Es werde Licht

Georg in am 1. Februar 2008, 17:45   Kommentar schreiben »

Strenge Vorschriften

Strenge Vorschriften

15 Uhr bei BESSY in Adlershof. BESSY steht für Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung. Wir schließen uns im Vorraum einer Gruppe pickeliger Gymnasiasten an, die wohl wegen ihres Physik Leistungskurs da sind. Nach einem kleinen Vortrag nimmt uns Arne, unser Begleiter für heute, mit in die große ringförmige Halle, nicht ohne einem der Schüler noch vorher ein Dosimeter um den Hals zu hängen. Aha…hier gibt es also Strahlung! Am Eingang zur Halle dann noch ein mal der Hinweis „Zutritt nur mit Dosimeter“ Ich werde nervös. Bisher sei noch nie Strahlung ausgetreten, meint Arne und das Gerät wäre nun mal Pflicht. Dann der Moment als wir die Halle betreten. Erster Eindruck, es ist warm. Zweitens, es ist riesig. Drittens, überall Kabel Rohre Computer und dazwischen irgendwo auch ein paar Menschen. Ein doch geräuschvolles Summen liegt in der Luft. Jetzt wird die Anlage erklärt:

Blick in die Ringhalle

Blick in die Ringhalle

Das was BESSY herstellt ist eigentlich nur Licht. Aber ein ganz besonderes Licht. Eben die Synchrotronstrahlung. BESSY besteht aus zwei Ringen. Etwa 10 Milliarden Elektronen werden zuerst im kleinen 96 Meter Ring, dem Synchrotron, auf fast Lichtgeschwindigkeit mittels Magneten beschleunigt und wie sie da so im Kreise sausen werden sie beim erreichen der Endgeschwindigkeit in den Großen 240 Meter umfassenden Ring gespeist, in dem ein Vakuumrohr verläuft. Die Elektronen durchlaufen das ringförmige Vakuumrohr auch hier mit nahezu Lichtgeschwindigkeit mehrere Stunden lang, etwa 1 Million Mal in der Sekunde. Dabei legen sie mal flink die Strecke Erde – Pluto zurück. Auch hier stehen wieder starke Ablenkmagneten, damit alle hübsch im Kreis sausen. Und genau an diesen Magneten entsteht dann durch die Ablenkung die so begehrte Synchrotronstrahlung. Von dort geht das Licht, der feine Lichtstrahl ist millionenfach heller als ein feiner Strahl der Sonne, in Strahlrohre ab, an denen dann die Experimente angeschlossen sind. Etwa 50 an der Zahl. Etwa 1000 Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten im Jahr an der Maschine. Kostet 75 Euro die Stunde, also für industrielle Forschung. Wissenschaftler dürfen umsonst. Vater Staat zahlt jährlich 23 Millionen Euro für BESSY. Und wofür das Ganze? Das würde den Rahmen hier sprengen aber um nur eines zu nennen: Lithographie .

Auf der Empore

Auf der Empore

Wir laufen einmal im Kreis den Speicherring ab und zwar nicht auf der Empore oben sondern wir dürfen, ich werde noch nervöser, nach unten zu den Wissenschaftlern. Die gucken uns nicht an, nehmen uns zwar wahr aber ich habe eher das Gefühl sie wollen unter sich sein. Alles sehr sauber hier, ein paar sitzen an ihren Experimenten. Von hier aus gesehen passiert nicht viel aber in den einzelnen Experimenten wird fleißig geforscht. Am Ende des Rundgangs kann ich mich gar nicht aus der Halle verabschieden, könnte hier noch stundenlang rum wuseln, überall rein gucken und an den vielen Knöpfen drehen und den Wissenschaftlern Fragen über Fragen stellen. Die würden sich freuen! Im Vorraum dann von Arne noch einmal Grundlegendes an einem Modell erklärt bekommen und schwups waren wir wieder an der frischen Luft. Das Dosimeter hat übrigens nicht angeschlagen!

Einzelnes Experiment

Einzelnes Experiment

Ein Arbeitsplatz

Ein Arbeitsplatz

Kommentar schreiben

Kein html! URLs werden automatisch zu Links konvertiert.
Formatierung nur mit Textile: *betont*, _kursiv_ , Zitat: bq. Zitattext. Textile-Hilfe

Hinweise

  • Kommentare werden gelöscht, wenn kein Bezug zum Artikel besteht, der Kommentar ausschließlich Werbezwecken dient, oder Rechte Dritter verletzt werden. Dies gilt auch, wenn der Kommentar Leser oder Autoren beleidigt.
  • Ab drei Links im Kommentar wird dieser moderiert und muss erst freigeschaltet werden.
  • Icons neben dem Kommentar: www.gravatar.com