Fahndungsfotos digital

Helene in am 26. März 2008, 13:35   11 Kommentare »

Oha, denkt die brave Bürgerin. Ich muss zum Amt. Urplötzlich ist der Personalausweis ungültig geworden. Die gefühlte Mindest- Haltbarkeitsdauer von 10 Jahren rauscht leider auch immer schneller vorbei. Wenigstens ist einem mit zunehmendem Alter das Foto von vor 10 Jahren nicht mehr so unangenehm. Im Gegenteil. Was man mit Endzwanzig scheußlich fand, wirkt mit Enddreißig schon wieder bezaubernd knackig. Hilft aber nüscht. Es muss ein Neues her. Endzwanzig ist abgelaufen. Nun auch amtlich.

Zur Kostendämpfung lassen sich Lichtbilder für die meisten Notwendigkeiten digital verwalten und per Mail versenden, siehe Bahncard oder sonstige Mitgliedsausweise. Nicht so beim Berliner Bürgeramt…

Der neue Perso muss mit einem analog vorliegenden, einigermaßen brauchbaren (d.h. noch nicht biometrischen) Stück Fotopapier sowie persönlichem Erscheinen beantragt werden. Die Dame beim Bürgeramt lächelt also nur nett, als ich meinen USB-Stick zücke: “Da sind zwei Passbilder drauf. Garantiert ohne Viren und in druckfähiger Auflösung.” — “Nein, ich brauche schon ein richtiges Foto”, und freut sich, dass ich ihr einen blassen Tintenstrahlausdruck als Ersatz anbieten kann. Der wird nun wiederum durch den altersschwachen Scanner gequält und sie findet: “Na, geht doch!”

Vor Jahren hab ich in einem Pariser Vorort mal Fotos aus dem Passbildautomaten gezogen. In der Banlieue wohnten vornehmlich schwarzafrikanische Einwanderer. Entsprechend eingestellt war die Belichtung der Automaten. Auf den Bildern blieben von einer blonden Frau nur Pupillen und Nasenlöcher. Man kann sich noch so anstrengen, man ist nicht immer kompatibel.

Ähnlich biometrische Pupillen und Nasenlöcher werden nun auch meinen neuen Perso schmücken. Gar nicht schlecht. Wer weiß, wo oder aus welchem Grund man mal nicht so genau erkannt werden möchte. Wohlan denn, Bürger, kommst du zum Bürgeramt, versuch es nicht digital.

11 Kommentare

1

claudia hsb

Ich bin jetzt aber hin- und wech darüber, dass die schon scannen können bzw. das überhaupt tun! Donnerwetter!

2

Toni

Man kann auch (zumindest in Prenzelberg) in so einen Automaten gehen. Das hab ich gemacht – der redet sogar recht freundlich mit dir. Nur sau peinlich, dass die automatische Damenstimme durchs ganze Amt schallt und man doch recht schief angesehen wird. Hinzu kommt noch, das die Einsicht SEHR erschreckend ist, das man diesen Ausweis die nächsten 10 Jahre bei sich trägt und immer wenn man ihn in der Hand hält sieht dich ein Monster – zwischen Massenmörder und Psychokiller – an.

Und die Moral?! Besser sich die Zeit für richtige Fotos nehmen! Ich werd die nächsten 10 Jahre eben weil ich die Zeit nicht fand, wenn möglich immer meinen Führerschein vorzeigen. (Schön schwarz/weiß und winzig klein).
Und bis zum nächsten Perso zweifel ich doch schwer daran, dass dort auch nur ein Hauch von Modernisierung einkehrt – auch nicht in x-Jahren…

3

svenm

Wenn das Paßbild nicht passt…

blog.fefe.de/?ts=b893bb7b

Hauptsache, die Sachbearbeiter sinds zufrieden :-D

4

Matthias HSB

Für meinen Perso habe ich die Fotos auf dem Amt gemacht. Dabei erging es mir ungefähr so, wie Helene in Frankreich. Sehr blass das ganze, aber die Dame war glücklich.

Für den Reisepass (den mit Fingerabdrücken und Blutprobe) habe ich dann halbwegs ordentliche Fotos beim Fotografen um die Ecke machen lassen. Man weiß ja nie, wegen der Grenzkontrollen und so! Im Sonderangebot gab es gleich 20 Stück, die soviel kosten, wie die Automatenfotos vom Amt. Obwohl der Kontrast ok war, hat die Bundesdruckerei dann den Kontrast wieder rausgenommen. Bei der Ausreise in Tegel hat der Grenzbeamte dann die Übereinstimmung von Foto und Person deutlich angezweifelt.

5

Jana

Das mit der Blutprobe war hoffentlich ein Scherz, sonst ist meiner gleich wieder ungültig. :D

Meine Pass-Bearbeitungs-Lady vor zwei Wochen war total unglücklich, weil der Scanner keinen meiner Finger haben wollte. Sie hat jeden dreimal probiert, und erst bei den kleinen hat’s dann endlich geklappt… frage mich, ob ich sonst dem System “entwischt” wäre oder schlichtweg keinen Pass erhalten hätte. :/

6

Helene HSB

Eben… wegen all dieser Fotobeschaffungsproblematik halte ich so gern an den zwei brauchbaren Aufnahmen auf meiner Festplatte fest — und möchte sie immer wieder benutzen, statt erneut das Automatengrauen zu erleben. Eitelkeit hin oder her. Passbilder kratzen am Ego.

Auch lustig: wer gern biometrisch schocken möchte wie ein türkischer Schlagerstar, dem empfehle ich das 5-Euro-Angebot auf der Oranienstraße. Ich weiß echt nicht, warum die mir einen Dauerwellen-Helm und Glitzerlippen draufgephotoshoppt haben. Lach. Ging aber gleich in die Tonne und nicht in den Pass.

7

Steffen

Ich habe kürzlich einen neuen Perso und Führerschein beantragen müssen.
Dass die äußerst nette Sachbearbeiterin mein ca. neun Jahre altes und sehr dunkles Automatenfoto nicht bemängelt hat, fand ich echt lässig von ihr – zumal ich inzwischen gut 15 kg zugenommen und fast ne Halbglatze habe.

8

Matthias HSB

Helene, die Glitzerlippen wollen wir aber mal sehen!

9

Tanja

Mensch, warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht! :-) Oder vielleicht hatte die einfach ganz genaue Vorgaben und kannte sich nicht mit USB-Sticks aus. Soll´s geben.

10

Seppel

Und wem haben wir diesen im übrigen völlig nutzlosen Scheissdreck zu verdanken? Dem feinen Herrn Schily, der übrigens seine Zeit als Ex-Innenminister ganz rein zufällig im Vorstand einer Biometriefirma verbringt. Das hat natürlich rein garnichts damit zu tun, daß er federführend bei der Einführung des sogenannten biometrischen Reisepasses war … und jede anderslautende Vermutung ist eine abstruse üble Verleumdung.

Sicher. Ganz sicher. Wie die Rente. Und die Menschenrechte in Weißrussland.

11

Anja

vielleicht kannte sich die gute Frau einfach nicht mit der technik eines USB-stickes aus und wollte gekonnt davon ablenken, indem sie sagte das sie ein richtiges bild braucht….aber beim bürgeramt passieren da denke ich so einige lustige geschichten ^^

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