynamik in die damalige Protestkultur.
Eine Ausstellung über ’68 in demselben Haus, das bei einer Vietnamdemo mit einem Ei beworfen wurde – ein guter Anfang! ’68 gehört nun ins Museum – dies wäre ein idealer Ort dafür. Jedenfalls besser als Verfügungsmasse für ein Senats- “Grundstückspaket”!
Termin:
31.01.2008 bis 31.05.2008
Ort:
Amerika Haus
Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin
Veranstalter:
Bundeszentrale für politische Bildung
1 Kommentare
am 6. Februar 2008, 13:40 #
Der ausgeliehene Wasserwerfer gehört zu einer Flotte von über 60 Polizeifahrzeugen aus dem 1. Deutschen Polizeioldtimer Museum in Marburg und kam auch in so manchen Fersehfilmen zum Einsatz, wie z. B. der Lebensgeschichte des grünen Politikerehepaares Bastian/Kelly oder der Schahdemo.
Bilder von allen Fahrzeugen, die teilweise sogar im letzten Jahr in Berlin im Zusammenhang mit den Filmaufnahmen zur Baader-Meinhof Geschichte zum Einsatz kamen, befinden sich auf der Homepage unter www.polizeioldtimer.de