Kunst oder Bildung? Theaterhaus Mitte droht Schließung
Gastautor in Kultur am 28. März 2008, 20:22 Kommentar schreiben »

Im alten Schulgebäude am Koppenplatz ist derzeit das Theaterhaus Mitte untergebracht. Das Gebäude wird den Künstlern mietfrei vom Bezirk Mitte zur Verfügung gestellt. Ab dem Sommer soll dort wieder der Schulbetrieb aufgenommen werden. Deshalb sollen die Künstler ausziehen. Ein Gastbeitrag von Pano Karas.
Nachdem das Kulturamt angekündigt hat, ab Sommer diesen Jahres den Kooperationsvertrag mit dem Theaterhaus zu kündigen und die Zuständigkeit des Gebäudes am Koppenplatz 12 an das Schulamt weiterreichen wird, bedeutet dies für viele freischaffende Künstler eine akute Existenzgefahr.
Ab dem Sommer 2008 sollen einer Filiale einer Grundschule Räumlichkeiten zur Vefügung gestellt werden, d.h., das Gebäude soll ab dem Zeitpunkt von Künstlern und Grundschülern parallel genutzt werden, bis es dann langfristig gänzlich als Schulbetrieb dienen soll.
Man sollte meinen, dass bei der Größe dieses Gebäudes die Parallelnutzung auch einigermaßen reibungslos verlaufen sollte. Die Tatsache, dass zur Zeit mindestens 2000 freischaffende Künstler aus aller Welt die Kapazität des Gebäudes gänzlich ausschöpfen, würde durch die Einrichtung von Grundschulklassen die Freischaffenden derartig in Engpässe zwängen, dass ein konzentriertes Arbeiten unmöglich wäre. Bislang wurde den Künstlern kein Alternativstandort angeboten, noch wurde rechtzeitig mit der Planung der gemeinsamen Nutzung des Hauses als Schule und Theaterhaus begonnen.
Bereits jetzt hat die fehlende Planung zur Folge, dass nicht mehr verlässlich Theater produziert werden kann.
Die freischaffenden Künstler in Berlin und auch Kollegen in aller Welt sichern einen immensen Teil der Kulturlandschaft in Berlin. Im Theaterhaus Mitte erarbeiten rund 2000 Künstler an sieben Tagen in der Woche in über 35.000 Stunden jährlich mehr als 300 Inszenierungen, die auch weltweit aufgeführt werden. Zugleich ist das Haus Austausch für Profis, Nachwuchs und Amateure, der viele Stilrichtungen aus vielen Ländern umfasst.
Dabei sollte berücksichtigt werden, dass die Künstler nicht grundsätzlich gegen die Einrichtung einer Grundschule im Theaterhaus sind. Wo Bedarf ist, muss der Zugang zu Bildung ermöglicht werden. Aber nicht in der Art, dass Bildung gegen Kultur ausgespielt wird.
Die freischaffenden Künstler wollen mit der Institution Theaterhaus eine Übergangszeit unter einem Dach mit einer Schule nicht nur irgendwie überstehen, sondern für das Theaterhaus in Zukunft eine Planungssicherheit schaffen. Einen vergleichbaren Produktionsstandort auf dem freien Immobilienmarkt anzumieten, würde Theaterproduktionen zu bezahlbaren Konditionen unmöglich machen.
Die Stadt Berlin darf sich seiner kulturpolitischen und finanziellen Verantwortung gegenüber dem Theaterhaus nicht entziehen. Die freischaffenden Künstler brauchen das Theaterhaus Mitte und fordern den Fortbestand dieser Institution oder einen gleichwertigen Ersatz einer Immobilie aus dem Landesvermögen.
P.S:
Um die drohende Schließung abzuwenden, haben sich verschiedene Aktionsgruppen gebildet. Ein offener Brief wurde an den regierenden Bürgermeister Herr Wowereit und andere Entscheidungsträger adressiert. Wer Näheres erfahren möchte oder Interesse hat, sich daran zu beteiligen, hier können weitere Informationen eingeholt werden. Unterstützende Hände und Meinungen sind willkommen.
Pano Karas