Charlottenburger Bürgerblogs im Aufwind

Linda in am 21. September 2005, 23:39   3 Kommentare »

Strassencafe am Klausenerplatz

Die Charlottenburger Bürgerinitiativen sind im politischen Berlin bewundert und gefürchtet zugleich. Ständig mischen sie sich ein und man kommt an ihnen nicht vorbei. Allerdings hatte man in Weblogs bis vor kurzem davon noch nicht viel bemerkt.

Obwohl – eine kritische Stimme aus dem Kiez zu bilden – dazu eignen sich Weblogs wunderbar. Das war meine Idee, als ich den Klausenerplatz vor einem Jahr als Kiezblog gestartet habe. Mit der Idee konnte ich auch andere Öffentlichkeitsarbeiter überzeugen. Vor drei Monaten wurde mit meiner Unterstützung der Kurländer Platz aus der Taufe gehoben. Betrieben wird er vom Vorsitzenden des Bürgervereins Siedlung Heerstraße, Ronald Hartung. Die Nachbarsiedlung Eichkamp hat nun gleich statt einer fälligen neuen Website ein offizielles Vereins-Weblog eingerichtet. Auch aus unserem “Einzugsbereich” – und von uns mit Sympathie begleitet – stammt das Weblog OHnE Action! ein Internetprojekt der Schüler der Erich Höppner Oberschule.

Trotz ähnlicher Themen ist die Motivation der Blogger recht unterschiedlich. Mein Klausenerplatz ist ein individuelles, auch mit kommerziellen Hintergedanken betriebenes Internetprojekt. Freundschaftlich verbunden bin ich mit dem Kiezbündnis Klausenerplatz, aber unabhängig von der Vereinsarbeit. Ich stelle hier in unregelmäßigen Abständen Firmen, Geschäftsleute und Projekte aus dem Kiez vor. Hier gibt es noch traditionelle Geschäfte, aber auch alternative Projekte aus der Zeit der Sanierung des Klausenerplatz Kiezes, und es gibt Neugründungen, auch von Migranten. Ich will zeigen, dass sich hier vor Ort die lebendige regionale Ökonomie abspielt. Meiner Ansicht nach gibt es dabei viele – zu viele – Probleme, da lege ich schon mal “den Finger in die Wunde”. Mit meinen eigenen Erfahrung in der Lokalpolitik kann ich hier viele Dinge politisch anstoßen und manchmal unbequeme Gedanken zur Diskussion stellen. Persönliche Anmerkungen kommen bei mir ebenso vor: Es wird auch schon mal Dampf abgelassen, aber noch wichtiger ist der Spaßfaktor!

Etwas anders ist es bei dem Kurländer Platz. Ronald Hartung, Bürgervereinsvorsitzender, wollte nicht mehr mit der unflexiblen und schwer zu bedienden Internetseite des Vereins arbeiten. Schnell zu aktualisieren musste sie sein: Ich habe ihm die Vorzüge der Weblogs vorgeführt und Hartung hat sich entschlossen, in eigener Regie, aber mit den Themen der Siedlung anzufangen. So können die Themen öffentlich diskutiert werden, die sonst nur im Vereinsmagazin oder auf Sitzungen eine Rolle spielen. Der bisher erfolgreichste Thread im Kurländer Platz war eine nicht gesäuberte Baustelle, die wochenlang vor sich hingammelte. Der Kurländer Platz hat wöchentlich Digitalfotos ins Netz gestellt und die Lage dokumentiert. Irgendwann wurde die Stadtreinigung aufmerksam und nach einen Ortstermin wurde schnelle Besserung und aufmerksamere Pflege vereinbart! Und den nächsten Termin mit dem Bezirksamt kann er bereits über den Hinweis auf seinen Weblogeintrag verbuchen: Der Vorplatz des Mommsenstadions soll zur Weltmeisterschaft auf Bezirkskosten umgestaltet werden, die Anwohner befürchten, dass dadurch mehr Autoverkehr angezogen wird. Damit ist erwiesen: das Weblog leistet gute Dienste zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Die Nachbarsiedlung Eichkamp hat das Experiment der Heerstraßensiedlung mit Interesse begutachtet und nun gibt der Verein die Eichkamp News als Internetmagazin des Vereins heraus. Noch sind die Eichkamp News ganz frisch, schon haben sie einen eigenen Fanshop: man kann dort T-shirts mit der Aufschrift “Eichkamp” bestellen!

3 Kommentare

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Bloogle

Trackback von Bloogle:
Bürgerblogs

Nicht nur CEOs und Großkonzerne wissen, wie sich Blogs sinnvoll einsetzen lassen. Der Hauptstadtblog hat in einem Artikel beschrieben, wie Bürger- & Kiezinitiativen Weblogs (und das Internet) nutzen können, um sich besser in der Nachbarschaft zu ver...
2

laerm-aus

kleine Ergänzung aus dem Kietz:
Gegen die zunehmende Lärmbelästigung durch Schleichverkehr und Avus-Rauschen wendet sich das Weblog www.laerm-aus.de
3

[HSB] Linda

ah, ja, eine lückenlose gebloggte dokumentation, da bin ich gespannt, wie das ausgeht :-)

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